Unappetitliches aus Bayreuth

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Mensch bin ich froh, daß endlich der Guttenberg zurückgetreten ist, sage ich am Dienstag zu meiner Freundin B. Das war ja eine Zumutung, wie der das Plagiat verleugnet hat. Gott sei Dank haben sich die Akademiker auf die Hinterbeine gestellt und ihn rausgekegelt. B. bemerkt, daß ihr die Uni Bayreuth sowieso suspekt sei. Klar, sage ich, die haben doch eine Riesenspende von den Guttenbergs bekommen. Das wußte sie noch gar nicht. Ja doch, und das Geld kam von den Rhön-Kliniken, versuche ich mich zu erinnern. Kein Wunder, daß die ihm eine Promotion geschenkt haben, empört sich B., aber was soll man schon von einer Uni erwarten, an der ein Prof öffentlich sagen kann, Organverkauf könnte Arme aus einer Notlage helfen. Das kann ich mir nicht vorstellen, sage ich. Aber B. ist sich sicher. Im Verborgenen beginnen bei mir zwei Gehirnzellen zu rechnen: Guttenberg + Rhön-Klinik = Medizin & Organhandel = Medizin. Aber bevor es zu einem Ergebnis kommt, hat B. schon das Thema gewechselt.

Gestern hängen wir wieder am Telefon. Nicht, daß jetzt jemand denkt, wir würden sinnlos quasselnd die Zeit vertrödeln: Ich wasche nämlich dabei ab, den Hörer ans Ohr geklemmt. Männer haben sicher Freisprecheinrichtungen. Wir reden auch nicht über Kleider oder Diäten, sondern mit masochistischem Genuss über die bundesrepublikanischen Verhältnisse.

Schadenfreudig verkünde ich, daß in Hamburg sich nur 200 Hanseln zur Pro-Gutti-Demo eingefunden haben. Das sei der Beweis, daß BILD, facebook und Emnid alles manipulierende Betrüger seien, behaupte ich. B. findet, es gäbe Schlimmeres und Maiziere sei gar kriminell. Der Sachsensumpf, erinnert sie mich. Ausserdem, habe ich dir schon von dem Oberender von der Uni Bayreuth erzählt , der den Organhandel...

Es sieht nur so aus, als würden sich unsere Unterhaltungen immer im Kreis drehen, in Wirklichkeit sind es Aufwärtsspiralen. Die 2 vergessenen Gehirnzellen fangen an zu rattern: Guttenberg + Rhönklinik = Medizin & Organhandel = Medizin: Die Rhönklinik wird doch nicht etwa den Lehrstuhl von Oberender gesponsert haben?

Wir konsultieren Google:

Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender Universität Bayreuth Ordinarius für Volkswirtschaftslehre und Gesundheitsökonomie an der Universität Bayreuth bis 2007 Initiator des ersten bundesweiten Studiengangs Diplom-Gesundheitsökonomie ... Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth (2000-2002 sowie 2004-2006)

Wikipedia zu Oberender Er ist aktuell noch Direktor der "Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie" an der Universität Bayreuth, Direktor des "Instituts für angewandte Gesundheitsökonomie" (IaG) sowie Inhaber und Seniorpartner der Unternehmensberatung "Oberender & Partner", eines auf Gesundheitsökonomie und Krankenhausmanagement spezialisierten Beratungsunternehmens. [...] Außerdem war Peter Oberender Mitglied des Wissenschaftsrates, in dessen Arbeitsgruppe "Public Private Partnership in der Hochschulmedizin" er immer noch Vorsitzender ist.

Dekan der Jura-Fakultät, wo das Guttenbergsche summa cum fraude abgesegnet wurde. Gesundheitsökonomie hört sich so an, als würde ein Privatklinikum dafür Geld locker machen.

Guttenberg, die Rhön-Klinikum AG und Sponsoring der Uni Bayreuth Am Donnerstag wurde be­kannt, dass Guttenberg Sponsor der Uni Bayreuth war, an der er bis 1999 studiert und von 2000 bis 2006 promoviert hatte. Wie Hans-Dieter Heck, Sprecher der Rhön-Klinikum AG der WAZ-Mediengruppe bestätigte, hat das Unternehmen von 1999 bis 2006 für einen neuen Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie an der Jura-Fakultät 747.764,36 Euro an die Uni überwiesen. Guttenberg hatte von 1996 bis 2002 einen Sitz im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG. Seine Familie besaß dort Aktien.

Bingo!

Oberenders Organhandelvorstellungen finden sich auch:

Oberender und der Organverkauf SPIEGEL 2004 Eine völlige Legalisierung des Organhandels verlangt der Bayreuther Gesundheitsökonom Peter Oberender. Damit will der Professor den Mangel an Spenderorganen bekämpfen und gleichzeitig die Situation der Spender aus ärmeren Ländern verbessern.

[...]

"Jeder Mensch soll aus freien Erwägungen entscheiden, ob die Vorteile eines Organkaufs oder -verkaufs für ihn in einem opportunen Verhältnis zu den möglichen Nachteilen stehen", sagte der Bayreuther Volkwirtschaftsprofessor im Interview mit "Focus Money".

[...]

"Natürlich wird es sich nicht vermeiden lassen, dass Organe oft aus ärmeren Ländern stammen, wo Menschen durch ihre Lebensumstände eher bereit sind, zur Lösung ihrer existenziellen Probleme ein Organ zu verkaufen, als in reichen Industrieländern", sagte der Wissenschaftler. Dies sei kein ethisches Optimum, aber "eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Status quo".

[...]

Der Volkswirtschaftler verlangte außerdem volle Transparenz in Bezug auf Preis und Qualität der Organe. Wer sein Organ verkaufen wolle, müsse, ähnlich wie heute ein Blutspender, bestimmte Eignungstests durchlaufen. Die Kosten dafür müssten auf den Preis für das Organ aufgeschlagen werden. Der Organhandel soll nach Oberenders Vorstellungen im Internet stattfinden und den Charakter einer Auktion erhalten. "Wenn etwa ein Organ angeboten wird, das für mehrere Empfänger in Frage kommt, muss natürlich auch der Staat oder die betreffende Krankenkasse mitbieten, um sozial schwächere Patienten an der Versorgung teilhaben zu lassen", so Oberender. Am freien Handel mit Organen wie Nieren würde sich der Gesundheitsökonom allerdings höchstens als Käufer beteiligen. "Meine Nieren sind gegenwärtig unverkäuflich. Das Risiko ist mir zu hoch."

Die Konklusionen überlasse ich den Lesern!

*Hervorhebungen von mir


11:42 06.03.2011
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Geschrieben von

thinktankgirl

Ich lese keine Philosophen, ich lese Krimis! thinktankgirl@die-genossen.de
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richard-der-hayek | Community