Nichts ist, wie es scheint

SCHLACHTFEST DER GEFÜHLE Maxim Billers Debüt-Roman "Die Tochter" erzählt von der Unmöglichkeit, Geschichte zu reflektieren und trotzdem weiterzuleben
Exklusiv für Abonnent:innen

Befragt man Schauspielerinnen, ob sie sich vor der Kamera ausziehen würden, bejahen sie dies meist unter dem Vorbehalt, dass es für die Dramaturgie des Films von Bedeutung sein müsse. In der Eingangsszene des Romans Die Tochter von Maxim Biller lesen wir von einem Mann, der sich zuhause ein Porno-Video ansieht und dabei onaniert. Das wird ohne Umschweife beschrieben. Manch einer wird schon hier nicht weiterlesen wollen. Auf den nächsten 400 Seiten kommt es noch ärger: ein jüdischer Religionslehrer vögelt deutsche Konventinnen gegen Geld und missbraucht seine kleine Tochter, diese scheißt auf weiße Wohnzimmersofas, israelische Soldaten spielen mit dem Kopf eines getöteten Palästinensers Fußball und alte Menschen bekämpfen ihre