Frigga Haug
15.10.2009 | 22:10 33

Ein gutes Leben

Sozialforum Teilzeitarbeit für alle – eine zeitgemäße Unterwanderung gewohnter Vorstellungen und eingerosteter Identitäten. Rede zur Eröffnung des 3. Deutschen Sozialforums

Es geht uns um ein gutes Leben für alle. Das hört sich bescheiden an, ist jedoch, wie wir erneut in der Krise des Kapitalismus sehen, das Unverschämteste, das einem derzeit einfallen kann. Auf dem Weg dorthin gibt es enorme Hindernisse – ökonomischer, politischer, kultureller Art und schließlich solche, die in uns selbst liegen, in unseren Gewohnheiten vor allem.


„Die Gesellschaft findet nun einmal nicht ihr Gleichgewicht“, schreibt Marx 1875 im Nachwort zu Enthüllungen über den Kommunisten-Prozess zu Köln, „bis sie sich um die Sonne der Arbeit dreht.“

Dass die kapitalistische Gesellschaft im Ungleichgewicht ist, sieht jede, selbst wenn sie selbst noch die Balance halten kann. Aber der Satzteil mit der Sonne der Arbeit rutscht widerborstig herunter und liegt schwer im Magen. Er ruft Erinnerungen an Arbeiterlieder wach, - alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will – seltsam deplaziert, wo der Tastendruck oder der Touch regiert, ohne Stärke, fast schwerelos. Zudem ist Arbeit lange schon vielfach in Verruf gekommen, mehr Last und Mühe als Freude und Genuss, also eher dunkel als hell. Und doch gibt es ein Echo tief in uns, dass „die Sonne der Arbeit“ die Kämpfe der Arbeiterbewegung weit überschreitet, ja in der Wirklichkeit auf das Gesamtprojekt der Menschwerdung zielt – als gemeinsame Tätigkeit. In der Arbeit betätigen sich Menschen, schaffen sich selbst, genießen das Leben, befriedigen ihre Bedürfnisse und entfalten ihre Liebesfähigkeit. So konkret sich solche Bestimmungen anhören, so abstrakt erscheinen sie angesichts der Entwicklung der Arbeit unter kapitalistischen Bedingungen und vor allem unserer gegenwärtigen Lage.

„Die Geschichte“, schreibt Antonio Labriola (1998) könnte „in einem Trauerspiel als Tragödie der Arbeit dargestellt werden.“

Was die Menschen als gemeinsame Arbeit beginnen, ja ihre eigene Entwicklung wendet sich gegen sie, verstärkt die Herrschaft über sie, je reicher sie werden, desto mehr fallen sie in Armut. Im Laufe der Geschichte gestalten die Menschen nicht immer selbstbewusster ihre gemeinsame gesellschaftliche Arbeitskraft, umgekehrt überfällt das von Menschen Geschaffene hinterrücks die Einzelnen, als hätten sie nichts damit zu tun. Wir können eine lange Reihe solcher absurder Formulierungen sprechen und historisch begründen.

Denn in der Arbeit kreuzen sich Herrschaft und Befreiung, Mühsal und Genuss, Entfremdung und Selbstverwirklichung, Entwicklung und Nichtentwicklung, Notwendigkeit und Freiheit.

Zu wenig Arbeit?

„Unserer Gesellschaft geht die Arbeit aus“, rufen seit etwa 25 Jahren die Sozialwissenschaftler als handle es sich um ein Bergwerk, das erschöpft ist. Sie bemühen sich, einen Gesellschaftszusammenhalt anders zu finden, nicht über Arbeit, sondern vielleicht über Kommunikation oder über den Konsum und so das Trauerspiel in einem Wellnesscenter zu beenden. Das ist zwar Mainstream-Theorie, scheint sich aber praktisch zu bewahrheiten. Denn inzwischen lehrt uns die Weltwirtschaftskrise das Fürchten. Die Meldungen über mehr und mehr Arbeitslose – täglich mehrere Tausend – füllen die Nachrichten, Angst schleicht sich in die Herzen der Vielen. Wann wird es uns treffen? Verzweifelt versucht man sich an den Arbeitsplatz, soweit noch vorhanden, zu klammern, alle weiterreichenden Wünsche zu vergessen und ist bereit zu vielem.

Wo immer wir hinsehen, zeigen sich uns die Dinge doppelköpfig. Denn Arbeitslosigkeit ist ja nicht einfach ein Mangel und Anzeiger für Armut, Beleg, dass das Bergwerk leer ist. Sie ist nach der anderen Seite hin nichts anderes als der Nachweis, dass sich die Produktivkräfte der Arbeit soweit entwickelt haben, dass wir die notwendige Arbeitszeit für das Überleben erheblich reduzieren können, sie zeigt also Reichtum an -, freilich nicht für diejenigen, die arbeitslos werden. Wenn gesellschaftlich weniger Arbeit für das Notwendige gebraucht wird, wären die Menschen freigesetzt, endlich die vielen Tätigkeiten aufzunehmen, zu denen aus purer Not in der Form der Überarbeit bislang die Zeit nicht reichte. Dass sich die Menschen des Wenigerwerdens von notwendiger Arbeit nicht freuen können, dafür sorgt wiederum ihre kapitalistische Formbestimmung als Lohnarbeit. Nur wer sich seine acht Stunden oder mehr zur Verfügung stellt, kann auf Anerkennung, entsprechende Entlohnung, Wertschätzung, Teilhabe hoffen.

So bedeutet Arbeitslosigkeit eine Freisetzung als Beraubung, eine Tragödie diesmal für die Arbeitenden.

Wir gehen davon aus, dass wir inzwischen nurmehr ein Bruchteil an Arbeitsstunden für die gleichen Produkte einsetzen müssen und bei gewachsenem Niveau an Lebensstandard jedenfalls weit weniger als die Hälfte – und dass dies auch weltweit durchsetzbar wäre, da sich die Produktivkräfte und das nötige Know-how in absehbarer Zeit verallgemeinern ließen.


In dieser Situation fordert die bundesdeutsche Regierung eines der reichsten Länder, das insbesondere in bittere Armut gefallen zu sein scheint, eine Verlängerung der wöchentlichen und vor allem auch der Lebensarbeitszeit mit der Behauptung, so Arbeitsplätze zu sichern. Die Widersinnigkeit dieser Behauptung ist so offensichtlich, dass Angst und Verzweiflung die Menschen taub und stumm gemacht haben müssen, dass sie nicht weithin hörbar aufschreien.

Dabei hält die Regierung fest an einem Arbeitsmodell, das von einem Acht-Stundentag ausgeht, ohne dass für alle ein solcher Arbeitsplatz vorgesehen ist. Und auch jetzt gibt es keinen Aufschrei im Land, sondern weiter beherrscht Einschüchterung das Feld, die die Einzelnen dazu bringt, zu hoffen, die Regierung wisse schon, was in der Krise zu tun sei. Dies wider alle Erfahrung.

Die lange Zeit von Hartz IV hat zudem ein Flachland an Resignation und Lähmung hervorgebracht, allenfalls unterbrochen von trotzigen Rufen einiger weniger, dass Arbeitslosigkeit ja das Recht auf Faulheit gewähre. Die Rufe werden in der Bedrohtheit durch die Krise leiser. Solidarität schrumpft. Rette sich wer kann.

Menschen in Bewegung bringen

Wie können und wollen wir in dieser Lage Politik machen? Wir agieren aus der Position der Schwäche, aus dem Nicht-mainstream. Wir können andere nicht überzeugen, wenn sie es nicht selber tun. Wir wollen Menschen zum Nachdenken, in eine Bewegung bringen, die sie selber wollen können.

