Rudolf Walther
23.04.2009 | 14:47 56

Was genau sagte Ahmadinedschad in Genf ?

Skandal Die mediale Erregung nach dem Auftritt des iranischen Präsidenten in Genf war groß. Doch offenkundig hat Ahmadinedschad gar nicht gesagt, was ihm vorgeworfen wird

Nach jedem Blitz kommt der Donner. Auch das heftige Blitzen im Vorfeld der Genfer Antirassismus-Konferenz („Durban II“) deutete daraufhin, dass der Donner kommen musste. Schon im März drohten westliche Staaten mit dem Boykott, um Maximalforderungen für das Schlussdokument abzuwehren. Um die Interessen und Empfindlichkeiten von 192 – im Prinzip gleichberechtigten – Mitgliedstaaten der UNO unter einen Hut zu bringen, wurde der Entwurf der Schlusserklärung von 60 Seiten auf 16 gekürzt. Alle heiklen Fragen (etwa Israels Regime in den besetzten Gebieten) wurden ausgeklammert. Es ist ein Zeichen des blanken Opportunismus, wenn es um israelische Politik geht, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier zwar einräumt, der bereinigten Abschlusserklärung hätte man zustimmen können, sich dann aber für den Boykott der Konferenz aussprach wie Israel, die USA und Kanada.

Pawlowsche Reflexe

Nach den propagandistischen Blitzen war der Theaterdonner von Genf zu erwarten. Dafür bürgen Lautsprecher wie der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad ebenso wie die Interessen der israelischen Regierung. Ersterer muss sich bald den Wählern stellen und braucht den Donner von außen, weil seine Leistungsbilanz im Innern schlecht aussieht. Die israelische Regierung ihrerseits verhindert seit Jahren, dass über ihr Besatzungsregime, das seit dem Mauerbau und den damit verbundenen Schikanen für die palästinensischen Bevölkerung immer mehr dem südafrikanischen Apartheid-Regime gleicht, diskutiert wird.

Außer den mächtigen, aber nicht sehr zahlreichen Verbündeten der israelischen Regierung ist der Lautsprecher Ahmadinedschad der zuverlässigste Partner beim Verhindern einer Debatte dieses Besatzungsregime. Je öfter und je lauter der den „Hassprediger“ gibt und über „Zionismus“, „Holocaust“ und „Juden“ schwadroniert, desto sicherer ist der Pawlowsche Reflex in unseren Medien über Antisemitismus und historische Tatsachen, über die man nicht verhandeln dürfe. Als ob es um „Israel“, „die“ Israelis oder gar „die“ Juden ginge! Es geht allein um die israelische Politik. Darauf, was Ahmadinedschad genau gesagt hat, kommt es in der Regel nicht mehr an. Es genügt, dass er regelmäßig laut redet und sämtliche Nachrichtenagenturen und Zeitungen sehen rot. Übereifrige predigen schon mal „das Recht“ Israels „auf präventive Selbstverteidigung“ (Micha Brumlik).

Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur hat diesen simplen Mechanismus der Instrumentalisierung von Ahmadinedschad-Reden im Detail aufgedeckt. Im März 2008 soll der iranische Präsident gesagt haben „Israel must be wiped off the map“ (Israel muss von der Landkarte weggewischt werden). Der rechtsradikale israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat den Satz im Vorfeld der Genfer Konferenz wörtlich wiederholt, um zu begründen, warum Israel den Botschafter aus Bern zurückruft: der Schweizer Bundespräsident Merz begrüßte Ahmadinedschad auf dem Flughafen wie jeden Staatsgast. Dass Netanjahu/Lieberman so rigide reagieren, deutet auch an, dass sie eine Verhandlungsoffensive Obamas fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

Das Problem jenes Satzes – er wurde erfunden. Die sprachkundige Wissenschaftlerin Katajun Amirpur hat genau hingesehen. Von „Landkarte“ und „wegwischen“ redete der iranische Präsident nirgends. Es geht nicht um die Rechtfertigung Ahmadinedschads, aber am 26. Oktober 2005 sagte er nach der Übersetzung von Amirpur wörtlich: „Dieses Besatzungsregime muss von den Seiten der Geschichte (wahlweise: Zeiten) verschwinden“ – ins Profane übersetzt: „Das Besatzungsregime muss Geschichte werden.“ Das ist natürlich keine skandalisierungsfähige Forderung, sondern ist gedeckt durch mehrere UN-Resolutionen, die Israel missachtet. Die korrupte Regierung Olmert und ihre Lautsprecher in den westlichen Medien übernahmen deshalb die falsche Übersetzung.

Den Holocaust nicht geleugnet

Und was genau sagte Ahmadinedschad jetzt in Genf? Das ist nicht leicht herauszufinden. Keine einzige große Zeitung druckte auch nur Auszüge der Rede. Aber alle Schlagwörter von der „Vernichtung“ Israels, dem „Antisemitismus“, der „Judenfeindschaft“ und der „Leugnung“ des Holocaust waren wieder hoch im Kurs, so als ob die Propaganda-Abteilung des israelischen Außenministeriums den Journalisten die Texte diktiert hätte. Der greise Elie Wiesel und der Skandalisierungsexperte Bernard-Henri Lévy verlasen in Genf vor laufenden Kameras ganz alte Textbausteine.

Nochmals: Was sagte Ahmadinedschad in Genf? Nach der angesehenen Neuen Zürcher Zeitung vom 21. April 2009 soll er gesagt haben: „Der Weltzionismus ist die Personifizierung von Rassismus“. Das lässt drei Schlüsse zu: Entweder der iranische Präsident ist intellektuell unzurechnungsfähig, denn der „Weltzionismus“ ist so wenig als Person denkbar wie der Rassismus. Oder die Übersetzung ist fehlerhaft und/oder von interessierter Seite lanciert worden. Sicher ist, dass Ahmadinedschad nicht den Holocaust leugnete, wie einzelne Medien kolportierten, sondern, so berichtete es die NZZ,  vom „Missbrauch des Holocausts“ warnte. Das ist gelegentlich nötig.

Der 83-jährige Nahost-Experte Arnold Hottinger, der 31 Jahre lang für verschiedene Medien aus dem Nahen Osten berichtete, sagte in einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger, Ahmadinejad habe „sich in Sachen Holocaust gemäßigt“ und fuhr fort: „Ahmadinejad ist eine umstrittene Figur, aber nicht der Teufel, zu dem er gestempelt wird. Er weist auf Punkte hin, die diskutiert werden müssen – etwa die Staatsgründung Israels. Was bedeutete das für die Bevölkerung, die zuvor dort gelebt hat. Und was für eine Politik betreibt Israel heute gegenüber den Palästinensern? Ist das nationalistisch? Oder gar rassistisch?“ Hottinger kann damit rechnen, dass ihn die Skandalisierungsexperten zum helvetischen Ahmadinejad erklären.

Kommentare (56)

Joachim Petrick 23.04.2009 | 18:02

Lieber Rudolf Walther,

mit Ihrem Beitrag geht es endlich aufgeweckt weiter in der Berichterstattung über das Faszinosum Iran als nur per „Du Israel/Palästina“ „Frohlocke!“, militarisiert, ohne Gefahr der Anklage vor dem Internationalem Strafgerichtshof in Den Haag?, und Pawlowsche Reflexe „Sie Iran“im dunklen Wahn und atomar uniformiertem Anzug?
Die Bundesregierung ist erklärtermaßen nicht nur mit ihrem Staatssekretär Gernot Erler im Aussenministerium für den Dialog mit lebenden wie toten Despoten, um den puren wie reinen global galoppierenden Anfängen von Desinformation auf diplomatischen Kanälen zu wehren, siehe www.abgeordnetenwatch.de , wo Staatssekretär Gernot Erler im Zusammenhang mit Despoten in unserer Welt am 30.01.09 u. a., argumentativ gut gerüstet, einem Frager geantwortet:
“... Deswegen setzt die Bundesregierung konsequent auf Dialog und Zusammenarbeit.....“
Da frage ich Sie und uns, allen voran Staatsekretär Gernot Erler:
“ Wo?, wenn nicht auf UNO- Konferenzen!?“
In diesem Sinne Dank!

tschüss
JP

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Ehemaliger Nutzer 23.04.2009 | 19:59

Sicher, man sollte genau hinsehen, was Ahmadinejad sagt und sollte nicht Dämonisieren. Das ist meiner Ansicht nach immer contraproduktiv. Aber dann sollte man auch wirklich genau hinsehen.
Sie schreiben "'Dieses Besatzungsregime muss von den Seiten der Geschichte (wahlweise: Zeiten) verschwinden' – ins Profane übersetzt: 'Das Besatzungsregime muss Geschichte werden.'"
Erstens sehe ich einen gravierenden Unterschied zwischen der Formulierung "muss von den Seiten der Geschichte verschwinden" und "muss Geschichte werden". Wenn etwas Geschichte wird, dann erinnert man sich noch daran. Wenn etwas von den Seiten der Geschichte verschwindet, dann tut man so, als hätte es das nie gegeben. Zweitens muss man "Besatzungsregime" in diesem Zusammenhang nicht unbedingt - so wie sie es scheinbar tun - auf den Besatzungsakt beziehen, sondern kann es vielmehr auch auf die Besatzungsmacht beziehen. Somit kann man den Satz eben auch deuten wie einen Aufruf zur Vernichtung des Staates Israel. Und ich glaube, dass Ahmadinejad sich dieser Wirkung vollkommen bewusst ist. Ich denke nicht, dass er unabsichtlich solch doppelt deutbare Vormulierungen wählt. Und ich glaube auch, dass die Leute, die diesen ausspruch (auch und vor allem in der Region selbst) ganz genau die Doppeldeutigkeit verstehen und zu deuten wissen.

