Was ist eigentlich normal

Weihnachten Familientraditionen sterben langsam. Sie wehren sich gegen jede Veränderung. Wie passt das in unsere moderne Lebenswelt? Sind Kompromisse überhaupt möglich?
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Einmal, als ich neun Jahre alt war, verbrachte ich Weihnachten mit meinem Vater, meiner Stiefmutter und ihren Eltern. Als wir dort ankamen, war es uns nicht erlaubt, den verlockenden Stapel mit Geschenken sofort aufzureißen. Erst nach dem Essen. Und dann wurden sie uns einzeln, Stück für Stück, seeehr laaangsaaam ausgehändigt, etwa in dem Tempo, mit dem die Queen alljährlich am Mahnmal für die Gefallenen des Krieges ihre Kränze niederlegt. Meine Schwester und ich, die wir es gewohnt waren morgens aus dem Bett zu springen, den ganzen Berg mit Gebrüll zu erobern und die Geschenke wie im Rausch aufzureißen, bebten vor Ungeduld.

Als ich meinem Mann Peter kürzlich von dieser Erfahrung erzählte, sagte er: „Zuerst öffnet man de