Thor

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RE: Hier sind noch Zimmer frei! | 18.03.2011 | 14:22

Versuchslabor dürfte die treffendste Bezeichnung für diese Stadt sein und ein abschreckendes Beispiel für die gesamte Gesellschaft. Wem geht es in Hoyerswerda gut? Auf jeden Fall den Rentnern die ehemals in der Schwarzen Pumpe gearbeitet haben und Bergbau-Renten beziehen und davon gibt es hier noch genug. Diese Kaufkraft bewog die ECE Gruppe hier erst mal einen Einkaufstempel hin zubauen, der diese Kaufkraft wiederum ordentlich in die Kassen von Vermieter und Filialisten abschöpft. Dieser Rentnertempel führt dazu, dass die historisch gewachsene Altstadt verkümmert und abstirbt. Immer mehr Händler ringen dort wiederum um ihre Existenz. Die Jugend findet oft nur in äußerst prekären Arbeitsverhältnissen Anstellung, in denen man glaubt der Manchester Kapitalismus sei auferstanden. Löhne von unter 1000 Euro netto monatlich für einen Handwerker, bei gleichzeitig auch gern mal bis zu 15 und mehr unbezahlten wöchentlichen Überstunden, sind hier die Praxis. Verkäuferinnen gehen bei Vollbeschäftigung mit 800 Euro nach Hause und das bei ebenfalls gern umsonst geleisteten Überstunden. Das in einem solchen Umfeld an Familie und Kinder überhaupt nicht zu denken ist, erklärt sich daher von selbst. Zumal bei den örtlichen Miet-Monopolisten Wohnungsgesellschaft und Wohnungsgenossenschaft wiederum eher westdeutsche Einkommen als Grundlage für die verlangten Mieten zu sein scheinen. Wer nicht das Glück hat nah genug am Trog zu sitzen, wie z.B. als Angestellter der Stadt mit all seinen zahlreichen Tochterunternehmen, Vattenfall oder in Teilbereichen des umlagefinanzierten Gesundheitssektors, muss sich dem freien Markt stellen. Und dieser ist hier unerbittlich im Lohndumping. Diese Stadt wird jedenfalls weiterschrumpfen. Die Kombination von allen aufgezählten Faktoren in Verbindung mit einer Jungen/Mädchen Quote von ca. 100/80 lässt überhaupt nichts anderes zu. Eines der wenigen positiv herausragenden Punkte in Hoyerswerda, sind ein ausgezeichnetes Gymnasium und die sicherlich aufgrund des Altersdurchschnitts geringe gefühlte Kriminalität, wobei sich dies aufgrund der teilweisen Perspektivlosigkeit der Jugend auch schnell ändern kann. Auch die Kulturfabrik gibt sich große Mühe etwas Farbe und Lebensfreude in die Stadt zu bringen. Das Finanzamt jedoch zählt nach einiger Zeit durchgeführten bundesweiten Umfrage wiederum zu den 10 (von über 500) akribischsten. Ist ja auch viel zu holen hier ;-).