Oliver Wainwright
Ausgabe 4916 | 13.12.2016 | 06:00 1

Trumpitecture

Aufstocker Was ist vom kommenden Präsidenten als oberstem Baumeister der USA zu erwarten?

Trumpitecture

Mieter dreier Luxusgebäude an der Upper West Side von Manhattan lassen ihre Fassade enttrumpen

Foto: Simon Leigh/Alamy

Seinen Wahlkampf eröffnete Donald Trump mit einem gewaltigen architektonischen Versprechen. „Ich werde eine große Mauer bauen“, erklärte er in der roséfarbenen Marmorlobby des New Yorker Trump Tower. „Niemand baut bessere Mauern als ich, glauben Sie mir. Und ich baue sie äußerst kostengünstig. Vielleicht wird man sie eines Tages die Trump Wall nennen. Also muss ich dafür sorgen, dass sie wunderschön wird.“ Während er die Kosten für seine Grenzmauer zu Mexiko zuletzt mit zwölf Milliarden Dollar bezifferte, gehen Experten allerdings von 25 Milliarden Dollar aus. Sollte die Mauer auch nur im Entferntesten nach den Gebäuden kommen, die in acht Meter großen Bronzebuchstaben seinen Namen tragen, ist „schön“ zudem ein sehr dehnbarer Begriff.

Donald Trump hat seine ganze Karriere darauf gegründet, kostengünstige Mauern hochzuziehen und die so entstandenen Räume mit hochpreisigen Wohnungen zu füllen. Von den gezackten Flanken des Trump Tower bis zur Goldlamé-Hülle seines Hotels in Las Vegas schimmern und leuchten seine Gebäude wie sein eigenes sonnengebräuntes Gesicht. Doch hinter den Luxusfassaden versteckt sich meist ein äußert prosaisches Produkt.

Der frühere Architekturkritiker der New York Times, Herbert Muschamp, schrieb einmal, bei Trumps Türmen handle es sich „nicht wirklich um Architektur“, sondern um „Symbole von Geld, Status und Macht“ wie die „Diamanten, Pelze, Jachten und anderen Insignien des Luxuslebens in Marbella“. Was Muschamp an Trumps Geschmack auszusetzen hat, ist nicht „das Verlangen nach Aufmerksamkeit, nach dem Besten, dem meisten, dem Größten und Auffälligsten“, sondern „seine Unfähigkeit, dieses Verlangen im Medium der Architektur umzusetzen“. Beim König der Superlative war am Ende nie etwas so „gewaltig“, wie er vorher versprochen hatte.

Die Sache mit der Höhe

Trumps erstes Projekt in Manhattan, 1980 fertiggestellt, gab die Richtung vor. Er kaufte das marode Commodore Hotel – ein hübsches, 1919 errichtetes Gebäude aus Ziegel- und Kalksandstein – und begrub es unter einer Hülle aus Spiegelglas. So wurde der Trump-Stil geboren: Ganz normale Gebäude werden je nach Anlass in papierdünne Hüllen aus Chrom, Bronze oder Gold eingewickelt und mit funkelnden Insignien von Glanz und Glamour ausstaffiert.

Mit der Höhe ist es immer so eine Sache. Der „90-stöckige“ Trump World Tower hat nur 72 Etagen, und die Apartments im Trump Tower beginnen im „30. Stock“, obwohl darunter nur 19 Geschäftsetagen liegen. „Die Leute freut es“, brüstete er sich mit seinem Marketingtrick. „Sie wohnen gern in einer gewissen Höhe, rein psychologisch.“

Sein Trump Tower in Chicago sollte das höchste Gebäude der Welt werden. Nach den Anschlägen vom 11. September wurden die Pläne zurückgestutzt – obwohl Trump natürlich erklärte, er lasse sich von Terroristen nicht einschüchtern. Jetzt steht er da wie eine Miniversion von Dubais Burj Khalifa – ein mehr als doppelt so hoher Entwurf desselben Architekten. Die mangelnde Höhe kompensiert ein 50 Meter breiter Namenszug in Leuchtbuchstaben aus Edelstahl an der Fassade. Bürgermeister Rahm Emanuel kritisierte die Installation als geschmacklos und machte sich daran, die Baubestimmungen zu ändern, um solche Vulgaritäten in Zukunft zu verhindern. Wie immer verlor Trump keine Sekunde, bevor er sein Machwerk auf Twitter verteidigte: „Bevor ich das Grundstück gekauft habe, hatte die Sun-Times den größten und hässlichsten Schriftzug, den Chicago jemals gesehen hat“, ließ er wissen. „Meiner aber ist großartig, alle finden ihn toll.“

