Thomas.W70

Was vom Leben übrig bleibt
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RE: Klima? Outsourcen! | 15.10.2021 | 11:19

Vieles in diesem Artikel ist vollkommen richtig. Viele dieser "innovativen" Ideen, grüner Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe oder carbon capturing, erweisen sich bei näherem Hinsehen als Unsinn, da sie absurd inneffektiv und/oder ökonomisch in großem Maßstab nicht sinnvoll umsetzbar sind.

Und man hat leider oft das Gefühl, dass hier schlicht Fördermilliarden für Projekte abgezockt werden, von denen man eigentlich schon vorher weiß, dass sie sich nie durchsetzen werden.

Doch den Antagonismus von Innovation und Verzicht, der auch den aktuellen Freitag ziert, halte ich nicht für sinnvoll. Schon weil das Thema viel zu komplex ist, um nur mit einem der beiden Mittel angegangen zu werden.

Überhaupt wundert mich immer wieder, dass eine angeblich linke Zeitung so stark mit der Verzichtsrhetorik operiert. Denn Verzicht, man kann es drehen und wenden, trifft die sozial schwachen immer am härtesten. Dieser Widerspruch von progressiv-ökologischen und sozial-gerechten Ideen ist wohl auch der Grund für das miserable Abschneiden der Linken bei der Wahl.

Das positive an der Klimawandel Diskussion ist die Sensibilisierung für die Endlichkeit und Kollateralschäden von Ressourcen. Und wenn Verzicht bedeutet, vorsichtiger und umsichtiger mit solchen Ressourcen zu wirtschaften, bin ich voll dabei.

Doch führt kein Weg daran vorbei, dass die großen Bretter nur durch die Technik gebohrt werden können.

Denn der überwältigende Anteil der CO2 Zuwächse entsteht in China und Indien an der Schwelle von Armut zu bescheidenstem Wohlstand, wo es überhaupt keine Spielräume zum Verzicht gibt. Wenn es keine Möglichkeit der Energieerzeugung gibt, die Kohle technisch und ökonomisch verdrängen kann, gibt es auch keinen Ausweg aus dem CO2 Problem.

Es zeichnen sich auch bereits einige Wege ab. Und es werden ohne Zweifel die Chinesen und nicht die Deutschen sein, die diese Probleme lösen, wobei wahrscheinlich auch Kernkraft eine Rolle spielen wird. Denn die Luxuslösungen wie Wasserstoff, die wir hier in Deutschland diskutieren, sind global völlig unbrauchbar.

RE: Der Preis jahrelanger Untätigkeit | 12.10.2021 | 15:28

Sorry, aber dieser Artikel ist leider völlig konfus. Ich bin ja auch für die Energiewende, doch wenn man die Problemfelder nicht ehrlich und unvoreingenommen analysiert, hilft uns das nicht weiter.

Es hilft nichts zu behaupten, Erneuerbare Energien seien billiger als fossile Brennstoffe. Denn das ist nur in Bezug auf die Erzeugerpreise richtig. Die Volatilität und die Markteingriffe durch die EEG Umlage erzeugen jedoch Kollateralkosten, die eben dafür sorgen, dass in Deutschland trotz einem großen Anteil an Erneuerbaren Energien die Energiepreise weit höher sind als anderswo. Es hilft nichts sich darüber in die Tasche zu lügen.

Speicher in nennenswerter Kapazität werden noch Jahrzehnte für den Aufbau brauchen, und solange bringt es einfach nichts, fossile Brennstoffe pauschal zu verdammen, denn wir werden noch eine Weile davon abhängig sein, da Erneuerbare Energien eben leider volatil sind (Atomkraft ist in Deutschland leider durch, und darüber noch zu diskutieren ist Zeitverschwendung).

Das Ziel muss sein, einen Mix aus Erneuerbaren und fossilen Brennstoffen so in Richtung Erneuerbare Energien auszubauen, dass Emissionen und Kosten in einer vertretbaren Balance bleiben. Erneuerbare Energien einseitig aggressiv auszubauen, erreicht dieses Ziel leider nicht, sondern treibt nur die Preise weiter in die Höhe ohne wirklich substantielle Reduktion von Emissionen, da Grundlastkapazitäten nur bedingt reduziert werden können.

Ziel muss sein, die fossilen Kraftwerke dahingehend zu optimieren, dass sie sich gut skalieren lassen, so dass umgekehrt Erneuerbare Energien so viel und so effektiv wie möglich genutz werden. Gleichzeitig muss der Markt mehr über Kapazitäten geregelt werden, damit sich solche gemischten Erzeugerkonzepte auch sinnvoll betreiben lassen.

Ich wünschte mir ja auch, dass wir von heute auf morgen auf Erneuerbare umsteigen könnten, doch ist das leider unrealistisch.

Die Gas und Ölpreis Diskussion ist im Grunde ein völlig anderes Thema. Der Anstieg von Gas- und Ölpreis ist im Wesentlichen eine Spätfolge der Pandemie. Durch das schockartige Einbrechen und den darauf folgenden Rebound der Produktion gibt es im Moment einfach Engpässe allüberall, was die Preise nach oben treibt. Das gilt für Gas und Öl genauso wie für viele elektronische und andere Kompononenten. Ich gehe davon aus, dass sich die Markt-Preise in absehbarer Zeit wieder normalisieren.

RE: Déjá-vu aus dem Irak | 19.08.2021 | 09:05

Vor einiger Zeit habe ich das Buch von George Packer über Richard Holbrooke gelesen, der in der frühen Obama Administration als außenpolitischer Berater mit den Afghanen verhandelt hat. Dort wird der damalige Präsident Karsai als vollkommen korrupt beschrieben und Holbrooke (der als Charakter in diesem Buch nicht gut wegkommt, doch sich in außenpolitischen Fragen immer wieder als kluger Kopf erweist) macht sich, auch mit der eigenen Vietnam Erfahrung im Kopf, überhaupt keine Illusionen darüber, dass etwaige democatization oder nation building in einem Land wie Afghanistan möglich seien. Karsai sei bei der Bevölkerung mehr verhasst als die Taliban.

