Wer bekommt die Covid-19 Impfung zuerst?

Viruskrise Die ersten Biotech Firmen stehen kurz davor, einen wirksamen Covid-19-Impfstoff auf den Markt zu bringen. Doch wer soll diesen zuerst erhalten?
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Klar ist: Am Anfang wird es Lieferengpässe geben. Deshalb wurden drei wissenschaftliche Institutionen damit beauftragt, einen Impfplan zu entwickeln. Dieser soll festlegen, wer als erster gegen Corona immunisiert werden soll. Wie kann Deutschland bei der Vakzinvergabe ethisch korrekt vorgehen?Es ist ein trauriger Fakt, aber viele Menschen werden vergeblich auf eine schnelle Impfung gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 warten. Experten zufolge wird Verständnis und Solidarität bei der Impfstoffvergabe eine große Rolle spielen. So sei es selbstverständlich frustrierend, über eine Priorisierung eines lebensrettenden Medikaments nachzudenken. Jedoch sei es gerade deshalb wichtig, ethische Maßstäbe an die Verteilung anzulegen.

Wer wird die Impfung zuerst erhalten?

- Die höchste Priorität haben jene Menschen, die unter dem größten Risiko leiden, an Covid zu sterben. Einfach über 60 Jahre alt zu sein, wird hier nicht ausreichen!

- Anschließend werden Personen vakziniert, die in der Pflege oder dem Gesundheitswesen arbeiten und sich um Covid-19 erkrankte kümmern. Auch wer besonders gefährdete Personen infizieren könnte, wird geimpft.

- An dritter Stelle erhalten Menschen den Impfstoff, die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ganz besonders wichtig sind. Hierzu zählen Polizisten, die Feuerwehr, aber auch Erzieherinnen und Lehrer.

Damit alles fair abläuft, wurde die „Ständige Impfkommission (Stiko)“ des Robert-Koch Instituts damit beauftragt, anhand dieses Richtfadens die landesweite Impfung zu steuern. Dabei werden die Experten mit einbeziehen, wie viele Impfdosen wann verfügbar sind.

Unterstützt die Bevölkerung die Priorisierung?

Medizinethiker zeigen sich erleichtert, denn Umfragen scheinen den Kurs der Bundesregierung zu unterstützen. Glücklicherweise decke sich der „gesunde Menschenverstand“ bei den Menschen auf der Straße mit der Meinung der Experten.

Ist ein „schnell“ zugelassener Impfstoff unsicher?

Die Sorge, dass ein im Eilverfahren zugelassener Impfstoff unsicher sei, wird von Experten zerstreut. Es komme zu denselben Prüfschritten, und es würden auch nicht weniger Daten gesammelt. Viel mehr sei das Verfahren selbst gestrafft und effizienter gestaltet. Dadurch könne Zeit gespart werden.

Kann geschummelt werden?

Sobald ein Impfmittel zugelassen wird, heißt es, dieses zu verteilen. Dies allein wird eine logistische Herausforderung werden, da die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf. Geliefert wird die Vakzine auch nicht etwa an hausärztliche Praxen, sondern ausschließlich an ausgewiesene Impfzentren. Damit soll verhindert werden, dass Impfdosen heimlich abgezweigt werden. Ärzte, die dem hippokratischen Eid verpflichtet sind, sollen zudem in keinen Gewissenskonflikt treten müssen. In der Krise sei es wichtiger, bestimmte Personengruppen bevorzugt zu behandeln. Dabei wäre es dann auch nicht entscheidend, ob die zu impfende Person vermögend oder arm ist. Ob eine Krankenversicherung vorhanden ist - oder nicht!

Wir können optimistisch sein

Es stellt sich natürlich auch die Frage, wann jedermann gegen Covid geimpft werden kann. Auf den ersten Blick machen die Regelungen Sinn, doch die meisten Bürger gehören nicht zu den genannten Risikogruppen bzw. relevanten Berufgruppen. Beim „normalen“ Bürger unter 50 ist der Impfzeitpunkt eher vergleichbar mit einer Weihnachtslotterie, es kann im Sommer 2021 und erst im Winter soweit sein. Geht es nach den forschenden Firmen, so würde eine Vakzin im Sommer 2021 großflächig verfügbar werden. Trotzdem wird vor zu großem Optimismus gewarnt. Ein jeder müsse weiterhin Hygienemaßnahmen mittragen, Kontakte reduzieren und einen Mund-Nasenschutz anlegen. Die Impfung sei lediglich ein Puzzleteil im Kampf gegen die Seuche. Nicht nur die Regierung sei am Zug, den Impfplan in geltendes Recht zu übertragen. Ein jeder habe sich am Riemen zu reißen, den Freiheit bedeute auch stets Verantwortung.

23:12 19.11.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Thomas S. Haverkamp

Wieder wohnhaft im verträumten Obertraubling habe ich dieses Jahr mein Studium in Politikwissenschaften abgeschlossen.
Thomas S. Haverkamp

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