Tiefendenker

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RE: Gipfel des Versagens | 18.07.2017 | 17:17

Welch seltsam anmutende Forderungen aus dem Munde eines SPD Mitgliedes.

Die SPD agierte die letzten 25 Jahre nicht mal gegen die Armut im eigenen Land, geschweige denn woanders... Sie macht das Gegenteil. Martin Schulz ist ein Wolf im Schafspelz und Frau Nahles teilt immer noch die Arbeitsontologie mit den Nazis - getreu dem Motto "Jede Arbeit ist besser als keine!"

Mehr Gerehchtigkeit durch die SPD? Ich glaub`s ja wohl nicht...

RE: Was die Tech-Industrie mit Marx zu tun hat | 14.07.2017 | 16:34

Der Artikel ist insofern prima, weil er Denkanstöße vermittelt.

Leider aber auch eine Kette kleinerer Denkfehlerchen...

1. Weder Marx noch die neue Marxlektüre, noch moderne Wertkritiker des Postmarxismus haben jemals gegen technischen Fortschritt, Hoch-Technologie, Roboter oder Internet argumentiert, sondern stets pro-Modernisierung über den Kapitalismus hinaus!

2. Es geht vielmehr im Kern darum, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu verändern. Der irrationale Prozess der "Verwertung des Wertes" (Robert Kurz) und damit das Wertschöpfungsprinzip, die Fetischformen "Arbeit" und "Geld" sowie die daraus hervorgehenden sozialen Bedingungen sind zu überwinden!

3. Wurde stets Kapitalismus als System von Zumutungen kritisiert, die unnatürlich sind und zur heutigen Entfremdung des Menschen von sich selbst und der Natur beigetragen haben

4. Erst dieser vierte Punkt in der Prioritätenliste umfaßt dann sowas wie Konsumkritik, Kritik der Umweltzerstörungen, der Ausbeutung, der Kriege, des Klimawandels usw.

Nur Punkt Vier hat es bislang, was die Wahrnehmung betrifft, in den Mainstream geschaft. Ergebnis: Fairtrade, Bio, Recycling, Abschaffung der Atommeiler, Genossenschaftsbewegung seit den 80ern, Protest gegen TTIP, CETA, JAFTA, G20 Protestwelle, Diskurse um den Kohleausstieg oder das BGE...

Letzteres berührt dabei jedoch den Kern der ersten drei Punkte.

Gibt es denkbare Lösungen dafür?

Ja. Es gibt sogar sehr viele Wege raus aus dem Dilemma - die weitreichendsten findet man hier:

http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2013/11/Wirtschaftsvision_Die-Violetten_Okt.2013.pdf

und hier speziell zum BGE:

http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2017/07/BGE-Wirtschaftsvision-Ergänzung.pdf

RE: Die Missachteten | 12.07.2017 | 12:05

@GELSE

In die Herstellung von "ölbeheizten Küchenherden" Geld zu investieren, um sie zu verkaufen, IST Kapitalismus!!!

RE: Die Missachteten | 10.07.2017 | 20:45

Ergänzung zu NIL

Die Geminwohlökonomie lässt sich auch ab einem gewissen Punkt (wenn längere Lieferketten einer Branche zusammenkommen) in Commons umwandeln:

http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2017/06/Flyer.HS-Com.02.pdf

RE: „Wir haben vergessen, dass wir Tiere sind“ | 09.07.2017 | 16:55

Zur Gier gesellt sich noch die Angst, z.B. vor sozialem Abstieg, Jobverlust, Mißerfolg, Sanktionen im H4-System usw.

Der Wachstumszwang kommt aus der Warenform. Selbst wenn es weder Gier noch Angst gäbe, wäre dieser Zwang da.

RE: Grundeinkommen statt Krankengeld | 30.06.2017 | 14:34

Hier noch ein ein Beitrag von PATRICK SPÄT, der die von mir skizzierte Darstellung und Perspektive inhaltlich untermauert.

Man muss das BGE ganzheitlich sehen und kritisieren, um es so auf den Weg zu bringen, dass man dem Kapital damit nicht auf den Leim geht, sondern es zu einem Baustein seiner Überwindung werden lässt:

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/keine-almosen

RE: Grundeinkommen statt Krankengeld | 30.06.2017 | 14:15

Die von KARAMASOFF und LETHE geäußerten, kritischen Argumenten sind nachvollziehbar. Kann man wie folgt ergänzen:

Das BGE gedacht als reine Umverteilungslogik von bestehenden Geldströmen darf insbesondere deshalb in Zweifel gezogen werden, weil:

im Kapitalismus tendenziell immer zu wenig Mehrwert produziert wird (es entstand ein Mangel daran, der historisch seit Mitte der 1970er Jahre durch Ausdehnung der Verschuldungen von Staat, Wirtschaft und Privathaushalten kompensiert wurde, ohne dass jemals wieder genug Mehrwert produziert wurde, um diese Kredite zu tilgen. Das bleibt auch so bzw. wird noch extremer in Zukunft!) ein BGE bezahlt aus sinkender Mehrwertmasse wird deshalb zwangsläufig irgendwann unter massiven Druck geraten, durch Inflation entwertet und somit scheitern, also seinen gedachten Zweck nicht dauerhaft erfüllen können oder als nicht mehr bezahlbar gelten

