Rousseau -Mensch oder Bürger

Kritik Zu meinem ersten Jahr in der FC habe ich mir gedacht ich schreibe einen Beitrag. Könnte es einen besseren Anlaß geben als Rousseaus 300 Geburtstag.
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Rousseau

Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) ist einer der meist kommentierten Verfasser des 18. Jahrhunderts ist. Er hat mit seinen Ausarbeitungen das Denken in vielen Disziplinen beeinflusst und verändert. Seine Werke sind zu Klassikern in den Bereichen der Philosophie, Pädagogik, Literatur und der Politik geworden. Seine Texte zu Ungleichheit, Erziehung/Bildung, Entfremdung usw. sind heute noch lesenswert, obwohl sie 250 Jahre alt sind, haben sie an Aktualität nichts eingebüßt.

Entfremdung
Rousseau beklagt in seinem ersten Discours (1750) den Zustand der Gesellschaft. Er schreibt dass der Fortschritt in Wissenschaft und Kunst zu Falschheit und Entfremdung und keineswegs zu einer Verbesserung der Moral führe. In seiner Kultur- und Gesellschaftskritik beklagt er, dass die Entfremdung sich Institutionen schaffe, welche diese Pathologien der Gesellschaft fortpflanzt. Seine Kritik schreibt er, weil er sich in der Gesellschaft selbst nicht heimisch fühlt und aufgrund dieser Annahme entwickelt er sein Konzept zur Menschenbildung, den Emil.

Ungleichheit
In der Preisschrift die „Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit der Menschen“, die er im August 1755 der Akademie in Dijon vorlegte, diskutiert er die Ungleichheit, welche auf dem Eigentum beruht. „Der erste, welcher ein Stück Landes umzäunte, sich in den Sinn kommen ließ zu sagen: dieses ist mein und einfältige Leute traf, die es ihm glaubten, der war der wahre Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wieviel Laster, wieviel Krieg, wieviel Mord, Elend und Greuel hätte einer verhüten können, der die Pfähle ausgerissen, den Graben verschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: 'Glaubt diesem Betrüger nicht; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte euch allen, der Boden aber niemand gehört.“'

Emil - Mensch oder Bürger
Im Jahre 1762 hat Jean Jacques Rousseau „Emil oder über die Erziehung“ publiziert. Das Werk handelt zum größten Teil von der Erziehung eines konstruierten Zöglings und möchte auf die schlechten Voraussetzungen die man Kindern in der Gesellschaft bietet, aufmerksam machen, welche er im Ersten und Zweiten Discours bereits dargestellt hat. Rousseau stellt als einer der ersten die Stufe der Kindheit im Prozess der Menschwerdung heraus „Die Kindheit hat eine eigene Art zu sehen, zu denken und zu fühlen (…).“ .

Im Emil widmet er sich in fünf Büchern dezidiert und akribisch der Erziehung eines Jünglings. Angefangen mit dem Wesen des jungen Menschen, bis zur Partnersuche und somit zur engen gesellschaftlichen Bindung. Rousseau legt bei seinem Erziehungskonzept auch sehr viel Wert auf Authentizität. Diese Theorie bestätigt ebenfalls, dass die Entfremdung von der Natur bzw. eine Veränderung der ursprünglichen Fähigkeiten und Kompetenzen zu einer Verschlechterung des Menschseins führen. Dies ist eine Rückbesinnung auf den Ersten Discours.
Die Gesellschaftskritik führt er in seinem Emil weiter aus. „Alles, was aus den Händen des Schöpfers kommt ist gut; alles entartet unter den Händen des Menschen.“ Denn der natürliche Zustand ist gut und damit auch Erstrebenswert Denn in der Natur gibt es keine Mechanismen der Unterdrückung bzw. Machtkonstellationen.

Dies soll eine Kernbotschaft an alle Menschen, sein, die er mit seinem Werk aufrütteln möchte. Denn der ständige Wille bzw. Drang zur Veränderung macht vor der natürlichen Schöpfung nicht halt. Nichts möchte der Mensch so wie es ist. Alles verändert er nach seinem Willen. Wobei diese Veränderung gegen die natürliche Entwicklung ist und somit Schaden anrichtet. Auch die Menschen möchte er durch Erziehung nach seinem Willen beeinflussen. Doch diesen Veränderungswillen, der eine versteckte Gesellschaftskritik des Schreibers offenbart, prangert er in „Emil oder über die Erziehung“ an und entwickelt ein Konzept der negativen Erziehung. Damit Kinder so sein können, wie sie es möchten, darf möglichst wenig aktiv in die Erziehung eingegriffen werden. Denn jede bewusste erzieherische Handlung kann eine potenzielle Veränderung des natürlichen Zustandes bedeuten und zur Entfernung von der ursprünglichen Ordnung führen.

Vordenker der Französischen Revolution
Indem Rousseau die derzeitige Gesellschaftsordnung und deren zukünftigen Fortbestand in dieser Form bezweifelt, macht er auf die Umwälzungen der Gesellschaft aufmerksam und spricht an, was sich in Europa ereignen wird. Er sieht die Revolutionen in Europa voraus, die die Gesellschaft verändern werden. „Wir nähern uns einer Krise und dem Jahrhundert der Revolutionen. (…) Glücklich derjenige (…) zum Trotz Mensch bleibt. (…).“ Diese angesprochene Umwälzung wird die vorherige Ordnung verändern.
Wer seine gesellschaftliche Pflicht nicht erfüllt und keinen Beitrag leistet, ist ein „Schmarotzer“ und nicht wert, sich an den Früchten der Gesellschaft „Anteil zu haben". Diese Überlegung von Rousseau ist das Zündkraut, das nach ihm der Grund für die Auflehnung der Arbeitenden gegenüber den Müßiggängern (König, usw.) ist. Er begründet die Notwendigkeit der Arbeit mit dem unmittelbaren Prinzip der Selbsterhaltung eines jeden Menschen und folglich mit dem Erhalt der Gesellschaft. Arbeit gilt als Legitimationsgrundlage für das Leben in der Gesellschaft. Indem Menschen arbeiten, sind sie in der Lage sich selbst zu versorgen und auf diese Weise tragen sie zum Erhalt der Gesellschaft bei. „In der Gesellschaft aber lebt er notwendigerweise auf Kosten der anderen: er schuldet ihnen Arbeit als Preis für seinen Unterhalt. Das gilt ohne Ausnahme. Arbeiten ist eine unerläßliche Pflicht (…) der Gesellschaft.“

Rousseaus Wirken
Rousseau ist ein Vordenker für verschiedene Disziplinen und hat mit seinen revolutionären Gedanken das Denken verändert. Es gibt noch viele andere Interpretationen zu Rousseaus Wirken, insbesondere zu seinem Buch "Emil oder Über die Erziehung", dass noch viel Spielraum für Ideen zulässt und solange es neue Erkenntnisse gibt, eröffnen sich neue Wissenshorizonte bzw. Deutungsmuster die das Buch immer wieder interessant machen. ´

Die Klassiker haben deshalb den Anspruch Klassiker zu sein, weil sie immer wieder neue Gedanken aufwerfen. So wird auch der Naturgedanke Rousseaus immer wieder neue Sichtweisen entstehen lassen.


14:34 29.06.2012
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Geschrieben von

langweiler

hähh!!!!!!!!- Das heißt: "Ich habe das Gesagte nicht richtig verstanden, wären Sie bitte so freundlich das zu wiederholen."
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Kommentare