RE: Mehr Widerstand wagen | 04.06.2016 | 10:03

Nur, dann hätten die Mandatsträger für sich nur 2000 Euro beanspruchen dürfen und die Jobs der Bruttopauschale wären nciht an meist ohnehin ganz gut situierte Freunde gegangen, sondern an die Kinder von mittellosen Arbeiterfamilien, die dort ein gute Arbeit hätten verrichten können.

Haben Sie von Netto gesprochen ? Wenn Einkommen dann erstmal brutto - weil nur das vergleichbar ist.

Gut situierte Freunde - siehe oben. Vielleicht sollten Sie erst lesen was Sie geschrieben haben ?

Zum Leseverständnis - ich habe nicht behauptet dass Sie von Erzieherinnen geschrieben haben. Ich habe nur versucht anzudeuten, dass aus Ihrem Kommentar zu schliessen ist, dass jeder, der mehr als 2000,- Euro verdienen (egal jetzt ob netto oder brutto) materiell masslos sein muss. Offensichtlich ist diese Andeutung nicht verstanden worden.

Zu Ihrem letzten Satz :

Das Problem der Linken ist das was ich einen protofaschistischen Charakter nenne. Darunter verstehe ich :

- einen Charakter, der zu pauschalisierenden Urteilen über Gruppen von Menschen neigt, von den er bestenfalls wenige meist gar keinen Vertreter kennt.

- Jegliche Verbesserung dadurch sabotiert, dass er absurd hohe moralische Anforderungen an diese stellt.

Letztlich wird der Kapitalismus / Neoliberalismus nicht durch böswillige Banker am Leben gehalten, sondern durch verbitterte, missgünstige Vertreter der Mittel-/Unterklasse. Die neu?rechten Bewegungen in dieser Welt sind wohl eine starke Stütze für diese These.

Ihnen noch ein giftfreies Restleben.

RE: Mehr Widerstand wagen | 01.06.2016 | 18:30

Verstehe ich Sie recht ? Sie halten die Forderungen der ErzieherInnen nach einem Bruttogehalt von deutlich mehr als 2000,- Euro für eine materialistische Maßlosigkeit ?

Sie glauben im Ernst, dass die Probleme der Obdachlosen dadurch zu lösen sind, dass die Abgeordneten der Linkspartei Ihre Abgeordnetendiäten verschenken ? Was denken Sie wieviel da im Jahr zusammenkommt ? Ob das wohl für alle Obdachlosen jeweils eine Hundehütte reicht ?

Sie wissen genau dass alle Linkenabgeordneten die Jobs an gut situierte Freunde vergeben ? Ich muss sagen Sie sind gut informiert.

Mindestens so gut wie Pegida und Co.

Haben Sie eine Ahnung warum linke Ideen nie eine Chance haben werden ? Ich kann es Ihnen sagen - wegen Ihnen. Weil Leute wie Sie nicht in der Lage sind Sache und Person auseinander zu halten.

Schade eigentlich - denken Sie nicht auch.

RE: Soziale Freiheit und kommunikative Demokratie | 12.01.2016 | 19:44

Es ist auf alle Fälle eine gute Idee langsam aus Marxens Fehler zu lernen.

Zu den wesentlichen Fehler gehören :

- Kapitalismus ist nicht als Wirtschafts- sondern als Gesellschaftsystem zu betrachten. Die Wirtschaft war nur die Machtbasis von der aus der Kapitalismus seinen Siegeszug startete.

- Marktwirtschaft ist im Kapitalismus nicht möglich, da Kapital immer versucht Konkurrenz auszuschalten, meist nicht mit wirtschaftlichen Methoden.

- das Proletariat ist nicht revolutionär.

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen lassen sich die Schwächen des Kapitalismus aufzeigen :

- er ist keine Leistungsgesellschaft.

- er ist wirtschaftlich ineffizient. Ja die Produktion ist riesig, aber wirtschaftlich ist eben nicht viel zu produzieren sondern das Nötige mit möglichst geringem Aufwand. Dazu kommt, dass er das gesellschaftliche Potential aufgrund der extrem ungleichen Mittelverteilung nicht zu nutzen imstande ist. Ebensowenig ist er dynamisch oder flexibel.

- er kann selbst in den Bereichen in denen Märkte sinnvoll wären keine funktionierenden Märkte einrichten.

- er nützt letztlich niemandem. Nebenbei bemerkt am allerwenigsten Unternehmern und den echten Leistungsträgern unserer Gesellschaft.

- er zerstört notwendig alle echten demokratischen Ansätze.

