Britney Spears und Martin Heidegger

Fundamentalontologie Popsternchen und die Frage nach dem Sein — Liebe deinen Postmodernismus mehr als dich selbst!
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Britney Spears' Musik ist eingängig, „cheesy“ und kaum jemand kann sich ihr wirklich vollkommen verwehren. Entweder man ist Fan oder eben nicht. Die zweite Ebene ist da schon interessanter: Man findet plötzlich einen Weg die Musik „ironisch“ zu hören und damit auf dieser Ebene der Musik einen post-vergötternden Respekt zu gewährleisten, den man ihr im Naturzustand nicht mehr aushändigen könnte. Die Geburt des zeitgenössischen Hipsters—ein Phänomen das im trans-historischen Äon verharrt und darin kaum weniger metaphysischen Rastern folgt, wie der Urzustand.

Doch das „Fan-tum“ ist vorbei. Die Songs der Popikone können zwar wieder konsumiert werden, aber das laute Gekreische ist vorbei. Die Grausamkeit der zweiten Ebene ist ihre Sterilisierung von der Wahrheit des Gefühls.

Eine Ermächtigung der Machtlosigkeit vor dem Antlitz der Reinheit, wie sie Michael Jackson Fans noch zelebrieren können, wenn sie in München vor dem MJ-Denkmal Kränze, Bilder und allerlei andere „Opfergaben“ vor dem altar-esken Monument niederlegen, tritt an die Stelle der Nähe zum Sein, die noch original ist. Die Abstraktionsebene ist unerreichbar. Wieso wurde von den Alten Griechen das Sein nicht als solches gedacht? Die Nähe zum Sein bedeutet ihr Nichtgedenken. Paul Celan meint: „Du bist so nah, als weiltest du nicht hier.“ Der Mut zur Distanz ist der Versuch der Nähe zum Sein. Es dauerte eine Weile—und zwar bis Heidegger—, über die Vergegenwärtigung von Sprache an sich, bis das Sein auf seinen Urzustand zurück-gedacht und damit vor-gedacht wurde. Vor-gedacht warum?

Hier sind wir in der dritten Ebene. Die, mit der alles wieder gut werden soll. Eine „pure“, reine Verbindung zu Sein wiederfinden. Die Ironie hat uns in das scheinbare Moloch der Abstraktionsebene geführt, kommen wir also mit Heidegger wieder aus dieser heraus?

Nicht einmal die Hälfte aller Menschen versteht, zumindest neurowissenschaftlich gesehen, Ironie. Ist sie das eigentlich menschliche und die kritische Abstraktion und ständige Beleuchtung und Analyse von dem was ist eine zivilisatorische Entwicklung der menschlichen Degeneration?

Die Kunsttheorie hat uns vermittelt, dass nur die Kritik ein Fortbestehen der Kunst sichert und nicht das Verweilen vor einer künstlerischen Arbeit, wie es Heidegger am Anfang des Vortrags „Zeit und Sein“ bei Paul Klee beschreibt.

Eine Britney Spears hat hier den fundamental-ontologischen Grundstein für etwas gelegt, was man als jene dritte Ebene bezeichnen könnte. Ein kulturelles Phänomen als philosophisches Meisterwerk der Seinsvergessenheit. Keine Seinsvergessenheit aber, sondern ein Erinnern und Schöpfen. Dort wo die Ironie ihre Vollendung findet, vernichtet sie sich selbst und man kann nicht nur wieder Michael Jackson den „Earth Song“ bei „Wetten dass..?“ performen sehen, sondern es auch lieben.

Eine neue Offenbarkeit tritt an die Stelle der Ironie, die nicht mehr im engeren Sinne „historisch“ rezipiert wird und worin das am postmodernen Gerede vom „Ende der Geschichte“ Unverzichtbare aufgehoben wäre.

20:06 06.04.2014
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