Urlaub in Neuseeland und Co.: 21 Möglichkeiten, wie man nachhaltig die ganze Welt bereist

Ferien Wer nicht mit dem Flugzeug fliegt, hat keine Chance, ferne Länder zu erkunden? Wer das glaubt, hat noch nie etwas von den vielen Apps gehört, die faire und nachhaltige Arten des Reisens versprechen. Welche Plattformen taugen etwas?
So sollte man schon mal nicht reisen
So sollte man schon mal nicht reisen

Foto: Lauren De Cicca/ Getty Images

Der Tourismus hat fast wieder das vorpandemische Niveau erreicht – das ist eine gute und eine schlechte Nachricht. Denn natürlich möchte niemand, dass nervige Touristen die Aussicht versperren, wild auf den Straßen feiern oder die Einheimischen aus ihren Städten verdrängen. Übermäßiger Tourismus, Kohlendioxidemissionen, Raubbau an der Natur und Verschmutzung mit Plastikmüll sind allesamt ein großes Problem. Aber das bedeutet nicht, dass Sie Ihren Urlaub absagen müssen. Hier sind 21 Möglichkeiten, wie Sie diesen Sommer ein „besserer Tourist“ sein können.

1. Fragen Sie sich, was Sie wollen

Wenn man einen Urlaub plant, suchen die meisten Menschen als Erstes ein Reiseziel aus. Justin Francis, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender von Responsible Travel, sagt jedoch: „Fragen Sie nicht: ,Wohin möchte ich reisen?‘, sondern ,Was brauche ich diesen Urlaub?‘ Das kann Spannung, Entspannung oder Lernen sein ... Denken Sie an Ihre Lieblingsreisen zurück – was hat sie angenehm gemacht?“ Anne de Jong, Mitbegründerin des Good Tourism Institute, sagt: „Was für ein Reisender wollen Sie sein? Welche Art von Erfahrungen suchen Sie? Vielleicht denken Sie, dass Sie nach Barcelona wollen, aber vielleicht ist San Sebastián besser für Sie geeignet.“ Diese Herangehensweise könnte Sie zu alternativen Städten abseits der überlaufenen Tourismus-Hotspots führen.

2. Üben Sie einen positiven Einfluss auf den Ort aus

Einige Einwohner Barcelonas sind gegen den Übertourismus vorgegangen, indem sie eine Busroute aus Google Maps entfernen ließen – die Busse waren oft zu voll mit Besuchern, als dass man von der Arbeit nach Hause hätte kommen können. Das heißt aber nicht, dass die Stadt tabu ist. Peter Robinson, Leiter des Centre for Tourism and Hospitality Management, sagt: „Versuchen Sie zu verstehen, was die Proteste und die Verärgerung der Menschen vor Ort auslöst. Es liegt in Ihrer Verantwortung, einen positiven Beitrag zum Reiseziel zu leisten.“ Francis fügt hinzu: „Man kann überall hinreisen, wenn man den Wunsch hat, die negativen Auswirkungen seiner Reise zu verringern und die positiven zu verstärken.“

3. Buchen Sie einen Reiseführer

„Denken Sie bei allem, was Sie tun, an die Region und seien Sie sensibel. Das ist nicht nur die richtige Art zu reisen – es ist auch die angenehmste“, sagt Francis. Er empfiehlt, einen örtlichen Reiseführer zu engagieren. „Er wird Ihnen helfen, die Menschenmassen zu vermeiden, indem er Sie zum Beispiel auf Nachtspaziergänge mitnimmt; er kennt die besten Aussichten und die Fahrpläne der Kreuzfahrtschiffe, die die Stadt mit zusätzlichen Besuchern überfluten.“ Ein Einheimischer könne auch vermeiden, dass Sie sich unbeabsichtigt unangemessen benehmen, zum Beispiel an einer religiösen Stätte.

