Star Trek für Anfänger

USS Enterprise Seit 40 Jahren fliegt die USS Enterprise über Kinoleinwände und Fernsehschirme. Aber es ist nie zu spät, neu einzusteigen. Eine kleine Starthilfe für Neu-Trekkies

Für diejenigen von Ihnen, an denen wirklich alles spurlos vorbeigegangen ist, fangen wir ganz von vorne an: "Der Weltraum. Unendliche Weiten." Es geht um die Reisen von Raumschiff Enterprise. Seine Fünfjahresmission: neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen, "die nie ein Mensch zuvor gesehen hat".

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Der neue Star Trek-Film, der am 7. Mai in die Kinos kommt, ist der Vorläufer aller Vorläufer. Er nimmt uns mit „zurück“ ins 23. Jahrhundert und das frühe Leben der Charaktere der ersten Star-Trek-Staffel – einem Programm, das uns vor über vierzig Jahren den ersten im Fernsehen gezeigten Kuss zwischen einer Schwarzen und einem Weißen und zugleich den wohl populärsten Imperativ der Filmgeschichte bescherte: Beam me up, Scottie!

Aber die Einschaltquoten waren enttäuschend und Star Trek wurde beim ersten Anlauf nach nur drei Staffeln und 79 Episoden eingestellt. Seinen Kultstatus erhielt die Serie erst durch den Verkauf ins Ausland und endlose Wiederholungen, weshalb es auch nie zu spät ist, zum Star-Trek-Fan zu werden. Der Status als Klassiker fiel Kirk und Co. nicht in den Schoß. Star Trek erhielt ihn eigentlich erst, als die Serie bereits zum Artefakt erstarrt war: eine bunte, leicht eselsohrige Zukunftsvision, die aussieht, als spiele sie in der Vergangenheit.

Aus der wegen Misserfolg abgesetzten Serie entstand ein ganzes Universum von Staffeln, Spin-Offs, Spielen, Büchern und Lernkassetten für die klingonische Sprache. Und wir haben ihr auch eine neue Variante des Hardcore-Fans zu verdanken: den Trekkie. (Obwohl dies der Ausdruck ist, den der Schöpfer der Sendung Gene Roddenberry gebrauchte, nennen sich viele Fans lieber Trekkers.)

Der Trekkie ist das Vorbild aller modernen Obsessionen. Heutzutage steht jedes Treffen gleichgesinnter Enthusiasten – von evangelikalen Christen, Autofans, Comics-Sammlern oder Liberaldemokraten – in der Schuld der Organisationsstruktur der Star-Trek-Kongresse.

Als Neuling braucht man sich aber um die Entwicklungen seit 1969 nicht zu kümmern, man braucht sich auch nicht alle 79 Folgen der ersten Staffel anzusehen und mit Sicherheit muss man sie sich nicht der Reihe nach ansehen. Sie hängen nicht miteinander zusammen.

Um mit Ihrer Konversion zu beginnen, müssen Sie nur daran denken, dass Captain Kirk und seine Mannschaft dank ihres Warp-Antriebes schneller als das Licht reisen und sich unverzüglich von einem Ort zum anderen beamen können. (Man sollte meinen, dass man mit diesen beiden Innovationen dem meisten Ärger aus dem Weg gehen kann, aber Sie werden sich wundern.) Oh, und die Oberste Direktive verbietet Gesandten der Föderation Eingriffe in die Entwicklung von weniger entwickelten Zivilisationen, weshalb unsere Helden ständig so tun, als kämen sie aus irgendeinem Nachbardorf.

Aber letzen Endes brauchen Sie eigentlich nur eins zu wissen: Bei einem gewalttätigen Zusammentreffen mit feindlich gesinnten außerirdischen Lebensformen, ist derjenige, der ein rotes Hemd trägt, erledigt.