Eigentlich sollte man denken, dass das recht einfach zu erkennen ist. Fakt ist aber nunmal, dass Menschen ihre grundlegenden Hypothesen über die Realität nur sehr langsam ändern. Meist ändern sich diese Hypothesen auf gesellschaftlicher Ebene eben durch das Heranwachsen neuer Generationen. Es wird auf alle Fälle eines langen Atems bedürfen. Und es wird nötig sein Wege aufzuzeigen wie der Kapitalismus ohne schwere Brüche in einen demokratischen Sozialismus (oder wie immer man es nennen will) zu transformieren ist.

RE: Welche Wirtschaft wählen wir uns? | 10.01.2016 | 12:24

Sollte es tatsächlich zu einem Systemzusammenbruch mit nachfolgendem Chaos kommen, kann ich jedem nur raten sich eine Kalaschnikow mit genügend Munition zu besorgen. Fortschritt wird sich daraus sicher nicht ergeben.

Entweder wir finden einen Weg das gegenwärtige System in ein System zu transformieren, das überlebensfähig ist oder wir enden eben in einer evolutionären Sackgasse aus der (wenn überhaupt) nur sehr wenige entkommen können.

Deshalb denke, dass wir keine Alternative dazu haben einen konstruktiven Weg aus dieses Gesellschaft heraus zu finden. Dazu sind, dann Äusserungen wie die zitierte nicht sehr hilfreich.

RE: Welche Wirtschaft wählen wir uns? | 10.01.2016 | 12:08

Na dann verdrehe ich doch mal munter weiter Ihre Worte.

Sie gehen davon aus, dass jeder in dieser Gesellschaft die Möglichkeit hat zwischen Billigschnitzel mit Billigpommes aus der Tiefkühltruhe und konsequent richtigem (Ihrer Meinung nach) bioveganem Gemüse? Daraus schliesse ich mal dass Sie zu der privilegierten Minderheit der materiell besser Gestellten gehören. Ein alleinerziehendes Elternteil mit 800,- Euro netto/Monat hat diese Wahl jedenfalls nicht.

Diesen Menschen dann mangelnde Selbstbeherrschung zu unterstellen - wie nennen Sie das ? Ich nenne das arrogante Menschenverachtung.

Aus Ihren Äusserungen geht leider nicht hervor wie eine Revolution denn auszusehen hätte - alle essen biovegan und fahren E-bike ? Das würde die Biosupermärkte und Bosch sicher freuen. Leider kann ich nicht erkennen, dass sich dadurch etwas Grundsätzliches ändern würde.

RE: Welche Wirtschaft wählen wir uns? | 10.01.2016 | 10:03

es erfordert Konsequenz ein Revolutionär zu sein.

Es gibt genau eine Sache, die man von Lenin lernen sollte - Geduld ist die wichtigste Eigenschaft eines Revolutionärs. Konsequenz, die man sich ja meist nur selbst zuschreibt, ist ebenso wie Perfektion der sicherste Weg in eine Katastrophe. Konsequenz ist nur ein anderes Wort für Lernresitenz.

Der moderne Konsumidiot jedoch, der schwafelt von Revolution und agiert wie ein fetter, vollgefressener Vorzimmersklave - meist ist er das auch!

Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn Sie mit derartiger Agitation eine Revolution bewirken sollten. Vielleicht sollten Sie es einmal mit Einfühlungsvermögen statt Selbstgerechtigkeit versuchen ?

RE: Von der Utopie zur Expertokratie | 04.01.2016 | 15:56

Wenn Sie glauben, dass auswendig gelerntes, totes Wissen wichtiger als eigenes Nachdenken ist erübrigt sich eine Diskussion.

Aber vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass unter Volk heute etwas anderes verstanden wird als im Athen vor 2500 Jahren.

Könnte es da nicht auch sein, dass der Begriff Demokratie einen kleinen Bedeutungswandel durchgemacht hat.

RE: Von der Utopie zur Expertokratie | 04.01.2016 | 15:51

ist der Kapitalismus die optimale, ultimative Gesellschaftsform

Wieso ? Vertritt der Kapitalismus die Interessen der Mehrheit ?

Ohne die Überwindung der kapitalistischen Grundeinstellungbringt die direkte Demokratie gar nichts,

Ich behaupte nicht dass Kapitalismus und Demokratie vereinbar sind. Sie sind es nicht. Deshalb ist direkte Demokratie in einer kapitalistischen Gesellschaft nicht möglich.

