Leugnen muss sich wieder lohnen

Satire Berlin hätte die Demonstration der Corona-Leugner nicht verbieten sollen. Der Stadt entgeht dadurch ein Riesengeschäft!
Was da an Einnahmen drin gewesen wäre – muss man sich mal überlegen!
Was da an Einnahmen drin gewesen wäre – muss man sich mal überlegen!

Foto: John Macdougall/AFP via Getty Images

Es war keine gute Idee des Berliner Senats, den Corona-Leugnern das Demonstrieren zu verbieten.

Gestern hatte Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärt, mehrere für das Wochenende geplante Demos gegen die bundesrepublikanischen Corona-Maßnahmen dürften von Staatswegen nicht stattfinden, da man erneut mit Verstößen gegen den Infektionsschutz rechnen müsse. Die Leute tragen dort ja vorsätzlich keine Masken und kennen keinen Abstand.

Am Ende sei es eine Entscheidung für das Grundrecht zum Schutz des Lebens gewesen. Und dann sagte Geisel eben noch: „Ich bin nicht bereit, ein zweites Mal hinzunehmen, dass Berlin als Bühne für Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird“ und diese Formulierung fällt ihm nun auf die Füße, weil das natürlich irgendwie Chuzpe hat und auch gut gemeint ist, „dass wir uns nicht wieder auf der Nase herumtanzen lassen“. Und es wäre für die Mehrheit der Deutschen und besonders der Berliner wohl auch die beste aller Welten, müsste man diesen gärigen Haufen nicht durch ihre Straßen hüpfen sehen, während man selbst mit halbem Kurzarbeitergeld und ständig Maske auf sein neues, nicht immer leichtes Corona-Leben lebt.

Aber es geht natürlich trotzdem nicht. Sie müssen ja dürfen, sich versammeln und brüllen, wegen einem der wichtigsten Errungenschaften des Grundgesetzes: Der Versammlungsfreiheit. Man hätte sie unbedingt kommen lassen müssen. Und zwar eigentlich deshalb:

Zehn Millionen „Andersdenkende“ wollten am Wochenende nach eigenen Querdenker-Angaben in die deutsche Hauptstadt pilgern. Und die beste (und im Grunde auch härteste, aber eben auch vernünftigste) Antwort wäre gewesen, sie mit 30 Millionen Polizisten in Empfang zu nehmen. Und die hätte dann schön jedem Andersdenkenden, der keine Maske trägt, 100 Euro Bußgeld abgecasht (MaskenPFLICHT!). Das wären ca. 1.o00.000.000 Euro und damit kauft die Stadt all ihre Liegenschaften zurück und die Wohnungsfrage ist entschieden (für uns!) und endlich wieder: Highlife.

Und in Wirklichkeit: Ist jetzt natürlich Mörder-Alarm in entsprechenden Telegram-Chats. Der Tropfen auf den heißen Stein. Von „totalitären Verhältnissen“ spricht die AfD und die Verschwörer vom „Sturm auf Berlin“, zu den Waffen, auch von Hinrichtungen ist die Rede. Viele in Stuttgart werden nun laut über den digitalen Gartenzaun meckern, aber zuhause bleiben, soll ja auch regnen. Die richtig Radikalen wollen am Samstag trotzdem (erst recht!) kommen. Der Staat wird sie mit einer kleinen Schutztruppe erwarten. Verstrahlte Verschwörungstheoretiker und Veganköche in Schach halten – das werden sich Linke, Journalisten und sonstiger Mainstream nicht entgehen lassen und mit nötigem Abstand zuschauen. Und es wird alles sicher recht lustig. Aber das große Geschäft, das hat sich Berlin mal wieder entgehen lassen.

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