Geldentwertung kommt, die Frage nur wann!

Inflation Inflation oder Deflation, die Experten sind sich nich einig was uns in Deutschland und global noch blüht.
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Selten wird es in der Vergangenheit so heftige wirtschaftliche Einbrüche gegeben haben, wie sie den Euro-Ländern bevorstehen werden. Die Coronavirus Pandemie legt momentan die weltweite Wirtschaft lahm. Bei den letzten großen Krisen konnte beobachtet werden, dass sich die Teuerung stark abschwächte oder eine Vergünstigung der Konsumentenpreise folgte. Aus diesem Grund wird stark davon ausgegangen, dass die momentane Situation mit dem Coronavirus die ohnehin schon schwache Inflation in eine Deflation drängen wird.

Der Faktor, der hierbei wohl am größten zu gewichten ist, ist die gewaltige Einbuße beim Ölpreis. Es wird aufgrund dessen schon im April von einer Inflation nahe dem Nullpunkt ausgegangen. Außerdem wird die Lohnzusicherung für Arbeitnehmer kaum Auswirkungen haben, da die Konsumentenstimmung sich sehr zögerlich zeigt. Auch sind viele Produkte des Verbraucherpreisindex momentan gar nicht im Angebot. Auch im florierenden Lebensmittelhandel wird es zu diesen Zeiten nicht zu Preiserhöhungen kommen. Dies würde dem Ruf der Lebensmittelhändler enorm schaden. Hat sich die Verbreitung des Virus verlangsamt und ist die Normalität wieder in den Alltag zurückgekehrt, werden auch die Unternehmen wieder voll produzieren können. Die aufgelaufene Nachfrage, die sich in der Zeit des Stillstands entwickelt hat, dürfte dann, auch mittels zusätzlicher Produktion, wieder abgebaut werden. Im Dienstleistungs- und Tourismussektor könnte sich dies etwas schwieriger gestalten. Hier wird mit Preiserhöhungen gerechnet, wie auch erneut beim Öl. Diese Erwartungen werden aber wiederum von der sich verschlechternden Lage an den Arbeitsmärkten gedämpft. Verhaltene Lohnanstiege durch schwächer gestellte Gewerkschaften senken die Kosten der Unternehmen.

Wird nun jedoch ferner in die Zukunft geschaut, könnte die Krise doch inflationäre Auswirkungen haben. Unternehmen mit Produktionsstätten im Ausland dürften sich wieder regionaler ausrichten. Auslöser dafür ist, dass durch die Globalisierung, die verzweigten Lieferketten im Moment zusammenbrechen und es dort zu Ausfällen kommt. Die näher gelegene Herstellung und Belieferung gewährleisten dann zwar eine zuverlässigere Herstellung, gleichzeitig wird diese aber auch teurer, da die Kosten in Europa höher sind als in Ländern wie China. Diese Produktionskostenerhöhungen werden dann auf die Verkaufspreise übertragen. Diese sogenannte De-Globalisierung spricht somit stark für eine höhere Teuerung in ferner Zukunft. Das genaue Ausmaß und das Eintreten des Effekts sind jedoch kaum festzulegen beziehungsweise einzuschätzen.

Auch Kredite für Unternehmen werden die Wirtschaft weiter mit Liquidität überfluten. In den Jahren 2008/09, in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise, stellten die Zentralbanken enorme Mengen Cash zur Verfügung. Trotz dessen hatte dies kaum Auswirkungen auf die Preise, da die Geldmenge M3 kaum zunahm. Grund dafür war, dass die Gelder in den Finanzsektor eingeschlossen wurden. Doch dieses Mal ist das anders. Die gesprochenen Kredite für die Wirtschaft werden den Kunden der Banken auf deren Konto gutgeschrieben was die für die Geldmenge M3 einen deutlichen Anstieg bedeutet. Schätzungen zufolge wird die Inflation in den nächsten zwei bis drei Jahren auf ungefähr 3 Prozent ansteigen und die Geldmenge in diesem Halbjahr um 1000 Milliarden Euro erhöht werden.

In der Praxis dürfte es jedoch anders aussehen. Wie bereits erwähnt, werden niedrigere Lohnerhöhungen den Kostendruck von den Firmen nehmen und somit den Preisanstieg tiefer als prognostiziert ausfallen lassen. Außerdem wird die Erhebung der Preise nicht lange anhalten. Nach dem Abflachen der Krankheitsausbreitung werden die Hilfskredite wieder schrittweise zurückgezahlt. Prognosen besagen eine Normalisierung der Menge M3 bis ins Jahr 2024. Gegen diese Entwicklung können sich Privatanleger nur durch eine Flucht in Sachanlagen schützen. Dazu gehören beispielsweise Immobilien, Edelmetalle aber auch Aktien. Als neuste Anlageklasse sollten noch Kryptowährungen wie Bitcoin oder XRP ausgelistet werden. Allerdings sind solche Anlagen sehr volatil (siehe beispielsweise den XRP Kurs in den letzten Monaten) und nur auf langfristige Sicht als Inflationsschutz zu empfehlen.

Der einzig wirklich bedrohliche Einfluss auf die Preise könnte somit die De-Globalisierung mit sich bringen. Die anderen Faktoren sind ansonsten eher kurzfristiger Natur oder heben sich gegenseitig auf.

00:24 01.10.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Thilo S. Pape

Ich grüße euch aus dem beschaulichen Brunnthal (bei München), schreibe enthusiastisch seit 6 Jahren auf meinem Blog über Politik, Kultur und Reisen..
Thilo S. Pape

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