4. Lernen Sie ein paar Sätze der Landessprache

„Denken Sie daran, dass Sie in der Heimat eines anderen Menschen Urlaub machen“, sagt Francis. „Wenn man mit Respekt reist, wird man auch respektiert. Lernen Sie ein paar Sätze in der Landessprache – es ist nur eine Geste, aber Gesten sind wichtig.“ Robinson fügt hinzu: „Mit ein bisschen Verständnis kommt man sehr weit.“

5. Gehen Sie in die richtigen Restaurants

„Essen ist ein fabelhaftes Tor zur Kultur und Geschichte“, sagt Francis. Achten Sie auf lokale Zutaten und Gerichte auf den Speisekarten, besuchen Sie Märkte, Food-Festivals und Bauernhöfe und nehmen Sie an einem Kochkurs teil. De Jong sagt: „Ich habe mal eine Food Walking Tour in Athen gemacht und wir sind zu versteckten Restaurants, Street-Food-Spots und dem Lieblingscafé des Reiseführers gegangen – Orte, die ich sonst nie gefunden hätte.“ Sie empfiehlt die App Localvore, die Restaurantangebote enthält.

6. Reisen Sie nicht unbedingt während der Hochsaison

Der Weltrat für Reisen und Tourismus ermutigt die Menschen, außerhalb der Hauptverkehrszeiten und ganzjährig zu reisen. Julia Simpson, die Präsidentin und Geschäftsführerin, sagt: „Das Ziel ist es, das Gleichgewicht zwischen der Lebensqualität der Einwohner, dem Reiseerlebnis und der Umweltfreundlichkeit beliebter Reiseziele zu erhalten.“ Es ist nicht immer möglich, die Hochsaison zu vermeiden, aber Robinson sagt, dass schon die Berücksichtigung der Tage, Zeiten und Gebiete, an denen Übertourismus ein größeres Problem darstellt, in überfüllten Städten wie Amsterdam einen Unterschied machen kann.

7. Seien Sie kein Tagesausflügler

Tagesausflügler geben in der Regel wenig aus, sodass sie wenig Nutzen für die einheimische Bevölkerung bringen. „Übernachten Sie in einem Hotel und nicht in einer Ferienwohnung – dann nehmen Sie dem Markt keinen Wohnraum weg und tragen nicht zu dem enormen Anstieg der Miet- und Kaufpreise bei“, sagt Francis. Als Tourist profitiert man davon, wenn man über Nacht bleibt und nicht nur einen Tagesausflug macht: In Sizilien zum Beispiel kann man in Monreale zu Abend essen, wenn alle anderen bereits nach Palermo zurückgefahren sind, und dann am Morgen die Kathedrale besichtigen, bevor die ersten Busladungen von Tagesausflüglern eintreffen.

8. Cooler Trend: „Slow Tourism“

„Beim Slow Tourism geht es darum, mehr Zeit an einem Reiseziel zu verbringen, sich auf die lokale Kultur einzulassen und die Menschen vor Ort kennen zu lernen“, sagt Robinson. Anstatt nur die Stadt zu besuchen, sollte man auch Zeit im Umland verbringen. In Venedig – das seit April als erste Stadt der Welt Eintritt verlangt – schlägt Francis vor, mit Venezia Autentica die traditionellen Handwerksbetriebe der Stadt zu besuchen und dann ein paar Nächte in der Region Venetien zu verbringen.

9. Nehmen Sie alternative Wanderrouten

Paris und Rom werden wohl immer auf den Wunschlisten der Touristen stehen, aber ein Teil der Freude am Reisen besteht darin, weniger bekannte Ziele zu erforschen, sagt Francis. Richard Hammond, der Gründer von Green Traveller, sagt: „Als ich nach Neuseeland reiste, habe ich, anstatt die Great Walks zu wandern, alternative Wanderrouten genommen. Auf ihnen war fast niemand unterwegs – und die Landschaft war trotzdem ziemlich beeindruckend.“

10. Seien Sie klimafreundlich

Im Jahr 2020 hat Responsible Travel in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern die größten Kohlenstofftreiber auf Urlaubsreisen ermittelt. „Die drei wichtigsten waren der Transport zum Reiseziel, der Energieverbrauch in der Unterkunft und das Essen – nicht unbedingt in dieser Reihenfolge“, sagt Francis. „Wenn man sich im Urlaub sehr fleischreich ernährt, könnte das der größte Faktor sein. Eine flugfreie Reise und vegane Ernährung wären also der Urlaub mit den geringsten Auswirkungen auf den Planeten.“ Hammond verweist auf Westschweden, das „klimagerechte Ferien“ anbietet. Dort ist alles nachhaltiger – vom Essen bis zum Transport.