Was wäre jetzt die im Titel versprochene Unterwanderung von festgefahrener Politik, von gewohnten Vorstellungen, eingerosteten Identitäten, von Ungleichheiten und Ungerechtigkeit?

Die Formulierung bezieht uns alle ein, und wie wir uns in den Verhältnissen eingerichtet haben. Wie wir dann Losungen schmieden, etwa nach dem Recht aller auf einen Vollzeiterwerbsarbeitsplatz. Oder, – wenn wir das nicht haben können, was ja jedermann weiß, wenn er einmal auf die Entwicklung der Produktivkräfte geblickt hat, bzw. durchrechnete, wie viel Zeit gebraucht wurde vor wenigen Jahrzehnten noch, als wir schon um die 38-Stundenwoche stritten, ein Auto zu bauen, wie wenig es jetzt ist, wie viele Autos schon überflüssig da sind, wie ökologisch schädlich sie sind usw. – wenn wir dann die Richtung ändern und statt des Arbeitsplatzes wenigstens ein Grundeinkommen fordern. Eine bescheidene Forderung, die nurmehr ums bloße Überleben streitet und in einer entwickelten Gesellschaft darum ringt, dass alle ein Dach über dem Kopf haben und die Mittel für eine minimale Existenz, ohne demütigender Kontrolle unterworfen zu werden.

Es ist mir zu bescheiden. Es fordert kaum zum Umdenken heraus. Es trifft uns nicht in unseren gewordenen Sicherheiten. Es erscheint vielmehr als eine Fortsetzung der seit dem Mittelalter gewährten Almosen und Armenspeise, der Wohlfahrt von oben. Eingreifender, weil verknüpft mit den Mindesterwartungen an eine Zivilgesellschaft, scheint mir die Forderung von Rosa Luxemburg, dass „die sozialen Garantien des Lebens selbstverständlich“ sind für alle, damit sie überhaupt in der Lage sind, sich um die lebenswerten und notwendigen Bereiche des Lebens zu kümmern, sich in die Politik einzumischen.


Wir wäre es jetzt mit der Losung: Teilzeitarbeit für alle. Die Losung muss zunächst auf den empörten Widerstand der meisten treffen, vor allem derjenigen, die noch einen Vollzeitarbeitsplatz haben, auf den sie sich eingerichtet haben im Zeitverbrauch, in häuslicher Arbeitsteilung, im Lebensstandard. Lange wurde zudem gewerkschaftlich gegen Teilzeitarbeit gekämpft. Weitgehend erfolglos, sie breitet sich aus – wir kennen die Zahlen – 70 Prozent der Teilzeitarbeitsplätze haben Frauen inne. Das macht ihren Ruf noch schäbiger. Teilzeitarbeit, das ist Armut, Ausweglosigkeit, es gibt kaum Sicherheit und schon gar keine Aufstiegsmöglichkeiten. Teilzeit arbeiten heißt nicht nur, keiner ernsthaften Arbeit nachzugehen, es heißt auch, als Gesellschaftsmitglied versagt zu haben. Soll also solche Politik das Elend der Teilzeitarbeiterinnen für die gesamte Gesellschaft beschwören? Jeder weiß, mit so wenig Einkommen kann keine auskommen, sodass sich weitere negative Einschätzungen an diese billigen Jobs heften: Zuverdienerin zum Beispiel oder gar das Ressentiment, dass Teilzeitarbeit sich jemand nur leisten kann, die zugleich andere für sich arbeiten lässt.

So schrieb jemand typisch für viele als Kommentar zur Arcandor-Pleite: "Wenn Frauen 70 Prozent aller Niedrigjobs übernehmen, spricht dies nicht gerade für die Bereitschaft berufliche Verantwortung zu übernehmen, sondern eher für die Möglichkeit sich den Luxus leisten zu können, etwas für sich hinzuzuverdienen und ansonsten den Partner für sich arbeiten zu lassen. Abgesehen davon übernehmen Männer 70 Prozent aller Überstunden und 100 Prozent aller lebenszeitverkürzenden Jobs." (Tageszeitung, 9.6.09)

Schlechter Ruf, zu wenig Geld, keine Sicherheit, keine Anerkennung, keine Aufstiegsmöglichkeiten – kurz Teilzeitarbeit scheint auf den ersten Blick genau das, was wir nicht wollen. Arbeit als sinnloser Job, bloße Kräfteverausgabung gegen ein kleines Entgelt – Restarbeiterinnen im System.
Wie wäre es, die geringe Achtung, die die Teilzeitarbeit hat, auf die Vollzeitarbeit zu verschieben – und die Kraft darauf zu richten, die Minderwertigkeit der Teilzeit zu ersetzen zunächst durch Aufwertung und Erkämpfung aller Rechte.


Einmal in Bewegung gekommen, können sich alle daran setzen, sich einen neuen Arbeitstag anzuprobieren. Wie wäre es, wenn man in der herkömmlichen Erwerbsarbeit nur mehr vier Stunden zubrächte und über die freigewordene Zeit selbst verfügen könnte, statt andere einseitige Verfügung zuzulassen. Das Leben ist mehr als Erwerbsarbeit – ihre Bedeutung gehört abgewertet. Das Miteinander, die Aufeinander – Angewiesenheit braucht unbedingt mehr Zeit – nennen wir sie Zeit für Kinder, Alte, Nächste, Freunde und für alles Lebendige um uns, das mehr und mehr verkommt. Dass wir das nicht so ohne Weiteres verschieben können, stößt auf die politökonomische Grenze der Kapitalverhältnisse – noch lassen sich größere Profite erringen, wenn weniger Menschen länger arbeiten, und ihre Leben ganz den Kompetenzen, die es auch zum Profitmachen braucht, verschreiben.

Aber wir könnten als anzustrebendes Ziel uns vorstellen und einfordern, dass auf jedem Vollzeitarbeitsplatz zwei Menschen sich die Arbeit teilen. Das erledigt sogleich das Problem der Arbeitslosigkeit, wir hätten dann mehr Arbeitsplätze als Menschen, die sich darauf bewerben – so können wir uns auch endlich der Qualität der Arbeiten und ihrer Angemessenheit an menschlichen Fähigkeiten und ihrer Entwicklung zuwenden.


Die neuen Halbzeit-Arbeitsplätze sollten langfristig am besten quotiert sein nach Geschlecht, das bringt die unterschiedlichen Erfahrungen humanisierend ein. Gemeinsam kann die Qualität der Erwerbsarbeit verbessert werden. Es sollen gute Arbeitsplätze sein und ihr Zuschnitt nicht so, dass alles Schlechte auf einem Haufen landet, auf dem anderen nur das qualifizierte, herausfordernde Kreative. Es ist klar, dass es für einen anderen Zuschnitt der Arbeiten ebenso die Zustimmung aller braucht wie eine Politik um Arbeit, die dies verfolgt. Solche Veränderung der Arbeitsteilung braucht die Veränderung der beteiligten Personen, Selbstveränderung, die man selbst in die Wege leitet.

Die außergewöhnliche Humanisierung, die so in die Einzelarbeiten käme, setzt sich fort in der Zuständigkeit aller für alle Lebensreproduktion, welches ja die Entfaltung sozialer Fähigkeiten bedeutet. Veranschlagen wir dafür weitere vier Stunden. Es ist nicht einzusehen, warum solche Menschlichkeit nur dem weiblichen Geschlecht zukommen soll. Es betrifft ebenso alle Männer im Sinne einer Bereicherung.


