Oliver Burkeman
Ausgabe 1315 | 06.05.2015 | 06:00 32

Sind wir wie Roboter?

Bewusstsein Wenn angesehene Wissenschaftler ernsthaft überlegen, ob Smartphones eine Seele haben, dürfen wir uns ruhig noch einmal fragen: Wer sind wir? Oder was?

Der Krieg zwischen Philosophen und Neurologen beginnt im Frühjahr 1994 in Tucson, Arizona. Er wird von einem jungen, damals weitgehend unbekannten Philosophen namens David Chalmers ausgelöst. In einem Vortrag spricht Chalmers an diesem Vormittag über das Bewusstsein. Damit meint er die Fähigkeit, die Welt auf eine eigene Weise zu sehen, eigene Erfahrungen zu machen. Oder – um es in einer Sprache zu sagen, die bei einem Hirnforscher ein Aneurysma auslösen kann – eine Seele zu haben. Chalmers ruft damit eines der größten, vielleicht das größte Rätsel des menschlichen Lebens in Erinnerung.

Den Wissenschaftlern, die sich an der Universität von Arizona versammelt haben, ist klar, dass sie etwas Anrüchiges tun. Das Bewusstsein gilt in der wissenschaftlichen Welt 1994 noch weitgehend als Tabuthema, zu esoterisch, um es ernst zu nehmen. Manche der Anwesenden setzen mit der Konferenzteilnahme ihren Ruf aufs Spiel. Die ersten beiden Vorträge des Tages sind aber wenig aufregend. Dann ist Chalmers dran. Mit langen Haaren und von Kopf bis Fuß in Jeans gekleidet, sieht der 27-jährige Australier aus, als hätte er sich auf dem Weg zum Metallica-Konzert verlaufen. „Er ging aufs Podium, Haare bis zum Hintern, und tänzelte herum wie Mick Jagger“, erinnert sich Stuart Hameroff, der Organisator der Konferenz. „Aber dann fing er an zu reden. Und alle wachten auf.“

Zum Schwierigen Problem

Das Gehirn, so beginnt Chalmers, werfe alle möglichen Fragen auf, um Wissenschaftler zu beschäftigen. Wie lernen wir? Wie speichern wir Erinnerungen? Wie nehmen wir Dinge wahr? Warum ziehen wir unsere Hand blitzschnell von einem heißen Wasserstrahl zurück? Doch seien all dies „einfache Probleme“. Wenn genug Zeit und Geld zur Verfügung stünden, würde man sie lösen können, sagt Chalmers.

Es gebe nur ein einziges wirklich schwieriges Problem des Bewusstseins. Dieses aber ist so aufwühlend, dass die Wissenschaftler es nach Chalmers’ Vortrag fortan groß schreiben werden – das Schwierige Problem des Bewusstseins. Es lautet: Warum fühlen sich all die komplizierten Hirnvorgänge für uns überhaupt nach etwas an? Warum sind wir nicht bloß brillante Roboter? Fähig, Informationen zu speichern, auf Geräusche, Gerüche und Temperaturen zu reagieren, aber ohne inneres Leben? Und wie kann unser Gehirn, dieser 1,4 Kilogramm schwere Klumpen beige-rosigen Gewebes, etwas derart Mysteriöses hervorbringen wie Erfahrungen?

Was Chalmers’ Publikum aus seiner Lethargie reißt, ist die Art, wie er die Frage stellt. Über Jahrhunderte hatten sich Philosophen mit dem sogenannten Geist-Körper-Problem beschäftigt. Doch Chalmers’ eigentümliche Art, es wiederzubeleben, „wirkte über die Philosophie hinaus und rüttelte alle auf“, erinnert sich Hameroff. „Sie ließ uns fragen: Womit zum Teufel befassen wir uns hier überhaupt?“

Zwei Jahrzehnte später wissen wir erstaunlich viel über das Gehirn. Keine Woche vergeht, ohne dass wir lesen können, in welcher Hirnregion Wissenschaftler Spielsucht oder Faulheit verorten, wo die Liebe auf den ersten Blick beginnt. Und das sind nur die Erkenntnisse, die Schlagzeilen machen. Zugleich ist auch im Bereich der künstlichen Intelligenz der Fortschritt rasant. Doch wie ein lästiger Verwandter, der kurz zu Besuch kommt und partout nicht wieder gehen will, schwebt über alldem das Schwierige Problem.

Nehmen wir mal ein alltägliches Beispiel: Als ich mir heute Morgen den Zeh am Esstisch stieß, sandten Nervenfasern, die C-Fasern genannt werden, eine Botschaft in mein Rückenmark. Dieses wiederum schickte Neurotransmitter in einen Gehirnteil namens Thalamus, der unter anderem mein limbisches System aktivierte. So weit, so gut. Aber warum ging all das mit einem plötzlichen, quälenden Schmerz einher? Und was ist überhaupt Schmerz?

Solche Fragen, die die Grenze zwischen Naturwissenschaft und Philosophie überschreiten, machen manche Wissenschaftler richtig wütend. Andere kommen zu dem Schluss, bewusste Empfindungen wie Schmerz existierten gar nicht wirklich – ganz egal, was ich fühlte, als ich heute Morgen gepeinigt durch die Küche hüpfte. Wieder andere sind zu der These gelangt, dass auch Pflanzen ein Bewusstsein haben müssen. Das Schwierige Problem hat seriöse wissenschaftliche Essays hervorgebracht, die darüber sinnieren, was im Kopf eines Zombies vor sich geht. Oder um den Titel eines berühmten Aufsatzes des Philosophen Thomas Nagel zu zitieren: Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?

