Diese Journalisten bestimmen den Zeitgeist

Journalismus. Clare Hollingworth landete einen Jahrhundertscoop: Sie berichtet als Erste, wie deutsche Panzer Polen überfielen. Welche Journalisten prägten und prägen uns heute?
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Krisen- und Kriegsreporter sind mitunter die Journalisten, die Weltpolitik zu erst mitbekommen. Daraus entstehen Karrieren und anerkennenswerte Biografien. Tragik, Terror und Trauer machen sie und die Konflikte noch mehr weltweit berühmt: wie die kürzlich verstorbene britische Journalistin Clare Hollingworth. Sie verstarb im Alter von 105 Jahren. Hollingworth war die Erste, die von der nationalsozialistischen Invasion berichtete. Als am 1. Septmer 1939 die ersten deutschen Panzer die polnische Grenze überrollten, war Clare Hollingworth für den britischen Telegraph live dabei - sie war damals noch keine dreißig Jahre alt.

Ihre damals an die Redaktion gesandte Nachricht lautete: "1000 Panzer an der polnischen Grenze aufgefahr." Weiter vemeldete sie: "Zehn Divisionen zum schnellen Angriff bereit". Darunter stand aber nicht ihr Nahme, sondern "von unserem Korrespondenten". Dass sie das Debüt des Zweiten Weltkriegs damit vermeldte, war ihr sicherlich nicht klar. Sie schrieb Weltgeschichte und wurde seither in der anglophonen Presse sowie, jedoch weitaus weniger prominent, in der Geschichtsschreibung als Kapazität gewertet.

Hollingworth berichtet aus Algerien, China, Jemen und Vietnam

Weitere Scoops von Hollingworth folgten prompt.

Hollingworth sei gerne im Krieg, hört man aus Pressekreisen. Das erklärte ihre Berufswahl. Sie berichtete über Algerien und den Afrikafeldzug der Nazis und des faschistischen Italien, wurde als eine der ersten westlichen Korrespondenten im maoistischen China nach der Kulturrevolution zugelassen, arbeitete in Jemen und Vietnam. Ihr Gepäck bestand bei diesen Unternehmungen im Wesentlichen aus zwei Dingen - einer Zahnbürste und einer Schreibmaschine. Kann es solche Journalisten heutzutage noch geben?

Welche Schreiber, Journalisten, Reporter und Kommentaroren, die alle zwangsläufig im Schatten von Hollingworth stehen, da der Zweite Welt leider das markante Ereignis der Weltgeschichte der 20 Jahrhunderts gewesen ist - gibt es noch?

Zeiten haben sich massiv gewandelt

Eine Reihe: So die lapidare Antwort. Schließlich gabe es Ereignnisse genug: Wiederaufbau Deutschlands, Kalter Krieg, Zusammenbruch der UDSSR, Hippie-Bewegung, Schaffung der DDR, Deutscher Herbst, Studentenrevolten, NATO-Doppelbeschluss, Wende, jede Menge politischer Skandale, Umweltkatastrophen, Terror und Sportereignisse, die Deutsche unbsterblich machten.

Dennoch die Zeiten, Rezeption und vor allem die Rezipienten haben sich extrem gewandelt in den vergangenen 75 Jahren. Unvorstellbar, dass eine wie Clare Hollingworth die Erste, damals mit Ende 20 und das noch als Frau, gewesen wäre, die solch eine Schlagzeile verkündt hätte.

Vor allem haben sich Medien weiterentwickelt, das Internet kam auf den Markt und -- revolutinierte ihn.Heute wird getwittert, gewhattsappt oder Bilder von Hobby-Journalisten auf Instragramm gestellt. Das Netzn ist heutzutage aber auch ein Medium der Staatskontrolle und Staatsüberwachung, wie viele Beispiele aus Syrien und der Türki belegen, geworden.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges leben zudem mehr Menschen leben auf der Erde (somit gibt es mehr Meinungen). Die politschen Umstände (Aufkommen von stabilen Demokratien in West-und Nordeuropas sowie in Nordamerika) sind sicherer geworden (trotz zahrleicher Kriege und Konflikte in der islamischen Welt). Umwelt- und öknomische Wandlungen und Veränderungen sind teiftreifend, einschneidend und global .Der Kapitalismus hat weltweit Einzug erhalten.