Streifzug 24.04.2009 | 11:26

Danke für den Link.

Der Mann hat durchaus recht. Kein Wunder, dass einige Angesprochene die Wahrheit nicht ertragen können.

Leider wird in fast allen entscheidenden Ländern die Religion von den Regierungen massiv in das Tagesgeschehen gestellt. Der daraus resultierende religiöse Wahn z. B. in den USA, Deutschland, ach was weltweit, ist der Trick die einfachen Leute gegeneinander auszuspielen und in Front zu bringen. Grundsätzlich eint die einfachen Bürger in all den Ländern Vieles durch ihre Position als Betroffene.

Andererseits denke ich manchmal die Unterstützung anderer Religionen gegen die blutrünstigste und unmenschlichste Religion aller Zeiten, den Neoliberalismus, würde Sinn machen. Die neoliberalen Fundamentalisten und ihre Funktionäre richten einfach zu viel Schaden an.

Robert Zion 24.04.2009 | 12:09

Ich bin entsetzt über die Rede. In ihrer Konstruktion mit ihrer Unterwerfung unter den (religiösen) Gott, in ihrem Koordinatensystem vom Göttlichen und Teuflischen und in ihrem historischen Verständnis der Abfolge der monotheistischen Religionen mit ihren Propheten und dem Islam als letzte und höchste Stufe, ist sie - insbesondere bezogen auf ihr eigentliches Thema: Rassismus - schlicht Islamo-Faschistisch.

(Zitat:)
"Die eigentliche Ursache für Rassismus ist, dass die Wahrheit des Menschen als auserwähltes Geschöpf nicht erkannt wird und vom wahren Lebensweg des Menschen und von den seinen Aufgaben in der Schöpfung abgewichen wird. Weil die bewusste Anbetung Gottes und das Denken über den Sinn des Lebens und den Weg zur Vervollkommnung des Menschen, welche natürliches Resultat jener Treue zu den göttlichen und menschlichen Werten darstellt, in Vergessenheit gerieten, ist der Horizont des Menschen abgeflacht und das begrenzte flüchtige Interesse zum Maßstab für sein Handeln geworden. Auf diese Weise entstanden Machtkerne mit diabolischen Eigenschaften und diese haben durch Ausschaltung gerechter Chancen für den Fortschritt der anderen ihren Einflussbereich vergrößert. (...) Zweifelsohne ist der Rassismus als Zeichen für Unwissenheit und Ignoranz zu betrachten, die es schon immer in der Geschichte der Menschheit gegeben hat. Diese Ignoranz zeugt für Starrsinn und Blindheit gegenüber der allgemeinen Weiterentwicklung. Deshalb sind Spuren von Rassismus in einer Situation zu erwarten, wo ein Mangel an Wissen und Verständnis in der Gesellschaft weit verbreitet ist."

John Locke sagte einmal, dass Aufklärung vor allem dagegen kämpfen sollte, "dass jeder Ammenaberglaube den Charakter einer unumstößlichen Wahrheit annimmt, solange man ihn nur lange genug verkündet." Darum scheint mir der Adressat dieser Rede nicht die Weltgemeinschaft zu sein, sondern die Menschen in der islamischen Welt, denen mit der Sprache des Humanismus, der Aufklärung und der Moderne ("Fortschritt", "Weltfrieden", "Weiterentwicklung", "Wissen", "Verständnis") ständig und erneut die Unterwerfung unter den Ammenaberglaube beigebracht werden soll.

Dieses Geschwätz der Macht, das die absolute Unterwerfung unter Gott fordert (und das Beauftragt- und Selbst-Eingesetzt-Sein von Gott meint) ist zutiefst mittelalterlich. Er benutzt hier die Weltbühne, um innerhalb der islamischen Welt in der Ausdeutung der Globalisierungsprozesse und ihrer Probleme die Hegemonie für die reaktionärste Form des Islam zu gewinnen (für das vorgeblich "widerständige" Mullah-Regime und den Iran).

Eine Rede für die islamische Straße, für die "Unwissenden", die auch so gehalten werden sollen, denen die Unterwerfung unter die Macht der Prediger als "Befreiung" von Amerika, dem Kapital, Israel oder was auch immer verkauft wird.

Es ist eine Rede über und für den Gehorsam.

shewek 24.04.2009 | 12:28

Freitags Analysen: "Ahmadinedschad immer vernünftiger"

Wenn Ahmadinedschad so weiter macht, kann er bald den ersten Kommentar zum "zionistischen Apartheids-Gebilde" im Freitag veröffentlichen. Direkt neben Avnery. Danke, liebe kritische Redaktion. Ich freue mich schon auf die Erklärung der Welt durch die Brille des durchgeknallten Killerstaates Khomeinistan. In einer linken Zeitung. Klasse.

shewek 24.04.2009 | 12:33

Freitags Analysen: "Ahmadinedschad immer vernünftiger"

Wenn Ahmadinedschad so weiter macht, kann er bald den ersten Kommentar zum "zionistischen Apartheids-Gebilde" im Freitag veröffentlichen. Direkt neben Avnery. Danke, liebe kritische Redaktion. Ich freue mich schon auf die Erklärung der Welt durch die Brille des durchgeknallten Killerstaates Khomeinistan. In einer linken Zeitung. Klasse.

Wie wärs denn mit einer ganzen Reihe? "Islam und die Linken - Gemeinsame Gegner, gemeinsame Zukunft"

Shewek, links, aber pro-Israel.

Streifzug 24.04.2009 | 13:15

Ist es nur peinlich oder schon erschreckend? Jetzt benutzen schon Grünen-Politiker beleidigende und falsche politische Schlagworte aus der ganz rechten Ecke.

Am besten lassen wir einen israelischen Historiker selber zu Wort kommen.

Zitat:
Der israelische Historiker Moshe Zuckermann kritisiert den Begriff wie folgt: Der Islamofaschismus "ist ein hanebüchener Ausdruck. Der islamistische Fundamentalismus hat mit Faschismus, betrachtet man die Analysen des Faschismus, die in den 60er Jahren geleistet wurden, gar nichts zu tun. Wenn wir unter Faschismus verstehen, was sich in einer bestimmten Epoche in Italien, Ungarn, Spanien, später dann als Nationalsozialismus in Deutschland in einer radikalisierten Sonderform formierte, so stellt dies etwas ganz anderes dar als die Bewegungen des radikalisierten Islam. Der Islam ist von ganz anderen Momenten angetrieben und hat ganz andere Zielsetzungen. Das hat nichts miteinander zu tun. Man muss schon den Begriff des Faschismus inhaltlich entleeren, um oberflächliche Ähnlichkeiten ausmachen zu können."
Quelle: Wikipedia, Islamfaschismus

Nun zu Macht, Unterwerfung und Gehorsam. An dem Angriff ist wie immer deutlich die Schwäche des Angreifers zu sehen. Macht, Unterwerfung und Gehorsam sind die treffenden Begriffe um den Verrat ehemaliger grüner Werte erklären zu können. Genau darum unterstützten sie einen völkerrechtswidrigen Krieg, die mit Lügen begründet wurde (Jugoslawien), bauen Kohlekraftwerke und unterstützen Westerwelle, um nur ein paar dieser gehorsamen Unterwerfungsrituale gegenüber den Machtverhältnissen zu skizzieren.

