T.S. Clarence
04.05.2014 | 06:50 180

Das Bedingungslose Grundeinkommen

BGE Die Hoffnungen vieler in einem Bedingungslosen Grundeinkommen sind groß. Bei einer Gesellschaft der die Arbeit ausgeht scheint das kein Wunder

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied T.S. Clarence

Das Bedingungslose Grundeinkommen

Foto: BukTom Bloch / Flickr (CC)

Die Entkoppelung der Arbeit vom Einkommen ist ein wichtiger Schritt in der gesellschaftlichen Entwicklung, doch ist Sie nur ein Schritt. Der Mensch definiert sich nicht nur über die Arbeit die Er verrichtet, auch über das Einkommen das Er dabei erzielt. Der Einkommensunterschied wird dadurch nicht beendet. Die Armut wird, wenn man so will, auf ein neues Level gehoben.

Das BGE kann also nicht der Weisheit letzter Schluss sein, kann aber eben helfen den Konflikt „Arbeiten Wir um zu Leben oder Leben Wir um zu arbeiten, um uns selbst zu verwirklichen.“ Auf ein neues Level heben. Helfen einen neuen (oder eigentlich schon älteren) Gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Die bestehenden Verhältnisse in Frage zu stellen, und das grundlegende Problem zu lösen.

Wie kann jeder den gleichen Zugang zu allen Ressourcen bekommen und das Nachhaltig?

Eine große Aufgabe die das BGE alleine wohl kaum stemmen kann, vor allem braucht es Bildung. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Bei der Bildung, da krankt es an allen ecken und enden. Ein 3. Gliedriges Schulsystem, als wären Wir im 19 Jh. Der Zugang zum Abitur ist Maßgeblich vom Elternhaus abhängig… and again… 19 Jh? Bildung eine finanzielle Frage. Von Experten auch gerne als soziales Problem bezeichnet. Es handelt sich bei den ungebildeten, den armen, ja um sozial Schwache, die Hilfe brauchen. Sozialhilfe. Was für ein merkwürdiger Euphemismus. Das ist die Verdrehung der Worte „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ nur ein Lachnummer gegen.

Man spricht von sozial Schwachen, meint aber arm. Arm an Geld, an Produktionsmitteln, und an Möglichkeiten Ihre Arbeitskraft „gewinnbringend“ zu verkaufen. Also einen Mangel der nicht selbst verursacht wurde (man wurde nicht reich geboren, der Zugang zu Produktionsmitteln funktioniert über Vermögen, menschliche Arbeitskraft wird immer weniger benötigt) Wo ist da hier die Schwäche? Oder meint man mit sozial Schwach, das die Gesellschaft Schwach ist, da Sie ja obwohl totaler Überfluss herrscht, einen Mangel an Versorgung zulässt.

Das der Kapitalismus diese großen Unterschiede, mit all seinen Facetten braucht, steht in jedem guten Ökonomie Buch, nicht aber warum der Mensch diese braucht. Das BGE kann diese Unterschiede nicht beheben, aber einen Denkanstoß geben, warum Sie in einer Überflussgesellschaft unnötig sind. Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens, muss einhergehen, mit einer umfassenden Bildungsreform und nicht zuletzt eine Vergrößerung der Demokratie an sich. Mehr Bürgerbeteiligung, mehr Transparenz und ganz wichtig, mehr Freizeit. Vielleicht eine Begrenzung der täglichen Arbeitszeit. Wenn die Arbeit eh nicht für alle reicht kann man ja Sie neu aufteilen. Durch das mehr an Freizeit, kann viel geschehen, wenn die Bildung und die Möglichkeiten da sind. Das wichtigste ist also schaffen von Möglichkeiten. Möglichkeiten die für alle gleich erreichbar sind.

Das BGE kann dort wichtiger ein Baustein sein, doch nicht das Fundament, das heißt Bildung.

https://www.openpetition.de/petition/online/zur-ueberwindung-des-kapitalismus-damit-es-einen-echten-humanismus-gibt

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (180)

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Ehemaliger Nutzer 04.05.2014 | 07:56

"Es handelt sich bei den ungebildeten, den armen, ja um sozial Schwache, die Hilfe brauchen. Sozialhilfe. Was für ein merkwürdiger Euphemismus."

Danke! Ein etwas anderer Blick auf das Thema BGE. So ist doch die angebliche Nichtfinanzierbarkeit in aller Munde, wurde der schnöde Sachzwang, Menschen zwangsweise für bestimmte Tätigkeiten zu verpflichten hier erst vor einigen Monaten meinerseits thematisiert, ein Stück weit begründet.

Die Begriffe vom sog. akademischen Proletariat oder den brotlosen Künsten sind ja nun nicht neu, feiern jedoch aktuell und absehbar zunehmend Urständ. Das neoliberale Streamlining der maximalen Verwendbarkeit des Menschen braucht derartiges Gedöns eher wenig, bestenfalls als Feigenblatt. Studiengänge werden daher konsequent reformiert und das akademische Hilfspersonal der Standard; nebst entsprechender hungerlöhniger Bezahlung, prekärer Verhältnisse.

Die Crux der Situation liegt meiner Meinung nach in zwei wesentlichen Aspekten begründet:

Einerseits und wie oben im Blogtext angesprochen, so geht der Gesellschaft die Arbeit zunehmend aus bzw. werden in dem als Heilsbringer gehypten Dienstleistungsbereich mittlerweile derart prekäre Verhältnisse die Regel, dass selbst die basale Existenz nicht mehr sicher gestellt ist, zunehmend aufgestockt werden muß. Der Kapitalismus ist offensichtlich bereits zu produktiv für sich selbst, Kapitalakkumulation zunehmend nur noch über virtuelles Geld (drucken) möglich.

Andererseits und im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern, wo (höhere) Bildung eh' schon immer nur einer kleinen, zahlungskräftigen Schicht vorbehalten war, so wirkt gerade in Europa die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihren dort gesetzten Sozialstandards nach, kann nicht so schnell reduziert werden, kommt es nun nach und nach zu dem genannten akademischen Proletariat.

Der Journalismus, gerade der hehre Qualitätsjournalismus ist dabei ein sehr exemplarischer Indikator. Und der technische Aspekt (Internet etc.) ist lediglich die eine Seite der Medaille.

"Wessen Bort ich ess...", das war noch nie so offen sichtbar wie aktuell und die vielen mittlerweile freien Mitarbeiter müssen sich entweder embedden lassen; oder zum genannten Proletariat werden; es nach den vielen nicht oder nur gering bezahlten Praktika gleich bleiben.

Nur so mal meine ersten Gedanken...

iDog 04.05.2014 | 10:08

BGE setzt kapitalistischen Herrschaft, kapitalitsiches Wachstum, Unterdrückung, Sklaverei , Ungerechtigkeit als System vorraus. Was sollte als BGE verteilt werden , wenn es nicht der Profit der Ausbeutung ist? Wenn BGE kommt werden unbezahlte Konsumenten und Träger des Herrschaftssystems zu bezahlten gemacht - auf das Ungerechtigkeit und Ausbeutung Blühe - aber bitte woanders.

BGE macht Widerstand gegen die Herrschaft unmöglich!

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Ehemaliger Nutzer 04.05.2014 | 10:17

Das BGE ist eine Form der sozialen Sicherung

Als Amigo Ede noch Ministerpräsident von Bayern war, sagte er einmal:

Die kippen uns die Arbeitslosen einfach vor die Füße.

Gemeint waren die "Arbeitgeber", die "Sozial Schwache " produzierten, auf Teufel komm raus.

"Sozial schwach" bist du nicht, du wirst dazu gemacht:

Ausgegrenzt

Diffamiert

Abserviert.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt, wenn er das Muster aus vergangenen Zeiten wieder und wieder erkennt.

Zur Zeit haben wir in der Bunderepublik Deutschland drei verschiedene Modelle der sozialen Sicherung:

1. Privatrechtliche Versicherungen für selbständige und höher verdienende Einkommen, teilweise als Zusatzversicherung für zwangsversicherte Einkommen.

2. Staatliche Zwangsversicherungen für abhängig Beschäftigte mit Einkommen unter einem Grenzeinkommen.

3. Steuerfinanzierte soziale Sicherung für Beamte und Politiker.

Ein BGE wird steuerfinanziert sein und darum die staatliche Zwangsversicherung ablösen.

Das alles kann man in einer VGR als Modell berechnen; bevor solch ein Modell in den deutschen Ländern, Freistaaten und Stadtstaaten eingeführt wird, sollten wir allerdings das Problem der Bildung und der sozialen Diffamierung und wirtschaftlichen Ausgrenzung von weiten Kreisen der Bürger-Innen aus der Gesellschaft und damit vor allem aus der politischen Gesellschaft behoben haben, die ganz bewußt und gezielt von den Regierungen seit 1982 in Deutschland gefördert worden war.

Das Zeitfenster für eine Veränderung ist begrenzt, ich tippe auf die Zeit zwischen 2030 und 2040.

ch.paffen 04.05.2014 | 12:40

dickes danke !!!!! in alternativen denken dürfen, gestaltet sich, freundlich formuliert, ein klein wenig holperig * nachvollziehbar, aber free your mind bei diesem themenkomplex ist nicht * dies finde ich persönlich, gesamtgesellschaftlich extrem schade * aber hey, gut ding will eben weile haben * das abfeiern von handverlesenen arbeitsmarkt zahlen, also die reine betrachtung der ökonomischen verwertbarkeit von masse mensch ist das "goldene kalb" des 20. jahrhundert * die arbeitgeber freuts, die arbeitnehmer haben an der party nicht so viel vergnügen * leben als chance begreifen (das schnellste spermium gewinnt, ist eine the winner takes it all betrachtung - irgendwie voll old school) * herzenbildung, mitmenschlichkeit, ein switsch in der perspektive, wär wünschenswert * gesamtgesellschaftlich nen bisschen mehr "punk" wagen, wär schon endsteil * feinstes restwochenende cp

ps: ich befürchte bildung in den strukturen von jetzt, wird die betrachtung beim themenkomplex höchstens zementieren

T.S. Clarence 04.05.2014 | 16:54

Über eine finanzierbarkeit von BGE zu reden ist langweilig und uninteressant, scheint aber oft der einzige aufhänger zu sein.

Die soziale Durchlässigkeit ist in Deutschland auch nicht besser als in den USA. Sie sieht nur anders aus.

"Wessen Bort ich ess...", das war noch nie so offen sichtbar wie aktuell und die vielen mittlerweile freien Mitarbeiter müssen sich entweder embedden lassen; oder zum genannten Proletariat werden; es nach den vielen nicht oder nur gering bezahlten Praktika gleich bleiben.

"Freier heißt ja auch dass man sich aussucht zu welcher Hure man geht" (B. v. Stuckrad-Barre)

Irgendwie links 04.05.2014 | 17:22

"Über eine Finanzierbarkeit von BGE zu reden ist langweilig und uninteressant, scheint aber oft der einzige Aufhänger zu sein."

dass darf man auch anders sehen, schließlich hat die Idee nicht die geringste Chance auf Umsetzung, das hat sogar DIE LINKE nicht einmal ein gemeinsam tragfähiges Konzept zu bieten.

Da wird auf dem nächsten Parteitag über ein "emanzipatorisches Grundeinkommen" geredet. "Bedingungslos" ist jedenfalls aus dem Rennen.

EGE heißt die neue Formel, aber auch nicht umsetzbarer als die alte.

hier nur ein Vergleich:

Nach Berechnungen der Bundesarbeitsgemeinschaft würde das BGE als Sozialdividende rund 985 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Da gleichzeitig aber Steuererleichterungen in Höhe von 122 Milliarden Euro wegfielen, käme man auf einen Nettofinanzbedarf von 863 Milliarden. Kein Pappenstiel, wenn man bedenkt, dass sich die Steuereinnahmen des Bundes 2014 auf knapp 269 Milliarden Euro belaufen.

T.S. Clarence 04.05.2014 | 17:38

Ich habe gesehen das es mehr als genug Waren und Dienstleistungen gibt für alle. Ist sogar im Überfluss da. Wenn als eine Gesellschaft mehr als genug herstellt, für alle. Dann ist das mit dem Geld einfach albern. Geld kann man nicht essen, es besitzt keinen reellen Wert. Geld kann auch nicht erwirtschaftet werden, auch wenn das gerne behauptet wird.

"Über eine Finanzierbarkeit von BGE zu reden ist langweilig und uninteressant, scheint aber oft der einzige Aufhänger zu sein."

mcmac 04.05.2014 | 18:25

Vielen Dank für diesen Beitrag - ein sehr wichtiges und gewichtiges Thema! Das BGE ist eine Art kulturelle «Schlüssel-Technologie». Oder, wie es neulich bezeichnet wurde, eine gesellschaftliche «Brücken-Technologie». Es verwundert nicht, dass z.B. aus Richtung der Gewerkschaften gegen das BGE polemisiert wird. Angeblich füchtet man um den Wert der Arbeit. Was natürlich so nicht stimmt. Denn hierbei wird die Bedeutung eines Begriffs (bewusst?) verzerrt, bzw., nicht genau bestimmt: Die Gewerkschaften meinen wohl eher den moralisch-ethischen Wert von (Erwerbs)Arbeit (ob es diesen tatsächlich so gibt, ist sicherlich auch eine Frage des Standpunktes innerhalb einer Gesellschaft, deren Ökonomie auf Ausbeutung beruht). Das trägt man wie eine Monstranz vor sich her. Blöd nur, dass dem so gehuldigten Wert der Arbeit, oder genauer, dem Wert dieser Ware ein tendenzieller, kontinuierlicher Sinkflug beschieden ist. So läuft das nun einmal im Kapitalismus — irgendwoher muss das pausenlose Wachstum schließlich kommen. Das zuzugeben fällt den Gewerkschaften schwer, da ihnen, so glauben sie, damit quasi die Geschäftsgrundlage flöten geht (sie vergessen, dass es mit BGE trotzdem weiterhin Erwerbsarbeit geben wird). Was sich natürlich (auch) für Gewerkschaften änedrn würde, wäre die Schwächung ihrer Monopolstellung im Tarifgefüge. So — verkürzt beschrieben — erkläre ich mir diesen eigentlich unerklärlichen Widerstand gegen ein BGE aus dieser Ecke.

Wie auch immer: Allein schon der seriöse, umfassende Diskurs über das BGE steckt voller Chancen. Begriffe können zurückerobert werden, die Umwertung von Werten zu Gunsten einer herrschenden Minderheit kann vom Kopf auf die Füße gestellt werden, usw.usf. …

MfG-mcmac

PS: Anbei noch ein Buchtipp (falls Sie es nicht ohnehin bereits gelesen haben sollten: Hochinteressant, beschäftigt sich v.a. mit den kulturelle und zivilisatorischen Aspekten eiens BGE).

Stephan Goldammer 04.05.2014 | 18:36

"Die Entkoppelung der Arbeit vom Einkommen ist ein wichtiger Schritt in der gesellschaftlichen Entwicklung"

Richtig, allerdings sollte man betonen, dass das Grund Einkommen von der Arbeit entkoppelt wird. Der Lohn ist natürlich an Arbeit gekoppelt. Mit BGE hat der der arbeitet, immer mehr als der der nicht arbeitet, das geht konstruktionsbedingt gar nicht anders. Wichtig: BGE ist kein Kombilohn!

"Die Armut wird, wenn man so will, auf ein neues Level gehoben. "

Man kann es so sagen (wenn man das unbedingt möchte), allerdings ist es so besser formuliert: Die Lohnnullinie ist nicht wie heute bei Null, sondern dann z.B. bei (ab) 800 Euro. Alles Erarbeitete kommt dann lebenslang obendrauf, keine Anrechnung/Umrechnung/Verrechnung mit "Sozialhilfen". Die gesamte Sozialbürokratie wird abgeschafft. Nicht vergessen, BGE ist ein Grundrecht, daher kriegen es auch Reiche, sie zahlen es sich aber, rein finanztechnisch gesehen, selbst.

"Das BGE kann also nicht der Weisheit letzter Schluss sein, kann aber eben helfen den Konflikt 'Arbeiten Wir um zu Leben oder Leben Wir um zu arbeiten, um uns selbst zu verwirklichen.' "

Heute arbeiten Menschen schwarz, obwohl schwarz arbeiten eine Straftat ist. Ist das nicht ein verrücktes Arbeitsverhinderungssystem? Jemand geht arbeiten und wird bestraft. Andere wiederum werden bestraft weil sie nicht arbeiten.

"Eine große Aufgabe die das BGE alleine wohl kaum stemmen kann, vor allem braucht es Bildung. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Bei der Bildung, da krankt es an allen ecken und enden."

Für Studenten würde sich einiges ändern, da BAföG, Studienkredite, Büchergeld (und anderer bürokratischer Kleinkram) wegfallen und (für alle) durch ein lebenslanges (bescheidenes, aber menschenwürdiges) Grundeinkommen ersetzt werden würden. Das Grundeinkommen ist ein finanzieller Sockel, der (ohne Bürokratie, ohne Formulare) lebenslang nicht unterschritten werden kann. Es ist die unbefristete, unkündbare Stelle im Leben. Lebenslanges Lernen wäre dann nicht nur ein politisches Motto, sondern wirklich umsetzbar. Ohne existenzielle Ängste kann Lernen und Ideenteilen richtig Spaß machen.

"Man spricht von sozial Schwachen, meint aber arm."

"Sozial schwach" ist einer der diskriminierendsten Worte überhaupt, denn diese Menschen sind nicht "sozial schwach", sondern einkommenlos. Die "sozial schwachen" (im Wortsinne) sitzen eher in den Führungsetagen. Uli Hoeneß glaubt von sich er wäre kein „Sozialschmarotzer“, mit BGE gibt es diesen Vergleich nicht mehr, denn was alle bedingungslos bekommen (also auch Hoeneß) kann man nicht „schmarotzen“. Mit 1.000 Euro BGE sind wir nicht mehr auf gönnerhafte Charity-Wohltaten von Steuerbetrügern angewiesen.

@IrgendwieLinks "Da gleichzeitig aber Steuererleichterungen in Höhe von 122 Milliarden Euro wegfielen, käme man auf einen Nettofinanzbedarf von 863 Milliarden. Kein Pappenstiel, wenn man bedenkt, dass sich die Steuereinnahmen des Bundes 2014 auf knapp 269 Milliarden Euro belaufen."

Hier liegt ein Missverständnis vor.

1. Herr Schäuble hat selbst betont, dass wir heute bereits über 1 Billion Euro für Sozialleistungen ausgeben. Ein BGE von 1.000 Euro für jeden kostet genau 1.000 Milliarden Euro pro Jahr. Die Finanzierung ist also gesichert. Zitat Schäuble: "Dieses Land gibt einschließlich der Sozialversicherungen etwa eine Billion Euro Sozialleistungen im Jahr aus. Das sind im Durchschnitt 12.500 Euro pro Kopf der Bevölkerung." Link: http://wolfgang-schaeuble.de/index.php?id=37&textid=1370

2. Ein BGE kommt nicht obendrauf, sondern wird in bereits bestehende Einkommen als unterster Sockel „hineindefiniert“. Ein Hartz IV Empfänger hat heute bereits (in Summe) ca. 800 Euro Einkommen, er bekommt nicht 800 Euro BGE obendrauf. Ein Arzt mit 5.000 Euro Einkommen bekommt nicht 800 Euro BGE obendrauf. Ein Rentner mit 2.000 Euro Renteneinkommen erhält nicht 800 Euro BGE obendrauf. Ein Einkommens-Millionär bekommt nicht 800 Euro BGE obendrauf, sondern die 800 Euro BGE werden ihm in sein Einkommen (ganz unten) „integriert“. Auf Deutsch: Das BGE kostet gar nichts, weil es bei niemandem obendrauf kommt.

Ich habe 200 Argumente für ein BGE aufgeschrieben, nachzulesen hier => https://plus.google.com/106110585362718948544/posts/3GmcUFhQ1EZ

So ziemlich jedes Argument und Gegenargument dürfte darin zu finden sein. Über das BGE zu diskutieren bedeutet in sich Porzellan zu zerschlagen. Kostprobe: Für (heute) 800 Euro Lohn ist man nur ein menschlicher Durchlauferhitzer um am nächsten Tag arbeitsfähig wieder dazustehen - wie ein antiker Sklave.

Heute nimmt mit jeder "Reform" die Bürokratie im Universum weiter zu, mit BGE kann die folgende Antrags-Bürokratie, bis zur Höhe des BGE wegfallen => Wehrdienstbeschädigungen, Invalidenrenten, Witwenrenten, Waisenrente, Sozialhilfe, Studienkredite, Hartz IV, Wohngeld, Altersunterstützung, BAföG, Kindergeld, Unterhalt, Erziehungsgeld, Büchergeld, Aufstocker, Gutscheine für Musikunterricht, Lebensmittelmarken, 400 Euro Jobs, Elterngeld, 1-Euro Jobs, Mütterrente, "Herdprämien", Betreuungsgeld, Midi-Jobs, Mini-Jobs, Mikro-Jobs, Nano-Jobs...

"Das wichtigste ist also schaffen von Möglichkeiten. Möglichkeiten die für alle gleich erreichbar sind."

