TorstenHass

"Ich weiss nicht, was ich bin. Ich schreibe das gleich hin. Da hab'n wir den Salat: Ich bin ein Literat." (Robert Gernhardt)
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RE: Es kracht im Paradies | 19.06.2009 | 09:10

Erfolgreich in Film, Musik und Literatur ist vor allem das, was KonsumentIn so ähnlich bereits kennt, womit man sich identifizieren kann, worin man sich wiederfindet, wozu man sagen darf: „Genau so ist es (bei mir auch)!“ Hensel drückt das so aus: „Du bis einer von uns, und du bist Kunst!“ KonsumentIn bezahlt also nicht für den Kunstgenuss, sondern für eine Art Psychotherapie zur Bekämpfung von Minderwertigkeitskomplexen: Man möchte etwas Besonderes sein. Paradoxerweise ist hinzuzufügen: ...was nichts besonderes ist.
Kunst geht anders. Enzensberger antwortete im „Spiegel“ (1/2008) auf die Frage, was er gerne lese, er freue sich jedes Mal, wenn jemand das Mittelmaß überschreitet. „Was meinen Sie mit Mittelmaß?“ „Na, wenn es um die Freundin geht, die einem davongelaufen ist, oder um irgendwelche Ehebrüche, diese ganzen blöden Toskana-Romane. Wenn aber jemand sagt: ’Ich habe da etwas, was ihr noch nicht gehört habt.’ Das ist doch viel schöner.“
Allerdings weniger erfolgreich. Wäre die Enzensbergersche Erzählt-mir-Geschichten-die-ich-noch-nicht-kenne-Haltung nämlich Mainstream, sähen die Film-, Musik- und Literatur-Charts ganz ganz anders aus...

RE: Revolutionäres Erbgut | 19.06.2009 | 09:08

Stellenweise (unfreiwillig?) amüsant, an einer Stelle bis zum Makabren: „die Leiche breit getreten worden.“ – Meine Phantasie ist zwar pervers, aber eine breit getretene Leiche mag ich mir nicht wirklich vorstellen...

RE: Land Guck-in-die-Luft | 12.06.2009 | 10:17

In Deutschland brechen erst Unruhen aus, wenn Tempo 130 auf Autobahnen eingeführt wird (Große Revolution!) oder Nichtraucherschutzgesetze (Kleine Revolte). „Kleine Leute, kleine Sorgen. Große Leute, große Sorgen.“ Im Übrigen wundert es nicht, wenn das Konsumklima weiterhin gut bleibt: Alles Ersparte müsste man im Fall der Fälle erst für das Notwendige verfrühstücken – also gibt man es lieber vorher für das Unnötige aus.

RE: Suppenküchen-Sozialismus | 12.06.2009 | 10:14

Wieso „das paradoxe Scheitern dieser Gesellschaft an ihren eigenen Kriterien“? Paradox ist daran nichts. Der Kapitalismus gehorcht lediglich seinen eigenen Gesetzen: Kein real existierendes Konkurrenzprodukt (=konkurrierendes Gesellschaftssystem) -> degeneriertes Produkt (=degenerierter Kapitalismus). Denn die momentan real existierenden Konkurrenzprodukte (Osama bin Ladens und Kim Jong Ils) machen außer Friseuren und Bartschneidern keine Freude. Vielleicht höchstens noch den Herstellern hochhackiger Schuhe.

RE: Der Damm wird brechen | 12.06.2009 | 10:10

Was heißt hier lapidar „Taktik, […] Geldscheine an sie zu verteilen“? Das waren immerhin 80 Dollar (www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/979905/)! Achtzig Dollar sind nicht zu verachten. Sowas würde ich auch gerne an jedem Informationsstand unserer Parteien mitnehmen, vor allem, weil ich als Nicht-Autofahrer nichts von der Abwrackprämie hatte…

RE: '68 muss nicht umgeschrieben werden | 26.05.2009 | 18:27

... Schuss auf Ohnesorg natürlich *gräm*

RE: '68 muss nicht umgeschrieben werden | 26.05.2009 | 18:26

Herzlich gelacht habe ich als "Nachgeborener" bei den ersten hyperventilierenden Medien-Meldungen, dass nun die Geschichte umgeschrieben werden solle/müsse/dürfe. Denn mir fiel derweil nur Karl Valentins "Nicht einmal ignorieren" ein: Selbst WENN der Schuss auf Kurras von den bösen Kommies in Ost-Berlin "gelenkt" gewesen sein sollte - ohne den Freispruch in West-Berlin wohl keine Radikalisierung/Mobilisierung. Dass jedoch auch das Gericht von der Stasi infiltriert gewesen sei, behauptet nicht einmal das ZDF (oder habe ich mangels TV-Gerät irgendwelche Verschwörungstheorien verpasst? ;-)