Doch die Marke Trump hat infolge seines hasserfüllten Wahlkampfs an Popularität eingebüßt. In Dubai, wo er in der Wüste einen Golfplatz baut, wurde eine Werbetafel mit seinem Konterfei abgehängt und der Verkauf seiner Wohnungseinrichtungsartikel eingestellt. In Istanbul, wo gleich zwei Trump Towers stehen, forderte Präsident Erdoğan nach Trumps antimuslimischen Äußerungen die Entfernung der Schriftzüge. Das 300-Millionen-Projekt hatte bereits davor nicht die Mieten eingebracht, die man den Investoren versprochen hatte.

In New York einigte Trump sich im April mit Käufern seines 450 Millionen Dollar schweren Trump-SoHo-Projekts auf einen Vergleich. Sie hatten sich von überzogenen Versprechen betrogen gefühlt. Laut New York Times ist ein zweites Verfahren offen, weil das Projekt „mit der verdeckten Beteiligung von verurteilten Straftätern entwickelt und aus zweifelhaften Quellen in Russland und Kasachstan finanziert worden“ sein soll. Von Rio bis Aserbaidschan sind Pläne für Trump Towers geplatzt, Golfplätze in Schottland sollen fast 26 Millionen Dollar Verlust eingefahren haben. Alles in allem entsteht der Eindruck, dass Trump womöglich nicht ganz der großartige Geschäftsmann ist, der er zu sein behauptet.

Am anderen Ende des Deals

Wie es ist, am anderen Ende dieser Deals zu sitzen, weiß der Architekt Andrew Tesoro, der Trumps National Golfclub in New York State entwarf. Trumps Enthusiasmus ließ das Projekt auf das Dreifache anwachsen, die zusätzlichen Rechnungen wurden nie beglichen. Bei Tesoro häuften sich Forderungen in Höhe von 140.000 Dollar an. Nach endlosem Hinhalten kam es zu einem Treffen mit Trump höchstpersönlich, das sich als Lektion in Charme und Skrupellosigkeit erwies. „Er sagte, ich sei der beste Architekt, den er je kennengelernt habe. Er werde den Golfclub zum bekanntesten der Welt machen, mit dem nächsten Projekt könnte ich dann meine eventuell erlittenen Verluste hereinholen. Und weil ich so ein netter Typ sei, biete er mir 25.000 Dollar, damit ich endlich Ruhe gäbe.“ Tesoro lehnte ab und wurde an Trumps Anwalt verwiesen. „Der sagte mir offen, dass ich im Fall einer Klage wahrscheinlich die gesamte Summe zugesprochen bekäme. Sein Job sei es, dafür zu sorgen, dass dies so lange dauern und mich so viel kosten würde, dass es sich für mich nicht lohnt.“

Bleibt die Frage, wie Trump als Präsident bei der Auftragsvergabe für seinen 500-Milliarden-Infrastrukturplan vorgehen wird. Der Bauindustrie läuft schon der Speichel im Mund zusammen, wenn sie an die steuervergünstigten Verträge denkt. „Wir werden unsere Innenstädte auf Vordermann bringen und Autobahnen, Brücken, Tunnel, Flughäfen, Schulen und Krankenhäuser instand setzen“, sagte Trump in seiner Siegesrede. „Wir werden unsere Infrastruktur erneuern, die, nebenbei gesagt, die beste von allen werden wird.“