Zurück zu denjenigen, die einordnen, übersetzen, beobachten, kommentieren, Zusammenhänge herstellöen und schlicht Nachrichten vermelden.

Augstein, Springer, Wallraff, Nowottny und Scholl-Latour

Peter Scholl-Latour fällt da sofort ein. Dr deutsch-französische Journalist bereiste fast jedes Land der Welt, war ein Afghanistan-Kenner, daher in jeder Talk-Show eingeladen, und schrieb kritische Kolumnen. Vor zweieinhalb Jahren verstrab er. Solche "Vollblut-Journalisten" gibt es heute imme weniger, scheint es. Angst kannte Latour auch nie bei seine Recherche-Reisen an den Hindukusch.

Da fällt einem dann noch auf Anhieb Günther Wallraff, einer der beklanntesten deutschsprachigen Investigativ-Journalisten ein. Für ihm hat das Schwedische den Namen "wallraffa" erfunden. Er steht im schwedischen Lexikon seit Jahren. Soll heißen: investigativ recherchieren und arbeiten. Erinnert sei an "Ali. Ganz unten" und an Wallraffs alias Hans Esser bei "Bild".

Friedrich Nowottny, langjähriger Intendnatb des WDR, war in der Zeit der Bonner Republik (bis zur Wende) und vor allem während der Willy-Brandt-Ära sicherlich einer, der Meinung wie kein Zweiter machte.

Dann gab es noch Rudolf Augstein, Herausgeber des Spiegels, Multitalent und kritischer Zeitgeist, und Axel Springer. Ihnen hat die Bundesrepublik viele Scoops und Affären zu verdanken.

Wer ist aktuell prägend?

Aktuelle Journalisten , die zumindest deutschlandweit Leitbilder, den Zeitgeist und Ansichten sowie Meinungen prägen und formen, sitzen leider alszuoft in den Chefetagen großer Blätter und Medien. Die Lokal- und Regionaljournalisten sowie viele, die Mantelredaktionen beliefern wie beispielswesie Zentralredaktionen, werden zu oft übergangen. Und eine Menge an freier Journalisten , die frei recherchieren und Skandal aufdecken, die sich dann Blätter einverleiben gegen einen "Hungehonorar" für den Freien.

Eine kleine Übersicht aus Print und TV

Diese sind einige für die heutige Zeitungslandschaft bekanntesten Journalisten.

Für Print: Herbibert Prantel, Harld Martenstein, Josef Joffe, Giovani DiLorenzo, Helmut Markwort, Jakob Augstein und Arno Wiedmann. Wirklich außergewöhnlich ist aber keiner von ihnen.

Das Rechchenetzwerk "korrektiv" und vor allem der mehrfach ausgezeichnete Rechercheverbund "ARD, NDR und Süddeutsche Zeitung" muss an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden, hinter dem Hunderte von Journalisten und Mitarbeiter stehen, die aber selten direkt zitiert werden und nicht im Rampenlicht stehen wie "die da oben".

Fürs TV: Tom Burow, Klaus Klever, Marietta Slomka, Thomas Roth, Caren Miosga und natürlich Anne Will, Sandra Maischberg, Frank Plasberg, Ulrich Wickert (früher), Maybrit Illner, Günther Jauch und Rudolf Krause.

Diese Dame und Herren sind vor allem durch eine permanente und qualitätivhochwertige Berichterstattung in den Medien präsent. Sie sind weniger durch investigative und kritische Reportagen und Scoops aufgefallen.

Welche großen Journlisten gibt es noch?

Was halnten Sie von Karl Max, der bekanntlich auch als Journalist in Trier, Paris und Brüssel gearbeitet hatte?

Der Autor ist Journalist bei Deutschlands größter Regionalzeitung.

14:01 11.01.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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