Trias

Ut desint vires, tamen est laudanda voluntas.
Trias
RE: Schiefe Debatte | 25.10.2014 | 19:39

"Das onmipräsente Doxxing", oh mann. JA, auch von Seiten anti-GG läuft viel Scheiß. JA, auch GamerGater sind Drohungen ausgesetzt. Inwiefern negiert das die Tatsache, dass GG als misogynistischer Lynchmob angefangen hat und nach wie vor operiert? "Der hat mich aber auch gehauen" ist ein Kindergartenargument.

Und "die Leute spielen doch eh nicht": Das stimmt so einfach nicht mehr. Gaming ist, wie aktuelle Statistiken zeigen, kein elitärer Club für männliche Weiße zwischen 15 und 30. Ja, auch die "damn filthy casuals", die 'ne Wii zu Hause haben, zählen mit dazu. Ich spiele übrigens seit 24 Jahren Videospiele und ich habe damit exakt NULL Probleme. Ich schätze, der Bezug ist der 2012 von Sarkeesian geäußerte Satz "I don't consider myself as a 'gamer'". Man muss das durchaus nicht so interpretieren, dass jemand, der sich selbst nicht als "Gamer" bezeichnet, keine Videospiele spielt.

Und wenn das so wichtig ist: Wieso werden dann auf pro-GG-Seite, Leute wie Christina Hoff-Sommers (die zugibt, sich vor den letzten Monaten nie mit Videospielen, geschweige denn der Vieospielszene, beschäftigt zu haben) und Milo Yannopoulos (der noch im August einen Artikel veröffentlicht hat, in dem er sich darüber lustig macht, was Gamer doch für Loser sind) komplett und unkritisch akzeptiert? (Tipp: Weil sie pro-GG*hust* ich meine "neutral" sind.)

Wer meint, sich selber überzeugen zu müssen, darf gerne mal in die Mentions von Zoe Quinn (@Quinnspiracy), Anita Sarkeesian (@femfreq) oder Brianna Wu (@Spacekatgal) reinschauen, um zu sehen, auf welchem Niveau diese "Debatte" von Seiten pro-GG geführt wird.

Wenn "neutral" nur noch eine Plattform ist, die dem eigenen confirmation bias entspricht, ist dFC tatsächlich eine schlechte Wahl. Dann sollte man lieber bei 8chan bleiben. Oder im GG-Kommentarthread von KnowYourMeme, wo sich Leute nicht entblöden zu sagen sie wären "neutraler als Wikipedia", weil letztere keine Gerüchte, unfundierte Anschuldigungen und Youtube-Videos als Quelle zulässt. Das ist 'ne Definition von Neutralität, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss.

RE: Schiefe Debatte | 24.10.2014 | 19:22

Okay, das ist jedermanns gutes Recht, das so zu sehen. Es soll hier ja niemand, auch nicht Sarkeesian, auf ein Podest der Unfehlbarkeit gestellt werden, und dass man Aufmerksamkeit für ein Projekt erzeugen muss, damit es dann auch gehört wird, ist auch klar. Ihre Thesen - im Prinzip: "Denkt euch doch mal ein paar neue Motive für den Protagonisten aus und macht weniger flache weibliche Charaktere!" - finde ich allerdings ziemlich moderat. Das nächste CoD wird's ja trotzdem geben, ist ja nicht so, dass das dann keiner mehr kauft.

Ein gutes Beispiel dafür, dass auch die feministische Diskussion nicht immer einseitig sein muss, sind die Äußerungen über das soeben erschienene Bayonetta 2. Die einen loben die Stärke und Unbabhängigkeit, die durch die Protagonistin verkörpert wird, die anderen sagen, dass Outfits und Kamerawinkel immer noch deutlich darauf hindeuten, dass mit der "übersexualisierten Heldin" haupsächlich die männliche Kundschaft angesprochen wird. Kann man drüber diskutieren - evtl. auch, ohne sich dabei gegenseitig zu zerfleischen.

