Thomas Oberländer

Es gibt nix gutes, außer man tut es
Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Bloß nicht zu streng sein! | 07.02.2011 | 14:32

So ein frustrierendes Erlebnis zeigt, daß man in dem Umfeld, in dem wir leben, alleine fast nichts bewirken kann.

Das schöne an der Transition-Town-Idee ist, daß man an der Stelle nicht aufgeben muss: Meine Hausverwaltung stellt sich blöd an? Na gut, bringe ich meinen Kompostmüll einem Nachbarn, der bei TT mitmacht, und der kompostieren darf. Der kompostiert dann für mich mit.
Und vielleicht laden wir gemeinsam die "normale" Hausverwaltung zur Kompostbesichtigung ein, damit sie sehen kann, daß da nichts stinkt und keine Ratten rumlaufen. Und ein Zettel, der vorrechnet, wie viel Nebenkosten man sparen kann, wenn man durchs Kompostieren Mülltonnen abmelden kann, überzeugt vielleicht auch den einen oder anderen Nachbarn.

Schade, daß mein Hinterhof-Kompost so weit von Berlin weg ist, sonst wären Sie gerne zum gemeinsamen Kompostieren eingeladen.

RE: Meins oder Deins | 13.01.2011 | 22:06

@womaninred:

Wunderschön geschrieben. Genau so wirds gehen und nur so kanns gehen, egal ob es nun in "Transition town" ist oder anderswo.

Hoffentlich sieht man sich mal, ob in "Transition town" oder woanders :-)

RE: Meins oder Deins | 13.01.2011 | 16:36

@womaninred:

Völlig richtig, der Hinweis auf die "Zweitverwertungskette". Das wird nicht reichen, aber ich glaube, daß es in kurzer Zeit mehr bringen könnte als alle Diskussionen darüber, ob man Hartz IV nun um 5EUR oder ein bißchen mehr erhöht.

Selber versuche ich, mich in der "Transition-Town"-Bewegung nützlich zu machen, und da spielen Gedanken wie Gemeinschaftsgärten und "Community supported Agriculture" (Zusammenarbeit einer Gruppe Konsumenten mit einem Landwirt) eine Rolle. Da gehts dann auch aus der Zweitverwertung raus. Eine Rolle spielen bei Transition Town auch die angesprochenen komplexen Zusammenhänge: Haben wir nicht die Möglichkeit, uns einfachere Zusammenhänge, die wir auch wieder durchschauen können, zu schaffen? Ich kann für den Nachbarn kompostieren und der kann ein paar Hühner halten und mir von den Eiern abgeben. Ein dritter hält Bienen, die wieder meine Apfelbäume besuchen. So brauchen wir die Zusammenhänge, die zu den Dioxin-Eiern von Big Business führen, gar nicht mehr zu durchschauen. Was wir stattdessen brauchen, ist eine sehr viel intensivere Vernetzung mit unserer Nachbarschaft, als wir sie heute haben und eine intensive Vernetzung im Internet zu Leuten, die uns die für uns nützlichen Ideen liefern können. Mal schauen, wie weit wir damit kommen, aber auf jeden Fall halte ich es für wichtig, mit solchen Dingen anzufangen, und sie nicht einfach als "zu idyllisch, unrealistisch" abzutun.

RE: Meins oder Deins | 13.01.2011 | 16:07

@nil:

Das sehe ich genauso. Wichtig dafür ist, daß möglichst viele, die heute Riester-Beiträge zahlen, sich wirklich um ihre Zukunft kümmern, statt zu glauben, daß die Versicherungen schon von Geisterhand und auch noch ethisch korrekt Renditen erwirtschaften.

Heute lügen die Versicherungen und die Politik, aber sie lügen sich auch selbst an. Das kann nur besser werden, wenn die Belogenen aufhören, an die Lügen zu glauben (tell me lies, tell me sweet little lies...) und stattdessen fragen, was wohl mit ihren Versicherungsbeiträgen passiert ist und gerade passiert. Die Lügner werden es bestimmt nicht schaffen, ihr Verhalten zu ändern, weil ihr Lebensunterhalt davon abhängt und viele sich einen neuen Job suchen müssten, und davor haben ja die meisten Leute Angst.

RE: Meins oder Deins | 13.01.2011 | 13:49

Ein schönes Bild, das vom "Staat als gebenden und vorenthaltenden Vater". Entsprechend sind die Empfänger der "Sozialleistungen" dann unselbständige Kinder.

Was ist aber, wenn der Vater immer älter wird und sich deshalb mit immer mehr Krankheiten plagen muss: "Die Banken retten", "Den Euro retten", "Wachstum beschleunigen". Unser Papa Staat geht in den letzten Jahren zunehmend häufig zum Arzt und nimmt immer mehr Medikamente. Und die haben Nebenwirkungen, in dem Fall eine steigende Verschuldung der öffentlichen Hand und damit immer höhere Zinszahlungen.

Ich halte es daher für zwar wünschenswert, aber unwahrscheinlich, daß Papa in den nächsten Jahren die Kraft findet, durch ein bedingungsloses Grundeinkommen sozusagen jugendliche Stärke zu beweisen. Hoffentlich erlebe ich ein Grundeinkommen noch (ich bin 47 Jahre alt), aber wahrscheinlich wird das nicht mehr in Euro ausgezahlt.

Nicht nur Hartz-IV-Empfänger, sondern wir alle sind viel zu sehr in der Rolle des empfangenden Kindes dem Staat gegenüber. Wenn unser Staat "den Euro rettet", und damit so ganz nebenbei den Offenbarungseid der Versicherungen und der kapitalgedeckten Renten vertagt, dann ist das letzten Endes auch wieder eine Transferleistung. Diesmal an die Mittelschicht, die sonst sehen würde, ob und wieviel ihrer "Riester"-Rentenbeiträge noch da sind. Wenn er "die Banken rettet", dann rettet er letzten Endes unsere Geldversorgung, weil Banken, die pleite gingen, weder Geld am Automaten auszahlen noch Überweisungen ausführen können.

Wir "Kinder" sollten damit rechnen, daß Papa Staat in den nächsten Jahren zunehmend mit seinen Krankheiten beschäftigt sein wird und (nicht nur deshalb) nach mehr Selbständigkeit streben. Und da gibt es viele Möglichkeiten: Tauschkreise, Verschenkbörsen, Umsonstläden, regionale Währungen und wahrscheinlich mehr Dinge, die ich noch nicht kenne. Alles das gibt es im Kleinen schon, damit es an Bedeutung gewinnt, muss es nur wachsen. Wäre es nicht eine Vision, wenn der Hartz-IV-Empfänger, von dem Umsonstladen, bei dem er mithilft, direkt zur Montagsdemo geht?

Und wenn wir das schaffen, vielleicht wird Papa Staat auch wieder gesünder und fühlt sich in 20 Jahren stark genug, ein bedingungsloses Grundeinkommen in Regionalwährung auszuzahlen.