Armuts- und Reichtumsbericht

Bundesregierung Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung deutet auf eine sich verfestigende Armut hin, keine Überraschung nach meiner Meinung.
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Der sechste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wurde vom Kabinett verabschiedet. Dabei ist die wichtigste Erkenntnis, dass es immer schwieriger wird, aus der Armut herauszufinden. Nicht erst seit der Corona-Pandemie verfestigt sich die Armut. Der Bericht legt offen, dass Menschen, die von 2008 bis 2012 arm waren, im Zeitraum zwischen 2013 und 2017 zu 70 Prozent immer noch arm waren. Die ökonomische Polarisierung ist ein weiterer Befund, da die Anteile von den mittleren Einkommensgruppen weniger werden. Dafür jedoch wächst die Zahl der Menschen, die sehr wenig oder sehr viel verdienen. Zudem sind ebenfalls die Vermögen sehr ungleich verteilt – im Vergleich zu den Einkommen ist dieses sogar noch ungleicher. Erst in zwei oder drei Jahren werden zahlreiche Auswirkungen der Corona-Pandemie abschätzbar sein.

Im aktuellen Wahlkampf haben sich nahezu alle Parteien die Abschaffung von Hartz IV vorgenommen. Damit die Armut reduziert werden kann, ist ein politisches Konzept, dass es eine gute Entscheidung wäre, ein Mindestlohn von zumindest 12 Euro einzuführen. Eine Stärkung der Tarifbindung könnte auch hilfreich sein. Schließlich gibt es in Deutschland einen großen Niedriglohnsektor, weil insgesamt neun Millionen Menschen im Bereich der Niedriglöhne arbeiten. Genau in dieser Zone findet Armut statt. Davon sind die Folgen groß, insbesondere wenn diese über das weitere Leben fortgeschrieben werden. Denn diese Menschen werden letztlich ebenso niedrige Renten erhalten. Die Regelsätze für Hartz IV sollten in der neuen Form auf ein bedarfsgerechtes Niveau erhöht werden.

Auf die Frage, ob die ökonomische Polarisierung ebenfalls politische Folgen hat, kann das eindeutig mit Ja beantwortet werden. Es ist in Daten ersichtlich, dass Personen, die in der Corona-Krise Einkommensverluste erlitten haben, eher Verschwörungstheorien annehmen. Auch gibt es Zusammenhänge zwischen Menschen mit Einkommensverlusten in der Pandemie sowie rechtspopulistischen Einstellungen.

Aktuell sind 3,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Die Corona-Krise hat gerade im Gaststätten- und Hotelgewerbe dramatische Auswirkungen. Solche Umstände können dazu führen, dass die Armut in Deutschland zunimmt. Personen in den unteren Einkommensgruppen waren in der Corona-Pandemie von Einkommensverlusten öfter betroffen. Es gibt hierfür mehrere Faktoren: In der Pandemie sind zahlreiche geringfügige Beschäftigungen weggebrochen. Außerdem arbeiten andere Geringverdiener in Branchen wie zum Beispiel dem Gastgewerbe, die besonders oft in der Corona-Krise von Kurzarbeit betroffen sind. Sofern eine Person sich mit ihrem Einkommen an der Grenze zur Armutsschwelle befindet und anschließend monatelang 10 oder sogar 20 Prozent weniger Geld erhält, befindet diese sich in der Gefahr, abzurutschen und solche Personen geraten mit Sicherheit in eine besonders belastende Situation.

In Deutschland gelten Menschen als arm, die von dem mittleren Einkommen weniger als 60 Prozent verdient. Hierbei orientier sich diese relative Definition von Armut an der Teilhabe-Idee, ob Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Falls sich alle Personen Kinobesuche regelmäßig leisten können, der Geringverdienende jedoch nicht, dann handelt es sich um eine mangelnde Teilhabe. Daher geht diese Definition darüber hinaus, bestimmte Grundbedürfnisse abzudecken und es wird vielmehr danach gefragt, ob Geringverdienende in diesem Land am durchschnittlichen Lebensstandard teilnehmen können.

Für Selbständige gibt es Hilfsleistungen wie die Corona-Hilfen und es gibt das Kurzarbeitergeld, damit die Folgen der Corona-Pandemie abgemildert werden können. Allerdings reicht das Kurzarbeitergeld vielen Menschen nicht aus, die bereits vor der Krise nur etwas über der Armutsgrenze eingenommen haben. Außerdem mussten zahlreiche Menschen auch aus anderen Gründen ihre Arbeitszeit reduzieren, zum Beispiel, um ihre Kinder betreuen zu können. Natürlich sind da dann noch die Selbständigen, die von der Pandemie besonders stark betroffen sind. Mit Sicherheit gibt es unter diesen nicht ausschließlich Geringverdiener. Doch wenn jemand zum Beispiel vor der Krise Musikunterricht gab, gehörte dieser vermutlich bereits vorher nicht zu Großverdienern. Zudem sind ihm aufgrund der Krise nahezu alle Einnahmen weggebrochen.

00:22 22.05.2021
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Geschrieben von

Thilo S. Pape

Ich grüße euch aus dem beschaulichen Brunnthal (bei München), schreibe enthusiastisch seit 6 Jahren auf meinem Blog über Politik, Kultur und Reisen..
Thilo S. Pape

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