Ein Walfänger sagt uns: "Ich kann nicht damit aufhören Wale abzuschlachten, ich muss doch meine Familie ernähren." Ein Amazonasregenwald-Illegal-Abholzer sagt uns: "Ich kann nicht aufhören mit abholzen, ich muss doch meine Familie ernähren." Ein Gefängniswärter in Nordkorea sagt uns: "Ich kann hier nicht aufhören mit Gefangenenmisshandlung, sonst werde ich gekündigt und ich muss doch meine Familie ernähren." Ein NSA-Mitarbeiter sagt uns: "Ich kann hier nicht aufhören zu spionieren, denn ich brauche ein Einkommen und muss meine Familie ernähren." Ein Pirat vor Somalia sagt uns: "Ich lebe in entwürdigendster Armut und muss meine Familie ernähren." Ein Bild-Zeitungs-Journalist sagt uns: "Ich muss diesen Mist schreiben weil Kai Diekmann es so will und ich muss doch meine Familie..." Diese Ausreden fallen mit einem BGE weg. Wer dann trotzdem noch weitermacht, hat nicht mehr viele Pfeile im Logik-Köcher. Das BGE macht jedem ein faires Angebot, mit dem er die dunkle Seite der Macht verlassen kann.

Irgendwie links 04.05.2014 | 18:55

offenbar gibt es verschiedene Definitionen vom BGB, da scheint also dringender Aufklärungsbedarf.

Über die unterschiedlichen Zahlen zu streiten ist allerdings völlig sinnlos, da sie für keinen von uns nachprüfbar sind.

Die mir bekannte Definition vom BGE bedeutet, dass jeder, egal ob er arbeitet oder nicht dieses erhält.

Und diejenigen, die arbeiten, erhalten natürlich ihren Lohn zusätzlich. Ob man das obendrauf nennt, oder zusätzlich oder sonstwie, ist mir ehrlich gesagt egal. Das sind doch nur verbale Spitzfindigkeiten.

DIE LINKE rückt aber inzwischen von diesem Modell ab, wie oben schon erwähnt, und spricht vom emanzipatorischen Grundeinkommen, was soviel bedeutet, dass eine differenzierte Anrechnung des Grundeinkommens beim Lohn erfolgen soll, mit anderen Worten, es gibt weniger Grundeinkommen für diejenigen, die arbeiten.

Schon damit dürfte das Vorhaben politisch nicht mehr durchsetzbar sein, weil es gegen den zuvor laut verkündeten Gerechtigkeits-Grundsatz verstößt.

Stephan Goldammer 04.05.2014 | 19:20

Nein, es gibt keine (grundsätzlich) verschiedenen Definitionen. Jeder erhält bedingungslos das Grundeinkommen und alles Erarbeitete kommt obendrauf. Fertig.

Ich verstehe nicht, wieso sie sich immer an dem "emanzipatorischen Grundeinkommen" der Linken aufhängen. Nobelpreisträger Milton Friedman hat schon vor 50 Jahren ein BGE Konzept vorgelegt, nannte man damals "Negative Einkommenssteuer", ist ein wenig abweichend von einem BGE, der Grundgedanke ist aber derselbe.

Prof. Thomas Straubhaar (Direktor Weltwirtschaftsinsitut) hat bereits vor 7 Jahren ein Finanzierungskonzept vorgestellt: http://hup.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2008/69/chapter/HamburgUP_HWWI_01_HohenleitnerStraubhaar.pdf

Oder Dr. André Presse in seiner Doktorarbeit: http://www.unternimm-die-zukunft.de/media/medialibrary/2011/06/andre-presse_dissertation.pdf

Sie können auch gern mal in meine Kurzvorstellung der Finanzierung reinschauen: https://plus.google.com/106110585362718948544/posts/hAiQw73NJC4

"Schon damit dürfte das Vorhaben politisch nicht mehr durchsetzbar sein"

Das BGE kommt nicht deshalb weil es "politisch durchgesetzt" wird, sondern weil wir Bürger es gemeinsam wollen. Politiker die dann gegen ein BGE sind werden schlichtweg abgewählt, das ist ganz normale Demokratie. Ihr "Durchsetzungsgedanke" ist mir fremd, ich will das BGE nicht "durchsetzen", sondern mit guten Argumente dem anderen ein Angebot machen das er nicht ablehnen kann. Aber mit Argumenten, nicht mit "durchsetzen".

Das BGE wird kommen wie die Wende in der DDR. Für alle überraschend aber im Rückblick zwangsläufig. Trotz Stasi, Mielke und Honecker.

Irgendwie links 04.05.2014 | 20:04

daran darf gezweifelt werden.

Es wird keine Volksbefragung oder ähnliches zum BGE geben, genausogut könnte man fragen, ob die Steuern abgeschafft werden.

Ich hänge mich auch nicht auf, keine Sorge, weder an einem Baum, noch an den LINKEN.

Nur diese Partei ist doch die Einzige, die ernsthaft dieses Projekt verfolgt, sich aber schon intern seit Jahren nicht einig wird.

Das Geplänkel der Piraten braucht niemand ernst nehmen, die bringen es ja nur noch am Rande, und da im europäischen Rahmen zur Sprache.

Und was da raus kommt, wenn überhaupt was raus kommt, wird nicht viel mehr als eine Gurke Absichtserklärung sein.

Das Modell mit der "negativen Einkommenssteuer" ist ja die Alternative DER LINKEN und will heißen, dass zwar die Einkommen kumulierbar blieben, allerdings würde eine »Grundeinkommensabgabe in Höhe von 33,5 Prozent« auf alle Primäreinkommen erhoben. Diese Abgabe soll mit dem BGE verrechnet werden. Also je mehr jemand verdient, desto geringer fiele das Grundeinkommen aus.

Womit Ihre obige Aussage widerlegt wäre.

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Ehemaliger Nutzer 04.05.2014 | 20:06

Modelle für den Umbau der Sozialsysteme

Die Liste der Bezeichnungen und Konzepte ist lang, es geht bei allen Modellen aber um die Veränderung der sozialen Sicherungssysteme.

Milton Friedman vereinfachte das System mit der negativen Einkommensteuer; Voraussetzung war also nicht mehr ein Bettelbrief an eine - mehr oder weniger willkürliche - Sozialbehörde, sondern die Zahlen der Einkommensteuererklärung.

Andere Modelle folgten als Bürgergeld, Existenzgeld etc.

Zur gemeinsamen Sprachregelung scheint mir der Beitrag auf Wikipedia nützlich:

Das Bedingungslose Grundeinkommen BGE hat ebenfalls verschiedene Modellansätze hier in D und in anderen Ländern, allen gemeinsam ist, daß die Bedingungen zum Arbeitszwang wie heute bei Hartz-IV wegfallen.

Vergleiche ich einmal die Bedingungen bei Hartz-IV, dann stelle ich fest, die Kontrollen gegen vermeintlichen Sozialbetrug sind bei Hartz-IV wesentlich höher, als gegen den Betrug beim Erlangen eines Doktortitels oder beim Steuerbetrug in großem Stil - einfach ein Hintertreppenwitz der Politik.

Stephan Goldammer 04.05.2014 | 20:38

@IrgendwieLinks

"Nur diese Partei ist doch die Einzige, die ernsthaft dieses Projekt verfolgt, sich aber schon intern seit Jahren nicht einig wird. Das Geplänkel der Piraten braucht niemand ernst nehmen, die bringen es ja nur noch am Rande, und da im europäischen Rahmen zur Sprache."

In jeder Partei gibt es bedingungslose Grundeinkommenskonzepte.

In der CDU: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/sozial-vision-cdu-kommission-traeumt-vom-buergergeld-fuer-alle-a-725864.html

Bei den Grünen: http://gruenes-grundeinkommen.de/

In der SPD: http://www.rhein-erft-spd.de/db/docs/doc_26701_20091119221851.pdf

Bei den Piraten: http://sozialpiraten.piratenpartei.de/2014/04/02/bge-modelle-der-piraten-vorstellung-und-was-bezwecken-wir-damit/

Es gibt eine Europäische Initiative, Es gibt eine Schweizer Initiative und das BGE wird weltweit gedacht, es ist ja letztlich auch ein weltweites Konzept: http://www.globalincome.org/Deutsch/BGE-weltweit.html

usw. usw.

Es sind natürlich bisher nur Teile der Parteien dafür, klar, sonst hätten wir es ja schon. Aber so läuft eben Demokratie, man muss den anderen überzeugen. Dieser Prozess findet gerade statt.

Das sie sich hier an irgendeinem fitzeligen Finanzierungspunkt eines Modells aufhalten, bittesehr.... Es gibt schon 100-te Modelle, die im Grundsatz alle dasselbe meinen. Ich wüsste auch nicht wo sie hier die grundsätzliche Finanzierung widerlegt haben?

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Ehemaliger Nutzer 04.05.2014 | 20:44

Milton Friedman hatte das kapitalistische Herrschaftssystem ganz bestimmt nicht abschaffen wollen, er war ein überzeugter Vertreter des Neoliberalismus.

BGE und Herrschaftsystem sind also zwei verschiedene Dinge.

Wie das BGE verwirklicht wird, hängt vom Herrschaftssystem ab; darum sind beide Sachverhalte auch getrennt zu behandeln; mit dem heutigen Herrschaftssystem in D wird das BGE ein Hartz-IV ohne Arbeitszwang; mit einer anderen Politik kann das BGE auch sozial vernünftig werden.

T.S. Clarence 04.05.2014 | 21:29

Bildung in dem Sinne, das man Wissen findet (Medienkompetenz) und es auch anwenden kann. Man muss Fakten von Bldösinn unterscheiden können (Auf den MontagsWahnmachen scheint das ein wichtiges Problem zu sein. Fakten von Blödsinn zu unterscheiden.) Das unsere Schulen wohl mehr auf die Ansammlung von Wissen ausgerichtet ist, dürfte wohl vielen nicht entgangen sein. Mir persönlich ist aufgefallen das allerdings das Wissen, also die Fakten die dort vermittelt wurden, auch gelgentlich Blödsinn sind. Ich habe selbst gehört wie Geschichtslehrer im Unterricht die "Geschichte" von C. Kolumbus völlig falsch wiedergaben und behaupteten Er habe bewiesen das die Erde eine Kugel ist und somit das Bild von der Erde als Scheibe beendet..... Das war vor 2 Jahren, in einer Abiturklasse..... Da habe ich mich dann schon gefragt...schauen Die auch mal selber ins Buch oder Erinnern die sich gerade an Ihren Geschichtsunterricht? Das magf jetzt ein einzel beispiel sein, habe aber ähnliches öfter erlebt, in verschiedenen Bundesländern. Im geschichtsunterricht wird allgemein ein Bild geprägt als habe es Deutschland schon seit 1000 Jahren irgendwie gegeben und die Nationsbildungen im 19 Jh. soll dann wohl das "endlich" Vereinen was schon immer zusammengehört. Auch das Bild von Bismark scheint mir nicht Kritisch genug... Das sind mal nur ein paar Aspekte die mir in einem Unterrichtsbereich aufgefallen sind.

Stephan Goldammer 04.05.2014 | 22:32

@Idog

Der Begriff Sozialimus ist dehnbar wie Gummi, genau wie der Begriff Kapitalismus, beides sind "Kampfbegriffe". Solche Meta-Begriffe interesseren mich nicht, ich verwende sie eigentlich auch nicht, nur manchmal notgedrungen, weil andere gerne so sprechen möchten. Mich interessieren konkete Lösungs-Konzepte, keine ideologisch aufgeladenen Begriffe.

Ohne Wachstum würde das Bruttoinlandsprodukt/Volkseinkommen stagnieren, damit verbleibt das BGE auf gleichbleibendem Niveau. Kein Wachstum ist also unproblematisch. Kurzes Rechenbeispiel: 2.000 Milliarden Volkseinkommen, 50% Steuer, ergibt 1.000 Millarden Euro, also 1.000 Euro BGE.

Hinweis: Sollte das Volkseinkommen/BIP durch Wachstum auf 4.000 Milliarden Euro steigen, so erhöht sich das BGE durch die 50% Kopplung automatisch auf 2.000 Euro. Schrumpft die Wirtschaft, dann schrumpft auch das BGE, es "atmet" mit der Wirtschaftsleistung mit.

Corina Wagner 04.05.2014 | 23:36

Vielen Dank für den interessanten Artikel.

Bildung muss das Fundament für Alles sein, was da noch in Zukunft kommen mag...

Ich kenne Gisela Glück-Groß, sie ist die Vorsitzende der IGU (Initiative Grundeinkommen Ulm). Gisela setzt sich unermüdlich für das BGE ein. Und ich zolle ihr dafür großen Respekt.

Es gibt zu große Widerstände und deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass das BGE noch zu meinen Lebzeiten umgesetzt wird und wenn, dann in abgeänderter Form.

http://www.grundeinkommen-ulm.de/wir-%C3%BCber-uns/

w.endemann 05.05.2014 | 01:32

Hervorragende Argumentation in ihren Beiträgen. Ich möchte nur ergänzen:

Wenn es ein BGE gibt, kann niemand mehr zu inakzeptabler Lohnarbeit gezwungen werden. Und es ist kaum noch möglich, sich durch Unsolidarität Vorteile zu verschaffen. Das wäre definitiv das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen und wie er polit-ökonomisch definiert ist (auch wenn Sie das hier nicht sagen wollen). Denn der Profit des Kapitaleigners wäre dann nicht mehr nur durch den Marktwert seiner Ware, durch die Konkurrenz mit anderen kapitalistischen Anbietern begrenzt. Da die produktiven Arbeiter (im Marxschen Sinne) jederzeit kündigen können, ist der Unternehmergewinn von ihrer Zustimmung abhängig. Warum sollte dann die Profitrate über dem allgemein anerkannten, als gerecht empfundenen Zinssatz auf (von jederman) gespartes, nicht unmittelbar verkonsumiertes Guthaben liegen. Und diese anerkannte Zinsrate könnte jederzeit, wenn sie nicht mehr als gerecht angesehen würde, weiter reduziert werden.

Das wissen natürlich alle bisherigen Profiteure des Systems. Eine Forderung nach dem BGE stößt notwendig auf ihren erbitterten Widerstand und auf infame Manipulation, daß das BGE die Wirtschaft ruinieren würde. Die von Ihnen erwähnte Bürgermehrheit für ein BGE muß sich also im Klaren sein, daß sie diesen Systemwechsel will und daß er möglich ist. Da werden Sie und wir alle noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Wenn Sie Sozialismus und Kapitalismus (ich weiß, Sie mögen die Begriffe überhaupt nicht) durch das BGE versöhnt sehen wollen in Gestalt eines Kooperativen Individualismusses, möchte ich doch noch Widerspruch anmelden, nicht gegen den Kooperativen Individualismus, sondern gegen die zugrunde liegende Vorstellung, Sozialismus sei kooperativ und Kapitalismus individualistisch. Der Kapitalismus ist die Kultivierung eines egoistischen Individualismusses. Eine große, zivilisierte, hochkomplexe Gesellschaft kann man sich nicht ohne autonome Subjekte vorstellen. Die Grundlage dafür kennen Sie und andere in diesem Blog, es ist die Bildung, also die je individuelle Aneignung eines Gemeinschaftsvermögens. Wenn sich das mühsam zustande gekommene Sozialwesen am Ende als von der Gesellschaft unabhängiger Egoist behauptet, ist es ein Idiot. Umgekehrt kann eine Gesellschaft nur so komplex sein, wie es die Vielfalt der Gesellschaftsglieder zuläßt. Bildung ist Verinnerlichung von Gesellschaftlichem, eine komplexe Gesellschaft das Ergebnis der Zusammenarbeit eigensinnig-kreativer Individuen. Seit Hegel und Marx kann man Individuum und Gesellschaft nicht mehr ohne diese Dialektik denken. Wenn wir ihn so verstehen, und anders macht es keinen Sinn, dann muß der Kapitalismus durch eine Sozialismus der solidarischen, autonomen Selbstorganisation der Gesellschaft ersetzt werden. Das müssen Sie nicht Sozialismus nennen, ich wüßte aber bislang keinen geläufigeren und geeigneteren Begriff dafür.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 02:20

Da schlage ich doch eine etwas pragmatischere Rechnung vor:

Ohne Sozialabgaben beträgt die Steuerquote heute 22% vom BIP.

Mit einem BGE auch für Beamte und Politiker wird dieser Anteil sinken, sagen wir einmal auf ca. 15% vom BIP; das ist der Eigenverbrauch des Staates.

Bei einer Steuerquote von 50% vom BIP mit BGE verbleiben dann also zum Verteilen 35% vom BIP für das BGE.

Entsprechend sollten dann auch die Veränderungen mit einem unterschiedlich wachsenden oder sinkenden BIP zu rechnen sein.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 07:25

"Und wer macht denn dann die Drecksarbeit?"

Auf dieses eher sehr marginale Problemchen hatte ich ja bereits oben in meinem ersten Kommentar nebst Link hingewiesen. Da wir in einem arbeitsteiligen Gemeinwesen leben, so wird es jedwede, nicht zu automatisierende Drecksarbeit weiterhin geben. Auch die alten Griechen haben sich dafür ihre Sklaven gehalten, andere Völker ebenfalls und bis in die Neuzeit, gar aktuelle Tage.

Und falls dahingehend niemand eine bessere, natürlich halbwegs konkrete und leidlich nachvollziehbare Lösung nennen kann, so gibt es (für mich) nur zwei Ansätze. Entweder die Zwangsverpflichtung oder eine totale Neudefinition, was den Wert von Arbeit betrifft.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 10:34

Achtung Tretminen

Wer kennt das nicht, beim Spaziergang oder bei einer eiligen Besorgung hast du plötzlich Hundescheiße an den Hacken; ärgerlich, obwohl in diesem unserem Lande doch alles so schön reglementiert und ordentlich ist. Hundebesitzer müssen ihre Scheiße einsammeln, die Straßen, Wege und Plätze, auch Spielplätze für unsere Kinder und Enkel, selbst sauber halten.

Doch die Verhältnisse sind nicht so, sagte Brecht, der kannte das Problem wohl auch schon.

Eine Alternative wäre eine höhere Hundesteuer, damit der öffentliche Raum kostendeckend sauber gehalten werden kann.

Das Konzept des BGE faßt alle Steuerarten zusammen und steigt dann auf 50% vom BIP; da erhebt sich die Frage:

Sollen alle Bürger-Innen für die Faulheit weniger Hundebesitzer, denn es sind ja nicht alle Hundebesitzer faul, zahlen, oder steigt zum Beseitigen der Tretminen der Steuersatz über 50% von BIP?

w.endemann 05.05.2014 | 14:28

Der Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus war nicht konzeptuell geplant, es waren die ersten Schritte der bürgerlichen Emanzipation, übrigens auch schon in der Perspektive von Aufklärung und Humanismus. Ich hoffe doch, daß das Ende des Kapitalismus uns nicht nur zustößt, sich hinter unserem Rücken ereignet (dann wahrscheinlich als Katastrophe), sondern eine bewußte Mehrheitsentscheidung ist. Dazu reicht es nicht, gegen etwas zu sein. Daher brauchen wir einen Begriff, so vorläufig er sein mag. Sozialismus hatte ursprünglich die Bedeutung, daß wir nicht in einer konkurrierenden Eigennutzgesellschaft leben wollen. Humanismus ist auch ein guter Begriff, einverstanden. Allerdings ist er mindestens so unklar wie Sozialismus. Auch die größten Verbrechen sind human, nämlich im Verhaltenspotential unserer Gattung. Es ist natürlich der humanitäre Idealismus der Aufklärung gemeint, dann kann man aber auch beim Sozialismus als dem Idealismus eines empathischen, kommunikativen, kooperativen Miteinanders bleiben. Wer das mißverstehen will, bitteschön.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 14:51

Heute nimmt mit jeder "Reform" die Bürokratie im Universum weiter zu, mit BGE kann die folgende Antrags-Bürokratie, bis zur Höhe des BGE wegfallen => Wehrdienstbeschädigungen, Invalidenrenten, Witwenrenten, Waisenrente, Sozialhilfe, Studienkredite, Hartz IV, Wohngeld, Altersunterstützung, BAföG, Kindergeld, Unterhalt, Erziehungsgeld, Büchergeld, Aufstocker, Gutscheine für Musikunterricht, Lebensmittelmarken, 400 Euro Jobs, Elterngeld, 1-Euro Jobs, Mütterrente, "Herdprämien", Betreuungsgeld, Midi-Jobs, Mini-Jobs, Mikro-Jobs, Nano-Jobs...

Das sind wichtige Gründe für eine Vereinfachung des sozialen Sicherungssystems mit Hilfe eines BGE. Die Freisetzungseffekte kann man gar nicht hoch genug bewerten. Danke für die google Links.

GEBE 05.05.2014 | 17:55

"Das Konzept des BGE faßt alle Steuerarten zusammen und steigt dann auf 50% vom BIP; da erhebt sich die Frage ..."

Gehen Sie doch vielleicht z. B. mal etwa davon aus, daß der Kauf eines Hundes z.B. einen Konsumsteueranteil von meinetwegen 1000% haben könnte; in der Stadt vielleicht sogar von 10.000%. Denn Hundesteuer - so wie alle Steuern, außer der Konsumsteuer, die nur in dem Moment erhoben werden sollte, wenn eine Ware, Dienstleistung usw. auch gekauft wird - entfällt ebenso.