Macht nur weiter so.

ebsw 24.04.2009 | 14:58

Der Eklat ist für mich zuerst das Schweigen der Medien zum Inhalt der Rede. Zeitungen, wie die Badische sind leider eine Ausnahme. Danke für den Link. Wer so Medienpolitik macht, wie die Mainstreammedien, der praktiziert nicht die Maxime der Aufklärung. Das weckt bei selbständig zu denken Gewohnten natürlich Argwohn. Wenn dank Einzelner, gewissermaßen um 100 Ecken, der volle Wortlaut der Rede nun doch noch analysiert werden kann, entbindet das erst recht nicht von einer Relativierung der Aussagen Ahmadinedschads.
Richtig ist, dass Rassismus letztendlich aus Gruppenegoismus als Instrument aufgebaut wurde, um den "Urnenpöbel" zu Duldungs- und Täterreflexen zu animieren.
Richtig ist, dass die selbsternannten Hüter der "internationalen Demokratie" keinerlei demokratische Legitimation haben.
Richtig ist, dass diese selbsternannten Hüter die ersten sind, die ihre eigenen Demokratieregeln
mit Füßen treten.
Deswegen aber ist Ahmadinedschad noch lange kein Freiheitskämpfer oder gar für Demokratie. Letztendlich kann man seine Kritik der Herrschaftsverhältnisse auch bei linken Histotikern nachlesen - nichts neues also.
Allerdings hat sich A. aufgeblasen als ein der Religion ergebener Mensch. Und hier wird seine Demagogie deutlich. Sind doch gerade die abrahamitischen Religionen allesamt ein sehr früher Beleg für Rassismus unter den Völkern. Wer hier blind ist, kann es nicht ernst meinen mit der Freiheit des Menschen.

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rahab 24.04.2009 | 15:13

hm. eine rede für die "islamische straße"? - mir ging beim lesen so durch den kopf, dass der papst solches auch sagen würde, nur in ein wenig anderen worten; beispiel: der päpstliche vernunftbegriff in der regensburger rede. auch der EKD-vorsitzende könnte die rede unterschreiben, wäre sie nur auf einen anderen nationalstaat bezogen oder ginge es beispielsweise "nur" um das recht von frauen, letzt-entscheidende bei einem schwangerschaftsabbruch zu sein.
und was der gute John Locke alles aus der kiste des "Ammenaberglaubens" herausgekramt hätte, um gegen eine frauenbewegung anzuargumentieren, das mag ich mir lieber garnicht vorstellen. jedenfalls dann nicht, wenn ich mir noch mal angucke, wie er in > über die "Authority of the Scripture" schreibt. Muslime und Juden sind für ihn an diesem punkt als andere religion insoweit außen vor, als ihnen die gleichen bürgerlichen rechte zustehen wie anderen auch. aber innerchristlich sieht es da schon etwas anders aus - und in dem moment, in dem das Jude- oder Muslim-sein über die reine religionsausübung hinausgeht, ebenfalls. vernunft hin, toleranz her.
dies einerseits.
andererseits: wenn ich dem papst und dem ekd-vorsitzenden und dem dalai lama zubillige, von ihrem verständnis ausgehend die welt inklusive der globalisierungsprozesse auszudeuten, dann muß ich dies auch anderen zubilligen. ich kann und darf sie dafür kritisieren - was bedeutet, anzugeben, von wo aus ich dies tue. aber sie mal eben verbal ins mittelalter versetzen - na ja, das fällt aus meiner sicht nicht unter positionsbestimmung der kritik.

Columbus 24.04.2009 | 16:38

Sehr geehrter Herr Walther,

Wie immer, Sie bleiben ruhig und sachlich, das ehrt Sie und zeichnet Ihre Beiträge aus, in einer
medialen Welt die zunehmend der Reflexhaftigkeit verfällt und damit vielleicht selbst einer der Hauptmotoren der Übung ist, jede sachliche Lösung z.B. des Israel-Palästina Konfliktes unmöglich zu machen.

Bei der badischen Zeitung kann man den Text der Rede des Präsidenten des Iran vollständig nachlesen. So, wie er von den Iranern selbst übersetzt wurde. Abgesehen von etwaigen Glättungen und Entschärfungen, die natürlich im Interesse der iranischen Diplomatie liegen, Herr Ahmadinedschad ist kein Diplomat und auch kein weltbewegender rhetorisch begabter Redner, belegt diese Quelle sehr gut, was Sie meinen ( www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/ahmadinedschads-rede-im-wortlaut ).

Aber drei wesentliche Punkte in der Rede, die bei einer Einschätzung mit berücksichtigt werden müssen, sprechen auch dagegen. Der iranische Präsident konstruiert durchaus so etwas wie eine
"zionistische Weltverschwörung" hinter dem Wirken der westlichen Mächte in der islamischen Welt stehen soll.

Die zweite bedenkliche und unakzeptable Einschätzung. Israels Vorgehen in den besetzten Gebieten, dass sie besetzt sind und völkerrechtlich eigentlich nur durch die Palästinenser in einem eigenen Staat, verwaltet und regiert werden dürften, ist mittlerweile eine Binsenwahrheit der Welttdiplomatie, sogar in Washington, erklärt sich Ahamadinedschad als Ausdruck von "Rassismus".

"Der UN-Sicherheitsrat hat diese usurpatorische Regierung gebilligt und sie 60 Jahre lang verteidigt. Sie haben den Besatzern freie Hand für jede Art von Verbrechen gelassen. Noch schlimmer ist, dass einige westliche Regierungen und die USA sich verpflichtet fühlen, die Generationsausrottung betreibenden Rassisten zu verteidigen und diese Verbrecher zu unterstützen,..."
Das ist natürlich sowohl nach den Fakten, als auch nach den Spielregeln der politischen Rede nicht nur eine Unwahrheit, sondern Unsinn und eine Provokation erster Ordnung, vor allem bei einer UN-Menschenrechtskonferenz.

Drittens, bei allen freundschaftlichen Gesten und Hinweisen, auch der Iran strebe, mit seinem Präsidenten, Friede und Völkerverständigung, Kampf gegen Rassismus und die Einhaltung der Menschenrechte an, kann doch kein Mensch an der Tatsache vorbei sehen, dass der Iran in vielen Fällen gegen die Deklarationen der UN und gegen das Menschenrecht verstößt. Kein Wort dazu vom gewählten Präsidenten der Republik Iran. - Daran ändert sich natürlich auch nichts, wenn man andererseits die vielen Menschenrechtsverletzungen der letzten amerikanischen Regierung und die fortgesetzte gegen das Völkerrecht verstoßende Besatzung in den Palästinensergebieten dagegen hielte. Aber weder in der Motivation, noch in den Handlungen hat das etwas mit "Rassismus" oder gar Genozid zu tun.

Grüße
Christoph Leusch

Columbus 24.04.2009 | 16:41

Sehr geehrter Herr Walther,

Wie immer, Sie bleiben ruhig und sachlich. Das ehrt Sie und zeichnet Ihre Beiträge aus, in einer
medialen Welt die zunehmend der Reflexhaftigkeit verfällt und damit vielleicht selbst einer der Hauptmotoren der Übung ist, jede sachliche Lösung, z.B. des Israel-Palästina Konfliktes, unmöglich zu machen.

Bei der badischen Zeitung kann man den Text der Rede des Präsidenten des Iran vollständig nachlesen. So, wie er von den Iranern selbst übersetzt wurde. Abgesehen von etwaigen Glättungen und Entschärfungen, die natürlich im Interesse der iranischen Diplomatie liegen, Herr Ahmadinedschad ist kein Diplomat und auch kein weltbewegender rhetorisch begabter Redner, belegt diese Quelle sehr gut, was Sie meinen ( www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/ahmadinedschads-rede-im-wortlaut ).

Aber drei wesentliche Punkte in der Rede, die bei einer Einschätzung mit berücksichtigt werden müssen, sprechen auch dagegen. Der iranische Präsident konstruiert durchaus so etwas wie eine
"zionistische Weltverschwörung" hinter dem Wirken der westlichen Mächte in der islamischen Welt stehen soll.

Die zweite bedenkliche und unakzeptable Einschätzung. Israels Vorgehen in den besetzten Gebieten, dass sie besetzt sind und völkerrechtlich eigentlich nur durch die Palästinenser in einem eigenen Staat, verwaltet und regiert werden dürften, ist mittlerweile eine Binsenwahrheit der Welttdiplomatie, sogar in Washington, erklärt sich Ahamadinedschad als Ausdruck von "Rassismus".

"Der UN-Sicherheitsrat hat diese usurpatorische Regierung gebilligt und sie 60 Jahre lang verteidigt. Sie haben den Besatzern freie Hand für jede Art von Verbrechen gelassen. Noch schlimmer ist, dass einige westliche Regierungen und die USA sich verpflichtet fühlen, die Generationsausrottung betreibenden Rassisten zu verteidigen und diese Verbrecher zu unterstützen,..."
Das ist natürlich sowohl nach den Fakten, als auch nach den Spielregeln der politischen Rede nicht nur eine Unwahrheit, sondern Unsinn und eine Provokation erster Ordnung, vor allem bei einer UN-Menschenrechtskonferenz.

Drittens, bei allen freundschaftlichen Gesten und Hinweisen, auch der Iran strebe, mit seinem Präsidenten, Friede und Völkerverständigung, Kampf gegen Rassismus und die Einhaltung der Menschenrechte an, kann doch kein Mensch an der Tatsache vorbei sehen, dass der Iran in vielen Fällen gegen die Deklarationen der UN und gegen das Menschenrecht verstößt. Kein Wort dazu vom gewählten Präsidenten der Republik Iran. - Daran ändert sich natürlich auch nichts, wenn man andererseits die vielen Menschenrechtsverletzungen der letzten amerikanischen Regierung und die fortgesetzte gegen das Völkerrecht verstoßende Besatzung in den Palästinensergebieten dagegen hielte. Aber weder in der Motivation, noch in den Handlungen hat das etwas mit "Rassismus" oder gar Genozid zu tun.

Grüße
Christoph Leusch

oca 24.04.2009 | 21:06

"In Wahrheit haben sie [einige mächtige Staaten, oca] unter dem Vorwand des Ausgleiches rassistischen Unheils in Europa an einem anderen Ort, nämlich in Palästina, die brutalsten Rassisten an die Macht gebracht." - Ahmadinedschad in Genf.

Die Überlebenden des Holocaust sind also die "brutalsten Rassisten", die man laut Rudolf Walter auch mit Ahmadinedschad gerne mal daran erinnern darf, den Holocaust nicht zu missbrauchen.

Bleibt eigentlich nur eine logische Schlussfolgerung: Schade, dass ausgerechnet die "brutalsten Rassisten" den Holocaust überlebt haben.

Wirklich bewundernwert, wie gemäßigt der Ahmadinedschad sich inzwischen ausdrückt! Da kann man ja beim besten Willen keinen Antisemitismus oder Vernichtungswillen mehr erkennen, nicht wahr?

Na ja, aber wenn man einmal verstanden hat, das Gaza das wahre Warschauer Ghetto ist und die israelische Regierung das neue Appartheitsregime (oder Schlimmeres), dann kann man Ahmadinedschad wirklich nur zustimmen, oder?

Wirklich ein toller Text im Freitag, und auch "irgendwie links". Hitler war ja auch "irgendwie links", gegen das jüdische Finanzkapital und so. Ahmadinedschad ist auch "irgendwie links", so für Menschenrechte in Palästina und gegen Rassismus und so. So, jetzt muss ich aber erst mal kotzen gehen.

Streifzug 24.04.2009 | 21:31

Es ist wahrscheinlich noch paradoxer. Zugereiste unterdrücken die ursprünglichen Juden, also die Palästinenser.

Zitat:
Israelischer Bestseller bricht nationales Tabu
Die Idee eines jüdischen Volkes ist erfunden, sagt der Historiker
von Jonathan Cook
...
Keiner ist mehr überrascht als Shlomo Sand, dass seine letzte akademische Arbeit seit 19 Wochen auf Israels Bestsellerliste steht – und dass der Professor für Geschichte solch einen Erfolg hat, obwohl sein Buch Israels größtes Tabu bricht.

Dr. Sand behauptete, dass die Idee einer jüdischen Nation --die dringend einen sicheren Hafen benötigte, ursprünglich dazu verwendet wurde, um die Gründung des Staates Israel zu rechtfertigen – ein Mythos ist, der erst seit gut 100 Jahren besteht. Dr. Sand, ein Experte der europäischen Geschichte an der Tel Aviver Universität, machte gründliche historische und archäologische Untersuchungen, um nicht nur seine Behauptung zu bestätigen, sondern noch einige mehr – die alle gleich kontrovers sind. Außerdem behauptet er, dass die Juden niemals aus dem Heiligen Land vertrieben worden waren, dass die meisten der heutigen Juden gar keine historischen Verbindungen zum Land, das Israel genannt wird, haben, und dass die einzige politische Lösung für den Konflikt des Landes mit den Palästinensern der wäre, den jüdischen Staat abzuschaffen.
...
Es wird nicht in israelischen Schulen gelehrt, aber die meisten frühen zionistischen Führer, einschließlich David Ben Gurion glaubten, dass die Palästinenser die Nachkommen der ursprünglichen Juden des Gebietes waren. Sie glaubten, dass die Juden später zum Islam konvertierten.

Quelle: znet,
zmag.de/artikel/israelischer-bestseller-bricht-nationales-tabu

micha74 24.04.2009 | 22:27

Wat is?? Haben Sie den Artikel gelesen, oder gleich bei der Überschrift ihrem Kommentar verfasst, der hat nämlich irgendwie nichts mit dem Text zu tun, oder wir haben unterschiedliche Texte gelesen. Von wegen Warschauer Ghetto und so. Das ist völlig unsachlich. Dies dem Auto auch noch zu unterstellen ungeheuerlich. Das Problem ist doch, dass der Westen geradezu auf die Äußerungen wartet (und diese offenbar wenn nötig einfach erfindet) um dann Themenbereiche zu tabuisieren, mit denen man sich nicht beschäftigen möchte. Dazu gehört eben auch eine klare Stellungnahme zur israelischen Besatzungspolitik und zur Kriegsverbrechen israelische Soldaten. Zu beiden Punkten hat die israelische Friedensbewegung schon ziemlich klar Stellung bezogen.

oca 24.04.2009 | 23:34

Rudolf Walther schreibt:

"Und was genau sagte Ahmadinedschad jetzt in Genf? Das ist nicht leicht herauszufinden. Keine einzige große Zeitung druckte auch nur Auszüge der Rede. Aber alle Schlagwörter von der „Vernichtung“ Israels, dem „Antisemitismus“, der „Judenfeindschaft“ und der „Leugnung“ des Holocaust waren wieder hoch im Kurs, so als ob die Propaganda-Abteilung des israelischen Außenministeriums den Journalisten die Texte diktiert hätte."

Herr Walther erkennt in A.'s Rede also keinen "Antisemitismus" und keine "Judenfeindschaft", sondern lediglich eine Erinnerung daran, dass der Holocaust (von der israelischen Regierung) nicht missbraucht werden solle, die er für nötig hält.

Ein Antisemit ist also nur der, der jedes Jahr von neuem brüllt "die Juden müssen vernichtet werden". Wer das gleiche etwas (aber auch wirklich nur etwas) milder formuliert, wie A., dem darf man natürlich keinen Antisemitismus "unterstellen".

Und wer wie Rudolf Walther in A.'s Rede keinen Antisemitismus erkennen kann (und daher das "Schlagwort" vom Antisemitismus als als-ob-israelische-Propaganda verurteilt), dem fällt der Antisemitismus wohl nur deshalb nicht mehr auf, weil er sich selbst fälschlicherweise für keinen Antisemiten hält.

Zum Schluss nochmal das Zitat aus A.'s Rede in Genf: "In Wahrheit haben sie [einige mächtige Staaten, oca] unter dem Vorwand des Ausgleiches rassistischen Unheils in Europa an einem anderen Ort, nämlich in Palästina, die brutalsten Rassisten an die Macht gebracht."

Da kann Herr Walther keinen Antisemitismus erkennen? Na dann prost!

oca 24.04.2009 | 23:42

"Dies dem Auto auch noch zu unterstellen ungeheuerlich."

"auch noch" -- ja, stimmt eigentlich, das braucht man wirklich nicht mehr zu tun. Der Text von Walther ist so eindeutig als Reinwaschung des Antisemiten Ahmadinedschad gedacht, dass das nicht "auch noch" nötig ist.

Und: Israel kritisieren, Kriegsverbrechen beim Namen nennen -- bitte, nur zu. Aber muss man dazu erst mal beweisen, was für ein "gemäßigter Israelkritiker" Ahmadinedschad ist?

micha74 25.04.2009 | 00:38

Aber nicht doch! Mal langsam. Herr Walther ist also ein Antisemit? Das ist so die Linie von Konkret: Wer nicht bereit ist, schwarz –weiß zu argumentieren, wer nicht 100 % für uns ist, der ist dann eben gegen uns, ist Antisemit. Das ist Blödsinn und eine ziemlich miese Unterstellung dazu. Folgende Frage: Kann es sein, dass es in Israel Politiker gibt, oder politische Gruppen, die die Geschichte des jüdischen Volkes instrumentalisieren? Ja oder Nein? Wem allein schon diese Frage als Beweis für antisemitische Überzeugung herhält , sollte mal sein Holzhämmerchen zur Seite legen und zur Kenntnis nehmen, dass diese Fragen in der israelischen Gesellschaft selbst höchst kontrovers diskutiert werden. Mit Antisemitismus hat dies nichts zu tun. Sondern allein mit der Frage, ob ich auch unliebsame Vorstellungen in meinem Weltbild zulasse oder nicht. Es mag unappetitlich sein, dass es vielleicht (ich betone vielleicht) Israelis gibt, die mit der Geschichte der Schoa Außenpolitik betreiben, aber wenn es so wäre, muss man es zur Kenntnis nehmen und auch benennen dürfen.

Darauf hinzuweisen, dass Ahmadinedschads Ausfälle manchem (auch israelischen) Politiker ganz gut in den Kramm passen, ist eben kein Antisemitismus sondern eine mögliche Erklärung, die auf Beobachtung und Analyse beruht. Festzustellen, dass Ahmadinedschads Sprache tatsächlich weniger antisemitisch ist, als dies immer wieder dargestellt wird, heißt nicht zu sagen, er sei kein Antisemit. (und schon gar nicht, dass seine Argumente überzeugend wären.) Es geht auch gar nicht darum, ob oder wie sehr der iranische Präsident Antisemit ist, sondern ob hier ein Vorgang instrumentalisiert wird um notwendige Gespräche (also die UN Konferenz) einfach zu blockieren.

oca 25.04.2009 | 01:27

"Kann es sein, dass es in Israel Politiker gibt, oder politische Gruppen, die die Geschichte des jüdischen Volkes instrumentalisieren? Ja oder Nein?" - Ja, natürlich kann das sein. Und wie gesagt, nur zu mit der Kritik an Israels Politik. Und: wenn man Ahmadinedschad zitieren will, dann sollte man das auch richtig tun. So weit, so gut.

Aber: wie kann man die Rede A.'s lesen und ernsthaft behaupten, das "Schlagwort" Antisemitismus klinge in dem Zusammenhang wie israelische Propaganda? Die Rede ist in jedem Satz ein Ausdruck des religiösen Fundamentalismus, der um das Feindbild Israel kreist. Es ist ihr deutlich anzumerken, wie sehr sich A. zusammenreißen muss, um nicht offen und direkt die Vernichtung Israels zu fordern. Er benutzt für selbige Forderung möglichst eindeutig-zweideutige Formulierungen. Und dann behauptet jemand wie Herr Walther, das "Schlagwort" Antisemitismus erinnere ihn an israelische Propaganda!

Herr Walther ist entweder unglaublich naiv oder ein Antisemit, oder beides.

mhardt1789 25.04.2009 | 03:51

Es steht außer Zweifel, dass Ahmadinedschad Israel am liebsten von der Landkarte gewischt sehen würde. Gleichzeitig ist es genauso richtig, dass seine Rhetorik in der arabischen Welt, also der unmittelbaren Nachbarschaft, das ist meine Erfahrung, keineswegs 1 zu 1 rezipiert wird. Hier brüllt einer überdeutlich, der vom "Westen" nichts zu erwarten, sprich, nichts zu verlieren hat. So fühlen sich dort viele - und das mit einigem Recht. Es geht um ein Lebensgefühl, das viel tiefer verankert ist, als das es von einem Politauftritt generiert werden könnte.

Die Einsätze doppelter Standarts des "Westens", wenn es um Israel geht, sind in den Augen vieler Menschen in diesem Teil der Welt Legion - eine unfassbare Realität, die in ihrer Monströsität schon mythische Züge hat. Diesem Affen gibt der "Westen" Zucker und weiß doch, wie fast ALLE am Spiel Beteiligten - vom Entscheider bis zum Rasierklingenhändler - , dass die Perspektive für eine friedliche Zukunft des Nahen Ostens so nicht zu finden ist. Das ist die Tragödie, die wir schon seit 60 oder mehr Jahren kennen. Rudolf Walther hat tapfererweise nichts neues gesagt.

dialectica49 25.04.2009 | 05:32

Was genau sagte Ahmadinedschad in Genf ? (wirklich). Informativ und gut geschrieben, weil es a u c h zeigt, wie die Medien weltweit, nicht nur in Deutschland, mit einem ausgemachten Feind umgehen und die öffentliche Meinung manipulieren.

Sehr viel interessanter, und die Kommentatoren dokumentieren dies in in nahezu grotesker Weise, ist die Frage: Darf man in Deutschland Israel kritisieren? Nein, und nochmals nein. Wer dies tut, den umweht augenblicklich die Aura des Antisemetismus. Der wird medial mit allen Mitteln niedergemacht - gerade so, als hätte er, was er selbstverständlich gar nicht getan hat, den Holocaust geleugnet.

Das ist so, weil die Deutschen das Kainsmal des Holocaust für ewig und immer tragen. Und weil der Zentralrat der Juden in Deutschland die absolute Deutungshoheit darüber hat, was gut und schlecht bezogen auf Israel ist. Das ist seit Heinz Galinski so.

Trotz alledem bleibt doch: Seit mehr als fünfzig Jahren lebt dieses Volk in grösstenteils selbstverschuldeter Feindschaft mit seinen Nachbarn, führt Kriege, mißachtet UN-Resolutionen und verhindert bis heute erfolgreich einen Palästinenserstaaat.

Das gerade ein Israel mit dieser Vergangenheit derart schmerzresistent gegenüber dem Volk von Palästina ist, verwundert denn doch etwas. Man kann es nicht nachvollziehen.

Wer glaubt, nur von Feinden umgeben zu sein, ist es eines Tages auch.

Feilong 25.04.2009 | 13:01

Schöner Artikel, denn es war lächerlich wie die Medien reagierten auf Ahmadinedschad.
Noch lächerlicher waren die Proteste der Hekmatist (eine Kommunistische Partei des Irans) ihn als Hitler zu bezeichnen. Nun Klartext Ahmadinedschad ist ein Mörder und ein schlechter Mensch damit komm ich zurecht und das er den Holocaust leugnet ist auch unter der Gürtellinie, aber was er in Genf gesagt hat war doch nichts falsches? Also ich habs mir ja Original auf Persisch angehört und er sprach nur vom Israelischen Staat und ihre Schandtaten in Gaza und zudem Punkt das Israel den Holocaust als Grund nimmt ganze Völker, Nein sogar eine Region zu unterdrücken ist doch auch richtig oder seh ich es falsch?
Noch zu erwähnen das Ahmadinedschad immer! vom Zionismus redet nie von den Juden und war da nicht mal ein Beschluss gewesen das man sehrwohl zwischen Zionisten und Juden unterscheiden darf?
Ich versteh den Aufschrei nicht, stattdessen hätte man ihn wegen der Verfolgung von Andersdenken oder Bahais am Pranger stellen können, aber nein man muss ihn ja auf polemischer Art angreifen ohne fundierten Hintergrund das nenn ich Investigativen Journalismus!!!

rubo 25.04.2009 | 20:24

Ich finde den Beitrag von Rudolf Walther voll zutreffend, nur die Überschrift verwunderte mich, denn Ahmedin. Rede stand im Wortlaut sofort auf Deutsch beim Deutschen Programm von IRIB
im Netz. Auch andere versuchten überflüssige Übersetzungen aus anderen Sprachen.
Mich erinnert das ganze Theater an Erlebnisse in meiner Kindheit: Ab 1944 - ich war 9 Jahre alt -
hörte meine Mutter immer leise Radio London und belehrte mich dabei mit den Worten: "Erzähle das niemanden, sonst kommen wir ins KZ". Vielleicht steht uns ähnliches - wenns nach dem Zentralrat geht - künftig bevor, dazu leistet herr Schäuble schon Vorarbeit mit Internet-Kontrolle.

rubo 25.04.2009 | 21:20

Ich finde den Beitrag von Rudolf Walther voll zutreffend, nur die Überschrift verwunderte mich, denn Ahmedin. Rede stand im Wortlaut sofort auf Deutsch beim Deutschen Programm von IRIB
im Netz. Auch andere versuchten überflüssige Übersetzungen aus anderen Sprachen.
Mich erinnert das ganze Theater an Erlebnisse in meiner Kindheit: Ab 1944 - ich war 9 Jahre alt -
hörte meine Mutter immer leise Radio London und belehrte mich dabei mit den Worten: "Erzähle das niemanden, sonst kommen wir ins KZ". Vielleicht steht uns ähnliches - wenns nach dem Zentralrat geht - künftig bevor, dazu leistet herr Schäuble schon Vorarbeit mit Internet-Kontrolle.

manstruator 26.04.2009 | 17:56

Ich profitiere davon, daß es Autoren gibt, die entweder gut zuhören oder wenigstens diejenigen kennen, welche gut zugehört haben. dies half mir bereits in der Bewertung des Jugoslawienkrieges wie auch zu den Umständen, wie der letzte IRAK-Krieg angezettelt wurde. die Bilder, die sich gleichen, erkenne ich gern wieder und bin gespannt auf die zukünftige Haltung der neuen US-Regierung in diesem Fragenkomplex.

Pic 27.04.2009 | 02:16

Oca schrieb: "Wirklich bewundernswerte historische Kenntnisse, "dialectica49". "

Hier muss ich dialectica49 einmal beiseite springen. Der Gründung Israels gingen ja nicht nur ein paar Stunden voraus, sondern bereits etwa 100 Jahre mehr. Zudem wurde der Staat Israel bereits mit terroristischen Anschlägen (zionistischer Seite) gegründet. Hierzu erkundige man sich einfach mal nach der Irgun Tzwai Le’umi und Hagana.
Viel Spaß mit der Geschichte wünscht
Pic.

Pic 27.04.2009 | 02:48

oca schrieb am 24.04.2009 um 23:27 "Herr Walther ist entweder unglaublich naiv oder ein Antisemit, oder beides."

Folgende Punkte sind interessant:
a) Sind die Anhänger der jüdischen Religion Anhänger einer einmaligen Rasse die weder in Europa noch im Nahen Osten zu finden ist?
Wenn man das so sieht (wie es im dritten Reich getan wurde und wie es heute immer wieder vorkommt), dann ist eine rassistische Einstellung gegenüber den Anhängern dieser Religion quasi gleichbedeutend mit "Antisemitismus".

b) Ist das "Volk Palästinas" einer anderen Rasse zugehörig als das (sich selbst so bezeichnende, jüdische) "Volk Israels"? Wenn man das so sieht ODER diese Meinung der israelischen Regierung unterstellt, kann man dem politischen Vorgehen dieser Regierung gegenüber den Palästinensern "Rassismus" vorwerfen.

Somit müsste Ahmadineschad also selbst Rassist (bezüglich der "Völker" Palästinas und Israels) sein, damit man ihm ALLEIN AUS DIESEN POSITIONEN einen Antisemitismus vorwerfen könnte.

Mir persönlich ist aber gerade das noch nicht gezeigt oder widerlegt worden.
Auch nicht mit dem von Ihnen, oca, mehrfach zitierten Satz (bsp: 24.04.2009 um 21:34): "In Wahrheit haben sie [einige mächtige Staaten, oca] unter dem Vorwand des Ausgleiches rassistischen Unheils in Europa an einem anderen Ort, nämlich in Palästina, die brutalsten Rassisten an die Macht gebracht."
Ich kenne nicht mehr Texte und versuche gerade, möglichst neutral zu verbleiben. Eines lässt sich aber nach meiner obigen Argumentation sagen. Die so zitierte Aussage ALLEIN ist nicht antisemitisch. Vielmehr ist es der Vorwurf des Rassismus gegenüber Israel und den Siegermächten des 2. Weltkrieges.

Und Herr Walther ist nicht gleich Antisemit, wenn er offenlegt und diskutiert, wie in westlichen Medien mit einem Israelkritiker (wie er auch immer kritisiert) umgegangen wird. Denn auch wenn Ahmadineshad Antisemit wäre: Man sollte ihm keine falschen Worte in den Mund legen und dann zitieren. Die Wahrheit zählt einzig und allein.

Viele Grüße,
Pic.

oca 27.04.2009 | 23:27

Nur um mal was klarzustellen:

Um ein Antisemit zu sein, ist es nicht notwendig, den Holocaust gleichzeitig zu leugnen und einzufordern.
Und um kein Antisemit zu sein, reicht es auch nicht aus, nicht alle Juden, sondern "nur" die Juden in Israel zu hassen.

Wer sämtliche historischen Tatsachen immer so verdreht, dass allein die Juden/Israelis/Zionisten die Bösen sind und der Rest unschuldige Opfer, der ist ein Antisemit. Ob er sich jetzt "Feilong", "Streifzug", "Rubo" oder sonstwie nennt.

oca 27.04.2009 | 23:39

Aus der "Welt" (scheiß Zeitung, trotzdem steht auch ab und zu was wahres drin):

Antisemitismus erreicht die bürgerliche Mitte

Der Antisemitismus ist in Deutschland nach Ansicht von Experten längst kein Phänomen rechter Randgruppen mehr, sondern grassiert immer stärker in der bürgerlichen Mitte.

Dabei werden judenfeindliche Einstellungen oft als Israelkritik getarnt, sagte die Jenaer Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur. Unter dem Deckmantel dieser Kritik und freier Meinungsäußerung versteckten sich aber meist alte antisemitische Vorurteile. ...

Der Trend werde dadurch bestätigt, dass auch öffentlich etwa in Leserbriefen, Interviews und Internetforen immer öfter antisemitische Aussagen auftauchten. In der Diskussion über den Nahost-Konflikt seien häufig NS-Vergleiche zu finden, durch die der Massenmord an Millionen Juden durch die Nationalsozialisten relativiert werde. „Der Verbalantisemitismus nimmt mehr und mehr zu und findet kaum Widerspruch“, konstatierte die Expertin. Auch dies sei ein Indiz für die weite Akzeptanz solcher Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft. ..."

Ein gutes Beispiel bietet dieses Freitag-Forum.

Florian Zapf 28.04.2009 | 00:33

Zwei Anmerkungen:
(1) Man mag die israelische Besatzung kritisieren. Bei objektiver Betrachtung wird allerdings auffallen, dass sich Israels Politik nicht im geringsten mit dem ehemaligen Apartheid-Regime Südafrikas vergleichen lässt. Wer dies dennoch tut, ist entweder mit einer bemerkenswerten Gabe zur Fehlinterpretation geschlagen oder/und bedient sich antisemitischer Ressentiments.

(2) Rudolf Walthers Rettungsversuch in Ehren: Daran dass Ahmadinedschad sich wieder und wieder eben jener antisemitischen Ressentiments bedient, kann kein Zweifel sein. Um insbesondere die letzten Worte aus folgender Rede Ahmadinedschads richtig zu übersetzen, bedarf es nur rudimentärer Farsi-Kenntnisse:
www.youtube.com/watch?v=FckLO8HcNyo

Florian Zapf 28.04.2009 | 00:33

Zwei Anmerkungen:
(1) Man mag die israelische Besatzung kritisieren. Bei objektiver Betrachtung wird allerdings auffallen, dass sich Israels Politik nicht im geringsten mit dem ehemaligen Apartheid-Regime Südafrikas vergleichen lässt. Wer dies dennoch tut, ist entweder mit einer bemerkenswerten Gabe zur Fehlinterpretation geschlagen oder/und bedient sich antisemitischer Ressentiments.

(2) Rudolf Walthers Rettungsversuch in Ehren: Daran dass Ahmadinedschad sich wieder und wieder eben jener antisemitischen Ressentiments bedient, kann kein Zweifel sein. Um insbesondere die letzten Worte aus folgender Rede Ahmadinedschads richtig zu übersetzen, bedarf es nur rudimentärer Farsi-Kenntnisse:
www.youtube.com/watch?v=FckLO8HcNyo

Florian Zapf 28.04.2009 | 00:52

Sicher ist, dass Ahmadinedschad den Holocaust leugnet. Auf der berüchtigten Holocaust-Konferenz sagte Ahmadinedschad zum Beispiel Folgendes (wer zur Haarspalterei neigt, darf sich eine Übersetzung aussuchen, sie alle verklären den Holocaust zum Mythos):

„Sie haben im Namen des Holocaust einen Mythos geschaffen und schätzen diesen höher als Gott, die Religion und die Propheten“

„Der Westen habe eine Legende geschaffen, die sie höher als Gott, die Religion an sich und die Propheten stellen würde.“

„Von den westlichen Staaten ist im Namen des Massakers an den Juden ein Mythos geschaffen worden, um mitten in der islamischen Welt einen Staat für die europäischen Juden zu errichten.“

Dass Ahmadinedschad den Holocaust zum Mythos verklrärt kann kein Zweifel sein (fragen Sie den Farsi-Professor Ihres Vertrauens!).

Thorsten 28.04.2009 | 10:20

Was in Genf passierte war zu erwarten. Man muss nur die erste UN-Antirassismuskonferenz von Durban (2001) sehen. Das war auch eine reine Anti-Israel Veranstaltung unter der Schirmherrschaft der UN . Die Islamischen Staaten werden nie eine Richtige Rassismuskonferenz zulassen , wo die Menschenrechtsverletzungen in den Betreffenden Ländern verurteilt werden.

denoc 28.04.2009 | 16:50

ch finde es einfach abartig, dass alle Israel-Kritiker mit dem Antisemitismus Vorwurf Mundtot gemacht werden. Israel betreibt eine rassistische Politik, missachtet das Völkerrecht, nimmt billigend in Kauf, dass Kinder und Frauen getötet werden, zerstört die Infrastruktur der Palastinänser sowohl in Westjordanland als auch in Gaza und bestraft kollektiv das ganze palästinensische Volk. Kein Nachbarstaat des Israels leugnet das Existenzrecht von Israel. Doch Israel setzt seine aggressive Kriegspolitik weiter fort und wird von den verlogenen westlichen Staaten uneingeschränkt unterstützt. Kann mir jemand sagen, wann der Iran das letzte mal einen Angriffskrieg geführt hat. Was der durchgeknallte Ahmedinejad oder andere "Antisemiten" von sich geben interessiert mich nicht. Und die Kriegspolitik von Israel gefährdet den Frieden in Nahen Osten viel eher als die schwachsinnigen Reden von Ahmedinejad. Der wird doch sogar von den arabischen Staaten verachtet.

