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Thorsten Hild, Journalist, Volkswirt, Herausgeber von Wirtschaft und Gesellschaft - Analyse & Meinung: www.wirtschaftundgesellschaft.de
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RE: Gefangen in der Modellwelt | 12.10.2011 | 12:08

@lebowski: Diese Sicht teile ich. Um Zusammenhänge erklären zu können, ist es natürlich notwendig, Komplexität zu reduzieren, die Wirklichkeit auf wesentliche und schlüssige Wirkungszusammenhänge hin zu untersuchen. Dafür sind nicht einmal komplexe Modellrechnungen notwendig, die suggerieren, man könne die ganze Wirklichkeit in einem Modell unterbringen und abbilden. Das Arbeiten mit kleinen "Modellen" hat insbesondere in der angelsächsischen Volkswirtschaftslehre eine lange Tradition und wertvolle Erkenntnisse zu Tage gefördert. Ich denke bspw. an das Kapitel "Über Maschinerie" in David Ricardos "Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung", in der er schon in den 1820er Jahren versucht, den Zusammenhang von technischen Fortschritt und Arbeitslosigkeit aufzuzeigen bzw. die Voraussetzungen herauszuarbeiten, die gegeben sein müssen, damit technischer Fortschritt nicht zur Arbeitslosigkeit führt - und dabei ganz nebenbei auf sehr sympathische Weise seine bis dahin vertretene Auffassung korrigiert. Heute taucht David Ricardo ja leider nur noch in völlig reduzierter, kontextloser Form seiner Außenhandelstheorie in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern auf. Für das Lesen der volkswirtschaftlichen Klassiker im Original fehlt ja denke ich heute den meisten Studierenden die Zeit bzw. werden sie nicht oder viel zu selten dazu ermutigt.

Oder Paul Krugmans "Baby-Sitting the Economy": www.slate.com/articles/business/the_dismal_science/1998/08/babysitting_the_economy.html Brilliant!

Aber diese Art der modellhaften Herangehensweise hat natürlich mit dem im Artikel kritisierten Zahlenkult und dem fehlenden Zusammengehen von Prognose, volkswirtschaftlichen Zusammenhängen und wirtschaftspolitischen Zielen nichts oder wenig gemein.

RE: Das wird Spekulanten nicht zügeln | 23.07.2011 | 11:59

@thbode: Völlig richtig aus meiner Sicht. Auf Ihren letzten Satz bezogen lässt sich sagen: "Das Griechenland-Problem" steht im Zusammenhang mit den "Niedriglöhnen" h i e r b e i u n s . Siehe dazu zum Beispiel: wirtschaftundgesellschaft.files.wordpress.com/2011/03/dene-wos-guet-geit-text-mit-graphiken.pdf (vor allem Graphik, Seite 5)

RE: Das Erbe von Hartz IV | 22.07.2011 | 15:39

Eine "kleine Beobachtung", aber feine Beobachtung: Das Foto, das die FREITAG-Redaktion für den Beitrag ausgewählt hat, hat mir auch sehr gut gefallen, weil es aus meiner Sicht doch eine gewisse Satt- und Selbstzufriedenheit ausdrückt - die ja aufgrund der im Beitrag skizzierten Zusammenhänge so gar nicht gerechtfertigt erscheint. Was allerdings den Kleidungsstil allein anbelangt, würde ich da nicht zu viel hineininterpretieren wollen, weil ich doch immerhin einige engagierte, im Arbeitnehmerinteresse handelnde Personen kenne, die nun einmal im Anzug ihrer Tätigkeit nachgehen. Äußerlichkeiten allein sollten in die eine wie in die andere Richtung keine Rolle spielen. Viel interessanter finde ich daher das Auftreten der beiden, das für mich durch das Foto hindurchscheint.

