Auf dem Weg nach Graceland

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Letztlich eine tragische Figur: Elvis als Statue in Memphis (Foto: Ethan)

Jana Scheerer war gerade auf der Frankfurter Buchmesse mit einem Elvis-Roman unterwegs und hat den Jugendliteraturpreis "Luchs des Monats" abgestaubt. Im Interview erzählt sie uns etwas über ihren neuen Roman, die Elvis-Obsession ihrer Hauptfigur und ihren ganz persönlichen inneren Elvis.

Liebe Jana, „Mein innerer Elvis“ ist bereits dein zweites Buch. Sag uns doch etwas zur Entstehung!

Am Anfang des Buchs stand Antje als Person, die hatte ich irgendwie im Kopf. Und dass ich über sie auf einer Amerikareise erzählen möchte, stand auch bald fest. Nach und nach sind dann die anderen Figuren dazu gekommen. An Antjes kleiner Schwester Klara habe ich noch sehr lange gearbeitet und die Figur immer wieder verändert. Am wichtigsten war beim Schreiben aber, Antjes Stimme zu finden. Als ich die hatte, konnte ich richtig in den Plot einsteigen.

Deine Hauptfigur Antje ist ja so ziemlich der größte Elvis-Fan, den man sich vorstellen kann: Sie schläft in Elvis-Bettwäsche und hat eine Elvis-Brotdose, obwohl sogar ihr Vater findet, dass das doch „Spießermusik“ ist. Wie bist du gerade auf Elvis gekommen?

Ich wollte, dass Antje jemanden gut findet, den in ihrem Umfeld sonst niemand mag. Antje stößt damit nicht nur bei den Leuten in ihrer Klasse auf Unverständnis, sondern auch bei ihren Eltern. Das passt zu Antje einfach besser als wenn sie jetzt Tokio Hotel gut finden würde. Außerdem bringt Elvis als Figur unheimlich viel Material mit, das zu benutzen mir beim Schreiben Spaß gemacht hat: Die Glitzeranzüge, die Elvisbrillen, die Koteletten. Und Elvis ist letztlich eine tragische Figur. Ihm ist sein Leben und auch sein Körper irgendwann außer Kontrolle geraten – und das denkt Antje auch über sich.

Wir haben gehört, dass du selbst nach Graceland gefahren bist. Was hast du für Eindrücke aus der Elvis-Hochburg mitgenommen?

Es hat mich enttäuscht, dass Graceland an einer mehrspurigen Straße im Gewerbegebiet liegt. Irgendwie stellt man sich das - auch ohne ein großer Elvis-Fan zu sein – romantischer vor. Außerdem ist das Ganze unglaublich kommerziell. Aber dann auch wieder irgendwie niedlich – ich habe auf der Reise auf einem Campingplatz gegenüber von Graceland gewohnt, wo alle Wege nach Elvis-Songs benannt sind: Heartbreakhotel-Avenue, Hounddog-Lane und so weiter...

Natürlich wollen wir jetzt auch wissen, was dein persönlicher „innerer Elvis“ ist: Welches ist dein absoluter Lieblings-Elvis-Song?

Mein Lieblings-Elvis-Song ist „Treat me nice“. Ich finde die Textzeile „If you want my loving take my advice: Treat me nice“ einfach grandios. Sehr ehrlich.

Wie man sieht, hat Jana Scheerer ein Händchen für skurrile Hauptfiguren. Aber auch die Titel ihrer Bücher haben es in sich: So hieß ihr Debütroman, der 2004 erschien und prompt den Literaturpreis Prenzlauer Berg erhielt Mein Vater, sein Schwein und ich. Am kommenden Montag, den 18. Oktober, kommt Jana Scheerer mit ihrem neuen Roman Mein innerer Elvis nach München und stellt bei einer neuen Ausgabe von TUBUK LÄSST LESEN Antje und ihre Suche nach dem King persönlich vor.

14:57 14.10.2010
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Geschrieben von

TUBUK

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