Letztendlich muss ich aber festhalten, dass Gamergate keine Plattform ist, die eine zivile Diskussion über was auch immer ermöglicht (um mal wieder auf den ursprünglichen Artikel zurückzukommen) - obwohl das ja durchaus geht, wie ich in unserem Gespräch sehe. Ist auf jeden Fall eine sehr nette Abwechslung zu den konstanten Beleidigungen auf Twitter.

RE: Schiefe Debatte | 24.10.2014 | 18:39

Entweder ist ihre Arbeit schlecht gemacht (schlecht recherchiert) oder sie reißt eben Dinge absichtlich aus dem Kontext um sich und ihre Thesen zu verkaufen.

Das sehe ich anders. Auch eine in einzelnen Punkten fehlerhafte Arbeit kann es wert sein, diskutiert und - in den Bereichen, in denen sie nicht fehlerhaft ist - in ihrer Aussage anerkannt zu werden. Wenn man das ansonsten zuende denkt, kann man auch anfangen, z.B. Bachelorarbeiten nur noch mit 1 oder 6 zu bewerten. Und zu "aus dem Kontext reißen" noch: In der ganzen Serie geht es um "Tropes", also einzelne Erzählelemente. Diese machen nur einen Bruchteil des Ganzen aus, sind nicht direkt repräsentativ für das ganze Werk (außer es handelt sich um ein durchgehendes Motiv; das ist dann aber kein "Trope" mehr) und geradezu zwingend aus dem Kontext gerissen. Wenn ich mich nicht irre, wird genau das auch explizit in einem von Sarkeesians Videos erklärt.

Über den Sinn und Unsinn von feministischer Kritik könnte man ganze Bücher schreiben. Es gibt sie aber nun mal, und man kann sich damit auch ganz sachlich auseinandersetzen.

Zum Punkt "Aufmerksamkeit": Das ist haupsächlich ein Verdienst derjenigen, die seit mittlerweile 2012 eine massvie Kampagne gegen Sarkeesian fahren, um sie irgendwie zu "enttarnen". Stichwort "Streisand-Effekt". Ich habe von der Frau das erste mal vor zwei Monaten gehört, als GamerGate langsam an Fahrt gewonnen hat. Und es ist nicht so, dass ich mich erst seit gestern für die Videospielszene interessiere.

Zum Punkt "Geld": Nach meinen Informationen wurde aus dem Fundraiser-Geld für "Feminist Frequency" eine non-profit-Organisation gegründet, deren Statuten explizit verhindern, dass der Betreiber sich persönlich bereichert. Wenn Sarkeesian also unbedingt Kohle machen wollte, hätte sie das deutlich einfacher haben können.

RE: Schiefe Debatte | 24.10.2014 | 16:51

1. Wenn da schon schlecht recherchiert wurde, wie ist das bei anderen Beispielen ?

Es steht jedem frei, auch den Rest zu kritisieren. Ich frage mich nur, warum immer auf exakt diesem Detail herumgehackt wird, wenn es darum geht, Sarkeesians Inkompetenz zu beweisen. Das impliziert für mich entweder, dass dies der einzige kritisierbare Punkt ist, oder dass sich keiner ernsthaft mit dem Rest der Aussagen beschäftigt hat.

2. Müsste die Thesen dann sein: Videospiele verherrlichen/verharmlosen Gewalt gegen Menschen. Nicht auf Geschlechter beschränkt.

Nicht in einer explizit feministischen Kritik. Diese ist per definitionem "einseitig" und monothematisch, weil sie ein Medium explizit aus feministischer Perspektive betrachtet. Man kann - und sollte! - die Aussagen dieser Kritik sehr wohl in einen weitreichenderen Kontext von Gewaltdarstellung/-verharmlosung/-verherrlichung in Spielen einordnen, das ist hier (und auch bei feministischer Film- oder Literaturkritik) aber nicht das Thema. Dass es nur um den Aspekt "Gewalt gegen und Objektifizierung von Frauen" geht, impliziert nicht, dass der Rest nicht existiert.