Die Basics

- Star Trek-Erfinder Gene Roddenberry war ursprünglich Motorrad-Polizist in Los Angeles. Er wollte immer schon Fernseh-Drehbücher schreiben und mühte sich redlich, aber vergebens. William Shatner erinnert sich in seinem Buch Star Trek Memories, dass Roddenberry eines Tages mit seinem Motorrad, in voller Montur und mit eingeschaltetem Martinshorn zu einer bei Filmagenten beliebten Kneipe fuhr, hineinmarschierte und einem namhaften Agenten das Manuskript in die Hand drückte. „Das hier ist für dich“, sagte er. „Wär’ besser für dich, wenn du`s liest.“

- Roddenburrys Erklärung, wie die USS Enterprise aussehen sollte, war sehr einfach: keine Raketen oder Flügel. Stattdessen sagte er lediglich zum Art Director: „Sie muss mächtig aussehen.“

- Der erste Captain der Enterprise hieß tatsächlich Christopher Pike und wurde von Jefferey Hunter gespielt. Als der ursprüngliche Pilot 1965 ausschied, trat William Shatner als James T. Kirk an seine Stelle. Aus Respekt für die Geschichte der Serie lässt Regisseur JJ Abrams die Figur Pike in dem neuen Vorläufer-Film auftreten.

- Leonard Nimoy, der Spock spielte, dachte zunächst, die markanten Ohren seiner Figur würden ihn zur Lachnummer machen. Als man ihm vorschlug, sein ganzes Gesicht stark zu entstellen, damit ihn in der Öffentlichkeit niemand erkennen könne, war Nimoy entsetzt: Wenn Spock erfolgreich sein sollte, würde er erkannt werden wollen. Schließlich versprach man ihm, eine Episode zu schreiben, in der Spocks Ohren operiert werden, sollte er nach 13 Folgen immer noch unglücklich mit dem Aussehen seiner Figur sein.

- Nimoy musste sich die Augenbrauen abrasieren, um sich Spocks ankleben zu können, die aus dem Haar eines Grunzochsen gefertigt und angeklebt wurde. Einmal bekam er während eines Dreh starke Zahnschmerzen und ging in voller Spock-Montur zum Zahnarzt. Noch nicht ganz so lange ist es her, dass Nimroy erzählte, Barack Obama habe ihm den Vulcan-Gruß entboten, als sie sich vor zwei Jahren getroffen haben.

- Weil sie keine Lust mehr hatte, ständig nur "Ruf-Frequenzen offen, Sir" zu sagen, entschloss sich Nichelle Nichols alias die stets mit einem kurzen Rock bekleidete Uhura, die Serie zu verlassen, ließ sich von Martin Luther King bei einer zufälligen Begegnung aber wieder umstimmen. Er sagte ihr, sie sei ein intelligentes, starkes und wunderbares Rolemodel, nicht nur für Schwarze, sondern für alle Menschen.

- Das Studio brachte das Gerücht in Umlauf, Walter König, der Chekov spielt, sei mit hinzugekommen, nachdem ein Artikel in der Prawda bemängelt hatte, dass kein Russe auf der Enterprise anwesend sei. Die Wahrheit aber war, dass die Pop-Band Monkeys damals mächtig angesagt waren und Koenig sah aus wie deren Frontmann Davy Jones.

- Roddenberrys Frau, Majel Barrett Roddenberry, war in der Warp-Zeit die Entsprechung zu einer sprechenden Uhr. Sie lieh dem Federation-Starship-Bordcomputer in der ersten Staffel und in mehreren Kino-Auskopplungen ihre Stimme. Sie nahm für den neuen Film ihre letzten, mit ausdrucksloser Stimme vorgetragenen Warnungen vor der drohenden Katastrophe noch kurz vor ihrem Tod im Dezember letzten Jahres auf.

