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Am Vormittag des 5. Februar 2011 fanden sich rund zwei Dutzend „Lebensmüde“ am Wiener Stephansdom ein. Jeder führte eine winzige "tödliche Dosis" mit sich – und exakt um 10:23 Uhr startete der wohl vorbereitete „Gruppensuizid“. Bahnte sich hier die Wiener Melancholie einmal mehr ihren Weg, oder hatte das Ganze Methode und Sinn? Es hatte.

Unter dem Motto „Nichts drin, nichts dran“ wollten Homöopathiegegner die völlige Wirkungslosigkeit dieser Produkte nachweisen. Die Eiferer sind nicht nur zu allem entschlossen, sondern auch bestens organisiert. Als „Skeptiker-Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ sind sie weltweit in 26 Ländern und 53 Städten im Einsatz. Alle diese Aktivisten vermissen wissenschaftliche Studien, die homöopathischen Produkte unter die Lupe nehmen. Bis sie ihre Forderung eingelöst sehen, betrachten sie das ganze als wirkungslosen – und sehr kostspieligen – Hokuspokus. Ihre These: Bei einer Verdünnung von eins zu 10 hoch 23 ist kein einziges Molekül der angeblich enthaltenen Substanz mehr vorhanden. Sowohl die Testdosis als auch den Zeitpunkt für den Selbstversuch leiten sie daraus ab: 10:23 Uhr.

Vor dem symbolischen Massensterben ist von Ulrich Berger, dem Organisator und Präsidenten der Gesellschaft für kritisches Denken (GkD) noch Beruhigendes und Erhellendes zu erfahren. Die „nicht ganz ernst gemeinte“ Demonstration solle nachweisen, dass Homöopathen Wucherer sind, wie sie im Buche stehen. Nach Ansicht des kritischen Vordenkers verkaufen sie „reinen Zucker zu einem Kilopreis von rund 600 Euro“.

Eine ältere, sehr fidele Dame schloss sich der Demonstrantengruppe spontan an und nahm ebenfalls ostentativ ein Fläschchen Globuli ein. „Ich finde es gut, dass man endlich etwas unternimmt“, erläuterte sie. „Es geben irrsinnig viele Leute Geld für nichts aus.“ Diesen denkwürdigen und universell einsetzbaren Satz sprach die gute Frau vor dem Haas-Haus, also im Epizentrum der am meisten frequentierten Shoppingzone der 2-Millionen Stadt.

12:14 06.02.2011
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Geschrieben von

cu, t.

tobias sckaer
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cu, t.

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