Timo Essner

Flensburger Jung, zweisprachig aufgewachsen, dritter Sohn von Literaten.Karikaturist und freier Redakteur in diversen Publikationen on- und offline.
Schreiber 0 Leser 19
Timo Essner
RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 22:30

So, liebe Leute, ich bin raus für heute. Vielen Dank für die anregende Diskussion an alle Mitdiskutanten! Weitere Kommentare werden gelesen und nach Möglichkeit und im Rahmen meiner Fähigkeiten beantwortet.

RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 22:26

Nun ja, darum die Eingangsformulierung "So ist abzusehen ... " und der Verweis auf Schröder. Ich weiß, "nichts ist älter als die Nachricht von gestern", aber wir sollten trotzdem versuchen, aus der Geschichte zu lernen - auch aus der jüngeren. Dazu gehört auch, dass wir uns nicht ständig als Bürger mit den gleichen platten Taktiken abspeisen lassen, ohne dazu zu lernen. Sonst wird es ja irgendwann peinlich.

Ja, ich nehme tatsächlich jeden Kommentator ernst, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Damit kann ich absolut leben.

Ihre Entschuldigung habe ich angenommen - was ich allerdings bisher so noch nicht geschrieben hatte; dies sei hiermit getan. :)

Übrigens sehe ich es als absolut legitim an, mich inhaltlich "anzugreifen", wenn dies denn berechtigt ist, also mit Argumentation und / oder Quellen. Ich bin allerdings auch ein Freund von Sachlichkeit im Miteinander - am liebsten ab Minute 0. Es versuchen auch immer wieder Leute, mich mit Seitenhieben ad hominem aus der Reserve zu locken - obwohl diese Menschen meistens älter als 18 sind! Es ist schon retstaunlich manchmal. :)

RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 22:16

Niemand tut Uran in den Dünger, der ist bereits drin. Die Quelle liegt im organischen Phosphat, das geologisch bedingt höhere Uranspuren aufweist. Jetzt haben die Herstellerländer wie Marokko zwei Möglichkeiten: Teure Abscheidunsanlagen zu kaufen und dann auf dem Yellow Cake sitzen zu bleiben oder einfach die "Spurenelemente" mit zu exportieren und die Anreicherung im Boden den Abnehmerländern zu überlassen. Noch nie von gehört? Komisch! Werfen Sie einfach mal "Uran im Trinkwasser" in eine gängige Suchmaschine, dann finden sie sogar ganze Dokus und Berichte der ÖR zum Thema. Teilweise haben wir das Uran selbst im Boden und es wird halt bei Niederschlag ausgespült. Das ist also keine bizarre Verschwörungstheorie, sondern schlichtweg Geologie. Da muss ich auch nichts zurücknehmen - ich überlege mir stets vorm Absenden, was ich so schreibe und in die Welt posaune; man soll es kaum glauben!

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/515/dokumente/twk_zu_uran_im_trinkwasser.pdf

https://www.dvgw.de/themen/wasser/wasserqualitaet/uran/

https://www.youtube.com/watch?v=VMbw5sWe9Y0

https://www.youtube.com/watch?v=bhjpKKPx6jY

RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 22:08

Gut, ob das "wegen" Fukushima geschah, hat die EU-Kommission nicht dazugeschrieben, aber es lag schon zeitlich verdächtig nahe.

Jedenfalls hat die EU die *reduzierten* japanischen Grenzwerte für Cäsium-Belastung übernommen, was einer *maßgeblichen Erhöhung* der Grenzwerte in der EU gleichkam. Produkte aus anderen Regionen dürfen demnach noch höhere Strahlenwerte aufweisen. Schon geil, diese Verbraucherschutzbehörden.

https://www.foodwatch.org/de/informieren/strahlenbelastung/aktuelle-nachrichten/eu-verschaerft-grenzwert-chaos-beim-strahlenschutz/

RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 21:56

Ja, nachvollziehbar - aber aus wissenschaftlicher bzw. sachlicher Sicht zumindest bedenklich. Sie kennen ja weder Herrn Jeschke noch mich persönlich, können daher kaum anhand von bspw. Erfahrung, Bauchgefühl, Mimik, Gestik usw. abschätzen, wer von uns beiden in welchen Punkten recht haben *könnte*. Jedenfalls: Den Rohrreiniger hatte ich falsch - es war Wasserweichmacher - der Rest ist bisher nicht angreifbar gewesen, soweit ich das nach der Diskussionsrunde herauslesen kann. Mit anderen Worten: Wenn es nur das eine Detail war, dann gestehe ich dem Fachmann dies gerne bis auf weitere Prüfung ein, und sehe ansonsten meine Ausführungen als weiterhin statthaft und standfest. Zumal es eh ein Kommentar ist, also größtenteils meine Meinung wiederspiegelt.

RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 21:51

Die Zahl kann ich auch gerade nicht verifizieren, allerdings auch nicht falsifizieren. Jedenfalls steigt die Anzahl der Trinkwasserquellen, die geschlossen werden müssen, weil die Richtwerte nicht eingehalten werden. Das geht dann allerdings meistens auf Nitrit/Nitrat-Verseuchung bzw. Uranbelastung durch Überdüngung zurück - ein anderes Phänomen der chemischen Industrie in der Landwirtschaft. Dazu gibt es leider wenige Quellen ad hoc zu finden, vermutlich weil die Berichterstattung das Thema noch nicht so für sich entdeckt hat. Ich weiß zumindest, dass der Bayrische Rundfunk dazu Berichte hatte, finde sie aber gerade nicht. PS: Ah, doch - einen Beitrag hab ich gefunden: BR "quer", 12.10.2017 - "Belastetes Trinkwasser" (Ctrl.+F) http://www.br-online.de/podcast/quer/cast.xml - da geht es auch wieder um Nitrat, aber auch um Brunnenschließungen.

RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 21:28

Wobei diese Stoffe der Menschheit schon länger bekannt sind und daher *in Maßen* auch verträglich. Das gilt auch für bspw. Erdnüsse. Trotzdem gibt es Allergiker, sprich: es gibt individuelle kritische Höchstmengen, die unter den Richtlinien der Allgemeinheit liegen.

Zu Richtlinien und individueller Toxizität übrigens eine kleine Anekdote: Nachdem in Fukushima der Atommeiler explodiert war, konnten viele Produkte aus Japan die Richtlinien für Strahlungswerte bei Importen in die EU nicht mehr einhalten. Wie hat die EU reagiert? Richtig, sie hat die Richlinie für die verträgliche Höchstmenge an Strahlung hochgesetzt. Preisfrage: Wurde die Richtlinie nach oben korrigiert, weil wir alle plötzlich höhere Strahlungswerte vertragen - oder weil Japan sonst keine Waren mehr liefern könnte?

Auch DDT, BPA, Contergan et al. waren unbedenklich und "völlig harmlos" bis zum Beweis des Gegenteils. Als der Beweis erbracht war, hat die Industrie sich aber nicht gefügt, sondern verschwiegen, geleugnet, lobbyiert und Schäden an Mensch und Umwelt zum Vorteil der Gewinnmaximierun willentlich und wissentlich hingenommen. Das ist bei weitem nicht die vollständige Liste, aber eine mit den prominentesten Beispielen unserer jüngsten Geschichte.

RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 21:20

Das Beispiel Antibiotikum ist ein sehr guter Vergleich, wie auch "Montaine Duvall" weiter oben beschreibt. Die Resistenzbildung ist ein ernstzunehmendes Problem. Ich würde übrigens genau daher und auf allgemeines Anraten der Ärzte kein Breitbandantibiotikum (vgl. "Totalherbizid") anwenden, sondern einen *gezielten Einsatz*. Davon kann bei 6000 Tonnen Austragsvolumen Glyphosat allein in Deutschland allerdings keine Rede sein.

RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 21:17

Exakt. Vielen Dank für den Hinweis, der ein sehr, sehr wichtiger ist. Die Resistenzbildung hat man vor allem in Monokulturen unter extremen Bedingungen. So bleiben nur die Pflanzen übrig, die mit Glyphosat klarkommen, aber die breiten sich dann richtig aus. Und die Lösung der chemischen Industrie lautete? Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben: Neonicotinoide. Es ist ein Trauerspiel und ja: Wir haben keine Ahnung, stecken aber in unserem Größenwahn ständig den Finger in die Steckdose des Universums, nur um zu schauen, ob *es* wieder passiert.

RE: Schmidt stimmt für Glyphosat | 29.11.2017 | 21:13

Die weltweite Anbaufläche würde heute bereits reichen, wenn die Verteilung funktionierte und weniger Nahrungsmittel verschwendet würden. Ich mutmaße sogar: Die Anbaufläche würde sogar für ökologisch verträglichen Anbau reichen. Die Flächenerträge sind abhängig von Art der Bewirtschaftung, etwa Mischkulturen, Fruchtfolge usw. Das klingt nach Ökospinnerei und was daran liegt, dass Nicht-Landwirte das Zusammenspiel von Nährstoffaustausch unter der Pflanzen maßgeblich unterschätzen. Fruchtfolge war bei jeder Bodenreform ein Thema - und zwar aus gutem Grund. Dazu kommt der gesteigerte Flächenertrag durch moderne Hilfsmittel wie Treibhäuser, Bewässerung, *natürliche* Düngung oder Landmaschinen, die durchaus auch im ökologischen Anbau zum Einsatz kommen. Tatsächlich ist die Anwendung der inzwischen berüchtigten Monsanto-Methode in bspw. Asien ein Grund für das Bauernsterben und Landgrabbing ungeahnten Ausmaßes. Und Bayer und BASF mischen da kräftig mit, nicht dass wir der Illusion verfallen, dass deutsche Firmen da nicht beteiligt wären. Im Sinne von "think global, act local" sei dazu auf diesen ARD-Bericht verwiesen: http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/swr/2013/indien-bauern-baumwolle-100.html