RE: Über Antifaschismus & Gesellschaftskritik | 09.12.2016 | 19:04

Aus meiner Sicht ist der wesentliche Unterschied zwischen Linken und Rechten, der Umgang mit Vielfalt.

Rechte haben Angst vor Vielfalt, Veränderung, allem Unbekannten.

Linke können diese Angst (die ja durchaus alle Menschen erstmal haben) überwinden und lernen, dass Vielfalt das Wesen des Lebens ist und dass Veränderungen und damit eben auch das Unbekannte Herausforderungen sind, denen wir uns stellen müssen. Wohl wissend, dass man an den Herausforderungen auch mal scheitern kann.

Aber kein Mensch ist entweder Rechter oder Linker. Die Umstände, die Erfahrungen, die individuell verfügbaren Resourcen machen uns zu dem einen oder anderen. Angeboren dürfte da nur ein winzig kleiner Teil sein.

Ein nicht ganz unwichtiger Unterschied zwischen Linken und Rechten ist der, dass Linke in jedem Menschen zugestehen müssen Mensch zu sein (auch wenn das ab und an schwer fällt) Rechte das aber Fremden/Unbekannten nicht zugestehen.

RE: Das Kreuz mit der korrekten Sprache | 09.12.2016 | 18:39

Danke für das Kompliment.

Leider kann ich es nicht zurückgeben - trotz intensiver Suche konnte ich keinerlei Geist in Ihrer Äußerung entdecken.

RE: Götterdämmerung | 06.12.2016 | 19:10

Ja es wird Zeit Alternativen aufzuzeigen - das ist seit langem überfällig.

Aber machen Sie nicht den Fehler nach Gegnern zu suchen - die Front verläuft nicht zwischen irgendwelchen gesellschaftlichen Gruppen, die Front ist mitten in jedem einzelnen Menschen.

Der Kapitalismus bietet keinem Menschen eine lebenswerte Zukunft auch keinem Multimilliardär. Was fehlt sind Alternativen und der Mut diese auszuprobieren. Die Alternativen kann man mit ein wenig Phantasie und Zeit finden. Die Front in uns verläuft zwischen dem Mut diese umzusetzen und der Angst vor dem Scheitern bei dem Versuch das zu tun.

Mir scheint jedermensch ist momentan recht allein mit dieser Frontstellung - viele scheinen vor ihrer Angst zu kapitulieren.

RE: Das Kreuz mit der korrekten Sprache | 04.12.2016 | 14:21

Meine Grossmutter war Putzfrau und dafür hat sie sich auch nie geschämt. Wäre aber jemand auf die Idee gekommen sie Raumpflegerin zu nennen, hätte dieser für diese offensichtliche Beleidigung zweifellos eines mit dem Wischmob übergezogen bekommen. Ihr Gefühl dafür verarscht zu werden war recht ausgeprägt.

Wenn wirklich jemand glaubt, man könne mit der Sprache die Wirklichkeit zum Besseren verändern, der hat sein 1984 nicht gelesen. Sprache kann die Wirklichkeit verschleiern. Und genau das ist der Zweck der PC, nicht zufällig ist diese im Gefolge der neoliberalen Machtergreifung gross geworden.

Wer glaubt, dass man einem - ja wie sage ich das jetzt? - dass man also einem hochgradig melanisierten Menschen dadurch Respekt erweist, dass man ihn hochgradig melanisierten Menschen nennt anstatt Neger, der hat eine recht seltsame Vorstellung von Respekt - eine wie ich finde recht billige.

Meine Grossmutter konnte jedenfalls von ihrem Lohn noch ganz brauchbar leben, die Arbeitsbedingungen waren nicht traumhaft aber doch erträglich. Die Änderungen der Berufsbezeichnung müssen die heutigen Putzfrauen mit einem drastischen Lohnverlust und wesentlich schlechteren Arbeitsbedinungen bezahlen. Ich bezweifle, dass sie dies sich selbst so ausgesucht haben.

RE: Mehr wagen | 24.11.2016 | 18:20

Das zentrale Problem der sogenannten repräsentativen Demokratie ist, dass sie hoffnungslos unterkomplex ist. Es ist schlicht unmöglich durch die Wahl einer Partei nicht zumindest einen Teil seiner eigenen Interessen mit Füssen zu treten.

Die repräsentative Demokratie war eine (durchaus nützliche) Krücke um in Flächenstaaten überhaupt mit demokratischen Ideen experimentieren zu können - für die heutigen Anforderungen und angesichts der jetzt gegebenen technischen Möglichkeiten ist sie aber nichts weiter als ein schlechter Witz.

Moderne Gesellschaften müssen lernen echte demokratische Verfahren zu entwickeln, d.h. sie müssen den Mut aufbringen demokratische Experimente zu wagen. Immer im Bewusstsein, dass Experimente erstmal fehlschlagen und man aus diesen Fehlschlägen dann eben andere Experimente entwickeln muss.