Kommt ein Gespräch auf das Schwierige Problem, so verfallen selbst hartgesottene Rationalisten in Mutmaßungen über den Sinn des Lebens. Christof Koch, wissenschaftlicher Direktor des Allen Institute for Brain Science in Seattle und einer der Hauptakteure in Präsident Barack Obamas Milliarden-Dollar-Initiative zur Kartografierung des menschlichen Gehirns, zählt zu den angesehensten Hirnforschern der Welt. Und doch sagt er: „Ich glaube, meine ursprüngliche Motivation, über das Bewusstsein zu forschen, war der Wunsch, mir zu beweisen, dass es nicht wissenschaftlich zu erklären ist. Ich bin als Katholik aufgewachsen und wollte an die Stelle gelangen, an der ich sagen kann: Hier ist Gott im Spiel. Gott hat Seelen geschaffen und sie in Menschen gepflanzt.“ Gleich darauf beteuert er im Gespräch zwar, solche unwahrscheinlichen Annahmen habe er längst verworfen. Doch wenig später erklärt er mir, aufgrund seiner neuesten Forschungen könne er nicht ausschließen, dass auch sein I-Phone Gefühle habe.

Als Chalmers 1994 seinen Vortrag hielt, hatte sich die Wissenschaft lange bemüht, die Frage nach dem Bewusstsein zu ignorieren. Diese Abneigung geht zurück bis ins 17. Jahrhundert, als René Descartes das Dilemma in Worte fasste, das fortan unzähligen Gelehrten Kopfzerbrechen bereiten sollte. Einerseits, stellte Descartes fest, ist nichts offensichtlicher und unbestreitbarer als die Tatsache, dass wir ein Bewusstsein haben. Theoretisch könnte alles andere, was wir über die Welt wissen, eine ausgeklügelte Illusion sein. Unser Bewusstsein selbst aber kann nicht illusorisch sein.

Andererseits gehorcht diese Gewissheit keiner der naturwissenschaftlichen Regeln. Sie scheint nicht physikalisch zu sein. Sie kann nicht beobachtet werden, außer von innen, von dem bewusstseinsbegabten Menschen selbst. Sie lässt sich nicht einmal wirklich beschreiben. Der Verstand, so schloss Descartes, muss aus einem besonderen, immateriellen Stoff gemacht sein, der nicht den Naturgesetzen unterliegt. Gott muss uns damit ausgestattet haben. Diese religiöse Ausflucht blieb bis ins 18. Jahrhundert und in die Frühzeit der modernen Hirnforschung hinein vorherrschend. Zwar musste sie in einem zunehmend verweltlichten Wissenschaftsbetrieb, der die Ansicht, dass allein das Physische existiere, zum Grundprinzip erhob, zwangsläufig inakzeptabel werden. Doch selbst als die Neurowissenschaften im 20. Jahrhundert große Fortschritte machten, brachten sie keine überzeugende Alternative zu Descartes’ Formel hervor. Und so wurde das Thema zum Tabu. Kaum jemand bezweifelte, dass Gehirn und Verstand eng verbunden sind. Sollten Sie das anders sehen, versetzen Sie Ihrem Gehirn ein paar Messerstiche und schauen Sie, was dann mit Ihrem Verstand passiert. Doch wie beide verbunden oder ob sie gar ein und dasselbe sind – dieses Rätsel überließ man den Philosophen.

Heavy Metal wie eh und je

1990 aber nutzte der britische Physiker und Biochemiker Francis Crick, Mitentdecker der Doppelhelix, sein akademisches Renommee, um aus der Reihe zu tanzen. Die Hirnforschung sei inzwischen so weit, dass sie das Bewusstsein nicht länger ausklammern dürfe, schrieben er und Christof Koch in einem gemeinsamen Artikel: „Es ist bemerkenswert, dass die meisten Arbeiten in den Neurowissenschaften das Bewusstsein gar nicht erst erwähnen.“ Dem hielten sie ihre „Skizze einer Theorie“ entgegen, der zufolge bestimmte Nervenzellen, die in bestimmten Frequenzen feuern, irgendwie die Ursache unserer inneren Wahrnehmung sind.

„Ich wurde für verrückt gehalten, dass ich mich da reinziehen ließ“, erzählt Koch. „Ein älterer Kollege ging mit mir Mittagessen und erklärte, er habe höchste Achtung vor Francis, aber Francis sei Nobelpreisträger und Halbgott. Er könne tun, was er wolle. Ich dagegen stünde am Anfang meiner Karriere und sollte mich in Acht nehmen. ‚Halte dich erst mal an den wissenschaftlichen Mainstream‘, sagte er. ‚Diese Randbereiche, bewahr sie dir für die Pensionierung auf. Wenn der Tod dir auf die Pelle rückt, kannst du über die Seele nachdenken.‘“

Etwa zu dieser Zeit begann David Chalmers über Zombies zu reden.

