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Unsere Dolmuşlinie „Akyarlar, Karaincir-Beach etc“ braucht etwa 35 Minuten von Garaj bis zur Strassenecke mit dem Malama-Hotel und der kleinen weiss-blauen Moschee, die so bescheiden singt. Zuerst gehts die Ausfallstrasse Richtung Turgutreis hinaus, am antiken Theater und der Oasis vorbei, an all den wunderbaren Wegelagerer-Geschäften mit Tontöpfen, Tischlerwaren, Plastikmöbeln, Blumen- und Baumschulen, Hähnchengrills, Möbelvertretungen, der Metro, der Aquaworld und was das Herz noch so begehrt (zum Besipiel der einzige Asphaltlieferant Bodrums) nach Ortakent hinüber. Das Gestein hat da schon dreimal zwischen Kalk, Kalkschiefer und roter Erde gewechselt. Jetzt nach Yahşi hinauf. Yahşi ist Aserbeidschanisch und heisst „gut“, noch höher, nach Gürece, aber dann nicht nach Turgutreis und Gümüşlük hinunter, sondern auf der Passhöhe nach links und auf dem Grat noch höher. Die Gegend ist aus riesigem vulkanischem Geröll mit Ölbäumen, Safran und Kühen dazwischen sehr romantisch (ausser man ist da Bauer), noch höher – erstaunlich, wie hoch diese Berge nur ein paar km von der Küste entfernt sind – kleben Siedlungsneubauten an den Felsen und ganz oben wie überall hier alte Windmühlen wie goldbraune Zylinder. Wir nähern uns den Busenbergen, fahren an ihrem südlichen Abhang steil zur Küste hinunter. Diese Fahrt gleicht dem Unglaublichen. Wieder Siedlungen, Trupps vonFerienhäusern im typischen Bodrum-Look: weiss mit Flachdach, darauf wie ein Lunar-Module die Wassertonnen mit den Solarzellen, an den vier (oder mehr) Ecken des Daches die dreieckigen „Ohren“, aber in jeder „Site“ hat sich der Architekt eine andere Hausidee einfallen lassen, welche 20 bis 100-fach wiederholt wird. Ein unmittelbar vom Meeresspiegel aus aufgestülpter Vulkankegel will jetzt umfahren werden – rechts immer das Busengebirge, links die Küste mit den vielen tiefen Buchten, Halbinseln und Inseln und Kos im Hintergrund. Das Gestein nun wie eine Formation erodierter Riesenschädel und nur noch ein einzelnes grosses Landhaus von Natursteinen und weidende Kühe in diesem gigantischen Murmelspielplatz. Die Strasse direkt an den Klippen und ums Eck ist Akyarlar erreicht, die Karaincir-Beach, die Kardesh-Beach, ein kleiner Markt am Weg und eine Taxistation. Dann Hotels, Tennisplätze und der „Secret-Dreams-Club“. Schliesslich unsere kleine Moschee nahe der Ebene mit den Zypressen. Kaptan, at bize!, Chef, schmeiss uns raus. Wir sind 24km von Bodrum und 10 km von Kos entfernt. Einige hundert Meter weiter ist der Leuchtturm von Hüseyn Burun, wo die Küste scharf nach Norden, nach Turgutreis umbiegt. Wir aber gehen noch zehn Minuten zu Fuss ins Tal hinein.


07:01 01.11.2010
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