Selim Özdogan präsentiert ein Glas Blut

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Wenn man in seinem Browser die Homepage von Selim Özdogan aufruft, wird man von einem lachenden Mund begrüßt, der lässig einen Kaugummi kaut, aber auch gefletschte Zähne sehen lässt. Eigentlich ein passender Auftakt für Selim Özdogans neues Buch "Ein Glas Blut": Lebensfreude, Lässigkeit und ein stets präsentes Gefühl von Gefahr machen auch die Mischung aus, die der Kölner Autor in seinem neuen Buch versucht hat.

Da ist das Romantische, umständlich Gereimte der Langgedichte "Flügel", "Traueratem" und "Ein Tag":

Wir hatten etwas getan, das manchmal Herzen bricht/

doch da war nicht viel Romantik und kein Kerzenlicht.

Erinnerungen aus der Kindheit, wie es war, das erste und einzige Mal vom Vater geschlagen zu werden. Und immer der Wunsch, auszubrechen aus einer engen, bedrohlichen Welt. Vor allem mit Musik, Gitarrenrock, in der man sich verlieren kann, bis Herkunft, Gegenwart und Vergangenheit eins werden und keine Rolle mehr spielen.

Selim Özdogan weiß, wovon er schreibt. Das hat er bereits mit seinem Roman "Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist" bewiesen. Das Thema der türkischen Identität hat er zusammen mit Fatih Akin immer wieder bearbeitet, in dem Büchern "Im Juli" und "Die Tochter des Schmieds", die in wechselseitiger Beziehung zu Akins Filmen stehen.

Mit "Ein Glas Blut" kann man nun ein vielschichtiges Bild von Selim Özdogan erkennen, das sich in kunstvoll arrangierter Prosa, immer auf dem Sprung ins Lyrische, zusammensetzt. Und was es mit dem "Glas Blut" auf sich hat, darf an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden.

Das TUBUK-Buch des Monats!

Selim Özdogan: Ein Glas Blut. Asphalt & Anders, 2010, 176 Seiten, 12,90 €

11:39 12.05.2010
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