Als Kind war Chalmers auf einem Auge stark kurzsichtig. Lebhaft erinnert er sich an den Tag, als er seine erste Brille bekam: „Plötzlich hatte ich auf beiden Seiten volle Sehkraft. Und die Welt sprang mir entgegen, dreidimensional, wie ich sie nicht gekannt hatte.“ Er dachte über diesen Moment oft nach, als er älter wurde. Natürlich könnte man mechanisch beschreiben, was da in dem Brillenglas, in seinem Augapfel, auf seiner Netzhaut und in seinem Gehirn vor sich ging. „Aber erklärt das die Art, wie mir die Welt entgegensprang?“

Für einen Physikalisten ist die Brille-Auge-Netzhaut-Geschichte die einzige. Doch Chalmers genügte sie nicht. Für das plötzliche, atemberaubende Erlebnis von Tiefe und Klarheit bot sie nicht den Ansatz einer Erklärung. Mit einem Zombie-Gedankenexperiment will Chalmers verdeutlichen, warum das Rätsel der bewussten Wahrnehmung tiefer geht, als eine rein materiell orientierte Wissenschaft es fassen kann.

Oliver Burkeman lebt in New York und schreibt für den Guardian über Wissensthemen

Übersetzung: Michael Ebmeyer

„Ich bin kein Zombie, und ich hoffe sehr, Sie sind auch keiner“, sagt Chalmers. „Doch die Evolution hätte Zombies erzeugen können anstelle bewusster Lebewesen – und sie hat es nicht getan!“ Wir trinken Espresso in Chalmers’ Wohnung an der New York University, wo er gerade eine Vollzeitstelle an der philosophischen Fakultät angetreten hat. Im Wohnzimmer stapeln sich die Umzugskisten aus Australien. Chalmers, inzwischen 48 Jahre alt, trägt als Zugeständnis an die Gepflogenheiten der akademischen Welt mittlerweile die Haare kurz und ist nicht mehr komplett in Jeans gekleidet. Aber seine Ideen sind Heavy Metal wie eh und je.

Sein Zombie-Szenario geht folgendermaßen: Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Doppelgänger. Er oder sie gleicht Ihnen äußerlich vollkommen und verhält sich auch genauso wie Sie – führt Gespräche, isst, schläft, sieht fröhlich oder bekümmert aus. Der einzige Unterschied ist, dass der Doppelgänger kein Bewusstsein hat; dies nämlich, und nicht wandelnde Leichen, meinen Philosophen mit dem Begriff Zombie.

Natürlich gibt es solche bewusstseinslosen Humanoiden nicht. Aber es könnte sie geben: Wesen, die in jedem Atom und jeder Fähigkeit Menschen gleichen, bloß ohne ein Fünkchen Bewusstsein. „Ich spreche jetzt mit Ihnen und kann sehen, wie Sie sich verhalten“, sagt Chalmers. „Ich könnte einen Hirnscan machen und herausfinden, was genau in Ihrem Gehirn vorgeht. Aber mit keinem dieser Befunde könnte ich völlig ausschließen, dass Sie gar kein Bewusstsein haben.“ Selbst der leistungsstärkste Hirnscanner könne mich und meinen Zombie-Doppelgänger nicht unterscheiden. Und allein die Tatsache, dass wir uns dieses Szenario ausmalen können, zeige, dass das Bewusstsein nicht nur aus gewöhnlichen physikalischen Teilchen bestehen könne. Es müsse etwas anderes sein, eine Art Extrazutat in der Natur. Als Chalmers diese Thesen – vor allem mit seinem Buch The Conscious Mind von 1996 – vorstellte, kam das nicht überall gut an. „Lassen wir die Zombies in den schlechten Filmen und seien wir ein bisschen seriöser“, urteilte, stellvertretend für viele, der Wissenschaftstheoretiker Massimo Pigliucci.

In der Schlammschlacht

Wohl die meisten von uns betrachten das Bewusstsein als etwas, das über dem körperlichen Sein steht. Doch dies als wissenschaftlichen Grundsatz anzuerkennen hieße, die Gesetze der Physik neu zu schreiben. Alles, was wir über das Universum wissen, sagt uns, dass die Wirklichkeit nur aus physischen Dingen besteht: aus Atomen und ihren Bestandteilen. Wenn es nun, so fragen Chalmers’ Kritiker, diese nichtphysische mentale Substanz gäbe, wie könnte sie physikalische Vorgänge auslösen?

Chalmers weiß, wie abwegig seine Ideen wirken können. Und er nimmt es locker. Wenn er ein Konferenzpodium betritt, singt er gern den „Zombie Blues“: „Ich handele wie du / Ich tu, was du tust / Und doch weiß ich nicht / Wie es ist, du zu sein.“ Es gehe darum, ob ein Zombie zu sein nicht furchtbar öde wäre, erklärt er. Der Song habe sich seit seiner Premiere vor über zehn Jahren verbessert. Damals habe er noch versucht, die Töne zu treffen. „Inzwischen habe ich gemerkt, es klingt besser, wenn man einfach schreit.“

Die Bewusstseinsdebatte hat eine in der modernen Philosophie fast beispiellose Schlammschlacht ausgelöst. Die Kombattanten widersprechen einander nicht nur, sondern erklären die jeweilige Gegenposition rundweg für lächerlich. Zunächst einmal stimmt nicht jeder zu, dass es überhaupt ein Schwieriges Problem gibt – womit die ganze von Chalmers losgetretene Debatte sinnlos wäre. Daniel Dennett, prominenter Atheist und Professor an der Tufts University bei Boston, behauptet, das Bewusstsein, so wie wir es uns denken, sei eine Illusion: Das Gehirn sei nichts weiter als diese schwammige Masse in unserem Schädel. Der Alltagsverstand mag uns sagen, es gebe eine subjektive Welt des inneren Erlebens, aber der Alltagsverstand sagte uns auch, dass die Sonne um die Erde kreiste und die Erde flach war. Nach Dennetts Theorie gleicht das Bewusstsein einem Zaubertrick: Das normale Arbeiten des Gehirns wirke auf uns so, als ginge da etwas Nichtphysikalisches vor sich. Im Bewusstsein etwas Echtes, Substanzhaftes zu vermuten sei aber ebenso töricht wie die These, dass Romanfiguren wie Sherlock Holmes oder Harry Potter aus einem Stoff namens Fiktoplasma bestünden.

