Plädoyer für die Abschaffung der weiblichen Schreibweise

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Weshalb es an der Zeit ist, die weibliche Schreibform abzuschaffen. Und weshalb erst das zur Gleichberechtigung bzw. zur Gleichbehandlung führt.

Wenn ich Gleichberechtigung fordere, und bei jeder Gelegenheit auf den geschlechtlichen Unterschied aufmerksam mache, ist das nicht ein Widerspruch in sich?Ist das förderlich bei der Zielerreichung? Will die Emanzipation nicht, dass dem Geschlechterunterschied weniger Beachtung geschenkt wird?

Keinesfalls sehe ich die Leistungen und Ziele unserer Mütter und Grossmütter als unbedeutend oder gar unnütz. Im Gegenteil – ohne den Kampf der Gleichberechtigung der letzten Jahre wäre dieses Plädoyer heute nicht möglich. Es bedingt die Grundlage, die unsere Mütter gelegt haben.

Es war sicher richtig, dass Forderungen nach sprachlicher Gleichnennung aufkamen. So werden in Texten heute die männliche und weibliche Schreibweise berücksichtigt. Nicht immer im gleichen Masse – teilweise wird sich mit einer bequemen Floskel der mühsamen Doppelnennung entledigt. Mache ich genauso. Nein, eigentlich gehe ich noch einen Schritt weiter - ich benütze auch für mich alleine die männliche Form. Oder soll ich sagen, die menschliche Form?

Das hat natürlich seinen Grund: Egal, ob ich mich als Arbeiterin, als Bikerin, als Abonnentin, als Schreiberin, als Studentin oder als Freundin bezeichne – immer erwähne ich dabei neben der Funktion auch mein Geschlecht. Aber – will ich denn das? Nein. Ich will, dass der Funktion die höchste Beachtung geschenkt wird. Ich will nicht gezwungen sein, dem Leser mein Geschlecht zu nennen. Wenn ich es für relevant erachte, dann ja. Ansonsten: nein. Wenn ich nur Frauen anspreche, dann sind das die weiblichen Leser, wenn ich nur Männer anspreche, dann halt eben die männlichen Leser. Und alle zusammen sind die Leser.

Wer jetzt einwendet, dass Männer und Frauen aber tatsächlich verschieden sind, dem sei gesagt, dass neben den biologischen Ausstattungen die zur Reproduktion beitragen und wenigen andern äusserlichen Merkmalen das kaum zu erwarten ist. Sehr gut legt das Natasha Walter in ihrem Buch „Living Dolls“ dar: Ob die neurologischen Unterschiede von der Sozialisierung her rühren oder tatsächlich biologischer Natur sind, ist unklar. Letztlich unterscheiden sich die Individuen – Männer und Männer sind verschieden, Frauen und Frauen sind verschieden.

Die Unterscheidung von Mann und Frau finde ich diskriminierend. Im Berufsleben will ich nicht als Frau, sondern als Fachperson wahrgenommen werden, gleichgestellt mit meinen männlichen Kollegen. Das fordert, dass ich auch auf der sprachlichen Ebene gleich bezeichnet werde. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mein Frausein verstecken will, sondern nur damit, dass es nur da erwähnt werden soll, wo es wesentlich ist.

Die weibliche Form ist heute die Spezialform, die Ausnahme. In Zukunft hätte ich gerne eine Form für alle! Eine menschliche Form, eine menschliche Lösung.

20:57 14.04.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Titi Bonheur

"Weisst du, Titi, da kann man von etwas überzeugt sein, und du bringst eine vollkommen neue und unerwartete Perspektive dazu - und man muss sich hinterfragen"
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