Der US-amerikanische Architektenverband AIA (American Institut of Architects) bekundete schnell seine uneingeschränkte Unterstützung der neuen Regierung und schrieb, seine 89.000 Mitglieder stünden für Trumps großes Bauprojekt bereit. Dumm nur, dass das AIA in der Eile vergessen hatte, seine Mitglieder zu fragen, von denen viele darauf hinwiesen, dass Trumps Wahlversprechen nicht mit den Zielen des Instituts von „Vielfalt und Inklusion“ vereinbar seien. Die Branchenzeitung Architect’s Newspaper warnte gar davor, dass sich Architekten in den Dienst von Trumps „rassistisch-patriarchaler Ideologie“ stellen und zur Verstetigung der Ungleichheit beitragen würden, wenn sie sich an Entwürfen für die angekündigte Grenzmauer, die dazugehörigen Internierungslager, für öffentliche oder private Gefängnisse oder auch die militärisch genutzte Infrastruktur beteiligten. Der Architekt und Kritiker Michael Sorkin schrieb in einem offenen Brief: „Trumps hinreichend dokumentierte rassistische Diskriminierungen, seine Mieterschikanen, sein Betrug an Geldgebern und seine Insolvenzen zur Zahlungsvermeidung, seine Vorliebe für Projekte von geringem sozialen Wert – wie etwa Casinos – und die gezielte Vermeidung von Steuern, die das Gemeinwesen stützen, fügen sich nahtlos in sein größeres nativistisches, sexistisches und rassistisches politisches Projekt ein. Wir fordern das AIA auf, sich für mehr einzusetzen als für einen Platz an dem Tisch, an dem Trumps kannibalistisches Festmahl serviert wird. Lasst uns nicht mitschuldig werden am Bau von Trumps Mauer – schließen wir uns zusammen, um sie zu Fall zu bringen!“

Inzwischen haben sich der Vizepräsident und der CEO des AIA mit einem unterwürfigen Video bei den Mitgliedern entschuldigt und eingeräumt, ihre Erklärung nach Trumps Sieg habe wohl „den Ton verfehlt“. Die Bestände an Katalogen für Sicherheitszäune und Goldverglasungen haben sie unterdessen wohl längst aufgestockt.

Oliver Wainwright ist Architektur- und Designkritiker beim Guardian

Übersetzung: Holger Hutt

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 49/16.

Kommentare (1)

na64 13.12.2016 | 09:03

Eyele$$ watching.
Gib den Sternen keine high five als Gruß, wenn wir in Ihren Himmelsaugen den Drohnen etwas über uns heraus lesen wollen. Was ich hinter diesem Spiegel der Ignoranz herausfand, war das erkennen von unzähligen Möglichkeiten, die uns andere Wege offenbaren würden, ein lebender Mensch zu sein.
Wenn in der Kunst diktatorische Verhaltensmuster vorherrschen und andere kreative Impulse untersagt sind, dann wird es Zeit für einen neuen Geist in der Kultur, der diese Dunkelheit als Kammer einer traurigen Unterjochung in seiner Tradition auf sprengt und der Todgeweihten Gewohnheit das Grab aus schaufelt in dem die gegenwärtigen Benimmrituale einer Unkultur Ihren richtigen Platz zu gewiesen bekommen.
So wird der Schleier der Ignoranz gelüftet und man erblickt zu anderen Möglichkeiten die wir in uns selbst entdecken können und vor denen wir Angst haben, da Sie ja nicht dem gewohnten Traditionen eines Rituals von herrsche und befehle als kulturelle Doktrin, uns mit unserem technischen Fortschrittsglaube in Gang hält.
Verstehen von Gruppendynamiken, Hass auf andere um diese Gruppen zu stärken über projektiertes ausgrenzendes Verhalten, welches nur eine dunkle Spirale in eine Pädagogik zulässt und die zwangsläufig in Gewalt endet. Diese Gewalt heißt dann Krieg und wo und wie er angewendet wird ist vielschichtig.
Warum haben wir diesen Hang und Drang in diese Bewusst herbeigeführte Muster, die sich immer wiederholen und unser Gehirn vermittelt, einzig im Blutrausch seine Ekstase als ganzheitliches vollkommenes Empfinden von Glückseligkeit wahr nimmt.
Was stimmt denn nicht mit unserem Denken und unseren Wiederholungen als Schleife von niedergeschriebener vergangener Geschichte als Verhalten!?.
Wir lernen nichts daraus, weil wir das nicht wollen. Wir sind so sehr auf dieses Erfolgsstreben geeicht, auf Besitz macht Glücklich, auf ausgrenzendes Verhalten, da$$ andere Möglichkeiten, als Synapsenschaltung in unserem Denken unbefeuert bleiben, da dies ja mehr Sauerstoff und kontaminierte frei Zonen von der Besatzerkultur als Industrie und Arbeitskultur einfordert und im Widerspruch in ein gefangen sein in den vorzufindenden Arbeitsmasken steht, wie die neuste Erfindung von Armbändern, die einem sagen was wir zu tun haben. Wenn dies zum Bedürfnis geworden ist, so ist dann alles verloren was man als Freiheit bezeichnen kann.

Und da soll sich noch einer wundern, warum Populismus und andere diktatorische Verhaltensmuster in Positionen gewählt werden, da man ja über Konsumartikel daraufhin erzogen wird.