Die Realität schlägt zurück

Kampagnenkritik Die Allianz will in der jüngsten Kampagne wirklich echte Kunden zeigen – doch die bemühte Echtheit verleiht den Spots eine entlarvende Komik. Ist das vielleicht Absicht?

Wirkliche Kunden, echte Mitarbeiter: Die jüngste Werbeaktion der Allianz gibt sich hyper-authentisch und stellt Otto Normalversicherer in den Mittelpunkt. Damit will sich der 120 Jahre alte Konzern vom Image des verstaubten Aktensortierers lösen. Acht Fernsehspots hat man geschaltet, noch mehr Clips sind im Kino und im Internet zu sehen. Erstmals ist eine Allianz-Kampagne auch in Soziale Netzwerke eingebunden. Einem internen Appell folgend, durchkämmten im Vorfeld die Ver­sicherungsvertreter ihre Akten nach herzeigbaren Schadensfällen. Der Konzern verspricht: Kunden erzählten ihre Geschichten ohne Drehbuch. Ein niederklassiger Fußballer fühlt sich nach einem Kreuzbandriss behandelt wie ein WM-Star und No-Name-Musi­kerin Vanessa kann ihre Instrumente, ganz spießig, gegen Schäden versichern.

Reality strikes back: Auf Echtheit ausgelegt, verfehlen die Testimonials aber gerade dieses Ziel. In einer Zeit, in der alles simuliert wird, lässt Authentizität sich nicht mehr ausstellen, ohne dass die Inszenierung sofort mitgedacht wird. Die Gesellschaft des Spektakels nimmt Reales nicht anders wahr als offen Inszeniertes. Die bemühte Echtheit verleiht den Spots dabei eine entlarvende Komik, die von der Hochglanzoptik der Bilder noch unterstützt wird. Jeder Ver­sprecher der Protagonisten unterstreicht zu­dem die inszenierte Glaubwürdigkeit. Möglicherweise ist diese ­Komik als Form einer höheren Werber­ironie sogar be­absichtigt, als selbst­reflexiver Ver­weis einer Branche, die ja nun mal davon lebt, ­Illusionen wie Wirklichkeit aus­sehen zu lassen.

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