Die Alternativen zu diesen Experimenten heissen Trump, Putin, Erdogan, Merkel, Le Pen, Schulz, Hollande, Clinton (um mal im "europäischen" Umfeld zu bleiben), ......

Ich glaube zwar nicht, dass ein heute lebender Mensch wirklich ausgereifte demokratische Gesellschaften erleben wird dürfen - aber ich weiss, wenn wir nicht bald mit den Experimenten anfangen könnte es sein, dass wir keine Gelegenheit mehr dazu haben werden.

Die Frage ist schlicht ob wir weiterhin Waschlappen bleiben wollen und uns in unserer vermeintlichen Sicherheit unsichtbar machen oder ob wir einen Arsch in der Hose haben.

RE: Ganz woanders hin | 23.11.2016 | 18:10

Stellt sich jetzt nur die praktische Frage mit welchen paradoxen Interventionen Linke punkten könnten !

Vielleicht die Forderung nach einer UN-Friedensmission unter führender Beteiligung der Bundeswehr ?

Oder ein Wahlkampf unter dem Motto "Kapitalismus ist für Investoren, Sozialismus für Unternehmer" ?

Oder der Forderung ab 2030 nicht Dieselfahrzeuge sondern alle PKW aus Städten zu verbannen ?

Aber vielleicht wäre das ja nicht paradox sondern schlicht konsequent ?

RE: Das Ende der Vernunft? | 18.11.2016 | 22:23

Was heutzutage so alles am Ende ist - Vernunft, Demokratie ....

Schade nur, dass ich nie einen Anfang davon gesehen hab.

Wer behauptet, dass die real existierenden Gesellschaften vernünftig, demokratisch womöglich auch noch gerecht sind, der macht sich zum Totengräber eben dieser Vernunft, Demokratie ... (auch wenn der Tod hier pränatal eintreten würde)

Es scheint, dass die triefende Selbstgerechtigkeit mancher Verteidiger des Bestehenden für viele nicht mehr zu ertragen ist.

Es wird Zeit sich daran zu erinnern, dass es anders werden muss um besser werden zu können - und dass es keine Garantie gibt, dass es besser wird, wenn es anders wird. Aber eine dafür, dass es schlechter wird, wenn es bleibt wie es ist.

Besitzstandswahrung ist jedenfalls kein Weg, der in eine wünschenswerte Zukunft führt.

Es gibt keinen Grund über Trump zu jammern. Wenn es einen Grund zum Jammern gibt, dann den, dass es keine bessere/vernünftigere Alternative gibt.

RE: Kein Platz für Schadenfreude | 12.11.2016 | 20:21

Sanders Kommunist ?

Sanders keine Chance ? Haben Sie nicht die lesenswerten Berichte von Ernstchen gelesen ? (z.B. https://www.freitag.de/autoren/ernstchen/clinton-taumelt-ueber-die-imaginaere-ziellinie).

Ja ja die Filterblase, ist es in Ihrer wenigstens schön gemütlich ?

Trump Niveau ? Wenn Sie wenigstens das erreichen würden, wäre eine Diskussion mit Ihnen ja vielleicht möglich. So aber lassen wir das besser.

RE: Kein Platz für Schadenfreude | 12.11.2016 | 19:48

Merkt hier eigentlich niemand, dass die Hauptschuldige an dem Destaster Trump Hillary Clinton heisst ?

Michael Moore hat schon vor einigen Monaten gesagt, dass letztlich zählt, wer wieviel Leute zu Wahl schleifen kann. Clinton-Wähler mussten sich schon selbst zu Wahl schleifen, die hatten keine Motivation noch andere mitzuziehen.

Hätte H.Clinton Trump verhindern wollen, hätte sie Sanders die Präsidentschaftskandidatur überlassen müssen.

Es scheint aber, dass ihren Auftraggebern ein Präsident Trump ungefählicher als ein Präsident Sanders erscheint. Also ist sie selbst angetreten und hat damit den Amerikanern nur die Wahl zwischen Pest und Cholera gelassen.

Oder anders gesagt nur die Wahl hatten welche ihrer Interessen sie verraten sollten - ihre ökonomischen Interessen oder die Interessen als Frauen/Schwarze/Homosexuelle/.....

Womit wir beim grundsätzlichen Problem einer repräsentativen Demokratie wären, dass es unmöglich ist seine Interessen durch ein einziges Kreuzchen angemessen zu vertreten.

RE: Apocalypse blau | 10.11.2016 | 21:27

Mein ganz subjektiver Eindruck ist, dass die Amerikaner die Wahl hatten zwischen einem Kandidaten, der sich offen als A...loch zeigte und einer aalglatten, aber keineswegs sympatischeren Kandidatin.

Offensichtlich hatten sie die Verlogenheit der saturierten Politikerkaste satt. Eine vielleicht entscheidende Rolle kann die Tatsache gespielt haben, dass Clinton, die einzige echte Alternative zum Status Quo verhindert hat, und zwar mit Mitteln für die sich womöglich sogar Trump geschämt hätte.