Da Ökonomie und Politik gegen solche Verschiebung an den alten jetzt in große Krise geratenen Verteilungen festhalten wollen, liegt es unmittelbar auf der Hand, dass die Einrichtung der Gesellschaft, was wir Politik nennen wollen, von allen gelernt und gemacht werden muss. Es ist ein Experiment. Dafür brauchen wir weitere vier Stunden, um die verfahrenen und in einer Sackgasse steckende Gesellschaft in eine lebendige demokratische Gemeinschaft zu verwandeln.

Und jetzt erst, nachdem diese gesellschaftlich notwendigen Dinge geordnet sind, können wir auch daran gehen, die Träume unserer Jugend, das, was in uns schlummert, in die Wirklichkeit zu bringen und in Muße und Genuss, in Anstrengung und Freundlichkeit uns selbst als Zweck setzen.


In dieser vier-in-einem-Perspektive wird selbstverständlich klar, dass Teilzeitarbeit für alle die unbedingte Losung ist . Sie ist selbst ein Lernprozess, eine Herausforderung an uns alle, die uns zum Nachdenken über unsere Gewohnheiten und Vorurteile anstiftet, die sogleich eine Selbstveränderung in Gang setzt, die uns bewusst macht, dass wir ein anderes Zeitregime für unsere Lebensweise brauchen, das wir gemeinsam erstreiten. Formulieren wir die Forderung jetzt um in die einfache Forderung nach radikaler Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, der jeder mit Kraft und Leidenschaft zustimmen kann, weil wir die anderen Stunden brauchen für die Freiheit einer bewussten Verfügung über ein gemeinsames Humanisierungsprojekt, in dem klar ist, dass es keine Herabwürdigung des Lebens und der Personen ist, einer Teilzeitarbeit nachzugehen, sondern die derzeit einzige Möglichkeit ihrer Würdigung als Menschen. Teilzeit ist die neue Vollzeit, womit beide Begriffe aufgehört haben, etwas sinnvoll zu bezeichnen und beständig zu sein. An ihre Stelle rückt die Forderung nach einem menschlichen Leben mit Zeit für die Erledigung des Notwendigen, des sich Kümmerns um Leben und seine Bedingungen, um die eigene Entwicklung und die notwendige Muße, um die politische Gestaltung und Einrichtung der Gesellschaft.

Teilzeitarbeit für alle ist eine Losung, die ständig beraten werden will. Sie ändert das gültige Zeitregime, sie löst das Problem der Arbeitslosigkeit, sie zielt auf Frauengleichstellung, auf die Verbesserung der Arbeiten, auf das Ziel eines guten Lebens. Es wird ein langer Weg, setzen wir uns zusammen und fangen wir an.

Frigga Haug, Jahrgang 1937, war bis 2001 Professorin für Soziologie an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Mitherausgeberin der Zeitschrift "Das Argument" und des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus. Jahrelanges Engagement in der Antiatom- und Frauenbewegung, Mitbegründerin der Berliner Volksuni und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac

Kommentare (33)

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steinmain 16.10.2009 | 02:19

Ist doch logisch, schau, Frigga Haug, jemand der nicht die intelektuelle Kapazität hat, diesen Artikel zu verfassen, wird sich noch so schwere Arbeit aufhängen, um sich und seinem Herrscher zu beweisen, das er/sie es kann, und sich nicht als Weichling/in outen. Auch nicht lesen, ich denk mal, so funktioniert das, als überzeugter arbeitsloser Kommunist.

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Ehemaliger Nutzer 16.10.2009 | 19:01

Es gibt Dinge, die erledigt werden müssen. Am Besten mit so wenig Aufwand wie möglich.
Ich glaube nicht, dass irgendwer freiwillig arbeiten will außer ein paar Verrückten. Und wenn diese Verrücktheit mehrheitsfähig ist, ist auch jeglicher Appell ans Eigene Bedürfnis und den Materialismus für die Katz.
Ich kann mir nicht vorstellen, warum einer es toll finden soll, sich anzustrengen.

Wenn ich arbeite, weil es mir nützt, dann arbeite ich nicht, weil ich Arbeit toll finde sondern das Ergebnis. Aber auch dann werde ich die Arbeit so weit es geht vermindern und vermeiden.
Bloß weil die Arbeit weniger wird (was unter nichtmarktwirtschaftlichen Bedingungen toll wäre) wird sie nicht erstrebenswert.

Ich hacke zum Beispiel Holz für das Lagerfeuer, weil ich Holz für das Lagerfeuer brauche. Ich hacke es nicht, weil ich gern Holz hacke.
Denn auch ein sozialistisches Lagerfeuer braucht Feuerholz und ob das HOLZHACKEN ein Spaß wird, wenn mir hinterher keiner mein Holz wegnimmt, glaube ich nicht.

Das muss ein armer Kerl sein, der nur durch Plackerei er selbst ist oder wird.
Ein Bewusstsein und Sozialismus ("Sonne der Arbeit", ach du lieber Himmel, dazu fällt mir dann nur noch Kim Il Sung ein...) in dem Plackerei schön und das Schöne Pflicht ist will ich nicht haben.

Marx hat gesagt, der Reichtum der Gesellschaft ist die disposable time, also die Zeit, in der man nicht arbeiten muss. Das gefällt mir besser.

donda 16.10.2009 | 20:27

Hm, und warum nicht einfach weiter für allgemeine Arbeitszeitverkürzung kämpfen? Käme aufs selbe raus, nur ohne die mühseligen Umbewertungsprozesse. Und wäre eine direkte Antwort ohne Umschweife auf den regierenden Widersinn. Ansonsten sehe ich nicht, wieso sich die Forderung nach bedingungslosem Grundeinkommen und die nach Teilzeitarbeit / Arbeitszeitverkürzung ausschließen sollen. Beides zielt auf die Ab-wertung von Erwerbsarbeit, die Einrichtung von Frei(zeit)räumen. Und das *bedingungslose* Grundeinkommen wäre eben kein Almosen mehr.

sianasta 16.10.2009 | 20:39

Ich bin ein wenig enttäuscht. Das wichtigste Argument in der Grundeinkommen-gegen-Arbeitszeitverkürzung-Debatte - die Umsetzbarkeit - bleibt leider unangesprochen.

Wie können wir von Gewerkschaften erwarten, sich für mehr Teilzeitarbeit einzusetzen, wenn dies doch den Interessen der Arbeitnehmerinnen entgegensteht? Sollen die betrieblichen Auseinandersetzungen, in der sich die Gewerkschaften derzeit schon schwer tun überhaupt eine Lohnerhöhung zu fordern und die Belegschaft zu erhalten, noch dazu mit dieser Forderung aufgeladen werden? Soll jeder Betrieb für sich allein gegen Hartz IV, die Regierung und den Aufschrei des Bürgertums ankämpfen? Und: wird die Kampfeskraft der Gewerkschaften nicht eher abnehmen, wenn zwei Arbeiter sich einen Arbeitsplatz teilen?

Leider liefert Frigga Haug diesmal nur eine Utopie, die nicht von der Arbeiterklasse gelernt wurde sondern ausgedacht.

spartaner 17.10.2009 | 02:01

Interessanter Bericht und es steckt auch viel Wahrheit darin. Alerdings gibt es einiges zu bedenken.

1. Bei sich zukünftig abzeichnenden jährlichen Realohneinbußen wird Teilzeit immer mehr unatraktiver, wenn nicht sogar unmöglich.