RE: Lohn der Angst oder Befreiung? | 03.01.2016 | 22:24

ISBN 978-3-658-09930-5

Daher ist die zentrale politische und intellektuelle Frage diejenige nach der kulturellen Deutungs- und Definitionsmacht in dieser Hinsicht: Wie bestimmen wir die Frage nach der Arbeit? Der intellektuelle und politische Kampf um die Arbeit ist ein Kampf um die Definition des Arbeitsbegriffs ebenso wie um die Arbeitszeit, und um die Formen der sozialen Arbeitsteilung zwischen den Individuen, Geschlechtern und Klassen (sowie den Völkern).
Dabei geht es um die Art und Weise der Bestimmung und Bewertung, der Verteilung und Anerkennung von Arbeit: freie und unfreie, freiwillige und erzwungene, bezahlte und unbezahlte, gut bezahlte und schlecht bezahlte, selbstbestimmte und fremdbestimmte, anerkannte und verkannte, gesellschaftlich sinnvolle oder gesellschaftlich zerstörerische,
notwendige oder überflüssige Formen von Arbeit. Über die eigene Arbeits- und Lebenszeit verfügen heißt in letzter Instanz über das eigene Leben verfügen. Das gilt für Individuen ebenso wie für Kollektive. Nicht nur an den politischen Institutionen, sondern auch an der Art und Weise der Organisation der wichtigsten sozialen Praxis lässt sich der Entwicklungsstand einer Gesellschaft ablesen: das konkrete Niveau von Freiheit und Unfreiheit, Gleichheit und Ungleichheit.

.........

Im Zentrum vieler Analysen der veränderten Arbeitswelt steht nicht umsonst eine fortdauernde gefühlsmäßige subjektive Bindung der Einzelnen an die Arbeitsgesellschaft und ihre inzwischen untergegangenen sozialen Sicherungen: die weiterhin stabile kulturelle Grundnorm der sozialen Sicherheit durch Vollbeschäftigung, das heißt eine auch noch im Falle ihrer massenhaften Enttäuschung tragende Normalitätserwartung. Das ebenso sehr für die individuelle Lebensführung wie für die kollektive Handlungsfähigkeit entscheidende subjektive Sicherheitsgefühl ist heute verschwunden; übrig bleibt ein sozusagen chronisch unbefriedigtes Sicherheitsbedürfnis. Dies ist die offene Flanke für die Schwächung der individuellen wie der kollektiven Handlungsmacht der Arbeitenden. Dies stellt aber nicht nur ein Problem der sozialen (Un-)Sicherheit dar, sondern auch ein grundlegendes Problem der Demokratie: der kollektiven Handlungsfähigkeit der Gesellschaft. Das erodierte ‚Normalarbeitsverhältnis‘ erscheint bisher als zentraler nostalgischer Referenzpunkt. Es steuert immer weniger die gesamtgesellschaftliche Realität der Arbeit – aber nach wie vor
die Erwartungen der Arbeitenden

Zitatende

Letzteres trifft das Problem recht gut. Die Mehrheit hängt immer noch der Illusion an die alten Zustände würde wieder zurückkommen. Das ist Besitzstandswahrung von Leuten, die ihre Besitzstände bereits verloren haben.

RE: Von der Utopie zur Expertokratie | 03.01.2016 | 16:53

Sehr komplexe Maßnahmen sind nicht von allen vollständig zu durchschauen

Wie komplex ist denn "Sehr komplex" ? Haben Sie da einen Maßstab? Und wer entscheidet, wer dann noch mitbestimmen darf? Aber Sie haben ja selbst schon erkannt, dass dann niemand mehr durchschaut. Lassen wir dann also die Entscheidungen die BigData-Algorithmen treffen ?

die anderen müssen sich auf ihr Urteil verlassen können

Na dann verlassen wir uns doch weiterhin auf die Chicago-Boys und ihren Neoliberalismus.

Schätze mal Ihre "Verantwortungseliten" gibt es im Märchen und im Paradies nicht aber auf unserer Erde. Fakt ist dass irgendwelche Experten, wie kompetent sie auf ihrem Feld auch sein mögen, niemals alle Aspekte der Realität im Blick haben werden. Ebenso Fakt ist, dass die eigenen Interessen bei jedem Menschen die Wahrnehmung ganz entscheidend mit beinflusst.

Deshalb ist die direkte Demokratie die bestmögliche Form Entscheidungen zu treffen und die Folgen dieser Entscheidungen im Nachgang zu überprüfen. Allerdings werden wir viel Mühe darauf verwenden müssen diese Art von Demokratie zu lernen.

Denn eher fällt ein Meister vom Himmel als ein Demokrat.