Die Balz und andere Sorgen

Hochrisikozone Balz Unser Paarungsverhalten gehorcht immer noch steinzeitlichen Mustern: Der Mann soll den ersten Schritt machen und die Frau will erobert werden. Das muss sich ändern!
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Testosteron verpflichtet, wie eines der grössten Datinportale unlängst in einer Untersuchung über das Flirtverhalten seiner Nutzer geschrieben hat: Weit über die Hälfte aller Frauen erwarten demnach immer noch, dass der Mann den ersten Schritt macht. Das ist ein Anachronismus, der ganz speziell in der heutigen Zeit nichts mehr zu suchen hat: Immerhin sähen es 40 Prozent aller Manner mittlerweile gerne, wenn die Frau die Initiative ergreifen würde!

Viele Männer beklagen derzeit eine wachsende Unsicherheit im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Kein Wunder: Von ihnen wird schliesslich auch erwartet, den ersten Schritt zu machen, meistens zumindest! Also versuchen sie weiterhin, den leidenschaftlichen, unerschrockenen aber trotzdem ephatischen Helden zu mimmen, der Frauenherzen im Sturm erobert..! Gleichzeitig wird ihr Werben zunehmend katalogisiert, pathologisiert, politisiert, gehashtaged und schärfsten Kriterien unterworfen. Diese Ambivalenz bereitet immer mehr Männern zu Recht Kopfzerbrechen!

1977 brachte François Truffeaut den Film „L‘Homme qui aimait les femmes“ heraus. Gut drei Jahrzehne später erschien „Gainsbourg - Der Mann der die Frauen liebte“, eine Hommage an den gleichnamigen Chansonnier, Filmschauspieler, Komponist und Schriftsteller. Solche Filme wären im gegenwärtigen Klima wahrscheinlich undenkbar: Welcher Mann kann es sich denn heute noch leisten, in dieser unverblümten Form offen dazu zu stehen, die Frauen zu lieben? Ihm würde voraussichtlich postwendend Machogehabe oder zumindest Prahlerei untergeschoben! Wohlgemerkt: Die Rede ist hier nicht von all den Weinsteins, Dominique Strauss-Kahns und Kevin Spaceys, sondern von ganz normalen Männern, Vätern und Söhnen.

So wichtig und notwendig es ist, eine alther(ren) gebrachte Kultur der Unsitte aufzuarbeiten und endgültig zu verabschieden, so gross ist langsam die Gefahr, dass die Unbeschwertheit zwischen den Geschlechtern zu verfliegen droht und einem Klima des Misstrauens und der Angst Platz macht. Nichts macht das Leben schliesslich lebenswerter, als der allgegenwärtige Spannungsbogen zwischen Mann und Frau; der Zauber, der zwischen zwei Menschen entsteht, wenn sie sich gegenseitig begehren- egal, welcher sexuellen Orientierung sie auch immer sind!

17:44 05.11.2017
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Geschrieben von

THX1138

Ich beschäftige mich hauptsächlich mit der Ausweitung der Kampfzone- einem weiten Feld also.
THX1138

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