Nichts weiter als ein kurzes Sehnen

AUF DEM SCHMALEN GRAT ZWISCHEN LEBEN UND TOD Halina Poswiatowskas autobiographisches Buch »Erzählung für einen Freund«
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Es gibt literarische Texte, die sich ungeachtet ihrer ästhetischen Qualität literaturkritischen Parametern entziehen. In ihnen blitzt eine Form von Authentizität auf, die bekenntnishafte, intime Züge in sich trägt und so offen Angriffsflächen bietet, dass sich umgehend Beißhemmungen einstellen. Zuweilen wünschte man sich, dass diese Entblößungen privat blieben. Nicht jeder Narzismus ist bereits abendfüllend, nicht jede voyeuristische Lust muss mit einer chronique scandaleuse bedient werden. Glaubwürdigkeit ist in diesem Kontext zum Prädikat avanciert; die Zahl der Memoiren, Tagebücher und (Auto-) Biographien längst Legion. Das anhaltende Interesse der Leser an besonderen Lebensläufen legt die Vermutung nahe, da