Eine Ware, Dienstleistung usw. hat nur dann überhaupt einen Wert, wenn sie gekauft wird. Und alleine dann können überhaupt erst Abgaben erhoben werden, die für das Gemeinwesen zu erheben sind. Alles andere sind wirklich Steuern, die der Willkür unterliegen, weil damit die unternehmerische Tätigkeit und die Produkte grundlegend gesteuert werden.

Beispiel: Jemand der zufuß geht, benutzt weniger die Infrastruktur und nutzt sie weniger ab, als ein Autofahrer usw. Jemand der eben wenig konsumiert ebenso. Das bedeutet, wer viel konsumiert zahlt auch entsprechend mehr Konsumsteuer. Und außerdem, warum sollte eine solche Konsumsteuer dann nicht nach etwa solch unideologisch objektiven Kriterien wie Nachhaltigkeit, Ressourcenverbrauch, Gemeinnützigkeit und auch Nutzung der Infrastruktur usf. sehr differenziert gestaffelt sein?

karamasoff 05.05.2014 | 18:08

"Entweder automatisieren, besser bezahlen oder halt selber machen!"

Exakt.

Was passiert, wenn sich diese Drecksarbeit nicht mehr im kapitalistischen Sinne rechnet (und entweder automatisiert oder gar nicht mehr getan wird), kann man an jeder Autobahnhaltestelle mit Scheisshäusern erriechen und ersehen.

Freischeine fürs Asoziale

Das beliebte, begriffstechnisch herrschaftlich geprägte, Gegenargument der "Drecksarbeit" ist entlarvend: den Dreck, den der Sklave zu verschaffen hat.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 18:16

In einem einzigen Modell des BGE, und davon handelt dieser Artikel, wird vorgeschlagen, das BGE mit einer Steuer von 50% vom BIP zu finanzieren. Abgesehen davon, daß mit einer Steuer auch noch alle anderen Staatsaufgaben zu finanzieren sind, der zu verteilende BGE-Anteil also noch reduziert wird, was in diesem Artikel huldvoll unter den Tisch zu fallen scheint, fragte ich nach den Staatsaufgaben und speziell, beispielhaft nach der kostendeckenden Beseitigung von Hundescheiße.

Da wird mir nicht klar, was daran noch zu differenzieren oder gestaffelt sein könnte.

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 18:32

Das sind verschiedene Paar Schuhe. Sicher ist der Staat mit seiner Verwaltung auch "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme". Teils berechtigt, teils eben auch unberechtigt. Die Staatsquote steigt aber unverhältnismäßig auf Kosten der breiten Gesellschaft und das ist irgendwann nicht mehr tragbar. Auch daran geht die private Wirtschaft hier zu Grunde, nicht nur an der Verlagerung in die globalen Märkte. Es kann nicht sein, dass die davon betroffenen Arbeitslosen dann auf Kosten der immer weniger werdenden Arbeitenden von dieser Bürokratie verwaltet werden. Zumal mit Geld, welches direkt ihrer Unterstützung zugute kommen soll. Frag mal nach Zahlen, wieviel vom Haushalt der Arbeitslosen- und Sozialunterstützung bei den wirklich Bedürftigen ankommt und wieviel der Verwaltungsapparat bekommt. DAS ist übel und skandalös. Und was die sich dann von der Verwaltung und der öffentlichen Meinung, die an Hetze und Diffamierung grenzt gefallen lassen muss, weil man leistet ja nichts, ist faul und dumm. DAS ist staats- und gemeinschaftsschädigend, nicht die Tatsache an sich, keine Arbeit zu haben.

gelse 05.05.2014 | 18:52

>>Das BGE kann dort wichtiger ein Baustein sein, doch nicht das Fundament, das heißt Bildung.<<
Tja.
Man erwartet von einem kapitalistischen Staat, der ein irgendwie unkapitalistisches Grundeinkommen organisieren soll, dass er seine Bildungsinhalte irgendwie unkaputalistisch gestaltet.
Schön.

Macht er aber nicht. Erlauben seine Renditelobbyisten nämlich nicht.
Und wenn sie es doch erlauben, dann so pervertiert, dass wieder nur Renditejunkies damit glücklich werden...

Vielleicht sollten wir doch mal versuchen, das Pferd am Kopf statt immer wieder am Schwanz aufzuzäumen. Hab von einem alten Kutscher gehört dass man damit weiter kommt.

w.endemann 05.05.2014 | 19:45

Sie wollen Inhalte ohne Begriffe kommunizieren? Schwierig. Begriffe sind das sprachlich materialisierte Ergebnis von komplexem Begreifen. Historisches Begreifen kommt sicher oft erst im Nachhinein (die Eule der Minerva). Aber wollen Sie im Ernst eine begriffslose, härter formuliert kopflose Politik? Laßt uns machen, unsere Nachfahren werden uns schon erklären können, was wir gemacht haben? Also, gestatten Sie uns die begriffliche Arbeit.

Was die Montagsdemos betriffr, so muß man konstatieren, daß sie kaum mit Begriffen arbeiten, vielmehr Begriffe auf Schlagworte reduzieren. Selbst dafür kann man noch ein gewisses Verständnis haben, als Schlagworte sind sie Identitäts- bzw. Identifikationschiffren und spiegeln und bündeln Emotionen. Seien Sie bitte großzügig, sonst muß man sich fragen, was Sie unter Humanismus verstehen.

Das klingt jetzt vielleicht härter, als ich es meine, denn ich schätze sehr, daß und wie Sie das BGE hier vertreten.

T.S. Clarence 05.05.2014 | 21:10

Ich meinte eigentlich nur, das man sich auf den Inhalt konzentrieren könnte. Der Name kommt dann von Selbst oder eben wenn Die Gesellschaft da ist. Ich schlage trotzdem weiter HUMANISMUS vor, da es von all den ismen, am wenigsten schlecht besetzt ist und hier der Mensch im Mittelpunkt steht. Weder Das Kapital (Geld/Vermögen) noch Sozial (Gesellschaft). Wie das genau funtionieren soll, weiß ich nicht. Es muss ja ohne zwänge auskommen, daran ist unter anderem ja der Sozialismus gescheitert.

Eberhardt 05.05.2014 | 23:40

Ich bin diese BGE Gläubigkeit einfach überdrüssig. Manche wollen 1000€/Monat verteilen, warum nicht mehr? Solange wir sie nicht jedem Menschen auf dieser Erde auch auszahlen, wäre es ungerecht. Und die Drecksarbeit? Sollen die Automaten besorgen? Wer hat sich schon gefragt wer denn diese Automaten baut? Die Kapitalisten natürlich!!! Hat sich auch einer gefragt warum ein Direktor der schweizer Bank UBS den BGE unterstützt (im Film "Grungeinkommen" von Häni interviewt)? Klar doch, weil die "liebe" Finanzwelt die 1000€/Monat dann schnell entwertet. Und weil wir dann faul geworden sind, werden wir jegliches Frass fressen müssen. Das tun wir ja schon jetzt des öfteren. Diese ganzen industriel hergestellten Lebensmitteln, ob bio oder nicht, schmecken ja nach garnichts mehr. Ich bin selber Gemüsebauer und weiss genau was das heisst gesunde und schmackhafte Gemüse anzubieten: viel Schweiss und... Liebe. Nur ist es komisch; wir Bauern werden immer weniger und können uns nicht mehr reproduzieren! All die hübsche Mädels streifen lieber in den Grossstädten herum, wie die Jungs übrigens. Kaum eine/r fragt sich was da alles in seinem täglichen Frass steckt, weil er/sie niemals die Verantwortung über dessen Produktion übernommen hat.

Anstatt selber anzupacken sind die BGE Anbeter schon sehnsüchtig auf Soylent green (nach dem Film von Richard Fleischer, 1972 herausgegeben). Mahlzeit und frohe Sklaverei!

T.S. Clarence 06.05.2014 | 00:34

Das ist erstens Arg Übertrieben und zweitens.... es scheint ständig darum zu gehen, das geld verteilt wird und es wäre igrendwie keins da. Aber was da ist, und das wird wohl keiner Leugnen, sind all die Waren und Dienstleistungen, die die Menschen benötigen. Also das scheint ökonomisch nicht das problem zu sein. Sehr viel Untersuchungen zeigen, die Menschen wollen trotz BGE weiter arbeiten. Also das ist auch nict das Problem, viele sagen auch, das Sie weniger arbeiten würden, wäre auch kein Problem. Ist ja kein Arbeitskräfte Mangel. Dann kommt noch hinzu das in den nächsten 10 Jahren sicher sehr viele Bürojobs verschwinden werden. Da werden noch mehr Menschen Frei gesetzt. Gleichzeitig wächst aber der "Gesellschaftliche Kuchen" weiter. Das ist ein problem das es zu lösen gilt. Was nützt es den Unternehmer, Wenn Er Produkte herstellt die keiner kaufen kann weil keiner Geld hat. Zu glauben Unternehmer wären so weitsichtig, das Sie natürlich keine Automastisierung zulassen würden, weil das auf lange sicht Ihren Absatzmarkt gefährden könnte.... Der möge sich daran erinnern das große Firmen wie Sony, an der einführung des CD-Brenners mitwirkten und dann rumweinten weil die Menschen, die Dinger auch benutzen...Nur weil der Kapitalist den Kapiatlismus erhalten möchte, heißt das nicht das er "nachhaltig" kapitalistisch handelt. Er ist eben auch nur ein Mensch wie jeder andere.

JGonz 06.05.2014 | 02:02

Hi, @Stephan Goldammer - Klasse, Respekt! Ansonsten - Leute, wie stellt Ihr Euch die Zukunft vor? Immer weniger Menschen, die in der "Produktion" gebraucht werden, immer mehr Menschen, die eben nicht mehr gebraucht werden! Da kann man die "Verlierer" noch so "fordern", quälen und schurigeln, wo keine Arbeit ist, da finden sie keine! Sehr bald, spätestens dann, wenn die Baby-Boomer anfangen in Rente zu gehen, und die Beschäftigtenzahl dank immer weiter fortschreitender Automatisierung noch weiter im Keller ist, wird es zwangsläufig zu einem Switch-Over kommen: Weg von unserem jetzigen, hoch-bürokratischen und extrem komplizierten System (das dann schlicht und einfach unbezahlbar wird) zu etwas anderem. Zwangsläufig. Die Eliten werden mitspielen. Klar, nicht schön wenn man mal richtig Steuern zahlen muss, wie "das Plebs", aber immer noch besser als vom halbverhungerten, marodierenden Mob an der Laterne aufgehängt zu werden, oder? Das Geld wird einfach nicht reichen, um die immens gewachsene Anzahl der Rentner zufriedenzustellen. Also werden die Politiker erst mal alles an verfügbarem Geld zur Rentenkasse schieben - da sind ja die Wähler! Das Geld fehlt aber dann woanders. Und die Leute, bei denen gespart wurde, können auch ohne Rollator auf die Straße gehen. Die haben auch Kinder, die essen wollen. Die sind zwar nicht so zahlreich wie die Rentner, aber gefährlicher. Und sobald das in die Politikerhirne gesickert ist, haben wir ein BGE. Da wette ich meinen alten Kater drauf. Viel Spaß!

ch.paffen 06.05.2014 | 09:03

ich dozzer mal mit dem "brandstifterkännchen" in den thread @ nomen est omen * das bge folgt brav der rein ökonomische ausrichtung eines "weltbildes" also ziemlich old school von der begrifflichkeit finde ich * was mich besonders stört ist das wort bedingungslos, ernsthaft mein interesse gesamtgesellchaftliche vollpfosten zu allimentiern hält sich eher in grenzen * in sehr überschaubaren grenzen * bin da wohl auch ökonomisch "versaut" * eine koppelung des bge an etwas wie das bip erscheint mir nicht wirklch zukunftsorintiert für eine vermeindiche "postwachstumsgesellshaft" * ist mir zuwenig und zugleich zuviel * so brennt alles? * feinsten resttag noch cp

w.endemann 06.05.2014 | 11:07

@ T.S.CLARENCE

Völlig richtig. Erzwungene Menschenfreundlichkeit ist keine Menschenfreundlichkeit. Der diktierte Sozialismus ist wie der gerechte Krieg (anders als allenfalls der zur äußersten Not gerechtfertigte Krieg) eine contradictio in adjecto.

@ JGONZ

Danke für die klaren Worte. Sie setzen da aber ganz auf eine letztendliche Vernunft. Ich folge Ihnen mit einem mulmigen Gefühl. Zur Erklärung des Widerstands gegen das BGE möchte ich das Argument von MCMAC verschärfen, der Widerstand kommt aus der Moralisierung des politischen Denkens, die wiederum ist Ausfluß eines unglücklichen Bewußtseins, was man dagegen tun kann, weiß ich auch nicht. Vielleicht auf die moralische Ebene einlassen? Es ist grotesk, den „Faulen“, die mehrheitlich wohl eher die Unfähigen und von den ihren Fähigkeiten entsprechenden Arbeitsmöglichkeiten Ausgeschlossenen sind, das Sozialisationsprodukt einer Gesellschaft, die nicht in der Lage ist, alle ihre Kinder zu urvertrauenden, kompetenten, selbstbewußten Subjekten zu machen, diesen „Faulen“ das BGE vorzuenthalten und den in der Umgebung von Geld zu einem substanzlosen Selbstbewußtsein gekommenen faulen Shareholdern ihre Profitanteile zuzuschieben. Ich bezweifele, daß man der Moral mit Vernunft allein kommen kann.

Irgendwie links 06.05.2014 | 11:28

Ein BGE im originären Sinne würde doch in Wahrheit nur die Abwesenheit von Arbeit subventionieren, zumindest für einen Großteil des abgehängten Prekariats.

Was steckt also wirklich hinter diesem Relikt aus der Zutatenliste eines Wohlfahrtsstaates?

Eigentlich nicht viel mehr als ein rhetorisches Wahlkampf-Instrument besonders von Parteien die sich für links halten, und sich damit die Zustimmung von Wählern "erkaufen" wollen, welche sich aber konsequent weigern, den zugrunde liegenden Denkfehler aufzulösen. BGE als Feigenblatt, oder so.

Oder es ist doch nur ein weiterer Versuch, das "gehasste" kapitalistische Gesellschaftssystem mit dem Mittel der Wahl, dem Gelde, unter einem "sozialen" Deckmäntelchen zu ruinieren. Anders kann ich diesen sinnlosen Diskurs nicht einordnen.

Und wenn ich mir die Protagonisten dieser Idee ansehe, dann vermisse ich auch so ziemlich jede Glaubwürdigkeit.

Was wird letztlich dabei heraus kommen?

Klar: linke Tasche <-> rechte Tasche.

Sinnvoller wäre es, die Mindestlohn-Verhandlungen zu befördern.

Der Kommentar wurde versteckt
Irgendwie links 06.05.2014 | 11:44

"Ein BGE kommt nicht obendrauf, sondern wird in bereits bestehende Einkommen als unterster Sockel „hineindefiniert“. Ein Hartz IV Empfänger hat heute bereits (in Summe) ca. 800 Euro Einkommen, er bekommt nicht800 Euro BGE obendrauf. Ein Arzt mit 5.000 Euro Einkommen bekommt nicht 800 Euro BGE obendrauf. Ein Rentner mit 2.000 Euro Renteneinkommen erhält nicht 800 Euro BGE obendrauf. Ein Einkommens-Millionär bekommtnicht 800 Euro BGE obendrauf, sondern die 800 Euro BGE werden ihm in sein Einkommen (ganz unten) „integriert“. Auf Deutsch: Das BGE kostet gar nichts, weil es bei niemandem obendrauf kommt."

Das verstehe ich überhaupt nicht, denn es widerspricht doch total der originären Bedingungslosigkeit des Grundeinkommens.

Wenn also nichts "oben drauf" kommt, bleibt doch alles beim Alten, lediglich das ALG II wird erhöht und ohne Kontrolle an jeden bezahlt, der es haben, aber nicht arbeiten will/kann? Verstehe ich nicht wirklich.

JGonz 06.05.2014 | 11:51

@ w.endemann Ja, ich setze auf die Vernunft, respektive auf den Selbsterhaltungstrieb der Mächtigen. Zumindest der hat noch immer über die Moral gesiegt. Die demographische Entwicklung, und die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, lassen gar keine Wahl: Über kurz oder lang wird unser jetziges System krachend zusammenstürzen - es geht einfach nicht, daß die wenigen, die noch in der Arbeitswelt gebraucht werden, nicht nur eine Überzahl an Rentnern, Kindern und Arbeitslosen "mitziehen", sondern darüber hinaus auch noch einen riesigen, irrsinnig teuren, bürokratischen Wasserkopf! Die immer weiter zunehmende Belastung der noch Arbeitenden wird dazu führen, daß der Kessel hochgeht. Und dann hilft auch keine Polizei mehr, auch nicht Geheimdienste oder Bundeswehr im Inland. Rechtzeitig ein BGE einzuführen würde Druck aus dem Kessel nehmen - bevor die noch Arbeitenden mitkriegen, daß sie genau so verarscht werden wie die H4-Opfer, und daß sie, zusammen mit denen, eigentlich die Mehrheit bilden ... Ein BGE ist nicht einfach zu installieren, es gibt Widerstände noch und nöcher, und es wird auch nicht viel billiger sein als unser jetziges System - aber es ist die einzige Möglichkeit, die noch vorhandene Arbeit gerechter zu verteilen, und denen, die keine haben/ wollen/ finden, ein Minimum an Menschenwürde zurückzugeben. Die Alternative ist Krieg/ Bürgerkrieg. Hoffen wir, daß an den entscheidenden Stellen Leute sitzen, die genug Vernunft, und genug Angst vor Laternen haben.

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Ehemaliger Nutzer 06.05.2014 | 11:53

«Also werden die Politiker erst mal alles an verfügbarem Geld zur Rentenkasse schieben - da sind ja die Wähler!»

Genau das tun die Politiker-Innen NICHT.

Statt dessen plündern sie die Rentenkasse, die schon immer die Portokasse des Kanzlers war.

Z.B. indem sie die Mütterrente daraus finanzieren, das ist eine Staatsaufgabe.

Z.B. indem sie die Frühverrentung ab 63 daraus finanzieren wollen, auch das ist eine Staatsaufgabe.

Z.B. indem die Beiträge bis 2030 für die Zwangsversicherten steigen.

Z.B. indem die Erträge, also die Rentenzahlungen "abgeschmolzen" werden, also sinken. Die Zwangsversicherten brauchen darum eine private Zusatzversicherung, die dann aber bis zur Rente genau so schlapp macht, wie die gesetzliche Zwangsversicherung.

Der Kommentar wurde versteckt
knattertom 06.05.2014 | 12:32

"Vielleicht eine Begrenzung der täglichen Arbeitszeit. Wenn die Arbeit eh nicht für alle reicht kann man ja Sie neu aufteilen. Durch das mehr an Freizeit, kann viel geschehen, wenn die Bildung und die Möglichkeiten da sind. Das wichtigste ist also schaffen von Möglichkeiten. Möglichkeiten die für alle gleich erreichbar sind.

Das BGE kann dort wichtiger ein Baustein sein, doch nicht das Fundament, das heißt Bildung."

Als ich klein war, ich kann mich da noch ganz dunkel dran erinnern, gab es die Forderung nach einer "35 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich", da wurde, nicht nur von den Kapitalisten im Land sofort gefragt: "Wie, weniger arbeiten für das gleiche Geld?"

Ich stimme Ihnen vollkommen zu, Bildung ist das A und O!

knattertom 06.05.2014 | 13:41

"Ich verstehe Ihre Intention, aber mit der sind Sie ziemlich allein auf weiter Flur, nicht nur heute und morgen."

Widerspruch, ich sehe es auch so wie T.S. Clarence und damit ist er/sie schon nicht mehr allein, sondern wir wären bereits zu zweit :o)

Im übrigen ist Ihre Zahlenspielerei von weiter oben so nicht seriös. Es wird bei den BGE-Konzepten meist von einer Umsatzsteuerfinanzierung ausgegangen, bei gleichzeitiger starker anhebung selbiger. Als Grundkonstante ist somit nicht allein der derzeitige Steuererlös zu Grunde zu legen, sondern das gesamt BIP, welches mit ca. 3,5 Billionen EURO, bei einer 50% MwSt. einen weit grösseren Betrag ausmachen würde. Hinzu kommt noch die Gesamteinsparung an Bürokratie.

knattertom 06.05.2014 | 13:56

"Nur diese Partei ist doch die Einzige, die ernsthaft dieses Projekt verfolgt, sich aber schon intern seit Jahren nicht einig wird.

Das Geplänkel der Piraten braucht niemand ernst nehmen, die bringen es ja nur noch am Rande, und da im europäischen Rahmen zur Sprache."

Also wie jetzt, sind sie die einzigen, oder haben auch "die Piraten", "die Partei" und Teile der "SPD" und der "Grünen" gleiche oder ähnliche Ideen?

Wenn "die Piraten" sich derzeit vor allem auf die europaweite Koordinierung ihrer Unterstützer konzentrieren, ist das nur Konsequent, denn das ist die Ebene, auf der aktuell die Weichen gestellt werden.