Die Ereignisse der letzten Wochen bestätigen das auf deprimierende Weise. Man will sich hier im Westen einfach nicht eingestehen, dass Amerikaner und Europäer dort in erster Linie als Invasoren betrachtet werden und die Taliban als das geringere Übel.

RE: „Sicherheit, Wohlstand, Blabla“ | 14.07.2021 | 14:23

Wieder ein schönes Beispiel für die ans komische grenzende Selbstbezogenheit des Westens. Herr Welzer weiß sehr genau, wie man mit den subtilen Empfindlichkeiten des Ostens, der Anhänger der Grünen, CDU oder FDP, der klimabewegten Jungen und den rentenängstlichen Alten umgehen muss.

Doch die Abstraktion, dass die Chinesen vielleicht unsere Belehrungen über Liberalismus und Klimawandel als anmaßend und gutsherrenhaft aufnehmen könnten, vermag er nicht zu leisten.

Dabei kommt es beim Klimawandel einzig und allein auf China an. Was Europa und die USA machen, ist nur wichtigtuerisches Theater für die eigene Gallerie.

RE: Tanzt mit mir den heißen Klima-Cha-Cha-Cha! | 14.07.2021 | 05:29

Es ist richtig, dass ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen Wohlstand und Geburtenrate besteht, und es ist wohl damit zu rechnen, dass in 50 Jahren ein peak erreicht ist.

Doch die Vorstellung, dass wir durch Verzicht den Wohlstandszuwachs der Entwicklungsländer und die damit verbundenen Emissionen kompensieren könnten, verkennt völlig die Größenordnungen.

Deutschlands Anteil an den globalen Co2 Emissionen ist in den letzen 10 Jahren von 3% auf 2% gesunken, und wird voraussichtlich in 5 Jahren nur noch 1% betragen. Doch nicht, weil wir wir so viel eingespart haben, sondern weil der globale Zuwachs unseren Anteil immer kleiner werden lässt.

Gegen diese globale Dynamik, die sich eher noch verstärken wird, ist einfach nicht anzukommen.

Ich sage gar nicht, dass man nichts tun sollte. Doch sind Alarmismus und falsche Illusionen ein schlechter Ratgeber.

RE: Tanzt mit mir den heißen Klima-Cha-Cha-Cha! | 10.07.2021 | 10:51

Wir brauchen weder noch. Vielmehr müssen wir uns von unserem Gott-Komplex heilen, am deutschen Klima-Wesen würde die Welt genesen. Es gibt genug Probleme in unserer Reichweite, um die wir uns kümmern müssten.

RE: Tanzt mit mir den heißen Klima-Cha-Cha-Cha! | 09.07.2021 | 10:28

Der allwöchentliche Klima-Alarm Artikel.

Im selben Rhythmus wie die Weltbevölkerung um ein paar hunderttausend Menschen steigt und ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht.

Die CO2 Kurve hat im Pandemie Jahr 2020 nicht mal gezuckt und geht völlig unverändert steil nach oben. Weder der wirtschaftliche Einbruch geschweige denn unsere Millionen Elektroautos hatten darauf den geringsten Einfluss.

Werdet endlich erwachsen und seht den Tatsachen ins Auge statt in eurem "wir retten die Welt" Narzissmus zu schwelgen.

RE: Auf ins gelobte Land | 02.07.2021 | 10:51

Es ist immer wieder erschütternd zu sehen wie naiv das linke Lager ist.

1968 war in der Tat eine Zeitenwende. Es war der Zeitpunkt, an dem die Ungleichheitsspirale, die bis heute unvermindert anhält, mit der Globalisierung der Indusdrie ihren Anfang nahm.

Und jetzt applaudieren sie einer Energiewende, die viele Billionen kosten und die Verbraucherpreise nach oben treiben wird. Und glauben allen ernstes, dass sie am Ende davon profitieren.

Natürlich freut sich Siemens über die Energiewende. Sie haben sich für ihre Atom- und Kohlekraftwerke erfolgreich abfinden lassen, und bekommen feuchte Augen ob des kommenden grünen Subventionssegen.

Gleichzeitig hat Kaeser 2017 das größte Sanierungsprogramm der jüngeren Unternehmensgeschichte durchgezogen und 100000 Leute entlassen.

Amazon schaltet eine Werbekampagne nach der anderen darüber, wie nachhaltig und klimafreundlich sie sind.

Und haben gleichzeitig durch Einschüchterung der Mitarbeiter erfolgreich verhindert, dass sich ihre Mitarbeiter gewerkschaftlich organisieren.

Wann lernt ihr endlich, dass von den großen Veränderungen immer die Starken profitieren, und die kleinen das Nachsehen haben.

RE: Die Freiheit, frei zu sein | 20.06.2021 | 16:35

Im übrgien ist es auch völlig egal, ob die jetzt vom Fahrad aufs Moped oder auf den Elektroporsche upgraden. Schon die Mopeds und Kühlschränke killen in ihrer schieren Milliarden Masse alle Klimabilanzen.

RE: Die Freiheit, frei zu sein | 20.06.2021 | 16:15

"Klar wollen die mehr, genau das sollen sie ja auch haben, nur eben nicht genau so wie wir."

Und wieder: alle Menschen sind gleich, nur manche sind eben gleicher.

Im Ernst: glauben Sie wirklich die Chinesen fragen uns um Erlaubnis, ob sie auch Porsche fahren dürfen?