Inflation der Innigkeit

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Jeder zehnte 16- bis 21-Jährige in den USA macht heute via Facebook Schluss. Damit ist nicht etwa der im www mitgeteilte Freitod gemeint, sondern die Aufkündigung einer bislang öffentlich gepflegten Liebe. Modern Times!

Laut einer Studie des Magazins „Seventeen“ wählen Teens und Twens dazu sehr oft eine subtile Gemeinheit: Sie ändern einfach ihren eigenen Facebook-Status von „In einer Beziehung“ zu „Single“. Die/der Abgehängte wird’s schon merken! Das ist hart, herzlos und infam. Umso erstaunlicher ist der (pseudo) versöhnliche Schlussakkord: 73 Prozent der Teenies dulden die/den düpierte/n Ex weiterhin gnädig in der Freundesliste.

Nett gemeint kann das nicht sein, oder? These Eins: Die flotten Terminatoren wollen nach wie vor die aktuellen Meldungen der von ihnen produzierten „Single“ frei Haus. These Zwei: Sie möchten sich am veröffentlichten Wundenlecken ihrer Opfer mit laben. These Drei: Blocken, verbergen oder gar „entfreunden“ dauern einfach zu lange. Es raubt wertvolle Zeit für das nächste online Date. Fakt ist: Nur jeder Dritte macht sich die redliche Mühe, die ehemals enge Verbindung auch komplett zu lösen.

Wie man es dreht und wendet: Der digitale Kontaktwahn bewegt Massen rasant aufeinander zu. Aber sogleich entwertet er auch unwiederbringlich, was er vermeintlich kreiert: Nähe.

01:15 23.11.2010
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Geschrieben von

cu, t.

tobias sckaer
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cu, t.

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