Was hier bisher nicht angesprochen wurde, ist die Gefahr der Auslandfinanzierung eines BGE, bei extremer Exportlastigkeit einer Volkswirtschaft, wie es Deutschland derzeit ist. Die in den Produktpreisen enthaltenen Steuern und Sozialabgaben werden beim Export vom Käufer mit bezahlt. Unser derzeitiges Sozialsystem wird also zu einem nicht geringen Anteil von der zweiten und dritten Welt mitfinanziert.

knattertom 06.05.2014 | 14:09

"@Idog

Man könnte es so formulieren: Das BGE versöhnt den Sozialismus mit dem Kapitalismus, durch Kooperativen Individualismus."

Schön formuliert.....,

In Bereichen der Wirtschaft, die mit endlichen (Luxus-)gütern arbeitet, die Herstellung von Wein z.B., werden wohl immer marktwirtschaftliche Mechanismen greifen, denn ein Winzer wird einen sehr "guten Jahrgang" nicht zum gleichen Wert hergeben wollen und können, da "schlechte Jahrgänge" oder solche mit einem totalen Ernteausfall ausgeglichen werden müssen. Ein Zurückdrängen des Kapitaismus auf den Luxugüterbereich wäre sicherlich bereits ein großer Fortschritt im Veergleich zum aktuellen Status Quo.

knattertom 06.05.2014 | 14:24

"Wenn es ein BGE gibt, kann niemand mehr zu inakzeptabler Lohnarbeit gezwungen werden. Und es ist kaum noch möglich, sich durch Unsolidarität Vorteile zu verschaffen. Das wäre definitiv das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen und wie er polit-ökonomisch definiert ist (auch wenn Sie das hier nicht sagen wollen)."

Das sehe ich auch so, allerdings trenne ich Kapitalismus und Marktwirtschaft. Ersterer wäre, durch ein BGE, in der heutigen Form nicht mehr möglich, letztere wird aber weiterhin und auch in einem "Sozialismus" existieren, weil es einfach schlau ist, überschüssige Waren auf einem Markt gegen andere Waren zu tauschen.

Eberhardt 06.05.2014 | 14:37

Nee, ich untertreibe eher.

Ihre Antwort ist nicht auf meine konkrete Vorgaben über Landwirtschaft eingegangen. Sie sind "schön" abstrakt makroökonomisch geblieben.

Sie sagen es gäbe genug Geld aber sie vergessen, dass man Geld nicht essen kann. Wenn die Banker es wollen, ist über Nacht Geld nichts mehr wert. Seit der Abkoppelung vom Gold, fragen sie sich doch, wieviel materiellen Mehrwert seit 40 Jahren wirklich geschöpft worden ist. Alles Andere ist Fiktion und ist gerade nur auf einem Komputer gespeichert. Sie haben überhaupt kein Verständnis für die Abläufe im Kapitalismus. Und wenn wir an einem Materiellen Wert herankommen wollten, müssten wir zunächst eine Revolution machen, wie I-DOG es ihnen indirekt sagte.

Anstatt solche Mär zu verbreiten, sollten sie lieber auf mein Bauernhof ein Praktikum machen. Ich bin selber früher im kapitalistischem Geschäft gewesen und kann ihnen Informationen aus erster Hand geben.

knattertom 06.05.2014 | 14:45

"Daher brauchen wir einen Begriff, so vorläufig er sein mag. Sozialismus hatte ursprünglich die Bedeutung, daß wir nicht in einer konkurrierenden Eigennutzgesellschaft leben wollen. Humanismus ist auch ein guter Begriff, einverstanden. Allerdings ist er mindestens so unklar wie Sozialismus."

Da der (Turbo-)Kapitalismus untrennbar mit der fortschreitenden Globalisierung verbunden ist, plädiere ich für den Begriff:

"Regionalismus"

Der auch der Tatsache von unterschiedlich stark entwickelten Wirtschaftsräumen Rechnung trägt und den Fokus auf regionale Wirtschaftskreisläufe gleich mit verinnerlicht.

knattertom 06.05.2014 | 14:54

"Als Steinbrück im Wahlkampf mal darauf hinwies, daß nicht nur die Altersbezüge der Zwangsversicherten ein problem werden, sondern auch die der Beamten , wurde er von Gabriel öffentlich demontiert.

Die privaten Pensionskassen, z.B. Riestern, waren dabei noch gar nicht erwähnt worden."

Das ein BGE-Konzept die Pensionsansprüche häufig überbezahlter Beamter nicht wird mit berücksichtigen können, scheint mir auch ziemlich klar. Ich glaube aber auch, dass die meisten Beamten, vor allem die mit Kindern, bereit wären da einen Schnitt zu akzeptieren, damit das Gesamtprojekt realisierbar wird.

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Ehemaliger Nutzer 06.05.2014 | 15:40

Eigentlich ging es bei der Überlegung darum, daß bisher die Zwangsversicherung ärmer gemacht werden, die Pensionen, die ja steuerfinanziert sind, wie das ein BGE auch sein wird, noch gar nicht berücksichtigt worden sind.

Es wird darum Zeit, nicht nur über das "Abschmelzen" von Rentenansprüchen und teurer machen der Rentenbeiträge zu reden, sondern über ein Gesamtkonzept.

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 15:44

@Knattertom

Ein Beamter behält seine Pension, wenn er 2.000 Euro Pension hat, dann nennt sich der unterste Sockel BGE, die 2.000 Euro (in Summe) bleiben ihm. Da aber der Rentendurchschnitt eher bei 700 - 900 Euro liegt, je nachdem ob Mann/Frau/Ost/West, sind die Rentenansprüche locker finanzierbar, im Prinzip ist es nur eine Umbenennung. Es wird aber vermutlich trotzdem in einer Umstellungsphase zwei Systeme parallel geben, bzw. man führt es schrittweise ein, erst 100 Euro BGE, im zweiten Jahr 200 Euro BGE, im dritten Jahr 300 Euro BGE usw., mit jedem Schritt fällt die Bürokratie bis zu der Höhe weg. Ich möchte zum Thema "Ich habe meine Rente doch erarbeitet!" die sogenannte Mackenroth-These einbringen, die kurz gesagt bedeutet: "Wir leben immer nur von dem was jetzt in dieser Sekunde produziert wird." Dieses "Ich spare/arbeite für meine Rente in 30 Jahren" ist im Prinzip eine hartnäckige Illusion: http://de.wikipedia.org/wiki/Mackenroth-These

Globalisierung ist grundsätzlich nicht schlecht, sie ist nur fehlerhaft konstruiert. Wir brauchen ein weltweites BGE, den Abbau aller Handelsschranken, Subventionen und Zölle, das schließen aller weltweiten Steueroasen, Steuerschlupflöcher usw., das durchsetzen von Menschenrechten etc. Ein Begriff wie Regionalismus sehe ich eher als Rückschritt, das Gegenteil ist richtig, wir alle müssen endlich mal den Hintern (wahlweise: Gehirn) hochkriegen, Globalisierung als posititives Wort ernst nehmen und sich dafür engagieren. Mit Klein-Klein Denken löst man heute keine Probleme. Schauen sie mal in die Etiketten ihrer Kleidung... und ziehen sie alles aus was durch "Globalisierung" entstanden ist. Sie stehen ziemlich nackig da.

@Eberhardt

"Wenn die Banker es wollen, ist über Nacht Geld nichts mehr wert. Seit der Abkoppelung vom Gold, fragen sie sich doch, wieviel materiellen Mehrwert seit 40 Jahren wirklich geschöpft worden ist. Alles Andere ist Fiktion und ist gerade nur auf einem Komputer gespeichert."

Daran stimmt so ziemlich gar nichts. Geld entsteht aus einem Rechtsakt und ist Schuldentilgungsmittel von Kreditverträgen. Geld braucht keinen Wert, es hat die Aufgabe unsere gegenseitigen doppelseitigen Willensakte (Kreditverträge) wieder auflösbar zu machen. Dazu bedarf es eines dinglichen Forderungsgegenstandes, also Geld (Zentralbankgeld, meist Banknoten). Das auf ihrem Girokonto ist kein Geld, sondern eine Forderung auf Geld. Wichtiger juristischer Unterschied. Auch der "Josephspfennig" ist falsch, der "böse" Zinseszinseffekt existiert so nicht. Können sie gerne in meinem Beitrag "Irrtümer über Geld, Zins und Kredit" nachlesen: https://plus.google.com/106110585362718948544/posts/dj1Zf3W5GGJ

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 15:53

@Irgendwielinks

"Das verstehe ich überhaupt nicht, denn es widerspricht doch total der originären Bedingungslosigkeit des Grundeinkommens. Wenn also nichts "oben drauf" kommt, bleibt doch alles beim Alten, lediglich das ALG II wird erhöht und ohne Kontrolle an jeden bezahlt, der es haben, aber nicht arbeiten will/kann? Verstehe ich nicht wirklich."

1. Das ist ja der Grund warum das BGE finanzierbar ist. Würde es bei jedem Extra oben drauf kommen, dann wäre es natürlich unfinanzierbar.

2.Wie oft muss man eigentlich noch richtigstellen, dass die „Echt Faulen“ vom BGE überhaupt nicht profitieren. Profitieren werden die Arbeitswilligen, da diese durch ein BGE eine unsichtbare (aber wirksame) Argumentationshilfe im Bewerbungsgespräch dabei haben. Stimmt der Lohn nicht, dann Tschüss. Lohnverhandlung mit einem BGE im Gepäck => Bei 1-Euro-Löhnen kurz lachen und rausgehen.

3. Mit BGE hat der der arbeitet, immer mehr als der der nicht arbeitet. Keine Verrechnung/Anrechnungen/Umrechnung mit „Sozialhilfen“. Wichtig: BGE ist k e i n Kombilohnmodell. Politiker fordern doch immer: Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, sollen am Ende besser gestellt sein als Menschen, die nie gearbeitet haben. Das passiert beim BGE automatisch, ohne zusätzliche Eingriffe, es geht konstruktionsbedingt gar nicht anders.

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 16:13

Noch als Einschub:

Ganz wichtiges Verständnisproblem: Das (Bedingungslose) Grundeinkommen ist NICHT die Bezahlung einer (bestimmten) Tätigkeit!

Heute ist es so: Die BWL versucht die Leute zu entlassen (Maschinenarbeit, Effizenzgedanke etc.). Die VWL versucht die Leute "In Arbeit zu bringen" (Neoklassik, "Vollbeschäftigung")

Ein Blinder sieht hier, dass dies irgendwann krachen muss. Zwei Wirtschaftstheorien die gegeneinander arbeiten. Desweiteren existiert in der VWL keine Einkommenslosigkeit, dort nennt sich Arbeitslosigkeit "Freiwillige Freizeit".

Wer heute sagt „Arbeitslosigkeit ist ein Problem“ hat offenbar nie ein Geschichtsbuch gelesen. Arbeitslosigkeit war der Wunsch jeder Generation, seit Jahrtausenden. Richtig ist: Arbeitslosigkeit ist ein gelöstes Problem! Der Unternehmenserfolg von gestern ist die Arbeitslosigkeit von morgen (und das ist ja auch gut so). Die Politik will aber niemanden in den durch Maschinen geschaffenen Freiheitsraum entlassen. Alle sollen in der neoklassischen Arbeitsblase verbleiben.

Ohne ein Grundeinkommen kann keine Arbeit angefangen werden (auch heute ist das schon so, die meisten merken nämlich gar nicht, dass der Lohn erst nach der Arbeit kommt, aber natürlich aus Vorperioden irgendein Einkommen die Voraussetzung war um überhaupt arbeitsfähig dazustehen). Man kann es so sagen: Grundeinkommen ist ein Vor-Einkommen, Lohn ist ein Nach-Einkommen.

Nur noch ein Hinweis zum Thema "Dann kommen alle Ausländer zu uns."

Menschen aus dem Ausland können hier in Deutschland nicht arbeiten, da sie ohne BGE nicht den notwendigen Lohn zum Leben erreichen. Eine Friseurin, die mit 1.000 Euro BGE für 500 Euro Lohn zusätzlich arbeitet, geht mit 1.500 Euro nach Hause. Jemand ohne BGE müsste für 499 Euro arbeiten, dass reicht nicht zum Leben. Anders im Hochlohnbereich, dort verdient jemand (mit BGE) 20.000 Euro und ein Mensch aus dem Ausland könnte mit 18.999 Euro konkurrieren. Im Hochlohnbereich zieht ein BGE Menschen an, im Niedriglohnbereich hält es sie ab, ganz ohne Mauern. Ich bin natürlich für ein weltweites BGE, aber irgendwo muss einfach mal ein Land anfangen, Deutschland könnte dieser BGE-Leuchtturm sein. Andere Länder würden die Situation beobachten und könnten es dann selbst auch einführen.

Ich kann hier nur Stichworte/Gedankenanregungen liefern, wer Lust hat sich weiter mit der Thematik zu beschäftigen, der kann ja mal bei YouTube einige Vorträge schauen, z.B. von Götz Werner, Enno Schmidt, Sascha Liebermann etc. oder ihr stöbert ein bisschen auf meinem Blog (ich nutze Google Plus als "Blog"): https://plus.google.com/106110585362718948544/posts

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 16:24

@Irgendwielinks

"ein nicht an Bedingungen gebundener und durch keine Überprüfung der Empfänger gezahlter zum Leben ausreichender Geldbetrag (Beispiel 1000€) ist politisch doch nur dann durchsetzbar, wenn ihn jeder Bürger (vom Kleinkind bis zu Greis) auch erhält, egal ob er arbeitet, oder nicht, noch nicht arbeitet oder nicht mehr."

Richtig, und genau so ist es auch von mir (und 99,99% aller BGE Befürworter) gemeint. Von Geburt bis Tod ein BGE. Fertig. Das Wichtige am Begriff "Bedingungsloses Grundeinkommen" ist doch, dass sich "Bedingungslos" nicht als Phrase abschwächen oder umdeuten lässt. Bedingungslos bleibt bedingungslos.

iDog 06.05.2014 | 16:26

"Der Begriff Sozialismus ist dehnbar wie Gummi, genau wie der Begriff Kapitalismus, beides sind "Kampfbegriffe"."

nun ja , warum haben sei diese Begriffe benutzt, wenn Sie das so sehen?

Ich denke auch, das diese Begriffe sehr ideologisch aufgeladen sind und vor allem falsch benutzt werden, vor allem um möglichst nichts zu sagen. Daher meinen Bemerkung.

Ich stimme Ihnen allerdings nicht zu wenn sie diese Begriffe als "Kampfbegriffe" bezeichnen. Es ist sehr klar was Kapitalismus ist, da beisst keine Maus den Faden ab. Da brauchen wir nicht mal den alten Marx für, obwohl der auch zur Klärung beigetragen hat. Nur um es kurz anzudeuten: Kapitalismus ist die Schöpfung von Geld=Kredit durch die Kapitalisierung von Sachwerten sprich Besitz, um diesen als Besitz nicht nur zu bewirtschaften , sondern seinen Wert als Eigentum gleichzeitig in einer weiteren Form zu nutzen zB als Investition in ein Geschäftsmodell. Der Staat schützt konstitutionell das Eigentum und damit die Eigentümer/Besitzer und erhebt u.a. zu diesem Zweck Steuern, welche den Markt erst entstehen lässt, der die Profitabilität von Investitionen zB in Produktion begründet. etc. Die Rolle des Zinssystems lasse ich mal aussen vor. Wem sag ich das alles? Sie werden das kennen - hoffe ich.

Der Sozialismus/Kommunismus ist weitgehend theoretisch und praktisch so gut wie nicht erprobt, da er noch nie wirklich existierte. Man sollte ihn nie mit dem alten STAMOKAP des Ostblocks oder Chinas etc, verwechseln. In diesem Sinne ist der Sozialismus natürlich viel eher ein "Kampfbegriff", denn er wird gegen den destruktiven Kapitalismus als Widerstandsideologie eingesetzt.

So weit so gut. Nun kommt das BGE als Lösungsvorschlag für die asozialen Folgen des Kapitalismus neoliberaler Ausprägung ins Gerede und wird für einige ein auch "Kampfbegriff". Warum?

Mit dem BGE werden Sie niemals die negativen Auswirkungen des Kapitalismus eingrenzen können. Wenn der Kapitalismus es als Herrschaftssystem nötig hat, einigen Bevölkerungen eine Grundeinkommen ohne Bedingung auszuzahlen, welche Gründe könnten das sein? Aber ehe Sie sich mit der Antwort auf diese Frage befassen, noch eine weitere vorweg: Auf wessen Kosten würde dieses Grundeinkommen bzw das Wachstum erwirtschaftet werden, das die entsprechenden Steuereinnahmen ergeben würden?

Und dann noch zu ihrem etwas einfachen Rechenmodell : würde der Staat also ab Einführung des BGE die Steuereinnahmen nur noch dafür ausgehen?

Und dann noch diese Frage : Wäre es nicht sinnvoller den ganzen Steuer/Staatsapparat inklusive seiner Funktion zum Schutz des kapitatlismuserzeugenden Eigentums abzuschaffen, um diese ganzen unsozialen Probleme gar nicht erst zu haben, also kein BGE zu benötigen? Oder träumen Sie vielmehr von einer "erste Welt-Region", in der der Kapitalismus einen Teil seiner Profite über die Steuern nach unten umverteilt, um von diesem ungerechten Wirtschaftssystem als regional begünstigtes, also bestochenes Prekariat mitzuprofitieren, während sich das durch den Kapitalismus erzeugte Elend weiter in der Welt verbreitet?

Wäre also ein demokratischer Sozialismus nicht wesentlich direkter, ehrlicher, gerechter und auch schlauer?

Falls sie nicht wissen was das sein könnte ( kann ich mir aber nicht vorstellen), kann ich Ihnen gerne weiterhelfen. Sie sagten ja sie wären an konkrten Lösungs-Konzepten interessiert. Nur leider sehe ich im BGE keine einzige Lösung ausser vielleicht für eine in der Krise sich befindende Kapitalelite.

Nebenbei : ich könnte ihnen auch Informationen dazu liefern, warum es nie wider Wachstum geben wird ( ausser durch Spekulationen zu unseren Ungunsten oder durch rechnerischen Tricks) , wenn man nicht Kriege bis zum abwinken führt und also erst einmal die bestehende Struktur kurz und klein bombt.

Das allerdings könnt man natürlich auch ein "Atmen mit der Wirtschaftsleistung" nennen.

Der einzige Vorteil , denn ich sehe beim BGE, ist die Ffreie Zeit , die für viele theoretisch entstehen könnte. Wenn die dann für unabhängiges Denken benutzt würde , kann man davon ausgehen , das eine besser Lösung als des BGE schnell gefunden sein wird.

T.S. Clarence 06.05.2014 | 16:36

Das ist ein Irrtum... wie groß kann der Gewinn durch Zins schon sein... 25%? ..... Der Profit von so einem Smartphone ist wohl viel höher..... von daher.... das Apple finazielle rücklagen hat, ist im kapitalismus logsich.... Ich verstehe nicht warum immer noch menschen auf diese verkürzte kapitalismus Kritik (zinskritik) reinfallen.... Hat man den aus der Geschichte nichts gelernt? Oder liegt es daran das in Frage stellen des Kapitalismus als solchen, für viele einfach nicht vorstellbar ist, da man Ihn wohl für eine "Natürliche" Ordnung hält....Der Feudalismus unterlag ja einer "Göttlichen" Ordnung.... ich sehe da bei beiden den selben falschen Denkansatz.....

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 16:47

@Irgendwielinks

Viel wichtiger als der Begriff Kapitalismus ist die sogenannte Trickle-Down-Theorie, oder auch Pferdeäpfeltheorie genannt. Sie bedeutet kurz gesagt, wenn die Reichen immer reicher werden dann fallen schon (irgendwie) ein paar Krumen für die Armen ab. Man hat nur leider vergessen, diesen Prozess zu automatisieren. Ein BGE bewirkt genau diesen Automatismus und bewirkt, dass "die Reichen" nicht nach "oben" entfliehen können. Wenn wir das BGE prozentual koppeln und der Reichtum verdoppelt sich, na dann verdoppelt sich auch das BGE. (Natürlich ein bißchen vereinfacht, aber das ist die Grundidee - ich habe den Kampfbegriff "die Reichen" genutzt, hoffe aber man versteht wie ich das meine, es geht der Kürze wegen manchmal einfach nicht anders)

Hier die "alte" Trickle-Down-Theorie, als satirisches Bild: http://brianedwardsmedia.co.nz/wp-content/uploads/2012/01/397087_10150519003533521_591238520_8690956_86137725_n_thumb1.jpg

Irgendwie links 06.05.2014 | 17:14

Warum habe ich trotz Ihrer völligen Zustimmung das Gefühl, dass wir total aneinander vorbei reden.

Denn bei der von mir nochmal transparent gemachten Defininition eines BGE dürfte doch dessen Umsetzung nicht die geringste reale Chance wegen fehlender Finanzierbarkeit haben.

Und kommen Sie jetzt bitte nicht wieder mit verschwurbelten Definitionen mit "oben drauf" oder "unten integriert", das ist Augenwischerei und kein BGE.

iDog 06.05.2014 | 17:23

... und haben sei denn mal nachgeschaut wieviel Kapital Apple auf der Kante hat ? Ich meine es sind so etwa 100 Milliarden und jedes quartal kommen im moment noch mal mindestens 50 dazu - die wissen nicht mehr wohin mit dem Geld. Daher liegt es rum.