Diese Stadt ist besonders überrannt: Barcelona

Foto: AFP Contributor/ Getty Images

11. „Coolcations“ sind fragwürdig

Der aufkommende Trend zu „Coolcations“ bedeutet, dass immer mehr Touristen nach Skandinavien reisen, um den sengenden Temperaturen, Dürren und Waldbränden am Mittelmeer zu entgehen. Abwechslung mag zwar eine gute Sache sein, aber einfach nach Norden statt nach Süden zu fliegen, ist es nicht. „Wenn Sie nach Skandinavien fliegen, haben Sie genau die gleichen Auswirkungen auf Südeuropa, als wenn Sie dorthin geflogen wären – der Kohlenstoffausstoß ist der gleiche“, sagt Francis. Und dann ist da noch die ethische Frage, ob man Länder im Stich lässt, um mit den Auswirkungen der Klimakrise fertig zu werden, die die Touristen mit verursacht haben. „Es gibt das Argument, dass Orte, die durch eine Naturkatastrophe geschädigt wurden, Touristen brauchen, um Einnahmen zu erzielen und den Wiederaufbau zu unterstützen“, sagt Robinson.

12. Seien Sie kein „Last-Chance“-Tourist

Robinson weist auf die beunruhigende Entwicklung des „Last-Chance-Tourismus“ im Zusammenhang mit der Klimakrise hin. „Eine riesige Anzahl von Touristen strömt an Orte, bevor es zu spät ist: die Galápagos-Inseln, Korallenriffe, Gletscher, die Antarktis ...“ Dabei sind diese Orte für eine solche Anzahl von Besuchern gar nicht vorgesehen. Also: Seien Sie nicht einer von diesen Menschen.

13. Brauchen Sie wirklich eine Drohne?

Selfie-Sticks sind auf dem Rückzug, aber es gibt immer noch jede Menge unsoziales Verhalten auf der Suche nach dem perfekten Bild, einschließlich Drohnenfotografie. Eine Reihe von Ländern hat sie bereits verboten, darunter Marokko und Madagaskar. Vielleicht sollten Sie stattdessen einfach eine Postkarte kaufen?

14. Besuchen Sie Nationalparks

Eine einfache Möglichkeit, die Natur zu unterstützen, besteht darin, einen Nationalpark zu besuchen, auf den Wegen zu bleiben und die Eintrittsgelder zu bezahlen. Ihr Geld hilft bei der Erhaltung der Natur und unterstützt den Lebensunterhalt. Das Motto sollte immer lauten: „Hinterlasse keine Spuren, um empfindliche Ökosysteme nicht zu stören“, sagt Jessica Blotter, CEO und Mitbegründerin von Kind Traveler.

15. Vermeiden Sie Wildtierattraktionen

„Nach Angaben von World Animal Protection werden bis zu 550.000 Tiere unter tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten, um Touristen zu unterhalten“, so Blotter. Kind Traveler listet 14 Tierattraktionen auf, die man vermeiden sollte: darunter Elefantenreiten und Schwimmen mit Delfinen. „Die beste Art, Wildtiere zu erleben, ist in freier Wildbahn, durch verantwortungsvoll geführte Touren oder Sightseeing-Erlebnisse, bei denen die Natur ungestört ist.“

16. Füttern Sie keine Affen auf Borneo

Es mag verlockend klingen, nach Borneo zu fliegen, um verwaiste Orang-Utans mit der Flasche zu füttern. Aber seien Sie sich darüber im Klaren, dass die negativen Klimafolgen in diesen Fällen den ökologischen Nutzen überwiegen. In der Regel ist es besser, nahe der eigenen Heimat etwas für den Planeten zu tun. Der Bericht State of Nature 2023 zeigt, dass eine von sechs britischen Arten vom Aussterben bedroht ist. „Schauen Sie sich an, was vor Ihrer Haustür passiert; schauen Sie sich die Arbeit der Wildlife Trusts an. Es gibt viele großartige Natururlaube in Großbritannien“, sagt Hammond. Francis empfiehlt einen Besuch auf dem Knepp Estate, einem Wiederbegrünungsprojekt in West Sussex. Das ist, von Deutschland aus gesehen, viel näher als Borneo.