Einzig konsequente LÖSUNG: ein wertschöpfungsunabhängig finanziertes BGE per Lebensgeldschöpfung durch eine Monetative

siehe:

https://www.monetative.de

Die will eigentlich ganz was anderes (zinsfreie Kredite), könnte aber sehr gut dazu dienen, auch ein Lebensgeld zu schöpfen. Diese Lebensgeldschöpfung ermöglicht es einer Bundesagentur für Einkommen (s. hier: http://bundesagentur-fuer-einkommen.de) monetär zu versorgen und jedem ein BGE in Höhe von 1500 EUR zu zahlen (soviel braucht man real beim heutigen Preisniveau, um wirklich leben(!) zu können und politisch bzw. auf dem Arbeitsmarkt nicht erpreßbar zu sein), der es braucht und einen Antrag stellen möchte. Wer eh genug verdient, dem braucht man es nicht aufdrängeln.

1000 € ließen sich sofort auszahlen und dann z.B. eine schrittweise Erhöhung von 100 EUR alle zwei bis drei Monate bis die 1500 erreicht sind. Durch diese sehr langsame Erhöhung wird einer nachfragebedingte Inflation entgegengewirkt. Mehr als genug Zeit, dass sich die Wirtschaft darauf einstellen kann, um auch dem Hinweis von HEINZ zu entsprechen.

Die Lebensgeldschöpfung kompensiert gesamtwirtschaftlich den Mangel an Mehrwertproduktion! Und sie kann, basisdemokratisch gesteuert, auch schrittweise erhöht werden, wenn dies als notwendig angesehen wird.

Dadurch stellt sich dann die Frage: warum nur bei einem BGE stehen bleiben???

Nächster Schritt könnte die Schöpfung von Arbeits- und Projektgeld sein, mit dem ein öffentlicher Beschäftigungssektor finanziert werden kann, der anfangs all die unterbezahlten und schon mangels Geld gestrichenen aber gemeinschaftlich durchaus sehr sinnvollen Tätigkeiten ausfinanzieren zu können. Dazu die Kindergärten, Schulen, Vereine usw. Es herrscht ja überall ein finanzieller Mangel.

Übernächster Schritt könnte sein, durch solche neuen Stellen gezielt immer mehr Lebensbereiche als Markt der Kapitalverwertung zu entziehen und sie in Commons umzuwandeln - alle Infos zu Commons s. hier: http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2017/06/Flyer.HS-Com.02.pdf

bzw.

https://www.hauptsache-commons.de

Damit ädert sich die Dynamik der Wirtschaft von Wachsen per Zwang zu bewusstem Schrumpfen, was ökologisch positive Effekte mit sich bringt.

Und letztlich kann das Ziel eine nicht-warenförmige und somit postkapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsform sein, in der man irgendwann auch noch den Rest an Aufwand der Geldschöpfung und Geld-Distribution, Banken, Sicherheitsfirmen, Börsen, Steuerberater etc. ganz streichen kann - dazu gibt es bereits diverse Konzepte s. hier:

http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2013/11/Wirtschaftsvision_Die-Violetten_Okt.2013.pdf

und hier:

https://youtu.be/ft6eDahIJrs

Das Motto darf (langfristig gedacht) also lauten:

Ressourcenwirtschaft anstatt Marktwirtschaft!!!

RE: "Agenda 2010 für ganz Europa" | 30.06.2017 | 12:38

"Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag."

Wie schade, denn der Autor hat wohl Recht.

RE: Wie beim Ladendiebstahl | 25.06.2017 | 13:29

Charakterisch ist: wie bei allen derartigen Debatten dieser Art unter den Regierungsparteien wird als ideologischer Reflex sofort auf das Argument "Gier" abgestellt, ansatt die Ursachen in den Strukturen des Kapitalismus zu suchen.

Waren die Banker/Steuerberater der 50er/60er Jahre etwa weniger gierig? Warum gab es derartige "Exzesse" damals nicht? Waren das etwa andere Menschen? Was war damals denn anders?

Solche Fragen werden gar nicht gestellt.

RE: „Dieses Spiel ist saugefährlich“ | 25.06.2017 | 13:16

Herr Welzer ist jemand, der durchaus noch zu eigenen Gedanken fähig ist. Das das Interessante an ihm.

Leider steht er der bürgerlichen, kapitalistischen Gesellschaft, was deren Grundlagen betrifft, völlig kritiklos gegenüber.

Daher kann ich seinen Schlußfolgerungen nicht immer folgen. Bei ihm vermischen sich durchaus aufschlußreiche Teilerkenntnisse und -wahrheiten mit einem teilblinden Wissen bzw. Unwissen, dass es für die meisten Normalbürger, die Sachen von ihm lesen, wohl kaum möglich wäre, dass auseinanderzuhalten.