An diesem Punkt pflegt die Debatte in Kopfschütteln und ungläubiges Gelächter umzuschlagen. Keine Seite kann glauben, was die andere da sagt. Aus Sicht seiner Gegner verleugnet Dennett eine Gewissheit, die jeder Mensch kennt – das innere Erleben von Anblicken, Gerüchen, Gefühlen. Als würde jemand behaupten, dass es Krebs nicht gebe, und glauben, damit habe er das Heilmittel gegen Krebs gefunden. Chalmers spekulierte scherzhaft, Dennett könnte ein Zombie sein.

Dennett entgegnete, Dinge wegzuerklären sei genau das, was Wissenschaftler machten. Als Physiker feststellten, dass der einzige Unterschied zwischen Gold und Silber in der Anzahl subatomarer Teilchen in ihren Atomen liegt, hätten die Leute auch protestieren können, damit werde ihnen das Besondere an Gold und Silber wegerklärt. Doch heute akzeptiere jeder, dass das Goldene am Gold und das Silberne am Silber nichts weiter sind als Unterschiede in den Atomen. Ebenso sollten wir hinzunehmen lernen, dass das Bewusstsein nichts weiter sei als die Gehirnmasse, die tut, was Gehirne eben tun.

„Die Wissenschaftsgeschichte ist voller Fälle, in denen Leute glaubten, ein Phänomen sei einzigartig, nicht mechanisch zu erklären, unlösbar und ohnegleichen im ganzen Universum“, sagt Patricia Churchland von der University of California in San Diego. Sie bezeichnet sich als Neurophilosophin und zählt zu Chalmers’ schärfsten Kritikerinnen. Das Schwierige Problem hält sie für Unfug. Am Leben gehalten von Philosophen, die verhindern wollen, dass wieder eines ihrer Lieblingsrätsel abgeschafft wird. Dergleichen sei ja schon oft passiert. Im 17. Jahrhundert waren die Gelehrten etwa noch überzeugt, Licht könne nicht physikalisch sein, es unterliege nicht den Naturgesetzen.

Ungeachtet dieser Kritik arbeiten sowohl Naturwissenschaftler als auch Philosophen weiter an der Lösung des Schwierigen Problems. In den vergangenen Jahren haben sich einige, unter ihnen auch Chalmers und Koch, auf ein Konzept zurückbesonnen, das so bizarr ist, dass es außerhalb fernöstlich-spiritistischer Traditionen und esoterischer Zirkel seit über einem Jahrhundert niemanden mehr interessiert hatte. Es handelt sich um den Panpsychismus: eine Theorie, laut der alles im Universum bewusst sein kann.

Ja, das klinge lächerlich, räumt Koch ein. Wenn er den Panpsychismus erwähne, stoße er oft auf blankes Unverständnis. Doch im Umgang mit dem Schwierigen Problem sind verrückte Theorien ein Berufsrisiko. Zudem bietet der Panpsychismus eine Erklärung für ein Rätsel, das die Forschung von Anfang an begleitet hat: Wenn Menschen es haben und Affen, wenn Hunde und Schweine es wahrscheinlich haben, und vielleicht auch Vögel – wo hört es auf?

Dackel Purzel

Als Kind hatte Christof Koch einen Dackel namens Purzel. Der Kirche zufolge – Koch wuchs ja in einem katholischen, deutschstämmigen Elternhaus auf – konnte Purzel als Hund keine Seele haben. Doch er winselte, wenn er sich fürchtete; er jaulte, wenn er sich verletzte. „Es gab lauter Anzeichen für ein reiches Innenleben“, sagt Koch. Heutzutage ist zwar selten von Seelen die Rede, doch wird weithin angenommen, dass auch viele nichtmenschliche Gehirne ein Bewusstsein haben. Dass also etwa ein Hund, der sich verletzt, wirklich Schmerz empfindet. Es gibt aber keinen logischen Grund, bei Hunden, Spatzen, Mäusen oder Insekten die Grenze zu ziehen. Nicht einmal bei Bäumen oder Steinen. Da wir nicht wissen, wie die Gehirne von Säugetieren Bewusstsein erzeugen, können wir auch nicht wissen, ob nur die Gehirne von Säugetieren es tun – oder ob für Bewusstsein überhaupt ein Gehirn nötig ist.

Und so landen sowohl Koch als auch Chalmers bei der Folgerung, das auch ein gewöhnlicher Haushaltsthermostat im Prinzip ein Bewusstsein haben könnte. Dabei argumentieren sie folgendermaßen: Physiker haben kein Problem, hinzunehmen, dass es gewisse Bestandteile der Wirklichkeit wie Raum, Masse oder elektrische Ladung einfach gibt. Sie lassen sich nicht als Ergebnis von irgendetwas anderem erklären. Das Erklären hat hier seine Grenzen. Die Panpsychisten vermuten, dass es sich mit dem Bewusstsein ebenso verhält. Dann aber besteht kein Grund, anzunehmen, dass Bewusstsein nur in bestimmten Formen von Materie auftritt.