2. Wenn Teilzeit aber trotzdem durch die Arbeitgeber forciert wird (wie z. B. im Einzelhandel) werden die Menschen gezwungen sein, mehrere Teilzeitjobs zu machen um finanziell überhaubt überleben zu können. Wenn man dann noch den Aufwand betrachtet um von Job A zu Job B zu gelangen (täglich) wird dies in noch viel größerer Plaggerei ausarten, als ein Vollzeitjob, selbst wenn er beschissen ist.

MFG

Tiefendenker 18.10.2009 | 00:12

@ spartaner

Diesen Anmerkungen stimme ich zu, würde aber sogar noch weiter gehen. Dadurch, dass tendenziell immer weniger lebendige Arbeit verausgabt werden muss, um die gleiche Anzahl an Produkten oder sogar noch mehr herstellen zu können, da sie durch tote, in Maschinen bereits vergegenständlichte Arbeit ersetzt werden kann, ändert sich auch wertmäßig etwas in der Gesellschaft. Es ist vom Anteil her in allen Waren immer weniger an bezahlter, lebendiger Arbeit, also der Wertsubstanz des abstrakten Wertes, erhalten. Nur die kann jedoch am Ende der Kette als Kaufkraft (Konsum) real in Erscheinung treten, wenn man nicht auf Kredite ausweichen (also das Problem in die Zukunft verschieben) will.

Das läßt sich weder durch mehr Teilzeitarbeit noch dauerhaft durch ein BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen) kompensieren, solange letzteres nicht als eine Art "Lebensgeld" aus dem Nichts geschöpft, sondern aus der gesellschaftlich erzeugten Mehrwertmasse umverteilt werden soll. Grund: der Nominalwert kann zwar steigen (Summe der Preise, die man auf die Waren kleben kann), jedoch der darin enthaltene, insgesamt erzeugte relative Mehrwert der Gesellschaft sinkt.

Es ist plausibel anzunehmen, dass sich dieser Trend nicht kompensieren, stoppen oder gar umkehren lässt, sondern dass er mit der technisch-technologischen Entwicklung der Arbeitsproduktivität in Zukunft sogar weiter steigen wird.

Es kann logischerweise nur eine einzige, vollständig richtige Lösung geben: das Abschaffen der abstrakten Wertgegenständlichkeit, das Abschaffen des Wertschöpfung als gesellschaftlich-ökonomisches Prinzip und der damit heute noch untrennbar verknüpften monetären Einkommen.

Um die These auf Richtigkeit zu überprüfen empfehle als Quelle die Fachartikel und Literatur-Tipps auf: exit-online.org

AndreasCarl 18.10.2009 | 19:53

Dass wir an dem Punkt angelangt sind, an dem wir sind, hat nichts mit den Arbeitszeiten zu tun und auch nichts mit der Art und Weise, wie wir unsere Gesellschaft sozial zusammen halten. Der Wandel auf diesen Gebieten ist offensichtlich. Warum sollten wir ihn nicht gestalten können?
Womit wir nicht umgehen können, weil wir es nicht sehen oder wahrhaben wollen, sind die Mechanismen, die in Wahrheit den Kapitalismus ausmachen. Die Verteilungsmaschinerie des Geldwesen verteilt unbarmherzig von den Habenichtsen zu den Reichen. Die Geschwindigkeit dieser Umverteilung hat im Laufe der Zeit stetig zugenommen und hat jetzt Dimensionen, dass es anfängt weh zu tun. Was nutzen all die hehren Gedanken und Ideen zu Arbeitszeitmodellen und bedingungslosem Grundeinkommen, wenn im Hintergrund ein Automatismus abläuft, der alles was einem Gutes einfällt mit wachsender Geschwindigkeit zunichte macht. Solange der Leistungskuchen, den wir backen, zuerst auf den Tisch des Geldkapitals kommt, damit dieses sich seinen stets größer werdenden Teil davon wegnimmt, können wir mit dem übrig bleibenden Kuchenstück machen was wir wollen. Es wird nicht für eine Verbesserung der Lage reichen.
Die Marktwirtschaft kann sich nur in eine soziale wandeln, wenn sie sich vom Kapitalismus befreit.

h.yuren 19.10.2009 | 00:03

vor etlichen dezennien hat bertrand russell bereits vorgerechnet, dass, wenn jede/r seinen anteil arbeit leisten würde, drei arbeitsstunden pro tag ausreichten. nun ist die produktivität inzwischen gewaltig höher, sodass zwei stunden reichen müssten.
aber das war eine "reine" rechnung.
solange die gesellschaft nach dem herrschaftsmodell funktioniert, ist an bessere bedingungen in der arbeitswelt nicht zu denken.
hat eigentlich schon jemand ausgerechnet, wie lange wir pro tag arbeiten müssten, wenn der alltägliche und ubiquitäre mangel an sachverstand minimiert würde?

Fritz Tiemann 19.10.2009 | 08:28

Ich stimme dem Denkansatz vollkommen zu und gehe theoretisch und politisch-praktisch noch viel weiter.
Theoretisch: Die Arbeitszeitfrage ist die Frage überhaupt. Über sie können wir uns "vom Kapitalismus befreien" (AndrasCarl), über sie schaffen wir allmählich "die abstrakte Wertgegenständlichkeit" (Tiefendenker) ab, indem wir an das anknüpfen, was der an sich schlechte Kapitalismus instrumentell an Gutem hervorgebracht hat: die enorm gestiegene Arbeitsproduktivität, denn sie birgt den Kern einer neuen Gesellschaft, den es freizulegen gilt: "disposable time" (Phineas freek, auch zum Holzhacken, denn die Forderung "nach einem bedingungslosen Grundbrennstoff für soz. Lagerfeuer" halte ich doch für ein bisschen daneben).

Politisch-praktisch: eine "kleine" Erweiterung des bestehenden Rechts auf individuelle Verkürzung der Arbeitszeit laut Teilzeitarbeitsgesetz in Richtung Entgeltausgleich könnte Wunder bewirken, denn viele wollen kürzer arbeiten, können es sich aber nicht leisten.
Man müsste also eine Kampagne für die Novellierung des Teilzeitarbeitsgesetzes in Richtung Entgeltausgleich führen.

Und noch eins: Grundeinkommen und Arbeitszeitverkürzung wirken in die gleiche Richtung, nämlich der allmählichen Befreiung von lohnabhängiger Erwerbsarbeit, das erstere vollständig, das zweite teilweise.
Deshalb müssen auch beide Bewegungen zusammenkommen, denn allein, tarifpolitisch, schaffen es die Gewerkschaften bei bestem Willen nicht mehr, die Arbeitszeitfrage vom Eis zu kriegen. Und auch der Mindestlohn gehört dazu: denn er begrenzt prekäre Beschäftigung und erhöht so den Druck auf die Teilung der "guten Arbeit".

spartaner 19.10.2009 | 15:50

Hallo Fritz,

das sind alles sehr gute Denkansätze.

Allerdings gebe ich zu bedenken, sind es nicht gerade die Kräfte wie ständig steigender Arbeitsdruck, ständige Minimierung der Arbeitskosten durch Outsourcing/Leiharbeit/Tarifflucht/Umverteilung usw. die für die enorm gestiegene Arbeitsproduktivität zumindest nicht unerheblich mit verantwortlich sind?
Und sind das nicht auch eine der Grundlagen eines kapitalistischen Gesellschaftssystems?

Wen kam denn das „Gute“, zugute?

Und bedeutet das nicht auch, dass wenn man das „Gute“ auf die Arbeitnehmer verteilt(was ihnen grundsätzlich auch zusteht), automatisch die Gewinne der Unternehmer senken würde? Das wiederum würde bedeuten, dass die Produktivität sinkt, und da es keinen Anreiz mehr gibt diese zu erhöhen, beißt sich hier die Katze in den Schwanz.