... das hat übrignes nichts mit dem Zinssystem zu tun - das und der Kapitalismus an sich sind völliger Irrsinn und dienen nur der Erhaltung von Herrschaft - sorry mal - und dabei zerstören sie ganz nebenbei mal das Leben selbst. Mit auf irgendwas Reinfallen hat das natürlich überhaupt gar nix zu tun. nö ... :-)

T.S. Clarence 06.05.2014 | 17:43

Diese 50' kommen aber sicher aus dem Profit der Arbeit und nicht aus dem Zins. Ob der Kapitalismus der erhalt der Herrschaft dient oder nur sich selbst.... Da die Reichen der Gegenwart Ihr Vermögen erst in den letzten 30 Jahren erworben haben, und wenn Sie denn die Herrschenden sind.... dann scheint Herrschaft ja zu wechseln im Kapitalismus. So das es die Herrschenden, als im gleiche Gruppe nicht gibt. Was heißt nicht das Sie nicht in der verantwortung stehen. Aso bleibt die Frage, soll man bei den "Herrschenden" ansetzen? Oder Beim Kapitalismus selbst? Und wie sehen diese Ansätze aus? Da bitte ich um Vorschläge, die ohne Zwänge auskommen (das führt dann gerne zu unfreiheit und auch zu gewalt).

knattertom 06.05.2014 | 18:06

"........"Ich habe meine Rente doch erarbeitet!" die sogenannte Mackenroth-These einbringen, die kurz gesagt bedeutet: "Wir leben immer nur von dem was jetzt in dieser Sekunde produziert wird." Dieses "Ich spare/arbeite für meine Rente in 30 Jahren" ist im Prinzip eine hartnäckige Illusion"

Das stimmt natürlich, aber ein Beamter erhält während seines Berufslebens keinen Lohn und kein Gehalt sondern einen Sold!

Daher auch die Einteilung in Besoldungsklassen, und für dieses meist überdurchschnittliche Einkommen, verzichtet er/sie auf bestimmte Rechte, wie z.B. das Streikrecht.

Ich schreibe ja selbst, dass man da mit der richtigen Argumentation wahrscheinlich weiterkäme, aber der grundsätzliche Rechtsanspruch besteht erstmal und wäre ohne Einsicht auch nicht wegzudiskutieren, sondern bedürfe schon der Abschaffung des Nationalstaates und der Neugründung eines Rechtsnachfolgers mit einer anders strukturierten Verwaltung.

"Wir brauchen ein weltweites BGE, den Abbau aller Handelsschranken, Subventionen und Zölle, das schließen aller weltweiten Steueroasen, Steuerschlupflöcher usw., das durchsetzen von Menschenrechten etc. Ein Begriff wie Regionalismus sehe ich eher als Rückschritt, das Gegenteil ist richtig, wir alle müssen endlich mal den Hintern (wahlweise: Gehirn) hochkriegen, Globalisierung als posititives Wort ernst nehmen und sich dafür engagieren. "

Erstformuliertes beschreibt das Endziel......, insofern Zustimmung, aber den richtigen Weg dahin sehe ich in genau umgekehrter Richtung. Was ist denn das Resultat der aktuellen globalisierten Weltwirtschaft? Verlagerung der Produktion jeweils in die für die Kapitalakkumulation vorteilhaften Regionen (Lohn, Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, Ressourcenverfügbarkeit) und eine Abwärtsspirale bei der Produktqualität.

Da es mit der "Weltrevolution", denn das beschreibt wohl all die aufgezählten Maßnahmen, eher schwierig wird, bleibt nur die Politik in kleineren Schritten, und da könnte eine Ausrichtung auf die Region m.E. einen begehbaren Weg aufzeigen.

iDog 06.05.2014 | 18:21

"Da bitte ich um Vorschläge, die ohne Zwänge auskommen"

das ist witzig: die Herrschaft zwingt uns alle im Hamsterard zu laufen, damit aus Leben Kapital wird und aus Kapital Macht , die uns zwingt .... und wir sollen uns Vorschläge ausdenken, die ohne Zwang auskommen. Prima Witz.

Spass beiseite: das Kapital wird man schon irgendewie zwingen müssen. Freiwillig sehen die nicht ein, dass ihr Dogma das Leben zerstört. Wenn das nämlich so wäre hatten sie es schon eingesehen.

Wussten Sie übrignes das zuletzt Mitterand noch die französischen Banken verstaatlicht hat. So lange ist das nicht her. Geht also. wenn es auch ein merkwürdiges Beispiel ist. Ist aber auch Zwang.

Und wenn man dann mal zum BGE zurückkommt, wird man feststellen müssen , dass auch das erzwungen werden muss gegenüber der herrschenden Kapitalelite. Von allein geben die nix ab, sonst hätten wir keinen Abbau der Sozialsysteme in Europa .... und deren Vollzugsbeamtenschaft, genannt Staat, wird freiwillig auch nichts anderes tun als sie gerade tun unter den angeblichen Sachzwängen des Kapitals. Austerität bis der Artzt kommt.

Ich denke das BGE ist ein weiterer netter Aufbocker für die kleinen "Wähler" , die an sich keine Wahl haben ... und ein Thema für Parteien , die sowieso nix zu bieten haben, aber immer nach was suchen, was sie noch versprechen können , nachdem bislang alle Versprechen nicht gehalten werden konnten ( vom Kapitalismus) oder schlichte Lügen waren. Nicht mal die versprochene Klimaerwärmung findet statt obwohl der Co2 wert ständig steigt - trotz angeblich massiven Maßnahmen und massig schlechtem Gewissen beim kleinen Mann. :-)) Nutzt nix oder alles nur Bluff?

Zu bieten hat aber an sich keine Partei was - ausser erneute Repräsentation der Herrschaft. Das BGE wird dabei nur eine weiterer Kraneval der "Demokratie", der so tut als würde er Symptome bekämpfen, aber im Grunde alles betoniert bis nur noch toter Beton übrig ist. Vielleicht hat der dann zwar künstliche Intelligenz und kann sich selber reproduzieren, aber was nützt "uns" das? Nüscht.

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 18:33

@Irgendwielinks

Deutschland hat ein Volkseinkommen von 2.000 Milliarden Euro. Grob gesagt ist das Volkseinkommen so etwas ähnliches wie das Bruttoinlandsprodukt. Wenn Deutschland eine einzelne Person wäre, dann ist ist "Deutschlands Bruttolohn" das Volkseinkommen. Also alle 80 Mllionen einzelnen "Bruttolöhne" (inkl Zinseinkommen usw.) auf einem Haufen gepackt, ergeben das Volkeinkommen. Oder anders gesagt, alle Waren und Dienstleistungen eines Jahres auf einen Haufen gepackt, ergeben das Volkseinkommen ("Güterhaufen" spiegelbildlich zum "Geldhaufen").

Jetzt werden auf diese 2.000 Milliarden Euro 50% Steuern gezahlt, was in etwa der Staatsquote von heute entspricht. Auch heute zahlt jemand mit 4.000 Brutto bereits 50% Steuern, wenn man alles reinrechnet, also Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Lohnsteuer, Mehrwertsteuer, Energiesteuer, GEZ etc.

Alle diese heutigen Einzel-Abgaben werden gebündelt und ergeben einen einheitlichen prozentualen Steuersatz (Flat Tax). Jeder zahlt also 50% Steuern. Das ergibt logischerweise 1.000 Milliarden Euro Steuereinnahmen. Das Geld behält aber nicht "der Staat", sonden es wird sofort "rückausgeschüttet" an 80 Millionen Bürger als 1.000 Euro Happen für jeden (=BGE). Daher auch mein Slogan "Zahle 50, bekomme 1.000"

Heisst für jemanden der 2.000 Brutto hat, er zahlt 50% Steuer und bekommt 1.000 Ero zurück. Hat also Netto 2.000 Euro.

Wer 1 Million Brutto hat, zahlt wieder (wie alle) 50% Steuer und erhält 1.000 Euro BGE. Netto hat er also 501.000 Euro (aus dem Rest seiner Steuerzahlung, also 499.000 Euro, werden die BGEs von 499 andere Menschen gezahlt)

Wer 0 Euro Brutto hat, zahlt wieder 50% Steuer und erhält 1.000 Euro BGE, hat also Netto 1.000 Euo.

Trotz einheitlichem Steuersatz stellt sich also automatisch eine Progression ein (Wer mehr verdient, zahlt auch mehr). Es würde das Steuer- und Sozialsystem dramatisch vereinfachen und extrem transparent machen.

Man darf bei der Finanzierungsberechnung nicht vergessen, dass Angestellte des Staates, Polizei, Soldaten, Beamte und „Altrentner“, heute bereits die 1.000 Euro Basiseinkommen schon haben. Dadurch ist die Finanzierung von Staatsaufgaben und "Alten Rentenansprüchen" einfacher als es auf den ersten Blick erscheinen mag, wel ja keine "Doppelauszahlung" erfolgt.

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Ehemaliger Nutzer 06.05.2014 | 18:39

"Ich denke das BGE ist ein weiterer netter Aufbocker..."

Wollte ich ebenfalls so sehen, habe ja gleich im ersten Kommetar hier auf meinen Blog zum Thema verlinkt. Natürlich wird es irgendwann kommen, dieses Elends-BGE und ganz verbrämt in neuen Kleidern, sprich: alter Repräsentation von Herrschaft.

Es wird kommen, weil die zunehmende Zahl der sog. Minderleister, der gänzlich Überflüssigen in diesem postindustriellen, für sich selbst bereits zu produktiven Kapitalismus anders und ohne flächendeckend offene physische Gewalt nicht mehr handhabbar sein wird.

Nach meiner Erinnerung: die sog. Chemnitzer Wissenschaftler haben doch vor einiger Zeit schon mal ausgerechnent, was die (menschliche) Haustierhaltung bestenfalls kosten dürfte.

So have a look...

knattertom 06.05.2014 | 18:58

"Das ist ein Irrtum... wie groß kann der Gewinn durch Zins schon sein... 25%? ..... Der Profit von so einem Smartphone ist wohl viel höher....."

Da täuschen Sie sich mal nicht, zum einen sind bei der derzeitigen Niedrigzinspolitik bereits 10% nur sehr schwer zu erzielen, und es würde mich stark wundern, wenn Apple beim I-Phone auf eine viel höhere Umlaufrendite als diese 10% kommt..

Als kleines Beispiel aus dem Bereich industrielle Produktion:

Volkswagen plant Billigauto (Süddeutsche), aus dem Inhalt:

"Niedrige Gewinne mit Kleinwagen

Sicher und schlicht? Wie soll das gehen? Sparen will der Konzern, indem der Billigwagen auf einer bestehenden Plattform und mit vorhandenen Technologien gebaut wird. "Wir würden möglichst ein komplettes eigenes Werk für das Budget Car in China auslasten", sagt Demant. VW betreibt bereits mit Partnern vierzehn Fabriken im Land, zuletzt wurde ein Werk in Urumqi eröffnet, fünf weitere sind geplant. Möglichst viele Teile für das Budget Car sollen in China produziert und zugeliefert werden. Das soll Geld sparen. Im Haus ist klar: Demant darf nur loslegen, wenn er mit internen Projekten konkurrieren kann. Kurz: Der Billigwagen muss eine zweistellige Rendite bringen."

Wobei VW wohl mit 11 oder 12% Umlaufrendite schon zufrieden wären.

"Da die Reichen der Gegenwart Ihr Vermögen erst in den letzten 30 Jahren erworben haben, und wenn Sie denn die Herrschenden sind.... dann scheint Herrschaft ja zu wechseln im Kapitalismus."

Ich habe diese Behauptung hier auch schon an anderer Stelle geschrieben gefunden, aber wer behauptet so etwas?

In so genannten Reichenrankings, geht es nur um Barvermögen, (eigene) Unternehmensanteile und Aktien, Grundbesitz wird nicht bewertet und geht in solche Statistiken nicht mit ein, von daher weiss niemand, wer in dieser Welt wie reich ist, und das ist vielleicht auch ganz gut so. Die meisten grossen Vermögen auf Erden sind bereits Jahrhunderte alt, basieren auf Grossgrundbesitz und können überhaupt nicht "verfliegen".

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 18:59

@Ebertus @Idog

Sie argumentieren im heutigen System. Wenn mit BGE die Briefträger nicht mehr zur Arbeit kommen, dann ist der Post-Vorstandslohn nicht 10 Millionen sondern 0 Millionen und die Post pleite. Also wird der Vorstand notgedrungen mit seinem Gehalt runtergehen müssen, denn umlegen auf die Preise geht nicht, denn durch ein BGE ist nicht mehr Geld da. Sollten die Unternehmen trotzdem die Preise verdoppeln, dann bleibt ihnen schlichtweg die Hälfte der Waren liegen.

Mit BGE wird endlich derjenige einen anständigen Lohn bekommen, der die wichtige Arbeit macht. Was wichtig ist, ergibt sich in einem fair konstruierten System, in der jeder "Nein" sagen kann und alle auf Augenhöhe sind, von ganz allein. Könnte sein, dass dann die Zimmermädchen die Gutverdiener sind und die sesselpupsenden Chefs die neuen Niedriglöhner. Wenn bei Porsche die Putzfrauen nicht mehr kommen, dann putzt der Vorstand die Toiletten eben allein.

Wenn die Queen ihren Angestellten keinen ordentlichen Lohn zahlt, dann putzt sie ihre Schlösser allein, kann den Garten ihrer Ländereien allein in Ordnung halten und der Chauffeur kommt auch nicht mehr. "Die Reichen" werden ordentlich was auf den Tisch legen müssen, sonst vergammelt ihnen alles, ihre Yachten usw. Und glauben sie, dass sich Prostituierte noch hinstellen werden für nen Apppel und nen Ei? Sicher nicht.

Hier habe ich das in einer unterhaltsamen (oder besser: einleuchtenden) Kurzgeschichte verdichtet: https://plus.google.com/106110585362718948544/posts/JF8f2vRzFMe

Da, wie gesagt, nicht mehr Geld da ist, wirkt es sich so aus:

Arzt verdient 10.000 Euro, Angestellte 1.000 Euro. Mit BGE hat Angestellte 1.000 sicher, macht Lohnverhandlung, heißt: Arzt jetzt 9.000 Euro, Angestellte 2.000 Euro, Gesamtsumme bleibt gleich.

gelse 06.05.2014 | 19:13

>>Und wie wäre dann die Handlungsweise?<<

Die Antwort wurde schon oft gegeben: wir bewegen uns im Kreis. Deswegen nur kurz:
Es ist eine alte, aber immer noch illusorische Zielsetzung, an den Lebensbedingungen grundsätzlich etwas verbessern zu können ohne die Macht derer abzuschaffen, die vom jetztigen Zustand üppig profitieren.
Zweifellos ein schöner Traum, doch seine Verwirklichung scheitert immer wieder an den realen Machtverhältnissen.

Ich halte deswegen für nötig, erst mal inensiv darüber nachzudenken, wie wir die Machtverhältnisse ändern können. Auch wenn wir eine brauchbare Strategie dafür entwickelt haben, braucht es Zeit diese umzusetzen. Zeit genug, über konkrete Ziele nachzudenken. Aber dann eben nicht über irgendeinen Geldbetrag, der knappes Überleben im Kapitalismus garantieren soll und den wir ja nur aus dem, was die Kapitalrendite von unseren Arbeitsergebnissen übriglässt: wir können in unseren Zielen sehr viel weiter gehen.
>>...das Fundament, das heißt Bildung.<<
Ja. Und die Bildung, die wir brauchen, könne wir nicht von einem Ausbeuterstaat erwarten. Von dem bekommen wir Funktionsausbildung und Hartz4, was auch sonst?
Wir müssen uns schon selber um unsere Nichtuntertanenbildung kümmern. Ein Grundgedanke dazu stammte von Wilhelm Weitling: Selbstorganisierte Arbeiterbildungsvereine. Heute hätten wir ja ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten, wenn wir das mal in Angriff nehmen wollen. Wer sich aber auf den kaputalistischen Staat und seine Lobbyisten verlassen will, der/die ist fürwahr verlassen.
Was zu beweisen war. Und ist. Und sein wird.

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 19:58

@Gelse

Selbstorganisierte Arbeiterbildungsvereine als Lösung? Welting ist 1871 gestorben. Meinen sie nicht dass es fortschrittliche Gedanken gibt? Und was ist mit den Nicht-Arbeitern? Haben die keine guten Gedanken? Und was unterscheidet Arbeiter von Nicht-Arbeitern? Organisieren kann sich doch heute jeder wie er will, wir hier organisieren/diskutieren ja auch, ohne "formalen Vereins-Rahmen". Was sind denn ihre Lösungsansätze, außer die Gründung von Vereinen? Gibts da was konkretes?

(Ohne ihnen zu Nahe treten zu wollen, aber mit dieser negativen Grundhaltung locken sie heute keinen mehr hinterm Ofen hervor, ohne postitives Gesamt-Konzept wird das nix. Mit "die da oben zocken uns alle ab", "Die Politiker stecken mit den Bankern unter einer Decke", "Wir sind machtlos gegen die Mächtigen", "Geld regiert die Welt", "Kaputalismus" usw. werden sie nie über einen kleinen Kreis Frustrierter hinauskommen)

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 20:16

@ T.S. Clarence

Da ich es nicht ganz eindeutig aus ihrem Artikel herauslesen konnte, sind sie für oder gegen ein BGE? (Ich nehme an dafür, allerdings las ich eher Skepsis heraus)

Letztes Jahr habe ich bei Prof. Christian Spannagel aus Heidelberg einen Gastbeitrag auf seinem Blog geschrieben, Stichwort Bildung und Zukunft. Ich habe versucht zu zeigen, wie eLearning z.B. den Matheunterricht verbessern kann. Wer also einen schlechten Mathelehrer hat, kann auf YouTube den Super-Erklärer finden, der nur leider in Hintertupfingen wohnt und in dessen Genuss heute nur 20 Schüler kommen. So könnten alle von guten Erklärungen profitieren. Ich kenne Erfahrungsberichte, wo Schüler sagen sie haben in 15 Minuten Online Matheunterricht mehr verstanden als in einem halben Jahr in der Schule.

Wenn sie diese Thematik interessiert, schauen sie mal hier rein: http://cspannagel.wordpress.com/2013/04/22/gastbeitrag-haben-schlechte-vorlesungen-eine-zukunft/

knattertom 06.05.2014 | 20:37

"Ein Grundgedanke dazu stammte von Wilhelm Weitling: Selbstorganisierte Arbeiterbildungsvereine. Heute hätten wir ja ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten, wenn wir das mal in Angriff nehmen wollen. Wer sich aber auf den kaputalistischen Staat und seine Lobbyisten verlassen will, der/die ist fürwahr verlassen."

Ja, Ja, Ja, und auch von mir hier verschiedentlich bereits angeregt, Volksübersetzerbüros, um das Babylonische Sprachgewirr halbwegs geordnet zu bekommen.

"kaputalistischen Staat" ---> Schön! Absicht oder Freudscher Verschreiber?

knattertom 06.05.2014 | 20:42

"Und was ist mit den Nicht-Arbeitern? Haben die keine guten Gedanken? Und was unterscheidet Arbeiter von Nicht-Arbeitern?"

DAS LIED VON DER EINHEITSFRONT

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum braucht er was zu essen, bitte sehr!
Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt,
das schafft kein Essen her.

Drum links, zwei, drei!
Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront
Weil du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum braucht er auch noch Kleider und Schuh'.
Es macht ihn ein Geschwätz nicht warm
und auch kein Trommeln dazu.

Drum links, zwei, drei ...

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
drum hat er Stiefel ins Gesicht nicht gern.
Er will unter sich keinen Sklaven sehn
und über sich keinen Herrn.

Drum links, zwei, drei ...

Und weil der Prolet ein Prolet ist,
drum wird ihn kein anderer befrein,
es kann die Befreiung der Arbeiter
nur das Werk der Arbeiter sein.

Drum links, zwei, drei ...

Text: Bertolt Brecht
Musik: Hanns Eisler

Will sagen...., wir sind (fast) alle Arbeiter, mit oder ohne Beschäftigung.

T.S. Clarence 06.05.2014 | 21:11

Ich bin Grundsätzlich dafür. Halte aber Diskussionen über die Finanzierung für Sinnlos. Wir haben ja mehr als genug Waren und Dienstleistungen. Ende!

Ich denke nur das die Einführung eines BGE nicht das Grundproblem löst. Kapitalismus. Daher Die Bildung, also die Aufklärung. Das BGE kann eben auch ein gefährliches Instrument sein. Mein bedenken gilt nicht dem BGE, sondern einer umsetzung die das Problem verschärfen könnte.

T.S. Clarence 06.05.2014 | 21:31

Da habe ich andere erfahrungen gemacht (Die DDR war auch verschuldet) und auch Deutschland zur zeiten der Inflation (1923). Der Kapitalismus ist aus vielen ecken Krisenanfällig. Aus diesen Krisen konnte Er sich immer wieder erholen. Aus der neuen "Krise" oder aus meiner Sicht Gelegenheit, wird Er sich aus Lange sicht nicht erholen. Überproduktion und arbeitsplatzabbau. Das ist also unsere Chance. Da will ich mich nicht so kleinigkeiten wie Banken aufhalten. Das sind nur die Buchmacher des Kapitalismus. Kapitalismus erzwingt diese Art Buchaltung, egal wie die Bank heißt oder wem Sie gehört.

iDog 06.05.2014 | 21:39

"Sie argumentieren im heutigen System. "

Sorry , aber das machen Sie zwangsläufig auch (mit ihren Rechenbeispielen etc.) , denn wir haben keine Wahl. Wir müssem von der jetztigen Situation ausgehen, denn da wollen sie doch das BGE einführen , oder war das für noch ein neues Utopie in irgendwann gedacht?