Kochs Version dieser Idee ist enger und präziser gefasst als der traditionelle Panpsychismus: Alles kann ein Bewusstsein haben, vorausgesetzt, die Informationen, die es enthält, sind hinreichend miteinander verknüpft und organisiert. Das menschliche Gehirn erfüllt diese Bedingung sicherlich, ebenso die Gehirne von Katzen und Hunden, auch wenn ihr Bewusstsein sich von unserem stark unterscheiden dürfte. Im Prinzip aber könnte dasselbe für das Internet gelten oder für ein Smartphone.

Die moralischen Konsequenzen sind verstörend: Sollten wir Maschinen die gleiche Achtsamkeit schuldig sein wie Tieren? Doch selbst wenn wir uns auf die These einlassen, dass ein Smartphone ein Bewusstsein haben könnte: Können wir jemals wissen, ob sie stimmt? Müsste dafür nicht das Smartphone selbst es wissen? Koch zuckt mit den Schultern. „Es ist wie mit den Schwarzen Löchern. Ich bin nie in einem Schwarzen Loch gewesen, habe keine persönliche Erfahrung damit. Doch die Theorie, der zufolge Schwarze Löcher existieren, scheint immer zu stimmen. Also neige ich dazu, sie zu glauben.“

Im Juni 2014 stachen einige der renommiertesten Köpfe in der Debatte, unter ihnen Chalmers, Churchland und Dennett, auf einer Jacht gemeinsam in See, um sich im Treibeis vor der Küste Grönlands weiterzustreiten. Ausgerichtet wurde die Konferenz auf dem Meer von dem russischen Internetunternehmer Dmitri Wolkow. Rund 30 Wissenschaftler und Doktoranden plus Crew glitten eine Woche lang durch dunkle Gewässer, an schneebedeckten Bergen und Gletschern vorbei – um mit von der Kälte erfrischten Gehirnen einmal mehr das Problem des Bewusstseins in Angriff zu nehmen. Vormittags legten sie an Inseln an und gingen wandern. Nachmittags hielten sie an Bord ihre Sitzungen ab. Für Chalmers machte die Umgebung die Dringlichkeit des Rätsels erneut deutlich: Wie konnte man den arktischen Wind im Gesicht spüren, all die Grau-, Weiß- und Grüntöne dieser Landschaft aufnehmen und dabei behaupten, das bewusste Erleben sei nicht real oder bloß ein Effekt gewöhnlicher physikalischer Vorgänge?

Die Frage blieb rhetorisch. Dennett und Churchland ließen sich nicht umstimmen. Chalmers bezweifelt, dass in absehbarer Zeit ein Konsens zu erreichen ist: „Vielleicht ergibt sich irgendeine erstaunliche neue Entwicklung, die uns dann alle dastehen lässt wie Prä-Darwinisten. Aber es würde mich nicht wundern, wenn wir in 100 Jahren das Gehirn komplett kartografiert hätten – und trotzdem die einen sagen würden: ‚Ja, aber Bewusstsein sehe ich da nirgends.‘ Und die anderen: ‚Doch, gerade das ist das Bewusstsein.‘“ Der Grönlandtrip endete in kollegialer Atmosphäre und gegenseitigem Unverständnis.

Es wäre hübsch poetisch, wenn am Ende der Beweis stünde, dass das Einzige, was der menschliche Verstand nicht zu begreifen vermag, er selbst ist. Irgendwo da draußen muss es aber eine Antwort geben. Doch ob unser Gehirn für die Reise zu dieser Antwort taugt, ist ungewiss. Vielleicht würden wir – wenn wir an irgendeinem fernen Ufer, an dem Neurowissenschaft und Philosophie zusammentreffen, über die Lösung stolpern würden – gar nicht erkennen, dass wir sie gefunden haben.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 13/15.

Kommentare (32)

iDog 09.05.2015 | 12:33

Der Materialismus stößt nicht nur an seine "philosophischen" Grenzen. Hier aber versucht er genau diese zu negieren.

Man fragt sich ohne langes Gefühlsgedusel, ob die ganze "Schwierige Frage" nicht nur eine unsinnige Frage ist.

Wir können uns kein Leben ohne Bewusstsein vorstellen? Aha. Wir können uns den Tod nicht vorstellen? Koinzidenz? Sollte die "Schwierige Frage" die nach dem Leben sein und Bewusstsein lediglich dessen subjektive Konzeption des Organs Gehirn, das die wharnehmng der Nerven verkürzt gesagt koordiniert und wohlmöglich "verarbeitet", wenn diese Wort nicht eine so mechanische Konotation hätte. Bewusstsein = Leben?

Das Leben weiß schlicht, dass es lebt. Rätsel über Rätsel . Warum leben wir ? Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wir wissen , dass wir nichts wissen. Die "Schwierige Frage" indes wird um ihrer selbst willen debattiert. Soviel steht fest. Man stelle sich nur vo, es gäbe keine Fragen mehr.

schna´sel 09.05.2015 | 12:50

"Es wäre hübsch poetisch, wenn am Ende der Beweis stünde, dass das Einzige, was der menschliche Verstand nicht zu begreifen vermag, er selbst ist. Irgendwo da draußen muss es aber eine Antwort geben."

Merkwürdig, nach Bewusstsein zu suchen und zu gleuben, dass "es irgendwo da draußen" eine Antwort geben muss. Warum ausgerechnet "da draußen"? Ist es nicht das Bewusstsein, dass so etwas wie "da draußen" überhaupt erst hervorbringt?