Das gleiche trifft für eine Veränderung des Teilzeitarbeitsgesetzes zu. Wer soll den Entgeltausgleich bezahlen? Das können nur die Unternehmen sein. Nicht, dass diese das Geld nicht hätten, allerdings wird auch dies ihre Gewinne schmälern und ebenfalls die Produktivität stark senken.
Deshalb behaupte ich, dass der Kapitalismus in seiner heutigen Form überwunden werden muss, um solche Ideen umzusetzen. Zurzeit aber bewegen wir uns gerade wieder zurück, was bedeutet, dass die „Bewegungen“ wie du sie nennst eine fundamentale Aufgabe vor sich hätten und weit und breit niemanden zu sehen ist, der sie übernehmen oder vorantreiben könnte bzw. wollte.

MFG

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Ehemaliger Nutzer 19.10.2009 | 18:04

Fritz Tiemann
Das Holzhacken stand generell für die Produktion von Waren und Dienstleistungen und war kein Synonym für das bedingungslose Grundeinkommen oder ähnliche Überlegungen. Darüber hab ich gar nichts gesagt. Es war ein Reflex auf die auch hier anklingende Verhimmelung einer in jeder Gesellschaft grundlegenden aber leidigen NOTWENDIGKEIT namens "Arbeit". Mehr nicht. Und wer Lästiges und Unangenehmes nicht aus der Welt schaffen oder minimieren will, sondern sie im schlimmsten Fall als (unabhängig vom ArbeitsRESULTAT) menschliches Naturbedürfnis (so ein Scheiß kommt auch von "Kommunisten") und ethischen Hochgenuß abfeiert, wenn die Bedingungen unter der sie stattfindet, ganz toll sozialistisch sind, soll sich bei Luther oder anderen Arbeitspfaffen einreihen.
Sonst kann ich mich den Ausführungen von spartaner nur anschließen. Dieser ungemein produktive Kapitalismus, der ökonomisch wie ökologisch dem destruktiven Finale entgegen hechelt und nicht nur jeden auf Lohnarbeit festgenagelten Menschen hier das Leben immer unerträglicher macht, der wie ein Krebsgeschwür letztendlich auch die eigene Existenzgrundlage der vernichtenden Verwertung zuführt, soll die "gute" positive und der dieser Produktionsweise unterworfenen Menschen nützliche (weil so ungemein produktiv) Ausgangsbedingung einer rosigen und möglichst arbeitsfreien Zukunft sein?
Bevor unser Planet vollends implodiert (wahrscheinlich hustet er "nur" die Gattung Mensch ab) kommt dann nochmal der "Sozialismus des 21. Jahrhunderts". Der muß sich aber ganz schön beeilen.
Und von einer "Bewegung" die sich in irgend einer Weise störend bemerkbar macht oder auch nur piep sagt, ist wie spartaner ganz richtig anmerkt, weit und breit nichts, rein gar nichts und nicht einmal im Ansatz etwas zu sehen.

Fritz Tiemann 19.10.2009 | 19:56

Hallo Spartaner und phineas Freek,

zunächst möchte ich mich entschuldigen für den Scherz auf deine Kosten, Phineas.

Auch ich möchte den Kapitalismus abschaffen, glaube aber inzwischen, dass das anders verläuft als bisher gedacht. Der Sozialismus war eine gute Idee, sie hat der Arbeiterbewegung Kraft gegeben, hat sich aber in ihrer praktischen Umsetzung nicht nur als zu früh, schlecht gemacht sondern in meinen Augen auch als falsch erwiesen.

Mein Gedanke ist, dass der Übergang nicht in erster Linie über die Eigentumsfrage sondern über die Arbeitszeitfrage verläuft, also nicht in erster Linie über die Enteignung des Kapitals sondern über die allmähliche Befreiung aus lohnabhängiger Erwerbsarbeit durch faire Teilung von Arbeit und Wohlstand und damit den Gewinn von "disposable time", als Kern einer neuen selbstbestimmten Ökonomie und Gesellschaft. Die Eigentumsfrage wird dann im Zuge der Entwicklung auch gelöst werden.

Faire Teilung von Arbeit und Wohlstand STATT WACHSTUM müsste die Parole heute lauten. Damit könnte das Tor für die o.g. neue Gesellschaft geöffnet werden.

Das könnte u.a. über ein erweitertes individuelles Recht auf Teilzeitarbeit geschehen. Den Entgeltausgleich stelle ich mir so vor, dass er durch sinkende Abzüge vom Bruttolohn finanziert wird und der Staat holt sich dann das Geld dort, wo es ist und im Moment nur Unheil anrichtet.

Im Moment sieht es allerdings eher so aus, als ob der Kapitalismus früher oder später zusammenbricht. Aber auch für die Situation bräuchte man ja eine Alternative.

Dass die Linke in weitem Sinne so schwach ist, liegt in meinen Augen daran, dass sie keine umfassende Alternative präsentieren kann, so etwas wie der Sozialismus mal war. Meine Gedanken gehen in die Richtung eine neue Alternative zu finden.

Soweit, ganz grob und knapp. Euren weiteren Ausführungen stimme ich weitgehend zu, außer dass ich meine, dass der Mensch Arbeit braucht, vor allem selbstbestimmte.

Tiefendenker 19.10.2009 | 23:57

@ AndreasCarl und @ upstar

Folgendes sei angemerkt - da es sich hier bei einigen Beiträgen als Fehler unterschwellig mit eingeschlichen hat - betrifft die Aussage:

"Die Marktwirtschaft kann sich nur in eine soziale wandeln, wenn sie sich vom Kapitalismus befreit."

Marktwirtschaft und Kapitalismus sind identisch!!! Es gibt das eine nicht ohne das andere. Wer sich daran klammert, läuft einer Illusion hinterher.

Kapitalismus basiert auf Mehrwertbldung und Warenproduktion, um die Menge des abstrakten Kapitals zu vergrößern. Als quasi "Abfallprodukt" dieses Prozesses sollen auch menschliche Bedürfnisse (im besten Fall) befriedigt werden. Leider stoppt dieser Prozess nicht oder verlangsamt sich wenigstens, wenn dieser Punkt erreicht wird und beschränkt sich darauf, was an neuen Bedürfnissen dazu kommt, sondern es müssen ständig neue Bedürfnisse erfunden (Märkte geschaffen) werden, weil das Kapital unabhängig von den Menschen weiter vermehrt werden will.

Der beschriebene "Automatismus im Hintergrund" (@ AndreasCarl) hat damit also tatsächlich signifikant etwas zu tun. Er ist aber nicht die Ursache der Probleme, sondern eine notwendige Folge der Wertschöpfungslogik und der Warenproduktion! Das bitte nicht umdrehen!!!

@ Fritz Tiemann

Sozialismus war keine echte Alternative zum Kapitalismus, sondern es war nur eine andere Legitimationsform der gleichen Systemlogik, sozusagen mit rotem Parteibuch und dem Staat als Generalunternehmer anstatt lauter unabhängiger Einzelunternehmer (vgl. das Buch "Kollaps der Modernisierung" von Robert Kurz, wo das umfassend analysiert und aufgearbeitet wurde). Der "reale Sozialismus" basierte ebenso auf Warenproduktion und Mehrwertbildung (war also auch Kapitalismus wie eingangs beschrieben). Er lief nur, abgeschnitten vom Weltmarkt und dessen technischen Patenten und Innovationen, technologisch hinterher und musste allein deshalb schon scheitern.

