The Angst and the Money

Schuldenkrise Deutsche Sparer wären von einer Ächtung italienischer und spanischer Anleihen besonders getroffen. Die EU muss zum Scheckheft greifen, wenn sie die Situation retten will

Mit panischem Blick auf die Vereinigten Staaten und Großbritannien wenden die Deutschen sich an ihr politisches Führungspersonal und flehen es an, um keinen Preis diesen angelsächsischen Risikoträgern zu folgen. Sorgfältige Planung und gewissenhafte Arbeit sind der Weg zu nachhaltigem Wohlstand, nicht das Wetten auf Aktienkurse und die Spekulation auf Eigentum um des schnellen Geldes willen.

Soweit das Stereotyp. Viele ältere Deutsche haben es allerdings verinnerlicht. Sie haben Vermögenswerte angehäuft, die jenseits dessen liegen, was ihre Mütter und Väter sich vorstellen konnten. Jetzt könnte ihr zum Großteil fest angelegtes Vermögen mit einem Mal nur noch einen Bruchteil wert sein. Riesige Investitionen in Italien und Spanien taumeln gegenwärtig am Rande der Wertlosigkeit entlang. Die Renditen auf spanische und italienische Anleihen, die eine Messlatte für das Risiko sind, das an die Staatsverschuldung eines Landes geknüpft ist, haben am Montag erneut einen Sprung gemacht.

Die Überreaktion sollte eine Warnung sein

Der Lebensstandard der Deutschen ist nicht von Börsenkursen oder dem Wert bestimmter Anlagen abhängig, sondern von Anleihen, die von Länder ausgegeben wurden, die in vielen Fällen dem angelsächsischen Modell gefolgt sind und ihren Reichtum auf den Aktienmarkt und Immobilien gründeten – oder im Falle Griechenlands auf Finanzhilfen aus Brüssel. Anleihen sind Kredite mit einer festgesetzen Laufzeit, die auf offenen Märkten gekauft werden.

Deutsche Banken haben den Griechen Geld geliehen, indem sie ihre Anleihen kauften. Während die Weigerung der Privatwirtschaft, griechische Anleihen zu kaufen, in den Griff zu kriegen ist, wäre ihre Weigerung, italienische und spanische Anleihen zu kaufen, wie dies im Fall der irischen und portugisischen bereits der Fall ist, ein gewaltiges Problem.
Die Deutschen und ihre Banken haben diese Anleihen körbeweise gekauft. Gleichzeitig gehörten sie auch zu den größten Käufern von amerikanischen Subprime-Hypotheken.
Wenn der Wert der Anleihen sinkt, weil niemand sie mehr kaufen will, dann geht es auch mit dem Fundament des deutschen Wohlstands bergab, das auf Staats- und Unternehmensanleihen gründet.

Recht haben die Deutschen jedoch, wenn sie sich über die Tendenz der angelsächsischen Märkte zu Panik und Überreaktionen sorgen. Unser Bankensystem ist wahrscheinlich in einer besseren Verfassung als die Börsenkurse nach dem Lehman-Schock vermuten ließen. Entsprechend ist der Einbruch der Immobilienpreise in den USA schlimmer als der Druck von Angebot und Nachfrage es unter normalen Umständen diktieren würde.

Diese Überreaktion sollte allerdings eine Warnung sein. Am Donnerstag hat die EU unter Führung der deutschen Regierung die Chance, die Wertverluste anzuerkennen und zu nationalisieren. Sollte sie sichdem verweigern, droht sie zu einer Lachnummer zu verkommen. Wenn sie die Ausfälle anerkennt, dabei aber die Privatwirtschaft mit in die Pflicht nimmt, riskiert sie eine Panik und einen noch größeren Wertverlust als den, der bereits in den Märkten eingepreist ist.

Nur wenn die EU einspringt und Schecks in Höhe der ausstehenden Schulden der am schlimmsten betroffenen Nationen ausstellt – das sind schätzungsweise zwei Billionen Euro – ist die Lage zu retten.

Nur für kurze Zeit!

12 Monate lesen, nur 9 bezahlen

Geschrieben von

Phillip Inman | The Guardian

Der Freitag ist Syndication-Partner der britischen Tageszeitung The Guardian

The Guardian

Freitag-Abo mit dem neuen Roman von Jakob Augstein Jetzt Ihr handsigniertes Exemplar sichern

Print

Erhalten Sie die Printausgabe zum rabattierten Preis inkl. dem Roman „Die Farbe des Feuers“.

Zur Print-Aktion

Digital

Lesen Sie den digitalen Freitag zum Vorteilspreis und entdecken Sie „Die Farbe des Feuers“.

Zur Digital-Aktion

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden