Prager Manchetten

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Sehr merkwürdig, aber nicht minder wahr: In der schönen Republik Tschechien wurden Asylbewerber, die wegen der Verfolgung von Homosexualität in ihren Heimatländern um Rettung und Hilfe nachsuchten, erst einmal einem so genannten "phallometrischen" Test unterzogen. Warum nur?

Man könnte meinen, den geistigen Vätern dieses Vorgehens lag an einer präzisen Potenzeinstufung ihrer künftigen Mitbürger. Aber nein. Die Wissbegierigen waren keine warmen Gesinnungsgenossen, sondern eiskalte Skeptiker.

Zum Test-Design: Bei den Penis-Tests wurden die Probanden mit Pornofilmen eindeutig heterosexuellen Inhaltes traktiert. Die gleichzeitige Messung des Blutflusses zum Penis sollte Aufschluss über die tatsächliche sexuale Orientierung der verfolgten und nun auch verdächtigten Herren geben.

Zur Test-Leitung: Die o.g. Prozedur sei insgesamt lediglich in zehn Fällen gewählt worden, so der tschechische Innenminister Radek John. Im übrigen sei er nach wie vor der Meinung, Asylbewerber sollten den Behörden überzeugend beweisen, dass sie Homosexuelle sind. Wer den Test ablehne, mag doch einfach in ein Land auswandern, wo diese Tests nicht durchgeführt werden.

Zum Test-Feedback: „Das ist eine klare Verletzung der Menschenwürde”, meint der Grünen- Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. „Mir ist das aus keinem anderen Land bekannt.” In Tschechien habe diese Methode jedoch eine gewisse Tradition. Sie sei bereits früher beim Militär angewandt worden.

Zum Schluss: Wir sind nicht im wilden Kurdistan, sondern in einem Land mitten in Europa! Nicht von grauer Vorzeit ist die Rede, sondern von der Spanne zwischen 2006 und 2009! Nicht von Inquisitoren, sondern von demokratisch gewählten Ordnungshütern!

Zum Heulen.

10:34 11.12.2010
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Geschrieben von

cu, t.

tobias sckaer
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cu, t.

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