Besser ist da schon: "Faire Teilung von Arbeit und Wohlstand STATT WACHSTUM müsste die Parole heute lauten." (@ Fritz Tiemann)

...das ist im Grunde ein brauchbarer Ansatz, zumindest für eine Übergangsphase UND wenn Einkommen nicht mehr ein monetäres Einkommen sein soll, sondern z.B. als gutgeschriebenes Zeitkontingent erzeugt wird, welches in eine Industrie-Währung umgerechnet werden kann. Das wäre eine Form von Äquivalenzwirtschaft. Das wäre mit den heutigen Plastikkarten leicht umsetzbar und praktikabel.

Kein Unternehemr müsste dann noch jemanden bezahlen, sondern nur noch die erbrachten Arbeitszeiten notieren. Selbstständigen werden Pauschalsätze gutgeschrieben. Dazu kommt ein Grundzeitsatz als Äquivalent zum BGE (Bedingungslosen Grundeinkommen). So schnell könnte man gar nicht kucken, wie die Arbeitslosigkeit beseitigt wäre. Bitte einfach mal durchdenken, was das alles für Vorteile hätte...es gäbe plötzlich wieder reichlich Möglichkeiten Lehrer einzustellen und und und...

Es gibt also sehr wohl ECHTE ALTERNATIVEN zum heutigen System!!!

Fritz Tiemann 20.10.2009 | 07:51

Was die Einschätzung des "Realen Soz." anbetrifft stimme ich zu. Das erklärt ja auch, warum er sich unerwartet so sang- und klanglos verabschiedet hat. Die Priviligierten der SU müssen einfach irgenwann gemerkt haben, dass sie sich in kap. Strukturen noch viel mehr bereichern können, was den cleversten dann ja auch sehr schnell gelungen ist.

Markt und auch Geld sind in meinen Augen nicht identisch mit Kapitalismus. In einer arbeitsteiligen Wirtschaft braucht man immer einen Markt als Verteilungsinstanz und Geld als Tauschmittel. Die Frage ist, ob diese Prozesse tauschwert-, wachstumsorientiert und kapitaldominiert oder bedürfnis- (gebrauchswert)orientiert ablaufen.

In einer gebrauchswertorientierten Ökonomie der frei verfügbaren Zeit läuft vieles ohne Äquivalente, einfach jeder nach seinen Fähigkeiten, wie ja auch heute noch im Bereich familiärer oder ehrenamtlicher Arbeit.

Die Verrechnung in der verbleibenden, notwendig arbeitsteiligen Produktion über Arbeitszeiteinheiten halte ich im Moment noch für ein informationstechnologisches Ungetüm, aber vielleicht kannst du mir da ja weiter helfen.

Fritz Tiemann 20.10.2009 | 08:33

Noch eins:
Die zuletzt erörterte Frage stellt sich praktisch ja erst zu einem späteren Zeitpunkt. Jetzt geht es in meinen Augen erstmal darum das Wachstumsdenken, das ideologische Flagschiff der herrschenden Verhältnisse, zu "durchbrechen" durch eine Politik der "fairen Teilung von Arbeit und Wohlstand statt Wachstum" als Tor zu etwas Neuem, statt diese Frage mit Green New Deal, qualitativem Wachstum usw. zu vernebeln.

Bildungswirt 21.10.2009 | 01:08

@ Fritz Tiemann
"Im Moment sieht es allerdings eher so aus, als ob der Kapitalismus früher oder später zusammenbricht. Aber auch für die Situation bräuchte man ja eine Alternative."
Der Schein trügt. Nach dem Kapitalismus kommt der Kapitalismus, die Frage ist nur mit welchem Gesicht?

@all
Zur Macht und zum fälligen Machtdiskurs, um solche Ideen wie Teilzeitarbeit, radikale Arbeitszeitverkürzung durchzusetzen, sagt F. Haug nichts.
Gruß BW

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chrisamar 21.10.2009 | 09:20

Wichtig ist, dass man einen Job hat. Ob man arbeitet ist nicht so wichtig.

Gefallen hat mir der dezente Hinweis, dass ein Mensch ohne Erwerbstätigkeit trotzdem arbeitet. Z.B. Mütter, welche Haushalt und Kinder versorgen. Oder Angehörige von Hilfsbedürftigen Menschen, welche eben diese pflegen.

HARTZ4 setzte die Spirale der Lohnsenkungen in Gang. Damit wurde die Erwerbstätigkeit von sehr vielen Menschen entwertet. Stundenlöhne von € 0,50 für die harte Arbeit von z.B. Zimmermädchen erstaunen niemanden mehr.
Da, wo ich lebe, arbeitet das Saison-Personal 7 Tage die Woche. 6 Monate ohne einen Tag frei.
Dafür bekommen sie bis zu € 1000,-- ausgezahlt. Davon müssen die Kost tragen und sich manchmal selbst versichern.
Am Ende der Saison, welche max. 6 Monate dauert, bekommen sie wieder HARTZ4. Die Saison-Arbeiter bestehen überwiegend aus Leuten aus der Ehemaligen. Diese wurden von den ARGEs z.B. in Meck-Pomm, dazu verpflichtet hier zu arbeiten.
Die Einheimischen hier, "arbeiten" fast alle im Öffentlichen Dienst.
Wohnungen für Personal gibt es nur für Einheimische / ÖTVler. Die Saison-Arbeiter schlafen überwiegend in Gruppenunterkünften. Manche unter der Treppe des Arbeitgebers. Andere suchen sich unter den Einheimischen einen Partner mit Wohnung. Viele gehen sehr rasch wieder.
Die Arbeitskräfte werden von den Einheimischen "Ostpocken" genannt.
Im Rathhaus sagt man zum Wohnungsmangel: "Die sollen hier ja nicht wohnen. Die sollen hier nur gepoppt werden." Tatsächlich handelt es sich zum überwiegendem Teil bei den Saison-Arbeitern um sehr junge Frauen ohne Ausbildung, ohne schulische Bildung und ohne berufliche Perspektive.

Jeder II. hier, hat ein ernstes Alkohol-Problem. Und wir haben die höhste Selbstmordrate in Deutschland. Vermutlich sogar Europas.

Hätte ich eine Tochter, ich würde nicht zulassen, dass diese hier Arbeit annehmen würde. Statt dessen würde ich ihr empfehlen, HARTZ4 als Chance zu sehen und die Zeit zu nutzen, sich weiter zu bilden und umzugucken. Und sei es im Ausland.

D. Mokrat 21.10.2009 | 12:23

Wir leben in einer Arbeitsgesellschaft. Um (über)leben zu können muss gearbeitet werden.

Soweit die allgemein be- und anerkannten Dogmen.

Aber: es ist doch so, dass es zu wenig Arbeit gibt, als das alle die auf eine abhängige Tätigkeit (sprich: Arbeit) angewiesen sind, auch arbeiten könnten.

Die vorhandene Arbeit auf alle zu verteilen ist keine Lösung, da das Prinzip gilt: jeder gegen alle Anderen. Wenn sich zwei einen Arbeitsplatz teilen sollen, sollten sie auch tunlichst zusammenarbeiten - und nicht gegeneinander, wie es aber derzeit üblich ist.

Es wird also mehr Arbeit gebraucht, die ein Erwerbseinkommen bietet, mit dem gesellschaftspolitische Teilhabe möglich ist.

Die Frage ist: wie erreicht man dies?

