Die Chance zur Versöhnung

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Volksdemonstrationen gegen die Machtherrschaft in der arabischen Welt zeigen genau, dass die Zeit des imperialen Kolonialismus seinem Ende zuneigt. Die diktatorische Politik in Tunesien, Ägypten und jetzt noch Algerien und Libyen hat das wahre Gesicht der Marionnetten zur Schau gebracht, die schon seit längerer Zeit seitens der Industrieländer vollste Unterstützung sowie auch Schutz genießen, um ihre korrupten Machenschaften auf Kosten des Volks zu erledigen.


Trotz Unabhängigkeitserklärungen und einem Ende der Besatzung durch die Industriestaaten wurden die betroffenen Länder noch stets als wichtige Rohstoffquelle für die Kapitalvermehrung ferngesteuert. Aufgrund der neuen schnellen Kommunikationswege und in der Zeit der globalen Wirtschaft hat eine Mehrheit der arabischen Bevölkerung ein anderes Bild der freien Demokratie erfasst und deswegen die Taten der Machtherrschaft in Frage gestellt. Wenn man erfährt, dass gut ausgebildete junge Leute in ihrem Land keine Chance haben, dann ist der geleistete Widerstand der letzten Wochen gegen einer maroden Politik wohl zu verstehen.


Fast alle unter diesen Ländern leben von der Tourismuswirtschaft und sind aus diesem Grund nie ganz von der Außenwelt ausgeschlossen worden. Die Kontakte zwischen den Einheimischen und den Ausländern haben u. A. dafür gesorgt, dass ein Lebenserfahrungsaustausch aus anderen Kulturen einem Freiheitsbedarf hervorgerufen hat. Genau der Bedarf an mehr soziale Gerechtigkeit bildet das Hauptthema des Widerstands, der einiger Maße friedlich abläuft und ohne großes Blutbad schon den Sturz einige unter den Machtinhabern verursacht hat. Die Hauptfrage bleibt selbstverständlich gestellt: Was kommt nach diesem Sturz? Eine Militärdiktatur? Eine ideologische Machtübernahme, die dann die Freiheit des Individuums in einer anderen Richtung einschränken würde? Eine freiheitliche Demokratie?


Alle dieser Fragen muss man sich zwanghaft stellen, denn weder eine Militär- noch eine ideologische Diktatur sich als zeitgemäß erweisen können. Man sollte auch nicht vor dem Auge verlieren, das die muslimische Brüderschaft nicht auf einer fanatischen Ideologie basiert, sondern auf einer freiheitlichen denkenden Weise funktioniert, um die Menschen innerhalb eines freien Glauben zu verbinden (Religionen, aus dem Latein religare). Deshalb besteht die Chance für diese Nationen sich mit anderen Ideologien zu versöhnen, ins Besondere ab dem Moment, dass man Fanatismus außer Fechte schafft. Ideologien haben überhaupt nichts mit Religionen zu tun und zu suchen! Es gibt nur eine wahre Interpretation der Religionen und diese bedeutet sein Nächsten zu respektieren, wie man selbst gerne von seinem Nächsten respektiert werden möchtet.


Eine Vielzahl von Ideologien haben im Lauf der Menschengeschichte – auch im Namen eines Gottes – viel zu viel Blut fließen lassen. Die Hintergründe für die Durchsetzung von Ideologien sind vielfältig. Zunächst bildet Gier das Hauptfundament zum Entstehen der Machtherrschaft. Einige Gurus behaupten die Menschenfreiheit im Namen einer Moral einzugrenzen, um Querdenker aller Arte auszuschalten. Andere Lebensweisen werden im Namen der Moral ausgelöscht, Frauen werden unterduckt und fast wie Sklaven behandelt, das alles im Namen der Moral, aber wohl nie im Namen der Demokratie und der Menschenwürde.


Die Chance zur Versöhnung besteht auch in der Tatsache der Völkerverständigung, die diesen Freiheitsbedarf eindeutig bevorzugt, weil unabhängig der Menschenherkunft Freiheit ein Lebensgrundbedürfnis bildet. Freiheit und Demokratie haben zum Zweck die Grenzen im Kopf fallen zu lassen, um sein Nächsten egal seiner Hautfarbe, seiner Denkweise und seiner sozialen Lage stets eine Chance zu geben, ihm eventuell einen Weg zeigen, worauf er selber laufen werden sollte, um seinen eigenen freien Lebensweg zu finden. Die Chance das Handwerk des Fanatismus niederzulegen, besteht auch, ab dem Moment, das diese Völker die Richtigkeit dessen Ideologie in Frage stellen und sich endlich für ein Ende der Menschenerpressung und –Unterdruckung einsetzen. Eine Chance, die die arabische Gesellschaft mit seinen Stärken und Schwächen nur in einer weltoffenen und -orientierten Nation umwandeln kann.


Ich hoffe sehr, dass die heutige arabische Generation diese Botschaft versteht und diese notwendige Transformation alter Strukturen friedlich interpretieren wird, um Platz an demokratischen Gesellschaftssystemen zu machen und neue konstruktive Prozesse kreativ zu entwickeln und zu realisieren, um sich endgültig von der verdeckten westlichen Machtherrschaft zu befreien. Ich bin auch der Meinung, dass genau diese Botschaft schon bei den westlichen Nationen angekommen ist. Schade eigentlich, dass man so lang zugeschaut hat, ohne etwas früher unternommen zu haben. Aufgrund der kriminellen Machtherrschaft der Marionetten hat man fast 50 Jahre gewartet, um diese Akteure das Handwerk niederzulegen, wie fast 50 Jahre hinter schwedische Gardinen in der Seele, dem Denken und der öffentlichen Meinungsfreiheit verbracht.


Das Blatt hat sich gedreht und man könnte wohl Mal gespannt sein, wann die Täter vor einem internationalen Gerichtshof vorgeführt sein werden!?

22:30 19.02.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Thierrydecologne

Ich bringe Menschen aus allen sozialen und wirtschaftlichen Herkünften zusammen, die sich für eine nachhaltige Gesellschaft investieren wollen.
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare