"Es gibt einen enormen Nachholbedarf"

Im Gespräch In dieser Woche hat die Tarifrunde für rund 700.000 Beschäftigte der Länder begonnen. Achim Meerkamp führt für die Gewerkschaft Verdi die Verhandlungen

FREITAG: Das erste Gespräch in der Tarifrunde für die Landesbeschäftigten ist Anfang der Woche ohne Annäherung zu Ende gegangen. Die Arbeitgeber sehen die Verhandlungen dennoch »auf einem guten Weg«. Sie auch?

ACHIM MEERKAMP: Wir sind auf einem Weg. Aber ob wir auch auf einem guten Weg sind, werden wir erst in der kommenden Woche sehen. Bisher haben beide Seiten nur ihre Positionen dargelegt.

Niedersachsens CDU-Finanzminister Hartmut Möllring will für die Länder erst ein Angebot vorlegen, wenn er Ihnen die Forderung nach acht Prozent ausgeredet hat.

Die Arbeitgeber können nicht erwarten, dass die Gewerkschaften sich erst von ihrer Forderung verabschieden, damit überhaupt verhandelt werden kann. Über Laufzeiten und Prozentpunkte wird im Laufe der Gespräche zu diskutieren sein. Vorher muss ein Angebot der Länder auf dem Tisch liegen.


Acht Prozent könne man in Zeiten der Krise nicht verlangen, wird Ihnen entgegengehalten. Ein Gesamtvolumen von 7,5 Milliarden Euro sei für die Länder unbezahlbar.

Man sollte sich von solchen Zahlen nicht allzu sehr beeindrucken lassen. Die 7,5 Milliarden Euro würden sich auf 14 Bundesländer verteilen, Hessen und Berlin sind ja aus der Tarifgemeinschaft ausgeschert. Den Ländern geht es wirtschaftlich gut. Dazu haben nicht zuletzt die Beschäftigten beigetragen. Nach zehn Jahren mit Reallohneinbußen haben diese allerdings einen enormen Nachholebedarf. Das ist im Übrigen auch im Interesse der Länder, denn es wird bei der schlechten Gehaltssituation immer schwieriger, überhaupt noch Personal zu finden oder zu halten. Und wenn die Beschäftigten mehr Geld in der Tasche haben, kommt das über eine steigende Binnennachfrage auch der Konjunktur zugute.

Für die Beschäftigten von Bund und Kommunen ist bereits im Frühjahr 2008 ein Abschluss erzielt worden – unter besseren konjunkturellen Bedingungen. Welche Folgen hat die Ungleichzeitigkeit der Tarifbewegungen im Öffentlichen Dienst?

Es gibt Wettbewerbsverzerrungen und eine Gerechtigkeitslücke. Zum Beispiel verdient ein beim Land angestellter Straßenwärter über 100 Euro weniger als sein städtischer Kollege. Dieses Prinzip »Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn« ist nicht hinnehmbar. Deshalb fordern wir für den neuen Tarifvertrag eine Laufzeit von zwölf Monaten, damit die Landesbeschäftigten ab 2010 wieder im Gleichschritt mit Bund und Kommunen verhandeln können.

Das Interview führte Tom Strohschneider

Achim Meerkamp,53 , ist seit 2001 stellvertretender Landesbezirksleiter und Landesfachbereichsleiter Ver- und Entsorgung im ver.di-Landesbezirk Rheinland-Pfalz

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09:15 21.01.2009

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