Der angebotsorientierte Ansatz, nachdem Arbeit nur möglichst billig sein muss - dann würde sie auch nachgefragt werden, ist gescheitert. Gewinne werden eben nicht in produktiven Branchen investiert, so dass im Zuge dessen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, sondern auf dem Kapitalmarkt platziert.

Der Wagniskapital-Ansatz, der zur Internet- bzw. dot-com-Blase führte, wurde auch weitgehend aufgegeben.

Was fehlt sind Investoren, die in den produktiven Branchen investieren, anstatt am Markt unterbewertete Unternehem (Unternehmen mit einer relativ hohen Eigenkapitalquote) ausbeuten ("filetieren" und weiterverkaufen).

Da private Investoren dies vermeiden, sollte die Gesellschaft selbst die Verantwortung übernehmen, d. h. der Staat sollte mittels den Landesbanken - deren eigentliche Aufgabe es auch ist - entsprechende Investitionen tätigen.

Wie das finanziert werden kann ist klar: es könnte z. B. eine Vermögenssteuer auf dem üblichen Niveau eingeführt werden.

spartaner 21.10.2009 | 19:49

Ich glaube es gibt einen Weg, zumindest erscheint er mir als möglicher Weg, wenn auch nur schemenhaft. Aber der Ansatz von D. Mokrat ist schon richtig. Wenn die oberen Zehntausend ihr vieles Geld nur noch in den Kapitalmarkt werfen, entstehen genau diese Verwerfungen einer unglaubliche riesigen Geldvernichtung = Wertvernichtung der Menschen.

Der einfachste Weg dies dauerhaft zu verhindern, ist die unendlich hohen Bonis und Gewinne deutlich mit Steuersätzen von bis zu 90% zu besteuern. Damit wäre vieles gleichzeitig erreicht.

(warum kann ich von 10 Mio. Jahresverdienst nicht 9 über Steuern abschöpfen? Reichen 1 Mio. im Jahr zum Leben?)

Der Staat wird wieder handlungsfähig, kann wieder seinen Aufgaben im sozialen und Bildungsbereich nachkommen.
Dies würde automatisch wieder zu mehr Beschäftigung führen und zwar deutlich.
Wir brauchen Lehrer, Pfleger, Polizisten, Finanzbeamte usw.
Diese würden als sozialpflichtig beschäftigte wieder Beiträge in die Sozialsysteme einzahlen, die sich sofort erholen würden. Sogar die Unternehmen würden langfristig auch deutlich davon profitieren. Es würden langfristig besser ausgebildete Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen. Dies wiederum würde ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern und nicht hemmungslos abhängen, wie es gerade jetzt zu beobachten ist.

Es würden sehr viele Arbeitsplätze in der Infrastruktur entstehen. Hier gibt es hier soviel zu tun, das wäre jetzt schon ein Jahrhundertprojekt. Auch das würde den Unternehmen zugute kommen.

Und jetzt das wichtigste.
Die Menschen hätten wieder Vertrauen in ihre Zukunft. Sie hätten verlässliche Arbeitsverhältnisse von denen sie gut Leben können, von denen sie eine Familie gründen und auch dauerhaft ernähren könnten. Die Teilhabe an Kultur und anderen Vergnügungen würde langsam aber stetig steigen. So das auch hier wieder Arbeitsplätze gesichert würden, wenn nicht sogar neue entstehen.

Mein Gott es ist doch alles (scheinbar) so einfach!!!!!

Wenn ich jetzt so auf meine Zeilen zurückblicke, werde ich traurig aber gleichzeitig bekomme ich das große Kotzen.

DAS ALLES HABEN UNS DIE NEOLIBERALEN GENOMMEN.

Sie sind dabei uns zu zerstören. Ich glaube das ist schlimmer als Krieg. Ich habe Angst um meine Kinder und kann mich ein bisschen in einen so genannten Selbstmordantentäter hineinfühlen.

Was ist der letzte Ausweg?

MFG Spartaner

mick schulz 22.10.2009 | 09:48

In Anbetracht der Tatsache, dass wir eine Arbeitsteilung haben, kann ich Dein Argument nicht nachvollziehen. Natürlich arbeitet die Allgemeinheit nicht immer gern. Heute habe ich vielleicht keinen Bock, aber morgen bin ich motiviert. Ich schätze, dass immer noch die Mehrheit der Erwerbstätigen einer Arbeit nachgeht, mit der sie sich halbwegs identifizieren kann, die sie sich halbwegs ausgesucht hat und die auch halbwegs Spaß macht. Eben nur halbwegs, zugegeben, aber immerhin.
Wenn man nicht alleine am Feuer hockt, dann hackt eben der, der sich dafür meldet oder man lässt leidige Aufgaben wie Latrinen zuschütten und dergleichen eben rotieren. Es ist eben nicht so, dass man alleine ist. Ein Punkt, der viel zu oft übersehen wird.

mick schulz 22.10.2009 | 10:12

Na, ob das wirklich so einfach ist? Wenn die Ausschüttung an den Investor nach Steuerabzug nur noch 10% von dem betrüge, was eigentlich ausgeschüttet worden wäre, dann würde der Investor entweder ein Schlupfloch suchen oder woanders investieren, wo der Ertrag höher ist.

Das Vertrauen in den Staat stimmt mich auch bedenklich. Ich habe meine Zweifel, ob das zusätzliche Geld wirklich dazu verwendet würde, Arbeitsplätze im Öffentlichen Dienst zu schaffen.

Auch wenn diese Prognose so eintrifft, wäre die Gefahr nur vorübergehend gebannt. Auf diese Weise ließe sich die Situation vorübergehend mildern, es ist jedoch so, dass sich die Entwicklung hin zu mehr Produktivität, mehr "toter Arbeit" fortsetzen wird. Insofern würde man über kurz oder lang wieder da landen, wo wir jetzt sind.

mick schulz 22.10.2009 | 10:23

@alle, vor allem aber tiefdenker:

Ich vermisse ein bisschen die Umsetzbarkeit in einer globalen Perspektive. Bei aller Sorge, die einen übermannt, wenn man beispielsweise bei IKEA nachsieht, wo die einzelnen Sachen herkommen, ich für meinen Teil möchte auf die Globalisierung nicht verzichten.

Die Weltrevolution ist natürlich ein Begriff mit nach wie vor hohem Wallungswert, bei Lichte betrachtet aber Quatsch.
Diese Frage stellt sich mir also bei jedem Gesellschaftsentwurf: Kann man das machen, ohne sich aus der Weltgemeinschaft zu verabschieden? Muss man sich zur Umsetzung abschotten, oder kann man die (nach außen) offene Gesellschaft damit retten? Das ist für mich ein ernsthaftes Problem, sowohl bei den Gedanken an ein bedingungsloses Grundeinkommen, wie auch bei den von tiefdenker erwähnten Plänen zu einer Bezahlung in Freizeit. Frigga Haugs Ansatz hat allerdings den Vorzug, in einer globalisierten Welt problemlos umsetzbar zu sein.

Fritz Tiemann 22.10.2009 | 10:49

Hallo Spartaner und mick schulz,

der letzte Ausweg? Richtig, es gibt nur noch einen Ausweg! Die sozial gerechtere und ökologisch verantwortlichere Gestaltung ist in meinen Augen nur noch über einen Ausweg aus dem System möglich, wofür ich unter der Parole "Arbeit und Wohlstand fairteilen statt Wachstum" einen Vorschlag gemacht habe.

Die gegenwärtige Krise ist keine "normale" mehr, sondern es hat in meinen Augen eine Kette von finalen Krisen des Systems begonnen. Die hilflose Trickserei bei den Koalitionsverhandlungen belegt das auch deutlich.