Interessant auch der Link zu labournet.de dazu vielleicht auch zum Nachdenken anregend, mein Lied vom "Arbeiterführer" und die dazu erzählte Geschichte:

thorsten-hild.bloggospace.de/136471/Arbeiterfuhrer/

RE: Frauen an die Macht | 22.07.2011 | 11:46

In diesem Zusammenhang vielleicht auch zum Nachdenken anregend das folgende Lied "In der Karrierekurve" (gemeint ist natürlich vor allem die dritte nachdenkliche Strophe):

Hier: thorsten-hild.bloggospace.de/137749/In-der-Karrierekurve/

Und live gestern in der Böse Buben Bar (2. Lied auf der Aufnahme) hier (sogar mit H i n w e i s a u f d a s T i t e l t h e m a d e s F r e i t a g s , den ich bei jeder Gelegenheit empfehle, eben weil er kontroversen Themen Platz einräumt und zum Nachdenken anregt; doch jetzt genug der Werbung, hört mal rein): thorsten-hild.bloggospace.de/142231/Neu-Auf-ein-Lied-in-der-Bose-Buben-Bar-Live-21-07-2011-Grose-Liebe-u-In-der-Karrierekurve/

RE: Das Erbe von Hartz IV | 20.07.2011 | 14:41

Sie haben völlig Recht was die Konzentration von immer höheren Vermögen in immer weniger Händen anbelangt. Leider aber lässt sich in einem Artikel nicht die ganze Welt erklären - ohne dass dies den vorgesehenen Rahmen sprengen würde; vielleicht wäre dies aber auch beim größten Umfang nicht leistbar - und auch gar nicht wünschenswert.

RE: Das Erbe von Hartz IV | 20.07.2011 | 14:38

Lieber Leser,

das kann man so sehen; ich bin da etwas "rücksichtsvoller" bzw. zurückhaltender und gewichte es hoch, dass die in Deutschland brutal und einseitig verbreitete monotone "Lehre" (bei gleichzeitiger Leere) vom niedrigen Lohn bzw. der Lohnkostenkonkurrenz, die losgelöst von dem Verhältnis des Lohnes zur Produktivität geführt wurde und wird, die Köpfe schon ordentlich vernebelt hat; das ist keine Entschuldigung für die Versäumnisse der Gewerkschaften - aber eine Erklärung. Und um Erklärungen geht es mir - nicht um Be- oder Anschuldigungen, denn das hilft aus meiner Sicht nicht weiter, sondern blockiert. Allerdings habe ich bei Gewerkschaftern auch schon eine gehörige Portion Selbstgefälligkeit und mangelnde Einsicht kennengelernt. Unter dem Strich ist aber für mich nur wichtig, dass die Einsicht in jene falsche Sicht vom Lohn sich weiter verbreitet und entsprechendes Handeln nach sich zieht. Da ist allerdings zur Zeit noch einiger Zweifel angebracht, wie nicht zuletzt der in meinem Beitrag oben erwähnte und kritisierte gemeinsame Beitrag von Sommer und Gabriel in der FAZ belegt: www.faz.net/artikel/C31853/fremde-federn-michael-sommer-und-sigmar-gabriel-der-arbeit-ihren-wert-zurueckgeben-30335607.html

Ich problematisiere vor diesem Hintergrund im übrigen ja auch im Beitrag oben gerade die enge Symbiose zwischen SPD und Gewerkschaften.

RE: Grünes vergessen machen | 20.07.2011 | 04:59

Ergänzend zur Replik auf Volker Beck oben: Unter dem folgenden Link habe ich auch noch die "Unterrichtungen durch die Bundesregierung zu den Rüstungsexportberichten" 2001-2004 verlinkt: a href="http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/index.php?option=com_content=view=148=2" target="_blank">www.wirtschaftundgesellschaft.de/index.php?option=com_content=view=148=2

RE: Grünes vergessen machen | 20.07.2011 | 04:56

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Ich habe für meine Angabe oben "viertgrößter Waffenexporteur" oben das Jahr 2004 zugrunde gelegt, das letzte vollständige Jahr unter rot-grüner Regierungsverantwortung. Richtiger und vollständiger wäre es gewesen, Ihre Angaben oben zu nehmen, dass Deutschland unter rot-grün bereits 2000 und 2003 zum drittgrößten Waffenexporteur weltweit geworden war. Ihr Hinweis unterstreicht ja noch einmal den Tenor der Replik auf Volker Beck oben.

Ergänzend: Hier habe ich ergänzend auch noch die "Unterrichtungen durch die Bundesregierung zu den Rüstungsexportberichten" 2001-2004 verlinkt: www.wirtschaftundgesellschaft.de/index.php?option=com_content=view=148=2