ThomasSand

Ich interessiere mich fuer allerlei Themen und habe meine eigene Meinung, die ich hier gern mit kurzen Beitraegen zum Ausdruck bringen moechte. Ich lebe im Ausland und bin beruflich als Lehrer und Dolmetscher taetig.
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RE: Frau Merkel reist nach Amerika | 17.10.2009 | 19:35

Die Beziehung zwischen einem amerikanischen Präsidenten und einem deutschen Kanzler (oder einer deutschen Kanzlerin) mag manchmal mehr freundlich, manchmal weniger freundlich sein, aber dies als Maßstab für das deutsch-amerikanische Verhälnis zu nehmen oder als bestimmend für die Außenpolitik zu nehmen, geht völlig an der Realität vorbei. In der Realpolitik spielen diese persönlichen Beziehungen überhaupt keine Rolle. Deutschland hat eine ihr zugeschnittene Rolle im Rahmen des transatlantisch-europäisch-amerikanischen Bündnisses, die sie zu spielen hat, und die es seit dem 2.Weltkrieg und schon davor spielt, wer auch immer an der Regierung war. Den Script und die Instruktionen dieser Partnerschaft schreiben nicht die Präsidenten oder Kanzler, sondern ganz andere, die eigentlichen Mächte im Hintergrund, wie z.B. der Council of Foreign Relations oder Filialen in Europa, wie die Münchner Sicherheitskonferenz. Für Deutschland ist es unmöglich, aus der globalen Strategie der USA, die seit mehr als 300 Jahren eine imperiale ist, auszuscherren. Das wird keine deutsche Regierung wagen oder überhaupt wollen, im Gegenteil, Deutschland beteiligt mehr und mehr und seit dem Kosova-Einsatz verstärkt militärisch an den imperialen Militäraktionen der USA, in Afghanistan ist Deutschland am Krieg beteiligt mit Soldaten und Gewehren, der zivile Aufbau ist bloss eine Fassade. An der imperialen Aussenpolitik der USA hat sich auch mit der Wahl Obamas, der als Friedensfürst vermarktet wurde, nichts geändert, das Gegenteil ist richtig. Obama schickt mehr Truppen nach Afghanistan; Pakistan gerät immer stärker in den Strudel, daher die richtige Bezeichnung AfPak-Einsatz.
Diese Treffen sind im Grunde ein Ritual der gegenseitigen Beteuerung und Zustimmung, denn es gibt keine wesentlichen Unterschiede, die etwa verhandelt werden müssten. Es gibt einen NATO-Block, unter der Führung der USA, in dem die Europäer und Amerikaner als ethnische und kulturelle Einheit zusammen arbeiten. Im äußeren Kreis gibt es die Petroaraber und Türken, die man als bezahlte Diener oder Sölner einsetzt. Nach den Erfahrungen der beiden verlorenen Weltkriege möchte Deutschland zwar keine blutigen Opfer bringen, aber das fordern die Amerikaner immer stärker, auch auf dem Schlachtfeld, denn es geht um die globalen Energie- und Machtinteressen des Westens insgesamt, wozu Deutschland eben auch gehört. Bei diesem Treffen wird Amerika, d.h. die amerikanischen Machteliten, mehr Einsatz und Opfer von Deutschland fordern. Alles andere zu erwarten, wäre die historische Entwicklung zu ignonieren, wäre illusorisch.