Etwas das man begreifen kann setzt ein Subjekt voraus, das sich einen Begriff von einem Objekt macht. Im Sinne von "anfassen", so wie ein Kleinkind seinen Schnuller begreift. Das ist die Art und Weise wie wir Bewusstsein verstehen. Rationale Wissenschaft kann gar nicht anders, als etwas verstehen zu wollen. Verstehen bedeutet aber nichts anderes, als etwas festzustellen. Es aus der Bewegung in der es sich befindet heraus nehmen, um es sich vorstellen zu können. Eine Vorstellung ist etwas, das im auch ganz wörtlich wie übertragenen Sinne vor mir steht. Auch wenn ich davon ausgehe, dass mein Smartphone ein Bewusstsein hat, dann glaube ich persönlich nicht, dass es diese Art Trennung vornimmt. Es unterscheidet nicht sich, als das Subjekt von mir , den es als sein Objekt wahrnimmt. Ich glaube Panpsychismus ist eine Projektion einer Form von Bewusstsein, das wir in der Regel mit Bewusstsein schlechthin gleichsetzen. Das muss aber nicht so sein. Auch wenn C.G. Jung sich zum Beispiel bei seinen Pfannen und Töpfen für seine lange Abwesenheit entschuldigt hat wenn er in sein Landhaus zurückgekehrt ist: Bewusstsein muss nicht Bewusstsein von Etwas bedeuten. Hat es doch seit Jahrtausenden immer wieder Mystiker gegeben, fernöstlich ispirierte, aber auch christliche, wie Meister Eckhart, die genau dieses Bewusstsein, das auf kein Objekt, auch keinen Gott in dem Sinne mehr angewiesen ist und dennoch eine Bewusstseinserfahrung bedeutet. Das kann natürlich nur in begrenztem Maße Objekt für einen rationalen Diskurs sein, insofern ist es weder tauglich für die Wissenschaft, noch für die Massenmedien. Wer sich selber ernsthaft mit dieser "Großen Schwierigkeit" konfrontiert sieht, wird sich auf Dauer solchen Ansätzen nicht entziehen können. Und man tut gut daran, sich eine Methode zu suchen, am besten einen wirklich seriösen Lehrer, der einen in diese Wissenschaft des Bewusstseins einführen kann.

Verwendungszweck 09.05.2015 | 13:04

Panpsychismus ist wohl als Antipode zur Vorstellung zu sehen, Bewusstsein sei etwas außerkörperliches etwas nicht chemisch/physikalisches.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Leute unter Drogen die Empfindung haben können, dass alles mit Bewusstsein angefüllt ist. Spätestens nach ihrem Drogenrausch sollten sie aber auch zur Erkenntnis fähig sein, dass viele Dinge keinen Stoffwechsel haben, keine Notwendigkeit für Nährstoffzufuhr besteht und diese Dinge, rein evolutionär betrachtet, wohl besser ohne Bewusstsein Jahrmillionen in der Gegend rum liegen, alle paar Millionen Jahre mal wieder an einer Subduktionszone aufgeschmolzen werden und irgendwann vielleicht wieder mal an einem Vulkan rausgespukt werden. Reflexionen über den Lebenssinn oder nur ein Zeitempfinden wären da eher lästig.

Natürlich ist der ursprüngliche und heutige Sinn von Bewusstsein, von Schmerz, Glück, Verzweiflung und Ekstase den Klumpen Biologie am Leben zu halten. Die Lust an der Fortpflanzung gibt es nur, weil die Mutationen, die zu dieser Lust führten, die besten Fortpflanzungsraten hatten. So einfach.

Wie häufig in der Biologie darf man nicht fragen: Wie war es nur möglich, dass durch zufällige Kombinationen und Mutationen etwas so unglaublich kompliziertes wie Hunden, Katzen und Vögel entstanden.

Die einfache Feststellung, die sich heute machen lässt ist: Alles was, weniger gut geeignet war, sich am Leben zu halten, starb aus. Die Evolution ist die Naturversion des Kaizen.

Viele Einzeller haben ein einfaches chemisches System, das sie der Nahrung zustreben lässt. Der biologische Chemismus sorgt dafür, dass der Einzeller im übertragenen Sinn mechanisch weiß, wann es Zeit für die Mitose ist und wie die Bakterienforschung zu Resistenzen gezeigt hat, können Einzeller sogar Wissen austauschen, wie sie Antibiotika austricksen können.

Die vielen Wunder der Biologie.

Ich finde aber auch ganz wunderbar, was für tolle Smartphones es heutzutage gibt, keine Frage.

Die Grenze, der Einstig in das Verständnis von Bewusstsein könnte bei den Viren sein. Das sind fast kristalline Bio-Minimaschinen, die nicht viel mehr können, als warten, ihre DNA in Zellen einkopieren und sich dadurch vermehren. Das sind die minimalsten Funktionsbausteine für Leben. Quasi die Legobausteine, aus der die Evolution, durch die unzähligen kleinen Kopierfehler, durch immer neue Rekombinationen und Verschmelzungen unglaublich komplizierte, biologische Maschinen geschaffen hat, deren Bewusstsein im Laufe der Zeit immer größer und komplizierter wurde, wie auch der übrige Organismus.

