DFB-Team enttäuscht

Fußball Es steht aktuell nicht gut um die Deutsche Fußballnationalmannschaft. Das muss nicht sein
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Was Thoms Oppermann einst über seine SPD sagte, lässt sich derzeit! eins zu eins auf den Zustand der Deutschen Fußballnationalmannschaft übertragen: "Die SPD steht nicht, sie liegt", sagte er vor mehr als zwei Jahren. Seither hat sich die SPD kaum nachhaltig erholen können und liegt im übertragenen Sinne immer noch am Boden, glaubt man zumindest den Meinungsumfragen.

Nach der enttäuschenden Vorstellung gestern gegen eine "türkische B-Mannschaft" (Steffen Freund) und schwachen Leistungen in den vergangenen Wochen gegen die Schweiz und ein ersatzgeschwächtes Spanien steht es nicht gut um den viermaligen Weltmeister, der nach der katastrophalen WM in Russland von 2018 und einer schlechten Nation Leagues-Saison vieles gut zu machen hat.

Zuletzt hat man immer wieder leichtfertig Führungen in letzter Minute aus der Hand gegeben. Durch Schlamperei, Unachtsamkeiten und mangelnde Konsequenz, die es auf internationaler Ebene einmal braucht. Das ärgert den Fan und Jögi - und hoffentlich auch die Akteure selbst.

Wie so oft im Sport ist es ein Problem der Einstellung. Eine Einstellungssache. Und zeigt, dass der so wichtige zweite Anzug nicht sitzt und häufig unter seinen spielerischen Möglichkeiten bleibt, denn die Qualität des Personals ist nachweislich gegeben. Sollte sie zumindest sein, wenn man in der Bundesliga spielt und sogar viele Spieler hat, die International auf Torjagd gehen.

Zu der Wahrheit gehört aber auch, dass die DFB-Elf um Trainer Jögi Löw zuletzt auch nie komplett gewesen war, in der stark zusammengewürfelten Formation mit vielen Spielern, die in ihren Vereinsmannschaften aktuell auch nur zweite Wahl sind (Amiri, Schulz, Stark, Brandt, etc), nicht eingespielt war und generell seitens vom DFB auf Testspiele und Nations League wenig Augenmerk liegt. Dennoch ist die Art und Weise enttäuschend und frappierend. Und das bei dem großen Potential, das in dem DFB-Kader steckt - man denke nur an die BVB- und Bayern -Stars sowie die zahlreichen Legionäre um Draxler, Werner, Havertz, Rüdiger, Kroos, Waldschmidt, Gosens oder ter Steegen.

Zugegeben: Die Türken haben einen eindeutig nicht regelkonformen Treffer erzielt und Sergio Ramos, der Ausgleichs-Torschütze in letzter Minute beim Spanienspiel im September, hätte zuvor wegen groben Foulspiels vom Platz gestellt werden müssen. Dann hätte man beide Spiele gewonnen, aber auch dann sei nicht alles rosig und glänzend gewesen, wie vom DFB immer gewollt. MAN MERKT DEUTLICH: Es fehlt an Leidenschaft, Motivation (ist es keine Ehre mehr für Deutschland auflaufen zu dürfen?) und Konzentration, insbesondere bei Spielern wie Emre Can, der zuletzt immer für einen Bock gut war. Man hört in den Kommentaren und Interviews nach den Spielen viel Selbstkritik, aber erlebt und sieht wenig Veränderung in den darauffolgenden Partien. Die Mannschaft ist gegenwärtig kein Aushängeschild mehr und dümpelt planlos im internationalen Mittelfeld herum. DAS MUSS NICHT SEIN!!!

Attraktiver Fußball, den Löw verspricht und seine Kicker lange Zeit auch bei Turnieren zeigten, gibt es nicht zu bestaunen. Vielleicht sollte Löw, Sorg und Co darüber nachdenken, wirklich die besten Spieler für wichtige Spiele! zu nominieren und auch spielen zu lassen im Hinblick auf eine EM 2021. Was spricht aus leistungstechnischen Gesichtspunkten dagegen, Boateng und Müller zurück ins Nationalteam zu holen? Das wäre gut für den Teamspirit und die Mannschaft könnte sich sukzessive einspielen. Müller und Boateng sind erfahren und immer hochmotiviert, wenn sie auf dem Platz stehen. Dem Rest der jungen Truppe wären die beiden alten Haudegen ein Vorbild.

Es braucht nicht nur Erkenntnisse, sondern zuvörderst auch Ergebnisse, Herr Löw.

Außerdem ist zu erkennen, dass es derzeit an einem echten Neuner und Knipser fehlt. Werner kann diese Rolle nicht erfüllen, auch nicht Havertz oder Reus. Petersen aus Freiburg? Wohl auch nicht.

13:58 08.10.2020
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