Es gilt jetzt endlich eine neue Alternative zu entwickeln, mit ganz praktischen Schritten, die einen Ausweg aus dem System aufzeigen. Dabei beginnt alles mit einer gerechteren Verteilung der Erwerbsarbeitszeit, da hat Frigga Haug völlig Recht.

spartaner 22.10.2009 | 11:06

Hallo mick schulz,

danke für deinen Kommentar.
Natürlich ist die von mir angezeigte Lösung sehr einfach und abstrakt dargestellt und es ist klar, dass die oberen Zehntausend bei einer derart hohen Steuerbelastung (die natürlich auch gestaffelt wäre) nach allen Schlupflöchern suchen würden, die nur irgend möglich sind.
Bloß, da muss man sich mal deutlich fragen, wie kann es sein, das Europa wirtschaftlich „zusammenwächst“ (was ich vom Grundsatz her gut finde), ohne vorher die Rahmenbedingungen auf dem europäischen Arbeitsmarkt und auch Steuern anzugleichen?

Dieses ist in meinen Augen eines der größten Versagen auch unserer Politiker.

Und da kann man sich unter anderem die Frage stellen warum sie versagt haben. Weiter könnte man zu der Überlegung kommen, das die Politiker dies absichtlich nicht vorher geregelt haben, weil sie von den großen Konzernen bezahlt/geschmiert werden. Schlussendlich kann man es drehen wie man will, letztendlich muss ein Angleichen der Steuern und Arbeitsbedingungen mittlerweile sogar Global geschafft werden. Ansonsten zerbricht diese Welt daran.

Noch ein par Worte zum Vertrauen in den Staat. Wer ist der Staat? Das bist unter anderem du und ich. Wenn du kein Vertrauen zu dir hast, tut mir das leid. Natürlich ist mit korrupten Politikern „kein Staat zu machen“. Insofern gebe ich dir da Recht. Allerdings, was haben wir denn für eine Alternative? Wie echt ist diese Demokratie, wie stark wird sie missbraucht, bzw. uns nur vorgegaukelt. Ist es eine echte Demokratie, wenn bestimmte Kreise im Hintergrund echte Wahlalternativen auch in Deutschland verhindern. Oder wenn Politiker der einen Partei, die Politiker der anderen verunglimpfen? Ich glaube nicht.

Noch ein par Worte zur Globalisierung. Die Sachen (nicht nur) von IKEA kommen unter anderem aus den Entferntesten Winkeln unserer Welt und das nur aus einem einzigen Grund. Weil die Löhne extrem niedrig und menschenunwürdig sind, weil es kaum Arbeitsschutzbestimmungen gibt, weil es kaum Umweltstandards gibt, weil es auch Kinderarbeit gibt. Und da ist es den Unternehmen die hier die Linke verteufeln, scheißegal wenn dort eine kommunistische Partei regiert (Diktatur) die sie sofort enteignen könnte, wenn sie es wollte.

Auf diese Art Globalisierung kann ich aber deutlich verzichten!

MFG

Fritz Tiemann 22.10.2009 | 11:21

Die proletarische Weltrevolution im Sinne der Ersetzung einer Klassenherrschaft durch eine andere ist natürlich heute Quatsch. Das müssten wir inzwischen wissen. Diese Vorstellung hat im Verteilungskampf zwischen Kapital und Arbeit gute Dienste geleistet. Heute am nahenden Ende des Systems geht es um mehr: um die Durchsetzung einer neuen Produktionsweise, deren Währung "befreite, disponible Zeit" ist, auf Grundlage der enormen Produktivitätsentwicklung und die so beginnt, wie es Frigga Haug andenkt.

D. Mokrat 22.10.2009 | 14:01

Ich verstehe nicht so ganz, wie bei Massenarbeitslosigkeit die Verteilung der vorhandenen Arbeit auf alle potentiell abhängig Beschäftigten das (eigentliche) Problem gelöst werden kann.

Die Arbeitslosigkeit wird dadurch beseitigt - soweit schon klar - aber: ist der so erzielbare Lohn auch so hoch, dass gesellschaftspolitische Teilhabe möglich ist? Selbst wenn er so hoch wäre, dass es bisher für eine Person reichen würde - für zwei auf keinen Fall. Wie wird sichergestellt, dass für alle eine gesellschaftspolitische Teilhabe möglich ist?

Wie ich in meinem vorherigen Beitrag bereits schrieb: es wird also mehr Arbeit gebraucht. Wobei: im Grunde ist Arbeit mehr als genug vorhanden. Was fehlt ist die Bereitschaft, diese angemessen zu entlohnen. Das Mass ist dabei aber nicht die monetäre Profitablität der Arbeitsstelle, sondern die gesellschaftspolitische Teilhabe des Leistungsträgers (Arbeitnehmers).

spartaner 22.10.2009 | 18:43

Hallo D. Mokrat,

wie ich oben schon beschrieben habe, ist die Lösung doch relativ einfach!

Wenn die Gewinne mit prozentual steigenden Steuern abgeschöpft werden, lassen sich damit staatliche Investitionen finanzieren.
Nur so lässt sich die Schere zwischen Reichtum und Armut wieder schließen. Niemand kann so produktiv sein, dass er ein Vielfaches dessen verdient, was der Durchschnitt bekommt, wenn er in unserer Gesellschaft lebt.
Genauso wie die Gesellschaft festlegt, was das Existenzminimum in unserem Lande ist, muss auch das Maximum festgelegt sein. Alles was darüber kommt muss über Steuern abgeschöpft werden und der Allgemeinheit zugute kommen. Und so wie der Wohlstand steigt kann auch das Maximum entsprechend steigen. Es muss aber an gesellschaftlich festgelegte Eckpunkte gekoppelt sein.

D. Mokrat 22.10.2009 | 19:31

Hallo spartaner,

Eins vorweg: "Man sollte alles so einfach wie möglich machen - aber nicht einfacher." (Albert Einsteing)

Ausserdem: ich bin kein Freund von Tina (There Is No Alternative).

"Niemand kann so produktiv sein, dass er ein Vielfaches dessen verdient, was der Durchschnitt bekommt, wenn er in unserer Gesellschaft lebt."

Ob das stimmt? Ich weiss es nicht.

Aber selbst wenn es anders als von dir beschrieben wäre: warum sollte er so viel bekommen? Anders gefragt: was ist (noch) gerecht und wo fängt Habsucht (Betonung auf: Sucht - also Krankheit) an?

Ich habe nichts gegen hohe Löhne (oder besser: Gehälter wie es hier genannt wird). Nur: es sollte ein bestimmtes Verhältnis zwischen dem höchsten gezahlten Lohn (ich bleib mal bei dem Begriff) und dem niedrigsten geben.

Zum Thema:

"Alles was darüber kommt muss über Steuern abgeschöpft werden und der Allgemeinheit zugute kommen."

Das skandinavische Modell funktioniert doch richtig gut. Das sollte Vorbild für eine Lösung sein.

Ich denke, unsere Ansichten liegen nicht weit auseinander.

"Es muss aber an gesellschaftlich festgelegte Eckpunkte gekoppelt sein."

Ja. Aber: wer legt diese Eckpunkte fest? Gewählte Politiker und Abgeordnete die nur ihrem Gewissen verpflichtet sind? Wo das hinführen kann, haben wir z. B. mit der SPD seit 1998 gesehen.

Das eigentliche Thema hier sollte aber sein, ob die vorhandene Arbeit nur auf alle gerecht verteilt zu werden braucht, oder ob nicht viel mehr Arbeit budgetiert werden muss.