Ich habe es ihnen ja schon vermittelt : wenn ich mir ein anders System ausdenken soll , dann ist es sicher nicht Kapitalismus mit BGE - dann kann ich auch direkt ewas Vernünftige kosntruieren. Genau das ist schon weiter oben mein ansatz gewesen.

Ich glaube vielmehr, dass Sie im heutigen System ein Reformfahigkeit sehen wollen , die mir partout nicht auffallen will.

Also lieber direkt etwas ganz anderes : ZB. echte Demokratie. wenn wir die hinbekommen haben, können wir gemeinsam entscheiden wo es hingehen soll. oder?

Ich kann natürlich ihren Punkt sehen , dass eine gewisse Freiheit, sich zu entscheiden , ob man eine Arbeit machen will oder nicht zu mehr Augenhöhe führen kann.

Aber sie haben mir meine Fragen nie beantwortet, die damit im Zusammenhang steht : Warum sollten die "Herrschaften" ein BGE zulassen und eine echte Demokratie lieber nicht?

Ich wunder mich wie wenig Sie auf meine Argumente eingehen können.

Ich meine mit der Art ihrer Rechenbeispiele könnte ich auch beweisen, wie wir aber morgen ignorieren können, dass es positive und negative Geldbeträge gibt. Ich bezahle als einfach meinen nächten Urlaub mit meinen Schulden und gut ist. Die Geldmenge bleibt ja die selbe?

(Falls Sie Wert auf eine Debatte legen, benutzen Sie bitte die Antwortfunktion unter den Kommentaren, die sie beantworten , dann weiß man, dass Sie geantwortet haben.)

Stephan Goldammer 06.05.2014 | 22:28

@Idog

Die Antwortfunktion funktioniert bei mir nicht richtig.

"Sorry , aber das machen Sie zwangsläufig auch (mit ihren Rechenbeispielen etc.) , denn wir haben keine Wahl. Wir müssem von der jetztigen Situation ausgehen, denn da wollen sie doch das BGE einführen , oder war das für noch ein neues Utopie in irgendwann gedacht?"

Die Problembeschreibung mache ich im jetzigen System - die Problemlösung stelle ich im BGE-System dar. Eingeführt wird es per ganz normaler demokratischer Abstimmung im Bundestag, wenn also genügend Politiker (bzw. Bürger die Diese wählen) die Problemlösungdarstellung als sinnvoll erachten.

Wo, ganz konkret sehen sie die Probleme des BGE, und wie, ganz konkret ist ihr alternativer Lösungsvorschlag. Jetzt mal ohne Meta-Begriffe, ganz konkret.

Oder ist Direkte Demokratie ihre Lösung? Ok, engagieren sie sich dafür. Aber selbst wenn wir dies einführen, dann gucken wir uns alle an und haben immer noch Bürokratie, Hartz IV und Niedriglöhne und Sanktionen usw. Oder lösen die sich durch Direkte Demokratie in Luft auf? Was wir hier machen ist doch schon direkte Demokratie, wir tauschen Argumente aus und bei der nächsten Wahl können wir Politiker wählen die z.B. ein BGE vertreten.

"Warum sollten die "Herrschaften" ein BGE zulassen und eine echte Demokratie lieber nicht?"

Welche Herrschaften? "Die da oben"? Wenn wir Bürger für ein BGE sind und die "Herrschaften" dagegen, dann werden die Herrschaften schlichtweg abgewählt. Was sollen sie denn machen? Was heisst "nicht zulassen"? Wie konkret kann man ein BGE "nicht zulassen"? So etwas wie "nicht zulassen" gibts nur in der Phantasie. Das wir noch kein BGE haben, liegt schlichtweg daran, dass die allermeisten in den Führungsspitzen einer "Vollbeschäftigungsidee" anhängen, die wiederum die Hauptströmug der VWL-Neoklassik ist. Und die VWL berät die Politik. Also was hilft? Die VWLer davon überzeugen das "Vollbeschäftigung" als theoretische Modellannahme heutzutage unsinnig ist. Schreiben sie doch 3 VWL Prof. ihrer Wahl per E-MAil an. Damit machen sie ganz direkte Demokratie

"Ich bezahle als einfach meinen nächten Urlaub mit meinen Schulden und gut ist. Die Geldmenge bleibt ja die selbe?"

Verstehe nicht was das bedeuten soll. Mit Schulden Urlaub bezahlen? Ja, durch ein BGE erhöht sich die Gesamtgeldmenge nicht. Was das mit ihremUrlaub zu tun hat ist mir schleierhaft. Bitte konkrete Argumente.

"echte Demokratie. wenn wir die hinbekommen haben, können wir gemeinsam entscheiden wo es hingehen soll. oder?"

Wir können IMMER gemeinsam entscheiden wo wir hinwollen, davor steht aber IMMR auch der steinige und lange Weg den anderen von den eigenen Argumenten zu überzeugen. Das ist in einer direkten Demokratie nicht anders, oder glauben sie da hören ihnen mehr Menschen zu nur weil es "Direkte" Demokratie heisst? Nein, auch in einer direkten Demokratie müssen erstmal gute Argumente gefunden weden und die Leute überzeugt werden. Oder wie stellen sie sich direkte Demokratie vor?

iDog 06.05.2014 | 23:15

Die Realwirtschaft schrumpft und der Kapitalismus wird sich nicht wider erholen können - kein Wachstum. Gehen wir mal ohne lange Beweisführung einen Moment lang davon aus. Ich habe genügend Gründe/Indizien das anzunehmen. In diesem Szenario wird des BGE keine Lösung sein können. Die Misere , die Sie einhegen wollen mit dem BGE wird sich dabei immer weiter vertiefen müssen. Und wenn das BGE die Wirtschftslage spigeln soll, dann wird es nicht viel zu spiegeln geben - Deutschland ist ausserdem kein Binnenmarkt. Unser Problem ist es , dass wir auf kurz oder klang ein ganz anders Wirtschaftssystem brauchen werden, um zu überleben - und zwar in der ganzen welt. Das nur mal als Ausgangsituation einer gloabalen Resourcenkrise des Kapitalismus, der immer nur soviel wachstum erzeugen kann wie er fossile energie in Konsumgüter und Dienstlkeistingen transformieren kann.

Sie gehen leider in all ihren Beispielen, davon aus das sich nichts

ändert in der welt , ausser das das BGE eingeführt wird. Das ist mindestens irrational.

Die momentane Politik ist indes alles andere als sozial: Die Austerität ist mittlerweile in Frankraéuich angekommen, einem der sogenannten "Motoren " des Euroraums. D-land wird auch weitere Entwicklungen in diesem Bereich erleben. ZB einenMindest lohn har es in D-land als einziges land nie gegeben und die Vorschläge dazu liegen noch unter den anderen Eu Länderen. Eine merkwürdige Voraussetzung um daran zu glauben irgend jemand mit wirtchaftlich-politischer Macht würde ein BGE organisieren wollen und die gesamten Steuerneinnehmen (siehe ihre Milchmädchenrechnung) nur dafür ausgeben wollen.

Sollte der Euro abschmieren , was nicht unwahrschenlich ist, Ssieht es besonders in D-Land zappenduster aus. Aber auch vorher wird eher der Weg einer Agendea 2010 weitergeführt werden, wenn mich meine Wahrnehmungen nicht täuschen. Mehr Arbeit für weniger Lohn. Weniger sozaile Sicherheit.

Wenn aber die Situation so sein sollte, wie Sie sie beschreiben: Man votiert einfach demokratisch für eine Partei , die das BGE verspricht und gut ist ( welche Partei sollte das sein?). Mit anderen Worten, dieses Votum führt wie selbstverständlich zur Einführung des BGE.

Wenn das demokratisch( welche Demokrstie meinen Sie?) alles so einfach sein soll, dann frage ich Sie wie es dazu kommen konnte , dass eine dermaßen miserable Situation wie jetzt überhaupt entstehen konnte, die es Ihrer meinung nach erforderlich macht BGE einzuführen. Hätte man das nicht demokratisch längst verhindert?

oder;: Wieso hat keiner längst Geld mit dem Helikopter abgeworfen , wie Bernanke in den USA bekanntlich androhte , es dann aber doch lieber den Privatbanken geschenkt hat.

Warum ich eine echte Demokratie bevorzuge, können Sie leicht anhand meiner Kommentar hier in diesem Thread nachvollziehen.

In einer Demokratie müssen nicht nur gute Argumente gefunden werden , es müssen erstmal gute Ideen gefunden werden. Der Kapitalismus gehört für mich definitiv nicht dazu.

knattertom 07.05.2014 | 00:40

"Da habe ich andere erfahrungen gemacht (Die DDR war auch verschuldet"

Was ja unter anderem der Grund war, warum jenes Projekt halt kein Sozialismus sein oder werden konnte.

Bereits gleich nach der Oktoberrevolution 1917 haben die Ford-Werke die LKW zur Elektrifizierung der Sowjetunion geliefert.

Die Ostblockstaaten hatten für alle Importe, den im Westen mit aufgeschlagenen Mehrwert, zu bezahlen, also auch zu erwirtschaften. Der fehlte im Staatshaushalt! Hinzu kamen dann noch die exorbitanten Rüstungsausgaben, die im Osten niemandem genützt haben, und schon war eine eigentlich schöne Idee dauerhaft diskreditiert!

T.S. Clarence 07.05.2014 | 02:05

Das zeigt aber auch das Staatsbanken nicht besser sind. Das Geld (also richtiges Geld $ ) dass musste ja auch besorgt werden, dafür wurden eben auch einen haufen sachen billig an den Westen verkauft verhöckert. War also kein verantwortentliches Wirtschaftliches Handeln, auch mit Geld. Eben Staatskapitalismus. Die USA hat auch im 19 Jh. auch erhebliche Problem mit dem Geldsystem (oder besser Geldsystemen). Daher wurde eben das FED eingeführt. Ein stabileres Buchhaltungssystem im Kapitalismus als vorher. Das es weiterhin Problem gibt liegt nicht an der Buchhaltung. Sie liegt am Ausbeutungssystem selbst.

w.endemann 07.05.2014 | 09:31

Ich versuche mal, den Hauptdissens in der Diskussion zu benennen, soweit das BGE nicht moralisch abgelehnt wird. Die eine Partei möchte (noch) im Kapitalismus das BGE einführen und damit indirekt, d.h. ohne weitere größere Eingriffe in die ökonomische Funktionsweise die kapitalistische Ausbeutung resp. die wirtschaftliche Dysfunktionalität beenden. Die andere bestreitet, daß das BGE schon das System über den Haufen würfe, allenfalls eine aufgebesserte Sozialhilfe wäre, und besteht auf einem (revolutionären?) Systemwechsel, dem Stellen der Machtfrage.

Falls ich die Alternative richtig benannt habe, ist sie falsch gestellt: das sehr schön vorgestellte und begründete BGE ist unverwässert nicht mit dem Kapitalismus kompatibel. Man wird es nicht klammheimlich, ohne explizite Kenntlichkeit seines radikalen Perspektivenwechsels, nämlich daß der gesellschaftliche Reichtum in freiwilliger Arbeit und zu aller Wohl erzeugt wird, einführen können. Dafür wird schon der erbitterte Widerstand der Herrschenden sorgen. Vielleicht sind sie sogar am Ende bereit, ihrer Depotentierung (zumindest Teilentmachtung) zuzustimmen. Ein friedlicher Übergang ist allemal einem gewaltförmigen vorzuziehen. - Umgekehrt wird jede nennenswerte Veränderung der Gesellschaft, die als emanzipatorischer Fortschritt gewertet werden kann, in irgendeiner Form der Idee des BGE entsprechen, daß nämlich die Gesellschaft allen ihren Mitgliedern eine menschenwürdige, mangel- und angstfreie Existenz garantiert. Das kann unter Beibehaltung vieler bürgerlicher Institutionen, aber auch bei einer radikalen gesellschaftlichen Reorganisation ohne Geld und Markt geschehen.

Über den Weg kann man, muß man streiten, kleine und große Schritte ausprobieren, in der Beurteilung des ist-Zustandes und des großen, fernen (sehr fernen, wenn wir nicht an nationale Modellösungen glauben, nur an eine global andere Welt) Ziels scheinen mir die Kommentatoren gar nicht so weit auseinanderzuliegen, und das wäre gut so.

knattertom 07.05.2014 | 12:38

"Das Geld (also richtiges Geld $ ) dass musste ja auch besorgt werden, dafür wurden eben auch einen haufen sachen billig an den Westen verkauft verhöckert. War also kein verantwortentliches Wirtschaftliches Handeln, auch mit Geld. Eben Staatskapitalismus."

Ja, darin lag einer der grundlegenden Denkfehler im Osten.

Anstatt sich auf eine weitestmögliche Autarkie zu konzentrieren, wurde der Wettbewerb mit "dem Westen" angenommen, ich sach nur: "Weltniveau"! Aber zum Teil waren es natürlich auch Grundstoffe und Ressourcen, die gegen harte Devisen importiert werden mussten, da waren häufig Patente zu beachten, die bei Grosskonzernen lagen. Von daher war es zum Teil auch ein aufgezwungener Staatskapitalismus.

knattertom 07.05.2014 | 13:07

"Das kann unter Beibehaltung vieler bürgerlicher Institutionen, aber auch bei einer radikalen gesellschaftlichen Reorganisation ohne Geld und Markt geschehen."

Ich sehe es ebenfalss so, ein BGE wäre nicht ein Schritt hin zu einem Paradigmenwechsel, es wäre bereits genau dieser.

Im obigem Satz habe ich mich an den Worten Geld und Markt aufgehängt......, letzterer ist ja erstmal nur ein Ort zum Warentausch, eine praktische Einrichtung, nur das an diesem bisher der Mehrwert erwirtschaftet werden muss, ist das Problem.

Auch das Geld, so lang es durch reale Werte gedeckt ist, stellt ja erstmal nur ein Lieferversprechen dar, ist also so etwas wie ein Coupon. Ebenfalls praktisch, denn der Bauer kann das Ersatzteil für seine Zugmaschine schwerlich mit Kartoffeln bezahlen, denn dafür braucht er die Zugmaschine, um die Kartoffeln zur Fabrikkantine zu liefern.

Irgendwie links 07.05.2014 | 14:34

den einzig aufklärerischen Beitrag, den ich zu BGE gelesen habe, setze ich mal wegen der Relevanz komplett hier herein:

