2idane

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RE: Deutsche Medienwunder (4): Der Bundespräsident und die Pressefreiheit | 04.01.2012 | 11:42

No, passt nicht. Die ganze Argumentation basiert auf der Annahme, die WELT habe mit dem Hinweis auf Gerüchte um das wilde Vorleben Bettina Wulffs eine justiziable Tatsachenbehauptung aufgestellt.

Hat sie eben nicht, die WELT-Darstellung ist nicht einmal gegendarstellungsfähig, wie jeder Verlagsjustitiar gerne bestätigen wird. Die WELT berichtet, dass es Gerüchte gebe. Das ist perfiderweise selbsterfüllend und nicht bestreitbar, selbst wenn man - entgegen jeder politischen Klugheit - juristisch dagegen vorgehen wollte.

Um nicht missverstanden zu werden: Wulff hat mit dem Versuch der Einflussnahme auf die Verlagsleitung (nicht: den Chefredakteur, das wäre noch "legal") das Presserecht angegriffen und ist spätestens damit als Verfassungsorgan untragbar geworden. Er muss gehen. Punkt.

Davon unterschieden jedoch sollte all das Presse- und Blogo-Geschnatter, das sich darum herum unappetitlich aufkroppt und eben alles andere als eine "Sternstunde" deutschen Medienwesens darstellt.

RE: Deutsche Medienwunder (4): Der Bundespräsident und die Pressefreiheit | 04.01.2012 | 00:03

Auch hier sollte Recherchieren vor Kommentieren gehen: Wer sich die WELT-Story mit der "Halbschwester" genauer angesehen hat, muss feststellen, dass es sich um eine ebenso alte wie vertrackte familiäre Angelegenheit handelt. Dass die Frau tatsächlich Wulfss leibliche Halbschwester sei, stützt sich allein auf ihre eigenen Aussagen, offiziell und von Rechts wegen ist sie seine Adoptiv-Halbschwester.
Dass sich ein Prominenter wehrt, wenn solche schwierigen und mit Verletzungen verbundenen Familieninterna in der Öffentlichkeit breitgetreten werden, kann ich immerhin nachvollziehen - zumal das nun wirklich gar nichts mit seinen öffentlichen Ämtern zu tun hat(te).

RE: Deutsche Medienwunder (4): Der Bundespräsident und die Pressefreiheit | 03.01.2012 | 23:51

Es ist übrigens interessant und nachrecherchierenswert, wie die Geschichte mit der angeblichen BILD-Bettina-Wulff-Story in die Welt kam - sie ist ja wie ein Lauffeuer durchs Netz gerast und mittlerweile in unzähligen Blogs vertreten, die sich ausnahmslos gegenseitig zitieren. Mit Verweis auf diese zirkulären Selbstzitate wird nun - im nächsten Schritt - versucht, in den Kommentarspalten auch seriöserer Medien (SPON etc.) die Sache zu verankern.
Es gibt bislang definitiv nur eine einzige "seriöse" Quelle für all das - und auch für Deinen Hinweis auf "mehrere Zeitungen", die darüber berichtet hätten: Ein Artikel vom 16.12.2011 im Mantelteil von FR/Berliner Zeitung (natürlich, mehrere...), der dieses Gerücht kolportiert, in zwei Sätzen:
"Wenn Wulff nicht bald folge, so wurde in Berlin gemunkelt, könne das Blatt mit einer Geschichte über das frühere Leben Bettina Wulffs aufwarten. Angeblich verfügt die Redaktion über Informationen, die bisher auf Weisung von ganz oben nicht gedruckt werden dürfen."
Dieses zitierte Gemunkel dient nun überall als "Beweis", dass ja auch die seriöse Presse bereits darüber berichte.
Verfasst ist der Artikel übrigens von Holger Schmale, was VT ausschließen dürfte: Ältere Branchenkundige wissen, dass er einmal zur Eigentümergemeinschaft des Freitag gehörte...