- Einige der Darsteller der 60er-Serie sind begeisterte Twitterer und die Züge ihre Charaktere sind auch in dieser Eigenschaft noch erkennbar: Shatner, geschwätzig („Habt Ihr von meiner jüngsten Rolle gehört – ich spiele Captain Cook!“); Nimoy, distanziert und philosophisch („Kann eine Kamera wirklich einen Augenblick einfangen, obwohl sie nicht vermag, in diesem Augenblick zugleich sich selbst oder den, der sie benutzt, einzufangen?); George Takei, an die Ungerechtigkeit denkend („Gratulation an Sean Penn für seinen Oscar in Milk!“)

- Die Lieblingswaffe im Star-Trek-Universum ist der Phaser. Er kann die Form einer am Raumschiff befestigten Kanone annehmen, ist aber besser als multifunktionale Handfeuerwaffe mit Betäubungs-, Tötungs- und Verdampfungsmodus bekannt. Dementsprechend ist „Phaser auf Betäuben“ einer der am häufigsten gebrauchten Sätze überhaupt. Die US-Army arbeitet an einem nicht-tödlichen Laser-Beamer, mit dem man Leute betäuben kann.

- Mithilfe der Warp-Geschwindigkeit kam die Enterprise so ziemlich überall hin. Warp-Geschwindigkeit war der gebräuchliche Begriff für Lichtgeschwindigkeit und ein Kapitän kann dem Raumschiff den Befehl erteilen, sogar noch schneller zu fahren: Warp 1, Warp 2 und so weiter, was einer vagen expotentialen Skala entsprach, auf der die unerreichbare „unendliche Geschwindigkeit“ „Warp 10 entsprach.

- Da die Fernsehbudgets in den sechziger Jahren keine ausführlichen Aufnahmen von startenden und landenden Raumschiffen erlaubten, verfügte die Enterprise über eine Form der Teleportation, die unter dem Namen "der Transporter" bekannt ist. In den Folgen der achtziger Jahre hatte Chefärztin Kate Pulaski (Diana Muldaur) Angst davor, ihre Atome durch das All beamen zu lassen und weigerte sich, mit dem Transporter zu reisen. Aber kein Grund zur Beunruhigung: Auch wenn Wissenschaftler schon Fortschritte dabei erzielt haben, einzelne Atome zu bewegen, so wird doch außerhalb des Trekkie-Universums in absehbarer Zukunft niemand irgendwohin gebeamt werden.

- Der universale Übersetzer ist eine geniale Erfindung, die es Menschen, Klingonen, Vulkaniern, Romulanern und Ferengi ermöglicht, miteinander zu kommunizieren. Die Technik wurde im späten 22. Jahrhundert entwickelt und kann verschiedene Formen, sogar die eines Implantats, annehmen. Zu sehen war die Maschine nur ein einziges Mal in der 1967er-Staffel Metamorphose.

- Eine technische Errungenschaft des Star-Trek-Universums wird Wirklichkeit: das Hypnospray – eine Injektion ohne Nadel. Nach 20-jähriger Forschung gibt es heute das SonoPrep – eine Erfindung, mit der man eine kleine Hauptfläche so mit Ultraschall beschallen kann, dass die Medizin durch die Poren in den Körper gelangt.


Die Politik

- Star Trek liegt im Gegensatz zu der meisten postapokalyptischen Science-Fiction eine optimistische Vision der menschlichen Zukunft zugrunde. Roddenberry hatte einen Planeten im Kopf, der aus den Konflikten des 20. Jahrhunderts lernen und die Vereinigte Föderation der Planeten (eine Art intergalaktische UN) gründen würde.

- In der ersten Staffel sahen viele im Reich der Klingonen eine Metapher für den Kommunismus. Die Folgestaffel Die nächste Generation (DNG), in der Frieden mit den Klingonen geschlossen wurde, kann als eine Art Nabelschau der USA auf Teile der eigenen Geschichte gelesen werden.

- Die 1969-Folge "Brot und Spiele" untersucht die Sklaverei. Die Enterprise-Crew muss auf einem Planeten, der dem Römischen Imperium ähnelt, bei Gladiatorenkämpfen mitmachen.

- Die dritte Staffel Deep Space Nine beschäftigte sich eingehend mit der Politik und dem Wesen des Krieges. George Takei, der in der ersten Staffel Sulu gespielt hatte, kritisierte an ihr, sie habe sich zu weit von Roddenberrys utopischer Vision entfernt.


Gekürzte Version, Übersetzung: Holger Hutt

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19:35 01.05.2009
Geschrieben von

Tim Dowling, The Guardian | The Guardian

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