RE: Schiefe Debatte | 24.10.2014 | 16:12

Es muss kein Stripclub sein.

Das ist exakt der Punkt, den Sarkeesian ausdrücken will. Übrigens nicht zu verwechseln mit "es darf kein Stripclub sein" (wie es gerne mal unterstellt wird.

Es gehört eben - so die Grundaussage - in modernen Spielen mit etwas "düsterer" und "heruntergekommener" (oder auch "realistischer") Atmosphäre mittlerweile zur Grundausstattung, ein "Bordell-Level" o.Ä. zu haben. Und dazu kann man durchaus eine differenzierte Meinung haben. Es gibt bestimmt viele Menschen, auch Frauen, die das ganz und gar nicht stört. Ich muss zugeben, dass mir selber das auch noch nie besonders großes Kopfzerbrechen bereitet hat.

Das Detail mit den Punkten ist, jawohl, schlecht recherchiert und stimmt so nicht. Aber macht das den Rest des Arguments bzw. die anderen Aussagen automatisch ungültig?

RE: Schiefe Debatte | 24.10.2014 | 15:12

*Ahnung

Und btw, @Artikel: "indische Spiele-Entwicklerin", echt jetzt? Die Übersetzung von "indie game developer" kannte ich noch gar nicht.

RE: Schiefe Debatte | 24.10.2014 | 15:03

Seitens Gamergate habe ich so gut wie keine persönlichen Angriffe oder Drohungen gesehen(...)

Wer diese Meinung noch vertritt, nachdem mittlerweile drei Leute durch Vergewaltigungs- und/oder Morddrohungen aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, vor mehreren Veranstaltungen mit Auftritten von Anita Sarkeesian Bombendrohungen eingegangen sind und so gut wie jeder, der öffentlich Position gegen Gamergate bezogen hat, eine Flut von Beleidigungen und Drohungen über sich ergehen lassen musste, hat entweder den Schuss nicht gehört oder lügt ganz einfach.

Die offenbar immer noch kursierenden Videos von Thunderf00t enthalten vor allem Informationen, die schon seit Wochen als falsch entlarvt wurden und sind ansonsten voller Strohmannargumente und wilder Behauptungen bar jeder Grundlage.

Wenn wir schon mit YT-Videos argumentieren, bitte: http://www.youtube.com/watch?v=8N-tkrxAEWw (Gegenrede zu Thunderf00t) und http://blip.tv/foldablehuman/s4e7-gamergate-7071206 (Grundannahmen und "Normalität" im Zusammenhang mit Gamergate).

Der letzte Brüller in diesem Zusammenhang ist im Übrigen, dass ein kalifornischer Anwalt, der sehr prominent als "pro-Gamergate" in Erscheinung tritt, angekündigt hat, dass er Zoe Quinn mit Hilfe eines Detektivs ausspionieren lassen will. Siehe http://archive.today/SWHfI

Das nachdem er bereits vertrauliche Gerichtsdokumente über sie geleakt hat, die nichts mit den erklärten Zielen von GamerGate zu tun haben.

Man darf der Meinung sein, dass Anita Sarkeesian nur Quatsch redet und keine Ahnbung hat. Man darf auch der Meinung sein, "Depression Quest" von Zoe Quinn sein ein beschissenes Spiel. Man darf sogar sagen, dass im Spielejournalismus Korruption, Bestechung und Freundschaftsdienste ernstzunehmende Themen sind, über die geredet werden muss. Nichts davon rechtfertigt das, was in den letzten zwei Monaten unter dem Label "GamerGate" abgegangen ist.

RE: Homo ludens | 13.10.2014 | 15:52

"Das Problem mit Anita Sarkeseean ist nicht das sie gegen Männer ist oder sonst etwas, es ist das sie kontinuierlich Spiele misrepräsentiert und sie paranoid liest."