17. Was halten Sie von Camping …?

„Wenn Sie an einem Ort sind, an dem wildes Campen erlaubt ist, wählen Sie Ihre Plätze sorgfältig aus“, sagt Robinson. „Versuchen Sie, zu Fuß oder mit dem Fahrrad dorthin zu gelangen, anstatt mit dem Auto zu fahren.“ Nicht alle Campingplätze sind gleich, es lohnt sich also, sich zu informieren. Francis fügt hinzu: „Ich werde diesen Sommer auf den Secret Campsite in Sussex fahren, der unglaublich naturfreundlich ist und die Familien vor Ort mit einbezieht.“

18. ... oder Glamping?

Im Allgemeinen ist Glamping auch eine gute Wahl. „Es ist aber gut, sich über mögliche Probleme beim Glamping Gedanken zu machen“, sagt Francis. Dazu gehören die Zerstörung von Wäldern, der Wasserverbrauch, die Abwasser- und Abfallentsorgung, Zugangsprobleme für Anwohner sowie Licht- und Lärmbelästigung. Robinson fügt hinzu: „Einige Glamping-Zelte fühlen sich wie Hotelzimmer an – sie haben sogar Terrassenheizungen! Prüfen Sie also die Öko-Standards genau, um sicherzustellen, dass es sich nicht um Greenwashing handelt.“

Sitzen Sie nicht den ganzen Tag nur am Strand

Foto: Theo Wargo/ Getty Images

19. Fahren Sie mit dem Zug …

„Wenn Sie eine Alternative zum Fliegen finden können, sollten Sie sie nutzen“, sagt Hammond. Die jüngste Deregulierung des europäischen Eisenbahnnetzes bedeutet, dass die Preise sinken – der Zug von Barcelona nach Madrid kostet jetzt im günstigsten Fall nur noch sieben Euro. Buchen Sie im Voraus und benutzen Sie eine Plattform für flugfreies Reisen wie Byway. Und seien Sie auch ehrgeizig: „Heutzutage kann man nicht nur Paris, Lille und Brüssel leicht mit dem Zug erreichen“, sagt Hammond. „Sie können den Zug nach Bari oder Brindisi in Italien nehmen und dann eine Fähre nach Griechenland, Kroatien oder Albanien.“ Im Sommer kann man von Großbritannien aus innerhalb von 48 Stunden auf dem Landweg nach Korfu gelangen. Back-on-Track Europe bietet eine nützliche Karte für Nachtzüge in Europa.

20. ... und mit dem Reisebus

„Reisebusse gelten nicht als luxuriöses Verkehrsmittel, aber moderne Busse haben verstellbare Sitze, WLAN – und auf einer kürzlichen Reise von Basel nach Paris gab es sogar eiskaltes tschechisches Bier“, sagt Hammond. „Busse eignen sich besonders gut für weniger bekannte Reisen von Stadt zu Stadt.“ FlixBus, das in Europa, Nord- und Südamerika und Asien tätig ist, und BlaBlaCar Bus sind bekannte Anbieter.

21. Kreuzfahrtschiffe? Bitte boykottieren!

Kein Nachhaltigkeitsexperte hat ein gutes Wort über Kreuzfahrtschiffe zu sagen. Francis bringt es auf den Punkt: „Pro Passagier/km sind Kreuzfahrtschiffe die kohlenstoffintensivste Art des Reisens.“ Sie verbrennen einen sehr schmutzigen Brennstoff: Die Schwefelemissionen der 218 Kreuzfahrtschiffe in Europa entsprechen denen von einer Milliarde Autos. Zudem sind die Arbeitsbedingungen des Personals oft schlecht und es gibt nur wenige Arbeitnehmerrechte. Und dann ist da noch der Übertourismus, bei dem viele Menschen an einen Ort kommen, aber nicht viel Geld ausgeben, da sie an Bord essen und schlafen. Zu den weniger schädlichen Alternativen gehören Flusskreuzfahrten, kleine Schiffe und Segelboote sowie Hurtigruten, der norwegische Küstenexpress, der bis 2030 emissionsfreie Kreuzfahrten anstrebt.

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Geschrieben von

Rachel Dixon | The Guardian

Der Freitag ist Syndication-Partner der britischen Tageszeitung The Guardian

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