Ralf Krämer, 24.04.2014
Die Forderung und vermeintliche Perspektive eines Bedingungslosen Grundeinkommens (im folgenden: BGE) adressiert im Kern nur ein einziges Problem und erklärt es zu der Schlüsselfrage überhaupt: hinreichendes Einkommen, um davon armutsfrei leben zu können. Doch das würde die grundlegenden sozialen Probleme keineswegs lösen, und für die Probleme, die es lösen könnte, wäre es nicht erforderlich.Gesellschaftliche Teilhabe ist wesentlich mehr als was man für Geld kaufen kann. Das zentrale und grundlegende Interesse, das Erwerbslose wie Beschäftigte artikulieren, ist das nach einer gut bezahlten Arbeit, die ihren Fähigkeiten und Neigungen gerecht wird und mit sozialer Anerkennung und Selbstbestätigung verbunden ist. Das zentrale Hindernis und Problem dabei ist weiterhin die Massenerwerbslosigkeit, die Menschen ausgrenzt. Die Überwindung der Massenarbeitslosigkeit würde auch die Lage und reale Freiheit der Menschen und die Kräfteverhältnisse in Betrieben und Gesellschaft, die Finanzlage des Sozialstaats und die Bedingungen für die Durchsetzung sozial-ökologischen Fortschritts enorm verbessern.
Nicht erforderlich und nicht geeignet
Armut muss bekämpft und vermieden werden. Dies kann aber mit viel weniger Aufwand und realistischer als durch ein BGE durch verbesserte bedarfsabhängige Leistungen er-reicht werden. Diese können repressionsfrei und bürgerrechtskonform gestaltet werden. Durch eine Praxis, die auf armutsgefährdete Bevölkerungsgruppen aktiv zugeht und ihnen Leistungen anbietet, bei Bedarf auch über ein pauschales BGE hinaus, anstatt sie zu stigmatisieren, nicht zu informieren oder abzuschrecken, könnte auch verdeckte Armut weitgehend abgebaut werden.
Nun fordern linke BGE-BefürworterInnen zusätzliche Leistungen für bestimmte Lebenslagen und Bevölkerungsgruppen und versuchen damit sozialpolitischer Kritik entgegenzutreten. Allerdings sind in der Wirklichkeit öffentliche Finanzmittel immer knapp und Prioritäten nötig, andererseits widerspricht es dem eigenen Anspruch, Kontrollen abzuschaffen. Grundsätzlich reagieren sie auf linke Kritik, indem sie einfach weitere Forderungen mit in ihr Konzept aufnehmen, egal ob das in der Wirklichkeit zusammenpasst oder was es kostet. Dies ist schlicht eine Methode, sich gegen Kritik zu immunisieren.
Die Erfassung von Einkommen, Vermögen und Bedarfen kann nicht als Repression oder Diskriminierung betrachtet werden, sondern ist eine unverzichtbare Aufgabe eines demokratischen Sozialstaates. Die Gesellschaft hat den berechtigten Anspruch, dass die Erhebung und Verwendung öffentlicher Finanzmittel gleichmäßig und zielgerichtet erfolgen und kontrolliert werden. Auch bei Einführung eines BGE müssten Einkommen und Vermögen für die Besteuerung erfasst und kontrolliert werden, und dies wäre sogar weitaus umfassender und schärfer als bisher erforderlich, um die gewaltigen zusätzlich erforderlichen Finanzmittel einzutreiben.
Der Unterschied eines BGE gegenüber bedarfsabhängiger sozialer Sicherung besteht also nicht darin, dass allen ein Existenz und soziale Teilhabe ermöglichendes Einkommen gewährleistet werden soll, und auch nicht darin, ob es Kontrollen gibt. Sondern darin, dass zig Millionen Menschen, die bereits über hinreichende Einkommen verfügen, zusätzlich ein BGE in die Tasche gesteckt werden soll. Und es zugleich aus der anderen Tasche über exorbitant höhere Steuern wieder heraus zu ziehen, um dies finanzieren zu können.
Bedeutung der Erwerbsarbeit
In der Grundeinkommensszene ist weitgehend Konsens und eine wichtige Begründung für BGE, dass der Gesellschaft zunehmend „die (Erwerbs)Arbeit ausgeht“ und eine Politik für Vollbeschäftigung abgelehnt oder für aussichtslos erklärt wird. Zugleich wird Lohnarbeit meist einseitig als Plage und Zwang betrachtet und die positive, Identität und sozialen Zusammenhang stiftende Seite ausgeblendet, die sie selbst unter kapitalistischen Bedingungen hat. Das BGE wird als Möglichkeit betrachtet, sich diesem Zwang zu entziehen und Einkommen und soziale Sicherung von der Erwerbsarbeit zu entkoppeln.
Selbstverständlich sind vielfältige unbezahlte Tätigkeiten, insbesondere Erziehungs-, Pflege- und andere Reproduktionsarbeiten, ebenso notwendig für den gesellschaftlichen Lebensprozess wie die Erwerbsarbeit. Und klar beruht die heutige Produktivität auf gesellschaftlich und historisch aufgebauten allgemeinen Bedingungen von Infrastruktur und Produktionsanlagen, Technik und Wissen. Aber diese Bedingungen der Produktivität werden nur wirksam, wenn sie im gesellschaftlichen Produktionsprozess durch lebendige Arbeit angewendet werden.Diese gesellschaftliche Reichtumsproduktion vollzieht sich heute hauptsächlich in Formen von Erwerbsarbeit. Hier findet überwiegend die Weiterentwicklung der Produktivkräfte statt. Nur Erwerbsarbeit, also Arbeit zum Zweck des Gelderwerbs, produziert die Güter und Dienstleistungen, die mit Geld gekauft werden, und damit zugleich die Einkommen, aus denen sie bezahlt werden. Wenn dieser Prozess durch schwere Krisen und Massenerwerbslosigkeit geschädigt wird, droht soziale Verelendung. Wir können das aktuell in vielen Ländern auch in Europa beobachten.
BGE ist eine Geldleistung und darauf gerichtet, dass man damit etwas kaufen kann. Indem die BGE-FreundInnen dies als zentral für gesellschaftliche Teilhabe betrachten, bestätigen sie selbst die zentrale Rolle der Erwerbsarbeit: Wer Geld ausgibt um etwas zu kaufen, setzt damit Erwerbsarbeit in Bewegung. Er oder sie veranlasst, dass andere gegen Entgelt eine Arbeit machen, nicht weil sie ihnen Spaß macht oder sie sie besonders sinnvoll finden, sondern weil sie das Bedürfnis derjenigen befriedigt, die bezahlen. Je mehr Einzelne sich an der Erwerbsarbeit nicht beteiligen bzw. von ihr ausgegrenzt werden, desto mehr Erwerbsarbeit müssen die anderen leisten, um einen bestimmten Umfang an Gütern und Dienstleistungen und die erforderlichen Einkommen zu erwirtschaften.
Keine emanzipatorische Alternative
Eine reiche und humane Gesellschaft, wie Linke sie anstreben, wird niemanden zu einer Arbeit zwingen und gewährleistet bedingungslos für alle Schutz vor Armut. Aber die Gesellschaft insgesamt ist unvermeidlich gezwungen zu arbeiten um zu leben. Und wer meint, viel dieser Arbeit sei aber sinnlos und überflüssig, muss sich erstens fragen lassen, wer das zu entscheiden hätte. Und sich zweitens darüber klar sein, dass mit dem Wegfall dieser Erwerbsarbeit auch die dabei entstehenden Einkommen und damit Finanzierungsgrundlagen auch für ein BGE wegfielen. BGE beruht wie jede Geldleistung vollständig auf verallgemeinerter Erwerbsarbeit und ist keineswegs eine emanzipatorische Alternative dazu.
Die emanzipatorische, linke Alternative zu kapitalistischer Ausbeutung, Entfremdung, sozialen und globalen Spaltungen besteht in der Befreiung der Menschen in der Arbeit, nicht von der Arbeit. Ziel ist die Verkürzung und gerechte Verteilung aller gesellschaftlich notwendigen Erwerbs- wie unbezahlten Arbeit auf alle arbeitsfähigen Mitglieder der Gesellschaft. Anstatt mit einem BGE fortbestehende Massenerwerbslosigkeit für gesellschaftlich nicht mehr so problematisch zu betrachten geht es darum, allen Menschen ein Recht auf gute und angemessen bezahlte Arbeit zu gewährleisten und daraus ein Einkommen, das höher als ein noch so komfortables BGE läge. Dazu ist notwendig, den gesellschaftlichen Arbeits- und Produktionsprozess demokratisch umzugestalten. Die linke Perspektive heißt demokratischer Sozialismus, nicht BGE.
Die tagespolitische Alternative ist eine linke Wirtschafts- und Sozialpolitik, wie sie im Grundsatzprogramm der Partei beschrieben ist. Kapitalistische Produktions- und Verteilungsverhältnisse bringen immer wieder Krisen und Erwerbslosigkeit hervor. Diese wird aber keineswegs gesetzmäßig immer größer, und sie kann durch geeignete Politik massiv vermindert werden.
Weltweit nimmt der Umfang der Erwerbsarbeit stetig zu. Selbst in Deutschland steigen bei tendenziell stagnierendem Stundenvolumen an Erwerbsarbeit die Zahl der Erwerbstätigen und der Bevölkerungsanteil derjenigen, die erwerbstätig sind oder es sein wollen, und sind heute höher als je zuvor. Dabei steigt weltweit der Anteil der lohnabhängig Beschäftigten. In Deutschland liegt er seit den 1980er Jahren relativ stabil um 89 Prozent. Die Produktivitätssteigerungen führen zu steigender Produktion und zu abnehmendem Anteil der Beschäftigten in Landwirtschaft und Industrie. Gleichzeitig erweitern sich vielfältige Dienstleistungsbereiche und differenzieren sich immer weiter aus.
Das Problem sind die immer mehr prekären und nicht existenzsichernden Beschäftigungsverhältnisse. Zugleich kommt der notwendige ökologische Umbau nicht voran und sind dringende Bedürfnisse etwa in Bildung und sozialen Dienstleistungen unbefriedigt, weil dem Staat, der sie finanzieren müsste, durch Steuersenkungen zugunsten von Reichen und Unternehmen das Geld dafür entzogen wurde. Hier ist in großem Umfang zusätzliche Erwerbsarbeit nötig. Linke Politik muss eintreten für gute Arbeitsbedingungen und Löhne, die Schaffung sinnvoller neuer Arbeitsplätze und den Abbau der Erwerbslosigkeit. Bisher gelingt trotz breiter gesellschaftlicher Unterstützung nicht, dafür auch nur einige Mrd. Euro durch höhere Besteuerung von Reichen hereinzuholen. Beim BGE ginge es um ganz andere Größenordnungen.
Finanzierungsprobleme
Nach Angaben der BAG Grundeinkommen der LINKEN kostet ihr Konzept (1080 Euro monatlich, 540 Euro für Kinder und Jugendliche unter 16) jährlich brutto 985 Mrd. Euro, nach Abzug wegfallender Leistungen netto 863 Mrd. Euro. Das ist mehr als bisher alle Gemeinden, Länder und Bund zusammen insgesamt ausgeben (791 Mrd. Euro in 2013). Bei einem Bruttoinlandsprodukt von 2738 Mrd. Euro bedeutete es eine Erhöhung der Staatsquote von knapp 45 auf über 76 Prozent.
Die steuerpolitischen Forderungen der LINKEN zur Bundestagswahl 2013 sollten etwa 180 Mrd. Euro Mehreinnahmen erbringen, davon allein die Millionärsteuer von fünf Prozent aufs Nettovermögen 80 Mrd. Euro. Davon waren etwa 100 Mrd. Euro verplant für die Verbesserung öffentlicher Leistungen und Investitionen, die nicht durch ein BGE überflüssig würden. Das würde eine weitere Erhöhung der Staatsausgaben um knapp vier Prozentpunkte am BIP bedeuten. Zusammen mit BGE wären das dann 80 Prozent Staatsquote.
Nun ist eine deutliche Erhöhung der Staatsquote durchaus nötig und finanzierbar. Man muss aber realistisch diskutieren, was die ökonomischen und politischen Bedingungen und Probleme sind. Die BAG tut so, als ginge das so einfach, indem man ein paar neue Steuern und Abgaben erfindet und sich dann schön rechnet, nur Personen mit über 7000 Euro Monatseinkommen würden zusätzlich belastet. Diese ganzen Berechnungen sind an vielen Einzelpunkten und vor allem in ihrer Kumulation unrealistisch und teils fehlerhaft. Dies wird deutlich, wenn man die Gesamtproportionen betrachtet.
Aller Sozialaufwand wird immer aus der laufenden monetären Wertschöpfung finanziert, also aus dem durch Erwerbsarbeit produzierten Bruttoinlandsprodukt bzw. dem Bruttonationaleinkommen (früher Bruttosozialprodukt genannt, es enthält zusätzlich aus dem Ausland zufließende Einkommen). Das Diagramm zeigt dessen Verteilung. Die Abschreibungen entsprechen dem Wertverlust des Anlagevermögens. Alle öffentlichen Einnahmen sind Abzüge von den Löhnen oder den Unternehmer- und Vermögenseinkommen bzw. ihrer Kaufkraft (bei indirekten Steuern).
http://www.sozialistische-linke.de/images/stories/BNP-BRD-RK-BGE.jpg
Zusätzlich notwendige Einnahmen von über 800 oder 900 Mrd. Euro würden eine Minderung dieser Nettoeinkommen um weit über 60 Prozent bedeuten. Es ist unvermeidlich, dass überwiegend die Masse der Beschäftigten dieses Geld aufbringen müsste. Die Gewinne (die die Selbstständigeneinkommen einschließen) und Vermögenseinkommen reichen nicht und können im Kapitalismus auch nicht unbeschränkt abgeschöpft wer-den, erst recht bei offenen Grenzen. Dabei ist noch zu beachten, dass nur etwa 40 Prozent der hier dargestellten Unternehmens- und Vermögenseinkommen steuerlich als Einkünfte erfasst werden, der Rest wird betriebswirtschaftlich oder steuerlich nicht als Einkommen betrachtet, nicht angegeben oder ist nicht steuerpflichtig (etwa Mietwert selbstgenutzten Wohneigentums).
Auch wenn man die zusätzlichen Abgaben mit den BGE-Zahlungen verrechnet, würde schon bei Normalverdienenden eine deutliche Zusatzbelastung auftreten. Und vor allem würde jeder zusätzlich verdiente Euro mit extrem höheren Abgaben als heute belastet. Es wären viel schärfere Erfassung und Kontrolle aller bezahlten Arbeiten und Einkommen nötig, um unter diesen Bedingungen „schwarze“ Geschäfte und Steuer- und Abgabenhinterziehung zu bekämpfen.
Universeller Kombilohn
Gäbe es ein BGE, könnte an den Lohn nicht mehr der Anspruch gerichtet werden, mindestens eine existenzsichernde Höhe zu haben, denn jeder Verdienst hätte den Charakter eines Zuverdienstes zum BGE. BGE wäre faktisch der universelle Kombilohn als Lohnsubvention für das Kapital. Die Menschen wären dann nicht – wie die BGE-AnhängerInnen behaupten – weniger, sondern noch mehr als heute bereit, für einen minimalen Lohn zu arbeiten, weil der Lohn ja nicht mehr zum Leben reichen müsste. So wie schon heute viele in einem Minijob für Niedriglöhne „hinzuverdienen“, obwohl ihr Einkommen im Haushaltszusammenhang oder z.B. durch Bafög plus Elternzuschuss zum Leben reicht. Selbst nur hundert Euro oder ein paar mehr im Monat zusätzlich wären lohnend und besser als nur BGE.
Dadurch würde auch die Schere zwischen hohen Löhnen für besonders qualifizierte und gefragte Beschäftigte und niedrigen Löhnen für Tätigkeiten, die nur geringe oder überreichlich angebotene Qualifikationen erfordern, noch stärker auseinander gehen. Profitansprüche würden dagegen durch ein BGE nicht gemindert, weil sie unabhängig von Personen und dem ihnen ggf. zufließenden BGE auf das eingesetzte Kapital bezogen sind, es gibt keine „Kombirendite“. Insgesamt wäre zu befürchten, dass die Einkommensverteilung noch ungerechter würde als sie es heute schon ist.
Die linken BGE-AnhängerInnen fordern dagegen zusätzlich u.a. Mindestlohn. Es würde unter diesen Bedingungen aber nicht funktionieren, weil keine hinreichenden Interessen und Kräfte dafür zu mobilisieren wären und viele Millionen ihn unterlaufen würden. Bei prekär Selbstständigen ist es gar nicht möglich, ihnen flächendeckend Mindestentgelte bzw. -preise vorzuschreiben. Viele bieten notgedrungen, weil sie sonst keine Aufträge bekommen, ihre Leistungen zu Dumpingbedingungen an. Der Spielraum dafür wäre mit einem BGE noch viel größer. Der zerstörerische Konkurrenzdruck auf Betriebe, die zu tariflichen oder auch Mindestlohn-Bedingungen beschäftigen, würde massiv verschärft.
Politische Risiken und Probleme
In den neoliberalen Varianten eines BGE, wie sie auch von FDP und machen CDU-Politikern (Bürgergeld, z.B. Althaus) vertreten werden, sind die lohndrückenden und soziale Regulierungen der Arbeit zerstörenden Wirkungen beabsichtigt. Außerdem sollen damit die Sozialversicherungen zerschlagen werden, weil ein BGE, das bei ihnen auf Hartz IV-Niveau läge, ausreiche als Absicherung. Selbstverständlich lehnen die linken BGE-AnhängerInnen solche Konzepte entschieden ab. Das Problem ist, dass solche neoliberalen Varianten eines BGE die einzigen sind, die eine gewisse Chance zur Realisierung haben, weil sie leichter finanzierbar und fürs Kapital vorteilhaft wären und Teile des bürgerlichen Lagers sie unterstützen.
Linke BGE-Konzepte werfen dagegen nicht nur gewaltige ökonomische Probleme auf, es gibt auch keine machtvollen gesellschaftlichen Interessen und Kräfte dafür. Auch keine Massenmobilisierung, auch die Europäische Bürgerinitiative erreichte nur einen Bruchteil der notwendigen und erhofften Unterschriften. Menschen werden auf eine vermeintliche Lösung orientiert, die nicht kommen wird, anstatt auf tatsächlich lohnende Ziele und Kämpfe. In den Gewerkschaften wird die Forderung politisch abgelehnt und spielt entgegen anderer Behauptungen keine relevante Rolle. In der gesellschaftlichen Linken wie in der Partei ist die Forderung hoch kontrovers. Jeder Versuch sie durchzusetzen hätte hohes spalterisches Potenzial und würde die Linke von großen Teilen ihrer sozialen Basis entfremden. Auf der anderen Seite stellen die linken BGE-AnhängerInnen nur einen kleineren Teil der BGE-Szene dar, diese wird stark von bürgerlichen Konzepten (z.B. DM-Chef Götz Werner) geprägt.
Eine Linke, die erfolgreich sein und stärker werden will, muss soziale Forderungen vertreten, die gemeinsame Interessen derjenigen zum Ausdruck bringen, die von ihrer eigenen Arbeitskraft bzw. der ihrer Familienangehörigen leben oder auf Sozialleistungen angewiesen sind. Forderungen, die an Kämpfe und breite Bündnisse in Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Klasse anknüpfen oder diese entwickeln können. Konzepte wie das BGE, die im Wesentlichen einer Logik des „Wünsch dir was“ folgen, anstatt von einer realistischen Analyse von Bedingungen und Problemen, Kräfteverhältnissen und Möglichkeiten auszugehen, sind dafür nicht geeignet.

Stephan Goldammer 07.05.2014 | 14:52

@Irgendwielinks

Der Link ist interessant! Mein Schnelleindruck ist: Ralf Krämer hat Angst vor der zunehmenden Bedeutungslosigkeit der "eigenen" Theorie und schreibt jetzt umso heftiger dagegen an. Ist aber nur mein Ersteindruck, werde dazu noch ausführlicher schreiben. (Nur als Hinweis, ich bin mir nicht sicher ob man so lange Vollzitate hier einfach reinkopieen darf?) Trotzdem, guter Link, weil sehr konkrete Aussagen gegen das BGE.

T.S. Clarence 07.05.2014 | 16:51

Ein Hauptproblem scheint zu sein, das manche vielleicht davon ausgehen das mit dem BGE alle Probleme gelöst werden. Ich persönlich denke, BGE ist eine Hilfe um den falschen Gedanken "Man arbeitet um zu Leben" deutlich zu machen. Das BGE wird nicht das Problem der Ausbeutung beenden. Aber Sie eben noch deutlicher machen. Das BGE kann nicht der Ende sein, nur der Anfang (mit vielen anderen Dingen). Die Diskussion über die Finanzierung finde ich müßig, bei der Überproduktion.

Oberham 07.05.2014 | 19:04

.... du hast es wunderbar auf den Punkt gebracht - der maximal gepolsterte Nutzviehstall - privilegierte Idioten, die von der Ausbeutung andernorts maximal profitieren - ohne noch benötigt zu werden - es sei den - als Konsumenten.

Die im Beitrag angesprochenen Aspekte Ressourcenverteilung und Arbeitszeit - sind nur im globalen Kontext lösbar und dazu braucht es eben eine völlig neue Gesellschaft auf der Erde - utopisch! - Ja, und es scheint niemand glaubt ernsthaft an diese Utopie, sprich, so bastelt jede Region an einer maximal erträglichen Versorgung im Nachbarschaftsfeld, auf dass die Hungernden nicht vor der Türe verwesen.

Die Idee des BGE entspricht maximal unsolidarischen Gehinwindungen, die sich auf einer Insel der Seeligen wähnen und wohl frohlocken, wenn das Kleid künftig nicht mehr von Wegwerfmenschen sondern von noch günstigeren Maschinen produziert wird - es ist doch heute schon die Krux, dass die Wegwerfmenschen daum betteln, vor dem Weggeworfenwerden, noch ein klein wenig als Arbeitssklaven der unwürdigsten, elendsten Sorte missbraucht zu werden.

Ja, nicht wenige verkaufen schon seit Jahren freiwillig ihre Innereien, sofern da die Chance besteht, dass sie die Entnahme überleben - in manchen Gegenden dieser Welt gibts Nieren für 10 Euro das Stück (also am Beginn der "Wertschöfpungskette".....) - das ganze Elend unserer Art ist so unaussprechlich - und wir hier in Mitteleuropa sinnieren um BGE oder bedingungsloses Hartz IV - wobei selbst dies unmöglich zu realisieren ist, da die ganze globale Schweinerei dann wohl schlicht zu offenbar zu Tage treten würde - wir hocken im Biergarten - die sogenannte soziale Teilhabe genießend - und wenn wir ins Bierglas glotzen, kommt vielleicht der Gedanke hoch, wieviel Maß man wohl braucht um einen afrikanischen Flüchtling zu ersäufen.

Verflucht - wir müssen es den Bonzen nehmen, nicht für uns, sondern für die Menschen auf der Welt, die bis zum Hals in der Kacke stecken und denen wir zum Dank noch auf den Kopf steigen, damit sie endlich ganz krepieren.

Wie arrogant muss man sein, um das zu ignorieren????

Aber wie du implizierst, der Wohlstandskonsumsklave mag lieber vom BGE träumen, als sich gegen seine Sklavenhalter aufzulehnen - das könnte ja unbequem und vielleicht auch tödlich enden.

Widerstand ist aber auch - sich freiwillig dieser Versorgung zu entziehen und selbst - ein wahrhaft selbstbestimmtes Leben zu gestalten, das niemanden schädigt - und da kann man für sich leicht ausrechenen wieviele Ressourcenäquivalente einem ehrlicherweise zustehen - notfalls geh ich ostentativ neben dem Bürgersteig, wenn einer mir vorhält ich nutze die tolle Infrastruktur - es gilt keinen Cent in die Sozialkassen, keinen Cent offizieller steuerpflichtiger Umsatz, keine Hilfe von öffentlichen- oder privaten Gönnern - das ist wahrer Widerstand!

..... und meine mir zustehenden Ressourcenäquivalente die nehm ich mir, darauf könnt ihr wetten!

(.... ich kann darüber leider keine detaillierten Auskünfte erteilen - aber ich breche kaum Gesetze und ich klaue nicht - es sei den man verurteilt mich wegen des Mülldiebstahls - sollte ich dann eingepfercht werden, bring ich mich nicht um - dann muss ich zwangsweise der Gesellschaft mit etwa 100 Euro an den Kragen - damit sie die Wächter, die Zelle und den Frass dort finanziert - nicht zuletzt auch die ganzen Überwachungseinrichtungen.

Nun - ich bin guter Hoffnung, das ich dies nicht in Anspruch nehmen muss. (In den USA hätte es mich wohl schon mit dem "three strikes law" erwischt - dreimal containern - dabei erwischt und es kann lebenslang geben!)

Bin gespannt wann wir hier soweit sein werden -

Nullstundenverträge - das etwas andere BG

rigide Verfolgung aller Kleinstdelikte - die wahrhaftige Rechtsstaatlichkeit

Ein Todesstreifen um die Festung Europa - wobei - den gibts ja schon.......

Wer in diesem System arbeitet und es damit unterstützt, der ist nicht besser als all die willigen Helfer, im Grunde zu jeder Zeit - leider hat uns nicht einmal das Massenschlachten im letzten Jahrhundert etwas gelehrt - wir, die Masse - lassen uns führen - verführen - desto fetter die Karotte, desto trotteliger und bereitwilliger hecheln wir ihr hinterher!

Egal über welches Elend wir hinwegtrampeln, welches Elend wir provozieren und welches Elend auch letztlich eines Tages wieder über uns selbst kommt.

Was Scheinheiligkeit und Wohlstand angeht, haben ich und meine Generation wohl den Jackpot -

wir konnten es mit spätestens 15 Jahren erkennen,

wir durften es unser ganzes Leben lang genießen!

Die wenigsten von uns schlagen sich am Morgen selbst in die Fresse und schreien sich an: "Du feige, verlogene Sau!"

Als ich noch gearbeitet hab, da hab ich das durchaus manchmal gemacht - natürlich war das auch scheinheilig - mir selbst gegenüber - ich bin danach ja wieder hübsch und adrett mit meinem Köfferchen in die Arbeit und hab geholfen Reiche reicher und Arme ärmer zu machen.

----- damal liebten mich meine Eltern am meisten - ja sie waren froh, das der Bub am Ende doch noch die richtige Bahn fand .... - als Jugendlicher war ich nämlich schon viel weiter - und - mit 40 hab ich mich wieder gefangen.

Eine gute Dekade war ich allerdings ein veritables Arschloch - so eines - wie ich heute den meisten vorhalte - eines zu sein.

.... daher sind hier meine Texte auch alles andere als salonfähig - ich hab es schlicht nicht nötig, nicht zu tippen was ich denke - abzuschwächen, was ich selbst mit den derbsten Sprüchen und der übelsten Beschimpfung noch viel zu milde ausdrücke!!!

Schönen Abend ..... - versucht mal niemandem auf den Kopf zu treten!

Irgendwie links 08.05.2014 | 10:45

Gäbe es ein BGE, könnte an den Lohn nicht mehr der Anspruch gerichtet werden, mindestens eine existenzsichernde Höhe zu haben, denn jeder Verdienst hätte den Charakter eines Zuverdienstes zum BGE. BGE wäre faktisch der universelle Kombilohn als Lohnsubvention für das Kapital. Die Menschen wären dann nicht – wie die BGE-AnhängerInnen behaupten – weniger, sondern noch mehr als heute bereit, für einen minimalen Lohn zu arbeiten, weil der Lohn ja nicht mehr zum Leben reichen müsste.

GEBE 08.05.2014 | 11:21

"Die Menschen wären dann nicht – wie die BGE-AnhängerInnen behaupten – weniger, sondern noch mehr als heute bereit, für einen minimalen Lohn zu arbeiten, weil der Lohn ja nicht mehr zum Leben reichen müsste. "

Ich kenne nicht einen, der das BGE beführwortet, der Ihrer Behaupteten Ansicht ist, das BGE schmälere die Bereitschaft zu arbeiten. Denn eines ist sicher: um überhaupt arbeitend aktiv werden zu können, braucht man erst einmal Geld und nicht umgekehrt.