Das sehe ich anders. Es geht bei ihren Videos um einzelne Tropes, also "Erzählmotive", die immer wieder in Videospielen, bzw. eigentlich in allen Medien auftauchen. Im konkret angesprochenen Fall bei 'Hitman' z.B. um "Frauen als Hintergrunddekoration". Dass sie bei den Fakten tatsächlich gepatzt hat - soweit ich weiß, bekommt man aber zumindest keine oder weniger Punkteabzüge, wenn man die Leichen der umgebrachten NPCs versteckt - widerlegt nicht die grundsätzliche Aussage.

Feministische Kritik an einem Medium ist per definitionem "einseitig", da hier ein ganz bestimmter Teilaspekt als problematisch hervorgehoben werden soll. Das ist z.B. bei feministischer Literaturkritik auch nicht anders; es geht nicht um ein objektives Urteil sondern um das empirische Aufzeigen problematischer Motive und Strukturen. Sarkeesian hat stets und in jedem einzelnen ihrer Videos betont, dass die von ihr zitierten Spiele dadurch nicht "böse" oder "schlecht" sind - schon gar nicht diejenigen, die diese Spiele spielen. Es geht lediglich um den Vorschlag, dass "rette die Prinzessin" und "räche deine getötete Ehefrau" nicht die einzigen Handlungsmotive sind, die Spieleentwicklern als Storyelemente zur Verfügung stehen.

Zum Thema die Hälfte der Gamer seien Frauen lässt sich sagen dass das stimmt wenn man Solitär und Farmville in eine Kategorie mit COD steckt, was relativ absurd wäre.

"Kein wahrer Schotte"? Der Übergang zwischen "casual" und "hardcore" ist weitaus fließender. Es gibt genug Frauen, die auch mit AAA-Games wie CoD, Skyrim oder sonstigen Titeln was anfangen können. Andererseits war und ist immer noch die Haupzielgruppe, für die "richtige" Spiele produziert werden, die "jungen, männlichen Weißen". Was würde es denn schaden, wenn nun in Zukunft mehr Spiele produziert würden, die eine breiter Zielgruppe ansprechen? Auf den neuen CoD-Teil muss ja trotzdem keiner verzichten, solange sich das weiterhin wie geschnitten Brot verkauft, werden auch neue Titel in der Richtung produziert.

"Bei Zoey ging es nicht um sexismus oder ähnliches es ging darum das sie mit den Journalisten die ihr Spiel positiv bewertet haben, kurz bevor sie dies taten, geschlafen hat."

Dieses Gerücht ist seit Wochen widerlegt - derjenige, der es in die Welt gesetzt hatte - Zoe Quinns Exfreund - hat es selber dementiert. Die meisten anderen "Korruptions"-Vorwürfe unter dem GamerGate-Hashtag konzentrieren sich darauf, dass Spieleentwickler und -journalisten - o schreck - teilweise miteinander befreundet sind, und über Patreon oder Kickstarter auch teilweise die Entwicklung von Indie-Spielen mitfinanziert haben. Natürlich gibt es in dem Bereich durchaus Dinge zu kritisieren, aber viele Beteiligten auf Seite von GamerGate haben zugegebenermaßen ein sehr merkwürdiges Bild von "Objektivität" und "Transparenz".

RE: Die Armut von innen | 21.06.2014 | 02:00

Bzgl. dieses Artikels hatte ich heute Abend ein mMn sehr entlarvendes Gespräch mit dem Twitteraccount der AfD Rhein-Sieg-Kreis. Wer gerne mal live sehen möchte wie man sich so "AfD-Style" gegen Kritik verteidigt, darf sich das antun: Tanz um den heißen Brei

RE: Sonneborn for President | 01.06.2014 | 19:20

Tja, bei dem ganzen Furor um Sonneborns Einzug ins Parlament kann man eigentlich nur mal wieder konstatieren, dass getroffene Hunde bellen. Giegold ist ja auch nicht der Erste, der sich darüber künstlich aufregt.