Ich meine, Viren sind zu primitiv für Bewusstsein. Bei den Einzellern, die dem Schwefel oder dem Zucker oder dem Licht zustreben können oder anderen Stoffen, von denen sie sich ernähren, oder wieder andere Stoffe fliehen, die ihnen gefährlich sind, sind bereits die ersten Ansätze für Bewusstsein gelegt. In dem Maße, wie die Tiere ihre Leben fristen, wie kompliziert ihr Körper und wie kompliziert damit ihre Lebensumstände sind, wuchs auch ihr Bewusstsein, ihre Möglichkeiten auf die Umwelt zu reagieren, zu lernen, sich zu erinnern, sich zu bemühen oder zu fliehen, sich zu tarnen und schließlich beim Menschen in beängstigender Unvollkommenheit, sich die Umwelt so zu verändern, wie er will.

Ringo Wunderlich 09.05.2015 | 16:46

Eine reine Wutseele kann nicht existieren, aber Wut ist sehr gut geeignet, eine Seele festzustellen. Alle anderen "Farben" der seelischen Palette lassen sich simulieren, aber so ein richtiger, unberechenbarer Wutanfall, der sich bis zur Tobsucht steigert, wo jede Phaser des Körpers zum Zerreißen gespannt ist und der Speichel als Schaum vor dem Maule hängt oder in groben Fetzen in einer Kaskade unverständlicher Schreierei davon geschleudert wird. Wo nichts und niemend umstehendes vor animalischer Zerstörungskraft sicher ist.

Das ist ein Erlebnis, das schafft keine Maschine. Da spüre ich den ganzen Körper. Vor allem die tiefe, zufriedene Entspannung danach, wenn sich der ganze aufgestaute Frust in dieser gewaltigen Erruption gelöst hat.

Ich wüte, also bin ich.

Die meisten wissen heute, in dieser verhaltenskodierten Welt doch gar nicht mehr, was so ein richtiger Wutanfall ist.

Reinhold Schramm 09.05.2015 | 19:55

Als gehorsame Roboter hätte das z. Z. alles beherrschende Finanz- und Monopolkapital [-- die Finanz- und Monopolbourgeoisie und deren ökonomische, militärisch-überwachungsdienstliche, ideologische und gesellschaftspolitische Administration --] uns gerne. So auch die beauftragte Bewusstseins-Forschung.

Das personifizierte Kapital interessiert sich nur insoweit für das Bewusstsein, als möge es der profitablen Verwertung [und Unterwerfung] der werktätigen Arbeitsfrüchte der möglichst ewigen wert- und mehrwertschöpfenden Konsumenten und modifizierten Sklaven dienen. In diesem Sinne dient auch die Erforschung des Bewusstseins der Ausschaltung von Widerstandshandlungen und der externen Bewusstseinskontrolle der vom Kapital erwünschten Zombies, der differenziert wissenschaftlich-technischen werktätigen Frauen und Wänner und der hörigen Werbe-Konsumenten. Zumindest in der bundesdeutschen europäischen Region hat das Quandtsche Kapital hierbei beachtliche Fortschritte erzielt.

Zum gesellschaftlichen Kern des Bewusstseins: "Das Bewusstsein kann nie etwas Andres sein als das bewusste Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozess... Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewusstsein." (Marx)

Info.-Empfehlung: Sein und Bewusstsein. Die Stellung des Psychischen im allgemeinen Zusammenhang der Erscheinungen in der materiellen Welt. Von Sergej L. Rubinstein. Akademie-Verlag Berlin 1977.

Oberham 09.05.2015 | 22:01

... die 1,5 Kilokopfbioprozessorvariante ist eben doch einiges gewichtiger als ein Smart-Phone Prozessor - generell - gibts schon so große Prozessoren - ich hab keine Lust das jetzt zu recherchieren - aber ähneln sich die Spannungsmuster vielleicht?

Bewußtsein ist am Ende wohl nur ein Spannungsvarianzbild - Zielpinkeln ;-) eine von ungezählten möglichen Bildvarianten.....

Ich finde es schön, wenn Menschen ihren Lebensunterhalt mit Philosophie bestreiten können - schöner als die, die ganz banale Messforschung am Hirn betreiben - wow - die Topographie unseres Biochips ausloten - pure Erbsenzähl- und Messwahnmethodik - stumpfsinniges Feldstudienrakern mit Kontrastmittelchen und EEG-Armada.

... nein, die diffuse möglichst gesteltzte Verbalisation des physikalisch doch so profanen Elektronenwanderns, sie ist die schönste Variante, unserer bizarren Art, sich selbst zu transzendieren - wo doch letztlich nicht zählt als die Elemente - deren Tanz wird uns allerdings niemals bewußt werden - da wir schlicht aus einem Haufen Tanzender bestehen, am Ende sind wir nur ein koreographische Variante ..... - natürlich jegliche andere Methapher gilt auch - a la choix.

Lethe 10.05.2015 | 15:40

Ich werde nie verstehen, wozu wir eine Seele oder Geist als hinzutretende Entitäten benötigen, um Bewusstsein zu erklären. Und diejenigen, die glauben, dass wir Seele oder Geist dafür benötigen, werden wohl nie verstehen, dass damit nichts erklärt wird, sondern die Erklärung nur um einen Rekursionsschritt nach oben verschoben wurde (wahlweise auch nach unten^^)

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Ehemaliger Nutzer 11.05.2015 | 00:24

„Stille ist Deine wahre Natur. Was ist Stille? Der innere Raum von Bewusstsein, in dem diese Worte wahrgenommen und zu Gedanken werden. Ohne dieses Bewusstsein würde es Wahrnehmung, keine Gedanken, keine Welt geben. Du bist dieses Bewusstsein in Gestalt deiner Person.“
―Eckhart Tolle

dos 11.05.2015 | 05:17

Auf yt gab's (gipp's?) auch 17 h bebilderte Vorlesungen von Thomas Metzinger, Uni Mainz u.a., zu Neuro-Science vor dem Hintergrund Hegelscher "Philosophie des Geistes", bzw. 2 blaue Bände dazu.