@Oca Wenn du meinst, dass wir alle Antisemiten seien, dann sollte du vielleicht zu deinen "antideutschen" Freunden vom islamophoben "Jungle World" gesellen und die Leute hier ruhig diskutieren lassen, ohne mit der Antisemitismus-Keule zu kommen. Denn ich glaube, dass alle Teilnehmer im Forum Rassismus und Antisemitismus widerlich finden und der Meinung sind, dass gerade in Deutschland der Antisemitismus aufs Schärfste bekämpft werden muss. Also fang endlich an differenzierter zu denken!

denoc 28.04.2009 | 16:50

ch finde es einfach abartig, dass alle Israel-Kritiker mit dem Antisemitismus Vorwurf Mundtot gemacht werden. Israel betreibt eine rassistische Politik, missachtet das Völkerrecht, nimmt billigend in Kauf, dass Kinder und Frauen getötet werden, zerstört die Infrastruktur der Palastinänser sowohl in Westjordanland als auch in Gaza und bestraft kollektiv das ganze palästinensische Volk. Kein Nachbarstaat des Israels leugnet das Existenzrecht von Israel. Doch Israel setzt seine aggressive Kriegspolitik weiter fort und wird von den verlogenen westlichen Staaten uneingeschränkt unterstützt. Kann mir jemand sagen, wann der Iran das letzte mal einen Angriffskrieg geführt hat. Was der durchgeknallte Ahmedinejad oder andere "Antisemiten" von sich geben interessiert mich nicht. Und die Kriegspolitik von Israel gefährdet den Frieden in Nahen Osten viel eher als die schwachsinnigen Reden von Ahmedinejad. Der wird doch sogar von den arabischen Staaten verachtet.

@Oca Wenn du meinst, dass wir alle Antisemiten seien, dann sollte du vielleicht zu deinen "antideutschen" Freunden vom islamophoben "Jungle World" gesellen und die Leute hier ruhig diskutieren lassen, ohne mit der Antisemitismus-Keule zu kommen. Denn ich glaube, dass alle Teilnehmer im Forum Rassismus und Antisemitismus widerlich finden und der Meinung sind, dass gerade in Deutschland der Antisemitismus aufs Schärfste bekämpft werden muss. Also fang endlich an differenzierter zu denken!

Florian Zapf 28.04.2009 | 20:12

Und was machen die Palästinenser? Sie betreiben eine rassistische Politik, missachten das Völkerrecht und nehmen tote Kinder und Frauen nicht nur billigend in Kauf, sondern arbeiten auf die Vernichtung Unschuldiger gezielt hin.

Welche Gefahr geht von Israel aus? Mir scheint das Länder wie Russland (das etwa in Tschetschenien über 100.000 Menschen tötete) viel eher kritisierungswürdig sind. Die Israelis wollen endlich in Ruhe gelassen werden und würden den Gazastreifen und die Westbank liebend gern Ägypten beziehungsweise Jordanien überlassen. Nur leider zeigen beide Länder nicht das geringste Interesse an ihren arabischen "Brüdern" und "Schwestern" (sonst würden sie die Palästinenser ja auch nicht bis heute in Flüchtlingslagern leben lassen, sondern hätten sie längst in die eigene Gesellschaft integriert).

@denoc: Syrien erkennt das Existenzrecht Israels nicht an.

denoc 28.04.2009 | 21:30

@magic 3000
Aufgrund der Tatsache, dass es keinen palästinensichen Staat gibt, kann es auch keine
rassistische Politik "der Palästinenser" geben. Wenn du einzelne "Kriminelle " bzw. "Terroristen" oder auch terroristische Organisationen meinst, dann müssen die mit rechtstaatlichen Mitteln bekämpft werden. Aber die Kollektivbestrafung des palästinensichen Volkes ist unerträglich. Und wenn ich die israelische Politik als rassistisch bezeichne, meine ich den israelischen Staat und nicht "die Israelis". Auch viele Israelis bezeichnen die Politik des israelischen Staates als rassistisch.

oca 28.04.2009 | 22:52

"Warum soll der Iran keine Atomwaffen besitzen aber Israel schon?"

Weil es im Iran Menschen gibt, die sogar einen atomaren Gegenschlag in Kauf nehmen würden, um die göttliche Mission der Auslöschung Israels zu erfüllen. Und weil es im Bereich des Möglichen ist, dass diese Menschen eines Tages am "roten Knopf" sitzen.

Würde Israel keine Atomwaffen besitzen, fehlte ihm ein für seine Existenz dringend notwendiges Abschreckungsmittel (das aber, wie gesagt, gegen die ganz harten Fundamentalisten auch nicht ausreicht).

So einfach kann das manchmal sein, mein "differenziert denkender" denoc.

dialectica49 28.04.2009 | 22:56

Mein lieber oca,
bitte nicht zynisch auf alle Kommentatoren verbal einschlagen, die anderer Meinung sind als du. Ob ich nun bewundernswerte historische Kenntnisse habe oder nicht, sei dahingestellt. Etwas kleinlich merke ich nur an, dass es am 14.Mai 1948 überhaupt noch gar kein Jordanien, nur ein Transjordanien gab. Auf die Hagana und anderes hat Pic bereits verwiesen.

Fakt ist, und genau darum geht es: die Resolution 181, die die UNO-Generalversammlung 1947 annahm, sah einen jüdischen und arabischen ( palästinensischen ) Staat vor. Israel hat bis heute mit a l l e n Mitteln einen palästinensischen Staat verhindert. Wie dem 'Handelsblatt' vom 01. April zu entnehmen ist, fühlt sich Israels neue Regierung 'nicht an die Annapolis-Übereinkunft mit dem Ziel der Gründung eines palästinensischen Staates gebunden'. An gleicher Stelle weiter:Israels Außenminister Avigdor Lieberman erklärte am Mittwoch, die Vereinbarung von 2007 'hat keine Gültigkeit'. Bestätigung fanden die Äußerungen des Chefs der ultranationalistischen Partei 'Unser Haus Israel' auch in Kreisen der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. In deren Kreisen hieß es, auch das neue Kabinett wolle auf Distanz zum Annapolis-Prozess gehen. 'Wir haben kein Problem damit', sagte die Person zu en Äußerungen Liebermans.

dialectica49 28.04.2009 | 22:56

Mein lieber oca,
bitte nicht zynisch auf alle Kommentatoren verbal einschlagen, die anderer Meinung sind als du. Ob ich nun bewundernswerte historische Kenntnisse habe oder nicht, sei dahingestellt. Etwas kleinlich merke ich nur an, dass es am 14.Mai 1948 überhaupt noch gar kein Jordanien, nur ein Transjordanien gab. Auf die Hagana und anderes hat Pic bereits verwiesen.

Fakt ist, und genau darum geht es: die Resolution 181, die die UNO-Generalversammlung 1947 annahm, sah einen jüdischen und arabischen ( palästinensischen ) Staat vor. Israel hat bis heute mit a l l e n Mitteln einen palästinensischen Staat verhindert. Wie dem 'Handelsblatt' vom 01. April zu entnehmen ist, fühlt sich Israels neue Regierung 'nicht an die Annapolis-Übereinkunft mit dem Ziel der Gründung eines palästinensischen Staates gebunden'. An gleicher Stelle weiter:Israels Außenminister Avigdor Lieberman erklärte am Mittwoch, die Vereinbarung von 2007 'hat keine Gültigkeit'. Bestätigung fanden die Äußerungen des Chefs der ultranationalistischen Partei 'Unser Haus Israel' auch in Kreisen der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. In deren Kreisen hieß es, auch das neue Kabinett wolle auf Distanz zum Annapolis-Prozess gehen. 'Wir haben kein Problem damit', sagte die Person zu en Äußerungen Liebermans.

dialectica49 28.04.2009 | 22:56

Mein lieber oca,
bitte nicht zynisch auf alle Kommentatoren verbal einschlagen, die anderer Meinung sind als du. Ob ich nun bewundernswerte historische Kenntnisse habe oder nicht, sei dahingestellt. Etwas kleinlich merke ich nur an, dass es am 14.Mai 1948 überhaupt noch gar kein Jordanien, nur ein Transjordanien gab. Auf die Hagana und anderes hat Pic bereits verwiesen.

Fakt ist, und genau darum geht es: die Resolution 181, die die UNO-Generalversammlung 1947 annahm, sah einen jüdischen und arabischen ( palästinensischen ) Staat vor. Israel hat bis heute mit a l l e n Mitteln einen palästinensischen Staat verhindert. Wie dem 'Handelsblatt' vom 01. April zu entnehmen ist, fühlt sich Israels neue Regierung 'nicht an die Annapolis-Übereinkunft mit dem Ziel der Gründung eines palästinensischen Staates gebunden'. An gleicher Stelle weiter:Israels Außenminister Avigdor Lieberman erklärte am Mittwoch, die Vereinbarung von 2007 'hat keine Gültigkeit'. Bestätigung fanden die Äußerungen des Chefs der ultranationalistischen Partei 'Unser Haus Israel' auch in Kreisen der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. In deren Kreisen hieß es, auch das neue Kabinett wolle auf Distanz zum Annapolis-Prozess gehen. 'Wir haben kein Problem damit', sagte die Person zu en Äußerungen Liebermans.