GEBE 08.05.2014 | 12:03

Meine Gute!

ich habe nichts "unterstellt"! Was soll diese affektbeladene Reaktion?! Ich habe berechtigt wegen Ihres unsauberen Satzbaus interveniert.

Klar wäre Ihre gewollte Aussage gewesen, wenn Sie etwa geschrieben hätten: "Die Menschen wären dann nicht – wie die BGE-AnhängerInnen auch behaupten – nicht weniger, sondern ..."

So aber, wie es dasteht, haben Sie das Gegenteil formuliert. Also bitte, nicht so überheblich!

knattertom 08.05.2014 | 12:36

Ich könnte mir jetzt die Mühe machen, die Argumente in Ihrem ellenlangen Text hier erneut zu besprechen, da mir das aber zu doof ist, denn alle genannten Argumente wurden hier in der dFC bereits hinlänglich diskutiert und widerlegt, kann ich Sie nur bitte, wenn Sie nichts eigenes konstruktives beizutragen haben als cut+paste, dann vieleicht einfach mal die Finger still halten.

knattertom 08.05.2014 | 12:47

Moin Oberham,

"Die Idee des BGE entspricht maximal unsolidarischen Gehinwindungen, die sich auf einer Insel der Seeligen wähnen und wohl frohlocken, wenn das Kleid künftig nicht mehr von Wegwerfmenschen sondern von noch günstigeren Maschinen produziert wird - es ist doch heute schon die Krux, dass die Wegwerfmenschen daum betteln, vor dem Weggeworfenwerden, noch ein klein wenig als Arbeitssklaven der unwürdigsten, elendsten Sorte missbraucht zu werden."

Möglicherweise hast Du es noch nicht bemerkt, aber alle ernstzunehmenden BGE-Befürworter, gehen von einem weltweit einzurichtenden Instrument aus. Jeder, der meint ein solches innerhalb von "Nationengrenzen" instalieren zu können, ist entweder zu kurzsichtig, oder arbeitet mit Auftrag, eine "an sich" gute Idee zu diskreditieren.

Eine gute Dekade war ich allerdings ein veritables Arschloch - so eines - wie ich heute den meisten vorhalte - eines zu sein.

Wir habe alle unser Päckchen zu tragen :o) und niemand ist perfekt!

knattertom 08.05.2014 | 12:53

"Die Menschen wären dann nicht – wie die BGE-AnhängerInnen behaupten – weniger, sondern noch mehr als heute bereit, für einen minimalen Lohn zu arbeiten, weil der Lohn ja nicht mehr zum Leben reichen müsste."

Was ist das bitte für ein Unsinn?

Irgendeine Ahnung, wie viele Menschen in Westeuropa bereits innerlich gekündigt haben, wie viel in ihrer Arbeit nicht den geringsten Sinn sehen,und das häufig zu recht, denn viele Arbeitsstellen werden rein zur Beschäftigung von Menschen geschaffen und sind volkswirtschaftlich eher schädlich.

Ich weiss ehrlich nicht, was Sie für ein Menschenbild haben und was Sie für eine gerechte Gesellschaft halten, aber es deckt sich mit den meisten anderen hier, mir eingeschlossen, ganz und gar nicht.

knattertom 08.05.2014 | 14:10

wenn Sie das nicht verstehen, dann ist das nicht mein Problem, unterlassen Sie also persönlich diskreditierende Anschuldigungen und übergriffige Anweisungen.

oha, jetzt haben Sie es mir aber gegeben!

Nur, dass Sie es sind, der hier einen Text verlinkt, der erstens übermässig lang ist, ein Link und ein kurzes Zitat daraus mit der zentralen Aussage, wären allemal ausrechend gewesen, und der allen ernstes:

Das zentrale Hindernis und Problem dabei ist weiterhin die Massenerwerbslosigkeit, die Menschen ausgrenzt. Die Überwindung der Massenarbeitslosigkeit würde auch die Lage und reale Freiheit der Menschen und die Kräfteverhältnisse in Betrieben und Gesellschaft, die Finanzlage des Sozialstaats und die Bedingungen für die Durchsetzung sozial-ökologischen Fortschritts enorm verbessern.

die Frage der Vollbeschäftigung in den Vordergrund rückt, von der nicht mal mehr die konservativsten der Konservativen Wirtschafts"experten" inzwischen noch ausgehen.

Also, wer versteht hier nichts, und versucht offensichtlich nur zu stören?

Eberhardt 08.05.2014 | 14:31

Wie realistisch aber doch depressiv! Eine solche Aussage erinnert an den romantischen Dichter vor zwei Jh. Die kann leider keiner zukünftigen Generation helfen. Ich habe vormals einen ähnlichen Job wie sie zur Zufriendenheit von Eltern und Frau gehabt. Mit 40 habe ich dann schluss gemacht und mich zum Gemüsebauer gemacht, um... meine Tochter besser erziehen zu können. Ich bin natürlich von meiner Familie ausgeschlossen und von meiner Frau von meinem Haus rausgescmissen worden. Doch konnte ich die halbe Betreuungszeit erwirken im Gegenzug zu meiner totalen Verarmung: Die Frau hat alles weggerafft! Ich kann ihnen bezeugen, dass meine 15 jährige Tochter sehr glücklich mit meiner relativen Verarmung ist, weil sie nun bei mir ganz wohnt. Fazit: Herzlichkeit und Kultur sind viel besser als Geld.

Ich schreibe nicht das alles, um zu sagen, dass ich alles besser machen würde, sondern um Hoffnung zu geben, um zu zeigen, dass eine andere autonomere und Natur respektvollen Praxis schon jetzt möglich ist. Das schulden wir unserer Jugend. Solche Botschaft sollten wir verbreiten. Wenn es hilft, will ich gerne als Pfand fungieren und dafür gerade stehen. Denn meine Tochter ist nicht alleine und sie braucht andere Mitkämpfer, um eine neue Gesellschaft aufzubauen.

knattertom 08.05.2014 | 14:55

"Ich habe gesagt, dass mit einem BGE noch mehr Menschen als heute bereit wären, zu einem prekären Lohn zu arbeiten, da der Lohn ja nicht mehr für die Existenzsicherung reichen muss."

Und warum sollten die Menschen das tun?

Für beide Arten von prekärer Arbeit, moralische und finanzielle, müssten sich Menschen mit einem BGE nicht mehr (unter Preis) hergeben.

Also, wo steckt in Ihrer Argumentation die Logik?

Oberham 08.05.2014 | 19:14

... ich gratuliere Ihnen - von ganzem Herzen - Ihre Milde - ich freu mich für sie, um ihre Milde - wenn ich ganz glücklich bin (bin ich doch ganz schön oft - ) - dann liegt das Lap-Top in einer Ecke ;-).... dazu scheinen sie eine mutige Tochter erzogen zu haben - hoffen wir, dass Ihr Mut nicht zu harten Bewährungsproben unterzogen wird - sie wird es viel schwerer haben, als wir! (fürchte ich.....)

Darf ich fragen welche Tomaten sie anbauen? Ich habe heuer Berner Rose gesäht und hoffe sie gedeiht..... - da reicht eine Frucht für ein ganzes Mahl.

Oberham 08.05.2014 | 19:31

Möglicherweise hast Du es noch nicht bemerkt, aber alle ernstzunehmenden BGE-Befürworter,......

..... in der Tat, mir ist bis dato immer nur die nationale Variante untergekommen - die globale bekommen wir mit der sozialen Anarchie mittels umweltäquivalenter Verteilungsgerechtigkeit ohnehin - man kann das gerne BGE nennen - ich würde es schlicht Versorgungsbasis nennen - da man vielleicht den Begriff des Geldes und die derzeitige Bedeutung des Geldes überwände, würde man tatsächlich verstehen, das es um die nächsten Jahrtausende menschlicher Existenz geht.

Würde eine globale , von den Massen mutig getragene Bewegung, daraus, könnte man wohl das System binnen weniger Jahre vom Grund auf renovieren - doch danach gäbe es keine Milliardäre - keine Trusts und Konzerne mehr - die Nationen würden aufbrechen - man würde regionale - überschaubare Solidarstrukturen implementieren und global vernetzt die sinnvollen Synergieen nutzen - doch man würde die Einmaligkeit jedes Lebewesens würdigen, wieviele Konjuktive - nicht wahr - schon komisch, der Wahnsinn hat sich den Indikativ geschnappt, die Vernunft ist nur eine ferne, zwar mögliche, doch als unmöglich diskeditierte, Utopie.

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Ehemaliger Nutzer 08.05.2014 | 21:20

Na klar!

Her mit dem BGE! Warum nur den Hedgefondsbesitzern, Banken und der griechischen Oberschicht ein bedingungs - und risikoloses Grundeinkommen zukommen lassen! ( Gerade wieder durch die letzte Griechenanleihe mindestens 4,5 %, bei Kreditkosten von 0,5 % bei der EZB, ein fetter und risikoloser Gewinn für die Finanzhaie, steuerzahlermäßig über ESM und Draghis Bazooka garantiert ) Da darf der deutsche Arbeitslose nicht zurückstehen. In seiner Freizeit kann er dann, aller finanziellen Sorgen entledigt, im Kampf gegen Rechts oder sowas

seine überschüssigen Kräfte abbauen, geeignete Polizeikräfte stehen zur Verfügung.

Die Auszahlung ist auch kein Problem: die Druckerpresse der Bundesbank läuft halt ein wenig schneller. So sind dann alle zufrieden und glücklich, gelle ?

Problematisch wirds nur, wenn die , die noch arbeiten und Steuern zahlen, auch das BGE haben wollen, was dann ?

Eberhardt 08.05.2014 | 22:14

Danke für ihren Glückwunsch. Ich habe meine Tochter nach rousseauscher Methode erzogen (obwohl ich seinen "Emil" nur nachträglich gelesen habe!). Darin steht, dass man mit Güte aber in Vorausschau auf harte Zeiten die Kinder erziehen muss, denn "welch auch immer das Schicksal, müsse man würdig bleiben können". Das heisst, Kinder müssten bei handwerklicher Arbeit mitmachen (bei mir im Bauernhof helfen ; wohlwollend und herzlich hat sie viel getan). Weiterhin muss man den Kindern zeigen, wie die (psychologische) Machtverhältnisse stehen, damit sie später an der Gesellschaft selbstsicher teilhaben können ohne ausgebeutet zu sein. Wenn man nur diese zwei Punkte erreicht hat, dann ist man hart gesotten und... menschlich.

Was ich für Tomatensorte anbaue: Matina (im Gewächshaus kriege ich Anfang Juni die ersten), St Pierre, Ananas, Anden, schwarze Krim ;-) grüne Zebra, Grosse, Marmande. Ich mache keine grosse Vielfalt, weil meine normalen Runden (Matina, St Pierre, Marmande) schon erstklassig schmecken unter anderem weil ich einen leichten zum Teil sandigen Boden habe. Das macht einen grossen Unterschied zu einem Lehmigen.

Also wenn sie nach Südfrankreich reisen sollten, sind sie ein willkommener Gast.

T.S. Clarence 08.05.2014 | 22:29

@ /++theme++freitag.theme/images/avatar_tile.pngboshafterzwerg

Sie erwecken den Eindruck das Sie das Konzept des BGE's nicht verstehen und auch nicht wissen was Geld bzw Geldmenge ist. Zum einem... Das BGE wird an alle ausgezahlt, egal ob Sie arbeiten oder nicht. Das stellt dann auch die Steuerfreipauschale dar. Also ein Einkommensmillionär würde dann auch mehr Steuernzahlen als vorher. Er hätte dann nicht merh als Vorher. Desweiteren dürften Ihnen aufgefallen sein, das die Läden voll sind mit Waren und die Produktion ist nicht ausgelastet. Das gilt auch für Dienstleistungen. Daher ist eine Diskussion über die finanzierung müßig und irreführend, weil an der realität vorbei. Die Frage die sich stellt ist: Bei immer größerem Arbeitsplatzabbau, weil sollen dann alle teilhaben an der Gesellschaft. Und was ist Arbeit? Arbeit ist auch sich um seine Kinder Kümmern. Arbeit ist auch sich in irgendeiner form einbringen in die Gesellschaft. Ehrenamtlich. Davon werden doppelt soviele Stunden geleistet wie bezahlte Arbeit (da ist die Ehrenamtliche arbeit Aller, die z.B. gegen Nazi Demos protestieren oder in irgendeiner Form Widerstand leisten nicht dabei, wird aber gerne als linke Straftat gerechnet). Man sieht also die Menschen sind bereit die Dinge zu tun die zu tun sind. Wirtschaft hat die Aufgabe Mangel zu beseitigen und arbeiten unötig zu machen (Die Eltern sagen ja auch zum Kind beim Tischabräumen "Nimm doch beide Hände, damit Du nicht zweimal gehen musst. Du machst Dir doch nur mehr arbeit." Man hört wohl kaum die Sätze "Nimm nur eine Hand. Du musst mit der arbeit sparsam umgehen, sonst ist Sie zu schnell alle.") Das Problem des Kapitalismus, das nicht alle Menschen den gleichen Zugang zu Ressourcen haben und somit die Macht über die Produktionsmittel, die Macht über die angeblich freien Märkte in den Händen weniger liegen. Auf diesen freien Märkten haben die meisten Menschen nichts weiter anzubieten als Ihre Arbeistkraft....Das BGE kann dieses Problem nicht Grundsätzlich beheben. Aber es kann eben ein Baustein sein, Aus diesem Problem rauszukommen. Wenn Sie das nicht möchten, dann leben Sie halt gerne im Kaptalismus. Das kann man aber auch einfach sagen, statt da so undifferenziert los zu schimpfen ;-)

Oberham 09.05.2014 | 08:46

Fazit: Herzlichkeit und Kultur sind viel besser als Geld.

..... wahrhaftige Herzlichkeit - mir begegnet überall die aufgesetzte.

Sobald man sich mal in Tarnkleidung wirft (in unserem Alter relativ leicht möglich.... ) - und sagen wir als potentieller Kunde Läden frequentiert (sofern man sie dort noch nicht kennt....) - überfluten einen die Funktionssklaven mit Herzlichkeit.

Ich kann nur jedem mal diese Performance empfehlen -

kleiden sie sich smart, mit irgend einem Insignium des materiellen "Olymps" und schlendern sie mit der Bitte um Beratung zwecks Erbschaft an einen Bankschalter - begründen sie die "Neukundensituation" damit, dass sie nicht wünschen, in ihrem Umfeld würde das Ganze bekannt (.... man weiß ja, irgend etwas sickert immer durch..... - man kennt sich eben....) -

die Herzlichkeit wird sie erschlagen.

... man kann es auch mal als abgerissener Neuankömmling versuchen, der ein gratis Girokonto mit Prämie eröffnen möchte - durchaus mit zu ertwartendem Lohneingang - aber eben ein sogenannter "Niedriglöhner" - ....

ich wage zu behaupten die Herzlichkeit wird - so sie noch vorgespielt wird (gut ausgebildete Berater/innen) werden das schaffen - Sparkassenangestellte eher nicht...... (die drücken wohl versehentlich sogar auf den Alarmknopf....) - wesentlich kühler ausfallen.

Zur Kultur - die kommerzialisierte Kultur ist bestenfalls noch an gratis Museumstagen zugänglich - manche Theater halten für bestimmte Perioden Freikarten für materielle schlecht gestellte Menschen bereit, also auch dort ist kommerzieller, wenn auch hochsubventionierter (wieder mal Subventionen für den Geldmob) Kulturgenuss in winzigen Dosen möglich - ja auch Gallerien sind - meist - frei zugänglich, sofern man sich unauffällig verhält kann man da durchaus kommerzielle Kunst genießen - und ich bestreite nicht, dass viele etablierte Kunstschaffende wirklich wundervolle Dinge aus ihrem Talent schöpfen - dank Internet ist klassische Musik jederzeit genießbar und Vinyl bekommt man immer noch auf Flohmärkten zu Centbeträgen (langsam jedoch wandern die Scheiben in die Fänge jener die das knappe Gut erkannt haben....).

.... doch ich weiß wohl was sie ausdrücken möchten - und ich bin mit ganzem Herzen bei Ihnen -

für mich ist der wunderbarste Bildhauer die Natur, die schönste Musik ist dort zu höhren - am Morgen die Vögel, bei Wind in den Wäldern, der Regen spielt die Percussion, manchmal gibts auch das große Konzert - ja von Ferne dröhnen die Maschinen und Motoren - und selbst die kann man zu einer Meeresbrandung modulieren.

Die Düfte, welch wundervolle Kultur!

Die Kultur der Natur - nicht nur der menschlichen Natur - ist für uns präsent und wir leben mitten in ihr - als Teil von ihr - auch wenn die Vögel wohl zu schimpfen beginnen und die Eichkäzchen mit Fichtenzapfen nach mir werfen, die Rehe das Dickicht verlassen und zum Glück - noch - keine Bären in meinen Wäldern streifen - die ich zwar gerne dort wüßte, doch mein dissonantes, modernes Fistelgejaul könnte Anlaß genug sein, dass der Bär dafür Sorge trägt, künftig davon verschont zu bleiben.

Nun - viel Erfolg bei der Anzucht der Samen, der Aufzucht der Pflanzen und der Ernte der Früchte - mögen Läuse, Mehltau und all die anderen kleinen, großen, oft wirklich traurigmachenden Mitwesen ihren und meinen Garten möglichst verschonen - Brennesselsud, geflanze Schutzringe aus diversen Sorten - wir wissen uns zu helfen, ohne mit der Keule daherzukommen.

.... nur leider - nicht immer sind wir die Erfolgreicheren ;-).

Gesundheit für Sie und Ihre Tochter - und natürlich auch allen anderen Lebewesen dieser Welt -

-schöne Zeiten - mögen sie Euch viel Freude bereiten!

Oberham 09.05.2014 | 09:07

..... dazu noch - ich freue mich für Sie - mir läuft das Wasser im Mund zusammen - mein Lebensraum ist Niederbayern - der Wald dort ist eher etwas düster und feucht - wobei es durchaus Flecken gibt, da kann man sich in mediterranen Gefilden wägen.

Südfrankreich ist wahrhaftig etwas lichter, fröhlicher und privilegierter - betreffend der Leichtigkeit des Seins - dafür gibts bei mir die gröberen Risse, die - wenn sie heilen - das lichte Sein für mich zu einem vielleicht noch größerem Geschenk machen.

Sie leben schon in einer wundervollen Region - ich such mir die wundervollen Flecken bei mir - und träum davon - sie möchten das Dunkle vergraulen -

---- die grüne Zebra ist leider für mich zu empfindlich - sie gibt schon bei niedrigen Temperaturen den Geist auf - hatte es zweimals versucht - bin jedesmal im Mai gescheitert - vielleicht lass ich mal einen Turm in meinem Wohnraum stehen - doch da gibts schlicht das Lichtproblem - ja Südfrankreich ist ein Tomatenparadies!

(.... ich hab mich letztens mit einem Gärtner unterhalten - der hat inzwischen sein Frühblühergewächshaus - nach der Primelzeit - ganz einer Tomatenkolonie gewidmet - dem helf ich ein wenig - gegen Tomaten aus seiner Population - insofern bin ich da jetzt - gegen etwas Kollaboration - bestens versorgt!)

bezüglich der Kultur ist es ähnlich - ich helfe sofern man Hilfe benötigt und bekomme dafür Freikarten........... - die Freikarten gehen manchmal gegen Eier weg - wobei ich phantastische Eier bekomme - von wirklich lebhaften Hühnern - die über Zäune fliegen.

..... in meiner Welt funktioniert schon manches ganz gut - doch sowohl der Eiertauscher, als auch der Tomatentauscher, als auch die Theaterspieler - sie hängen voll und ganz in den Fängen des Systems - mögen sie nicht kappen, da sie allesamt wirklich üppige Lebensansprüche stellen - die sie nicht missen mögen.

Doch alle haben sie nicht annähernd soviel selbstbestimmte Lebenszeit wie ich. ..... und berufsmäßig Theater zu machen, ist wahrlich kein Zuckerleben - vor allem wenn man von der öffentlichen Hand sein Salär bezieht - die können einem Leid tun.

Sollten sie ja nach Niederbayern kommen - machen sie einen Stop bei mir - ich kann ihnen gerne meine Lieblingsplätze zeigen - sie werden überrascht sein, wie groß die Vielfalt bei uns ist.

(.... und bringen sie mir ein paar Tomaten mit - bitte ;-).....)

(.... sie haben sicher auch Melonen - ich hör jetzt auf - mir läuft schon wieder das Wasser im Munde zusammen - ....... adieu!)

knattertom 09.05.2014 | 18:01

"Problematisch wirds nur, wenn die , die noch arbeiten und Steuern zahlen, auch das BGE haben wollen, was dann ? "

Nein, problematisch wird es, wenn man sich mit der Materie offensichtlich kein bischen beschäftigt hat, sich aber doch bemüssigt fühlt, irgendetwas abzulassen.

Wie heisst es so schön, wer lesen kann ist klar im Vorteil, aber auch nur wenn er es dann auch (vorher) tut!