Ich sehe das Bewußtein notwendig vor allem dort, wo die Ambivalenzen innerer u. äußerer Existenzbedingungen zentral, und daher recht abstrakt, bewertet/ausgewertet werden (z. B. limb. System) und daher bedarf es eines zumindest vom Abstrakten ausgehenden und ggfls. auch ins Konkrete vermittelnden, aber zunächst eben abstrakt weiterverarbeitenden (Zentral-) Systems, das z. B. bei Uneindeutigkeit der rein stigmergenten/bewustlosen Signale unreaktive 'Lock'-Situationen vermeidet, indem es dann den Ausschlag gibt. Um vom Abstrakten in dieser o. ähnl. Art zum Konkreten (einer rekation) zu kommen, das evolutionär erfolgreich/nicht schädlich ist, muß so ein System mindestens seinen 'Wirt' im Zeichen-/Objektvorrat haben:
die Identität, für die es arbeitet (das muß nicht auf den Einzelmenschen beschränkt sein, da das Bewußtsein als zentrale Auffangstation für abstrakt-zentrale Bewertungen sich auch über Kollektive als sein Wirt erstrecken kann) als Objekt, um daß es bei der Vermittlung, z. B. Ursachensuche (z. B. kognitive Relozierungen) zu einer Miß- o. Glücksempfindung , IM GANZEN ÜBERHAUPT GEHT.
DE-Zentral ablaufende Reiz-(Wieder-)-Erkennungs-Reaktions-Muster z. B. bei Pflanzen, benötigen solche Rückvermittlung vom Abstrakten nicht: Ihnen ist durch den Ort u. z. T. die Zeit des Auftretens eines bestimmten Reizes, z. B. eines beginnenden Pilzbefalls, alles Konkret gesagt, und kann ohne Zentralbewertung lokal 'behandelt' werden. Die Kommunikation zu entfernten Kompartimenten, Artgenossen bzw. biotopen Nachbarn/Symbionten usw. bedarf ebenfalls nicht zwingend eines zeichenmäßig-funktionell repräsentierten Ident-Objektes von sich selbst oder einer abstrakt-allgemeingültigen Bewertung oder einer Repräsentation dieser Kommunikation in sich selbst, sondern kann, durchaus auch als Zeichenverarbeitung stigmergent, ohne 'Wissen' von sich selbst, stattfinden, genauso aber Misempfindung vom lokalen bis totalen (Pilzbefall) ermöglichen, das aber nicht zu einem Zeichenvorrat von 'sich selbst' bzw. des Systemwirts in Beziehung gesetzt wird.

Community84 12.04.2016 | 09:59

Dieser Link ist der "Hammer". Vielen Dank für das Teilen dieses Links im FREITAG. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, jemals an einen solchen (ich möchte gar kein Wort dafür gebrauchen) heranzukommen. Das ist mein Element. Ich habe mich bis jetzt nur die erste Abaätze eingelesen und weiß eines: Da bleibe ich dran. Ich wundere mich aber schon, das auch so etwas mal in Erfahrung gebracht werden darf. Auch wenn mein Dank erst jetzt stattfindet, weil ich es eben JETZT entdeckt habe, muss ich das dringend hier reinposten.

Community84 15.04.2016 | 18:38

Nachtrag zum Link: Viel Text, mir zu viel Text und irgendwie zu verschnörkelt. Der Text liegt auch Jahre zurück, dennoch ist es auch heute noch so, dass die Bewußtseinsforschung auch in schätzungsweise weiteren 20 Jahren, nicht vollständig erschlossen haben wird, wie sich das Bewußtsein beweisen lässt.

Gut gefassen hat mir der Vergleich mit der Taschenlampe in diesem Link. Ich habe jetzt eher auch die zweite Vorstellung über das Bewußtsein nerstanden, das sich "außer mir" abspielt. Man schaut immer nur "einseitig" und nicht "vollseitig". Wie soll das auch einem menschlichen Wesen je möglich sein. Außerdem bin ich nicht Gott. Hätte ich das "allumfassende große" Bewusssein, kann ich niemals mir vorstellen, wie es sich anfühlt, wie es sich für mich damit lebt. Was soll ich mich auch mit "ungelegten Eiern" auseinandersezen. In dieser Frage nach dem Bewußtsein langweilt es mich nun sogar. Ich sehe das für mich und Mitmenschen aus der inneren Sicht als viel spannender, von Mensch zu Mensch. Auf einen Schlag das allergrößte Bewußtsein zu erklären ist doch so irre, weil ja die kleinste Verständnisse vom Bewußtein noch fehlen und auch naheliegender als Mensch ist. Unbewusstes Denken und Handlungen oder bewußte Entschlüsse und was ist nun dann der freie Wille. Da wurde er entkräftet, weil unbewusst. Ich sage aber, dass gerade die unbewussten Kräfte in mir für mich sich eher frei anfühlen, wie antrainierte, konditionierte Pläne und Gestaltungsweisen. Oder beides hat mit dem Willen zu tun und wie frei dieser ist, wird mir fast schon egal. Der Mensch will frei sein. Das ist Fakt.