Butjer 29.04.2009 | 17:47

Aus dem interessanten Artikel über Ahmadinedschads abgefeimte Wortspiele und die ebenso abgefeimten Reaktionen professioneller Empörer ist durch denoc und oca ein bemerkenswerte Glaubensauseinandersetzung über den Wert von Atomwaffen geworden.
denoc schrieb:
"Warum soll der Iran keine Atomwaffen besitzen aber Israel schon?"
oca schrieb:
"Würde Israel keine Atomwaffen besitzen, fehlte ihm ein für seine Existenz dringend notwendiges Abschreckungsmittel"
Damit sind wir , so meine ich, beim Kern.
Israel ebenso wie der Iran wären mit dem tatsächlichen Besitz von Atomwaffen in einer Unrechtsposition. Die Selbstverpflichtung zur atomaren Abrüstung, die von den Atomwaffenbesitzern vereinbart wurde, wird nicht eingelöst. Damit tanzen drei
Fraktionen von diplomatischen Schwindlern mitsamt ihren verbohrten Fans in munterem Denunziations-Reigen. Allein das scheint mir ein bombensicheres Indiz , wie wenig Auschwitz und Nagasaki uns der Menschlichkeit näher gebracht haben.
Übrigens: Erinnern wir uns noch des Theaterdonners, als Walser einmal die 'Instrumentalisierung von Auschwitz' anmerkte ?

denoc 29.04.2009 | 20:31

@Butjer
Anscheinend habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich möchte auch in einer Welt ohne Atomwaffen leben und habe keine Sympathien für das reaktionäre iranische Regime. Ich wollte nur auf die verlogene Haltung der westlichen Staaten hinweisen, die ihren Verbündeten Atomwaffen gestatten, aber andere Länder, die auch den Besitz von Atomwaffen anstreben, mit Krieg bedrohen.
Außerdem hatte ich die Absicht, auf das Leiden des palästinensichen Volkes hinzuweisen. Sie leiden unter der brutalen Politik von Israel. Aus dem Leiden des palästinensichen Volkes versuchen Hamas, Fatah und der reaktionäre Iran politisches Kapital zu ziehen, was ich ebenfalls für verabscheungswürdig halte. Aber auch der Westen hat Blut an den Händen! Die Ermunterung von Israel durch die westlichen Staaten Krieg gegen die Zivilbevölkerung von Gaza zu führen, macht sie mitschuldig. Bevor alle auf Ahmedinejad rumhacken möchte ich auf die größten Kriegsverbrecher seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts verweisen: Bush und Blair. Warum frage ich mich, hat es gegen Bush und Blair niemals so eine Reaktion stattgefunden, wie gegen Ahmedinejad??????

Florian Zapf 29.04.2009 | 23:42

@denoc:
"Die Palästinenser" haben sich in einer demokratischen Wahl für die Hamas ausgesprochen, für eine Organisation also die unzweifelhaft eine rassistische Politik betreibt. Auf der Agenda dieser Organisation steht die totale Vernichtung des jüdischen Volkes (vgl. Artikel 7 der Hamas-Charta). Die Äußerungen und Aktionen der Hamas - der gewählten palästinensischen Regierung! - lassen keinen Zweifel daran, dass man an der Umsetzung dieses Zieles arbeitet.

Der Gazastreifen ist heute "judenfrei". Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass die palästinensische Bevölkerung des Gazastreifens oder der Westbank einer entsprechenden "Säuberung" Tel Avivs entgegensteht.

Pic 02.05.2009 | 17:14

Lieber oca!

"Aus welcher Anstalt bist du denn ausgebrochen? Absurder geht's wohl nimmer?"
Ich möchte dich bitten, von persönlichen Beleidigungen Abstand zu nehmen. Ich muss mich bemühen, in deinem Kommentaren nicht eine solche zu sehen. Wenn du etwas gegen meine Argumentation hast, dann greife diese bitte an.

"Wer sämtliche historischen Tatsachen immer so verdreht, dass allein die Juden/Israelis/Zionisten die Bösen sind und der Rest unschuldige Opfer, der ist ein Antisemit."
Und wie nennt man den, der die von dir genannten Gruppen immer als solche verteidigt, als ob diese nie etwas getan hätten? Ich bemühe mich hier lediglich um eine Gegendarstellung, nicht um die Behauptung, "nur diese Gruppen" seien "die Bösen".

Du hast die Welt zitiert und mit der Welt Frau Prof. Monika Schwarz-Friesel (Auch von ihr ist dieser Artikel: www.coling-uni-jena.de/ig-wiki/images/c/c3/Worte_wie_Waffen.pdf )
"Dabei werden judenfeindliche Einstellungen oft als Israelkritik getarnt"
"Der Verbalantisemitismus nimmt mehr und mehr zu und findet kaum Widerspruch"

Ein Staat und dessen Politik muss kritisierbar sein. Sonst kann dieser Staat tun, was er will. Ich hoffe, du hast gegen diese These im Allgemeinen nichts einzuwenden.
Wenn man nun Israelkritik generell gleichsetzt mit Antisemitismus verurteilt man diese Kritik als unzulässig.
Ich will nicht verhehlen, dass die Wortwahl, wie Frau Prof. Schwarz-Friesel es konstatiert, hier sehr wichtig ist. Leicht kommt man mit Formulierungen in ein Muster, dass dem der Nationalsozialisten im 3. Reich ähnelt.
Doch mit dem "Totschlagsargument Antisemitismus" jegliche Kritik an dem Staat Israel zu verbieten, halte ich aus obigem Grund für falsch.

[...]

Pic 02.05.2009 | 17:15

Die Problematik Israel-Palästina ist eigenartig. Man kann heute nicht
mehr wirklich sagen, "wer angefangen hat". Doch ist die eine Seite
deshalb immun gegen Kritik?
Für viele Menschen, so glaube ich, scheint es zudem, als wäre die Kritik
der westlichen Politik und den westlichen Medien zu stark auf die
Palästinenser und deren Organisationen fixiert. Wenn man dieses
anprangert und zumindest eine deutlichere Position auch gegen das
Vorgehen der israelischen Regierungen fordert, ist man gleich Antisemit.
So gibt es einige historische Fakten, die in den meisten Argumentationen
einfach fallen gelassen werden. So zum Beispiel die Schriften von
Theodor Herzl oder ähnlichen, die darauf folgende Gründung der WZO und
die bereits damals einsetzende Siedlung in Palästina.
Frau Prof. Schwarz-Friesel beleuchtet das Problem für die eine Seite
(Israel), indem sie es vergleicht wie es wäre wenn bsp. aus den
Niederlanden auf Deutschland Raketen abgefeuert würden. Jedoch sollte
man einen solchen Gedankengang auch für die andere Seite (Palästina)
gehen: Wie wäre es, wenn eine Gemeinschaft (ob Volk -> führt zum Vorwurf
des Rassismus oder Religion -> führt bei Israel zum Vorwurf des
Antisemitismus oä.) sich mitten in Deutschland (bsp in Hessen) ansiedelt
und dort nach einiger Zeit einen eigenen Staat gründen würde?

Ich wehre mich gegen die Einordnung als Antisemit, weil diese ein Urteil
über mich fällt und mich (durch meine Geschichte als Deutscher)
gleichsetzt mit den Nationalsozialisten. Ich argumentiere nicht gegen
Israel und kritisiere dessen Politik nicht deshalb, weil es Juden sind,
die dort die Macht haben. Ich kritisiere den Staat Israel und dessen
Politik, weil ich es nicht in Ordnung finde, dass er durch die
westlichen Staaten eine solche Sonderstellung bekommt, weil ich es nicht
in Ordnung finde, wie der israelische Staat (und nicht die "Juden, die
böse sind, weil sie Juden sind") gegen die palästinensische Bevölkerung
vorgeht.
Wie nennt man es, wenn man einen christlichen Politiker kritisiert, nur
weil er Christ ist?
Wie nennt man es, wenn man einen christlichen Politiker kritisiert, weil
er etwas kritisierenswertes tut?
Analog zu einem jüdischen Politiker ist die Antwort nach der
Argumentation von dir, oca, und Frau Prof. Schwarz-Friesel in beiden
Fällen "Antisemitismus".
Ich fordere hier Differenzierung.

"Und um kein Antisemit zu sein, reicht es auch nicht aus, nicht alle
Juden, sondern "nur" die Juden in Israel zu hassen."
Zwischen einem Argumentieren gegen eine israelische Politik und einem
Hass auf Juden (ob im allgemeinen oder speziellen) besteht in meinen
Augen ein gewaltiger Unterschied. Weiter besteht ein Unterschied darin,
ob ich jemanden hasse, weil er Jude ist oder ob ich jemanden lediglich
in Bezug auf seine Handlungen kritisiere.

Viele Grüße,
Pic, anscheinend ein "Antisemit aus dem bürgerlichen Lager und damit ein
Nazi"