»Nur scheinbar leicht«

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Donata Rigg (Foto: Juliane Henrich, mairisch.de)

Im Interview mit TUBUK erzählt Donata Rigg über ihren Debütroman »Weiße Sonntage«, dem Winterbuch bei TUBUK DELUXE. Ein Gespräch über trügerische Leichtigkeiten, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und Silvester in der großen Stadt.

Was mir bei dem Buch als erstes aufgefallen ist, ist der trügerisch leichte Titel »Weiße Sonntage«, obwohl es ja um Selbstmord und eintönigen Provinzalltag geht. Wie passen diese beiden Dinge zusammen?

Ja, das »Weiß« ist nur scheinbar leicht. Ich glaube, viele kennen den Sonntag nicht nur als Erholungstag, sondern auch als denjenigen Tag der Woche, an dem man sich am meisten aus der Welt gefallen fühlt. Das Prinzip der fehlenden Struktur, der fehlenden Zeiteinteilung, des Wartens auf den Alltag, der »Nutzlosigkeit« im Sinne der kapitalistischen Arbeitsethik läßt manch einen ohne Sinn und Verstand durch diesen Tag tigern oder zu eigenartigen Freizeitaktivitäten greifen oder, früher, depressiv aus dem Gottesdienst zurückkehren. Wenn es sich, wie bei Martha, um eine chronisch akute Geistesverfassung handelt, kann man da schon auf »dumme« Gedanken kommen, die in ihrem Fall zur Selbstauslöschung führen. Dieses Thema lag nah bei mir, saß sozusagen am Tisch gegenüber. Ich habe es mir gegriffen.

Albert, der Spezialist für die Heisenbergsche Unschärferelation, Romy Schneider und der so genannte Robertdiestraßehinunter - in »Weiße Sonntage« kommen einige ausgefallene Figuren vor. Hast du dir die alle ausgedacht oder gibt es auch reale Vorbilder?

Die Figuren kommen mir natürlich nicht besonders ausgefallen vor. Das liegt wohl daran, daß sie mich beim Schreiben so lange begleitet haben. Sie sind Mischgebilde aus meiner Phantasie und meinem Leben. Das mit der »Realität« ist ja immer so eine Sache: Wenn ich z.B. bei einem Krimi lese, die Figuren seien »frei erfunden«, fange ich erst an, mir darüber Gedanken zu machen, ob es sie nicht »wirklich« gegeben hat. Mich persönlich interessiert das beim Lesen aber ziemlich peripher.

Ich finde besonders die Dialoge in »Weiße Sonntage« sehr gelungen. Da du auch als Dramaturgin, Regieassistentin und Journalistin tätig warst – haben dir diese Erfahrungen bei deinem Roman geholfen?

Ich selbst halte mich nicht für eine Dialogspezialistin. Durch mein Theaterwissenschaftsstudium weiß ich aber wahrscheinlich, welche Dialoge hinhauen.

Ein Teil des Romans spielt zu Silvester in Finnland. Wo feierst du lieber den Jahreswechsel, auf dem Land oder in der Stadt?

Ich habe meinen Jahreswechsel in der Stadt verbracht. Im kleinen Kreis, mit Essen, Anstoßen und der NDR-Hitparade-des-Nordens.

Donata Rigg wurde die 1976 in Konstanz geboren und lebt in Hamburg. Nach Veröffentlichungen in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien ist »Weiße Sonntage« ihre erste Buchveröffentlichung.

http://tubuk.com/assets/cover/detail/detail_weisse-sonntage.jpgDonata Rigg: Weiße Sonntage

mairisch Verlag

144 Seiten, 16,90 €

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09:51 11.01.2011
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