Muss es wirklich Facebook sein?

Social Media Experte Geert Lovink glaubt an eine alternative Zukunft sozialer Netzwerke. Noch sei es nicht zu spät, gegen die globale Macht von Facebook, Google und Co. vorzugehen
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Muss es wirklich Facebook sein?
BWPWAP Networks mit Geert Lovink
Giulia Baccosi / transmediale

Virtueller Selbstmord ist eine knifflige Angelegenheit. Nicht, weil es Netzmüden an Willenskraft fehlt, sondern weil soziale Netzwerke wie Facebook es Nutzern schwer machen, ihre Profile zu löschen. Fast eine Milliarde Profile zählt das Börsenunternehmen. Nutzer haben Angst vor Manipulation und Datenhandel, Bewegungen wie Europe Versus Facebook oder ShareMeNot gehen dagegen vor. Geert Lovink, Medientheoretiker, Leiter des Institute of Network Cultures und Autor von Publikationen wie Uncanny Networks und Networks Without a Cause: A Critique of Social Media, rief bei der transmediale zum Kampf gegen die globale Macht der Social-Media-Konzerne auf. In seinem Vortrag gab er Handlungsempfehlungen, wir haben sie zusammengefasst.

– Menschen wollen in sozialen Netzwerken interagieren. Es geht nicht darum, dieses Bedürfnis zu hinterfragen, sondern die Art und Weise, wie Profile gestaltet sind – wir brauchen Ideen für neue Architekturen.

– Wir müssen soziale Netzwerke in Plattformen der Kollaboration verwandeln, sie sinnvoll nutzen und damit gestalten, anstatt sie nur als Umgebung für Kommunikation zu nutzen. Facebook versucht, das zu verhindern, denn für Social-Media-Konzerne stellt Kollaboration unter Usern eine Bedrohung dar.

– Impulse für eine alternative Zukunft sozialer Netzwerke liefern auch künstlerische Positionen und Praktiken. Die Berliner Gruppe Telekommunisten etwa hat mit Thimbl ein Manifest für eine neue Form sozialer Online-Interaktion entwickelt.

– Die Macht, die derzeit in zentralisierten sozialen Netzwerken vorherrscht, muss fragmentiert werden. Lokale Ansätze müssen an die Stelle globaler Netzwerke treten.

– Es gibt bereits alternative soziale Netzwerke, die mit 100.000 bis 150.000 Profilen relativ erfolgreich sind, etwa Diaspora, Crabgrass oder Lorea. Von diesen Projekten können wir lernen, ihre Ansätze müssen wir weiterentwickeln.

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Daran, dass User, Künstler und Aktivisten noch eine Kehrtwende der sozialen Netzwerk-Kultur bewirken können, glaubt Lovink. Das Potenzial sei riesig, jetzt ginge es darum, zu handeln, sagte er, denn wir seien drauf und dran, dieses Potenzial zu verlieren. Aus dem Publikum meldete sich ein desillusionierter Aktivist zu Wort. Er bewundere Lovinks Optimismus, versicherte er, aber alternative soziale Netzwerke wie Lorea würden oft nicht richtig funktionieren, außerdem sei Facebook überall, es sei unmöglich, gegen den Konzern vorzugehen.

All jene, die den Absprung trotzdem wagen wollen, können sich im Netz Hilfe holen: Mit Web 2.0 Suicide Machine oder Account Killer können Profile bei Facebook, Twitter, Google und anderen Netz-Platzhirschen dauerhaft gelöscht werden.

Sabine Weier
12:00 01.02.2013
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Back When Pluto Was A Planet

Das Blog zur transmediale 2013 - Festival für Kunst und Digitale Kultur. Eine Kooperation des Freitags und der transmediale
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