Thomas Galli

Kriminologe
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Thomas Galli
RE: Vergeltung | 08.04.2015 | 10:29

sehe ich genau wie Sie! Dass und wie wir (gilt wohl für alle Menschen auch über Europa hinaus) groß sind im Verdrängen des Bewusstwerdens unliebsamer Eigenschaften, Triebe und Taten haben aus meiner Sicht vor allem Sigmund Freud und seine NachfolgerInnen nachvollziehbar ausgearbeitet (sie scheinen diesem psychoanalytischen Denken gegenüber ja ebenfalls aufgeschlossen zu sein). Und wer gibt schon gern von sich zu, Aggressionen zu haben, die irgendwo hinmüssen (ein "Schuldiger" bietet sich dafür sozialadäquat an) oder so etwas archaisches wie Rachegelüste zu fühlen? Ein Bewusstwerden dieser aggressiven Anteile erscheint mir auf einer gesellschaftlichen Ebene notwendig zu sein, nur dann können sie sinnvoll gehandhabt werden.

RE: Der Böse, der Kranke, der Schuldige und wir | 04.04.2015 | 12:07

Ich selbst hätte mehr Angst mit einer Maschine zu fliegen, bei der technische Probleme zum Absturz führen, als wenn menschliches Versagen ( hier in einem bisher noch nie vorgekommen Fall ) der Auslöser wäre

Da sprechen Sie einen aus meiner Sicht interessanten Punkt an. Warum hätten Sie dann mehr Angst? In einigen Medien wurde ja auch berichtet, für die Hinterbliebenen der Opfer sei es die schlimmste aller Ursachen des Unglücks, wenn der Co-Pilot es bewusst herbeigeführt hätte. Ich weiß nicht, ob das wirklich für die Hinterbliebenen schlimmer ist, als wenn ein technischer Fehler zum Absturz geführt hätte, aber falls dem so ist: warum ist es schlimmer? Und wenn die Technik nicht richtig funktioniert, muss man dann nur immer stärker in die Tiefe gehen und jeden Entwicklungsschritt hinterfragen, um dann letztlich auch bei einem Menschen zu landen, der etwas falsch gemacht hat? Wo liegt also der Unterschied? Muss ich mal drüber nachdenken...

RE: Der Böse, der Kranke, der Schuldige und wir | 01.04.2015 | 20:37

Herr Uxa, sehe ich genauso wie Sie! Durch Stimulierung von Angst und Wut kann Aufmerksamkeit erzeugt, Quote und Auflage gemacht werden, und zu komplexe Erwägungen vergraulen viele Medienkonsumenten. Als Reaktion auf Tragödien wie die gegenständliche folgen dann nicht selten plakative, symbolische und auch überzogene und sogar kontraproduktive Maßnahmen. Und wupps, bald schon passiert wieder etwas (z.B. streiten sich zwei Piloten im Cockpit, wodurch ein Absturz verursacht wird. Ab dann darf nurmehr ein Pilot an Bord sein), über das man sich in aller Regel aus sicherer Entfernung empören und ängstigen kann. Ein zynischer Mechanismus, letztlich geilen sich viele auf am Leid der Opfer und auch der Täter. Wobei ich nicht zu fatalistisch klingen will, es gibt in allen Bereichen viele vernünftige und seriöse Menschen. Das Fliegen ist ja beispielsweise über die Jahre immer sicherer geworden, was sicher auch daran liegt, dass man aus Unglücksfällen die richtigen Konsequenzen gezogen hat. Und die BILD-Zeitung ist vielfach für ihre Berichterstattung in dem Fall gerügt worden.

RE: Hollywoods Hurra-Patriotismus | 08.03.2015 | 18:22

Habe das Buch von Kyle gelesen, leider. Es ist nicht sehr packend. Der Autor präsentiert sich als Psychopath wie aus dem psychiatrischen Lehrbuch, mit einer beneidenswert einfachen Schwarz-Weiß-Sicht auf die Welt. Was unterscheidet den Psychopathen, der zum (in diesem Fall amerikanischen) Held wird von dem, der im Knast landet?

RE: Warum wir Pegidas Schweigen zuhören sollten | 23.12.2014 | 21:25

Ein guter Text, dennoch bin ich anderer Meinung:

https://www.freitag.de/autoren/thomas-galli/pegida-loeschen-durch-ignorieren-1

RE: Ein polemischer Brief an PEGIDA | 23.12.2014 | 21:18

ich habe mal etwas drüber nachgedacht:

https://www.freitag.de/autoren/thomas-galli/pegida-loeschen-durch-ignorieren-1

RE: Ein polemischer Brief an PEGIDA | 10.12.2014 | 15:19

woher die Egozentrik kommt, kann ich nicht sagen, auf die Schnelle schon gar nicht, aber ich finde es schon zunächst einmal wichtig festzustellen, dass hinter den angeblichen Sorgen oder Befürchtungen der tapferen Kämpfer für unser Abendland eine Geisteshaltung steckt, die man beim Individuum als narzisstisch, und in Teilen sogar psychophatisch bezeichnen würde. Mit einem derartigen Ansatz einer analytischen Erklärung ist noch kein Problem gelöst, aber bevor wir das können, müssen wir es erst möglichst genau verstehen und erklären. Das ist meine Meinung! Ihren ursprünglichen Kommentar fand ich etwas zu destruktiv, daher mein Unmut;)

RE: Ein polemischer Brief an PEGIDA | 10.12.2014 | 14:29

so richtig verdient Ihr Kommentar keine Replik, eine kurze will ich dennoch geben, denn: so polemisch, wie der Beitrag überschrieben ist, ist er gar nicht, sondern in Teilen eher analytisch. Ein Grundproblem vieler Menschen, die hirn- und herzlose Egozentrik, wirkt sich derzeit bei u.a. bei PEGIDA aus. Das zu zeigen, hat mit auf die Trändendrüse drücken nichts zu tun.

RE: Ein polemischer Brief an PEGIDA | 10.12.2014 | 10:30

Hervorragend auf den Punkt gebracht, sehe ich auch so!

RE: Umstrittener Unrechtsstaats-Begriff | 26.10.2014 | 14:07

Ich finde, der beste Satz zu dem Thema stammt von dem im Beitrag ja auch wiederholt zitierten Friedrich Schorlemmer, der in der Süddeutschen Zeitung vom 25.10.2014 geschrieben hat:

"Und so manche, die in den Blockparteien auf der Schleimspur der SED rutschten, reißen nun ihren Mund weit auf, nachdem sie ihn so lange tapfer zugepresst hatten, die Freiheit heimlich liebend."

Herrlich treffend!