Dunkles türkisches Geheimnis: etli nohut

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Eines meiner Lieblingsrestaurant in Turgutreis heißt Osman'ın Yeri, Osmans Platz.

Osman grillt, brutzelt, backt Lammkoteletts, Köfte, Kebap und Hähnchen. Küchenchefin und Gattin Fatma kocht das Dörfliche, das klingt bescheiden, dahinter verbergen sich aber die wahren Köstlichkeiten Anatoliens. Wie die kuru fasulye. der Eintopf von weißen Bohnen, Lammhaxen im eigenen Fond, Schmorgerichte. Fatma lässt die Kelle in einen Topf tiefdunkelrot brodelnder Brühe gleiten, ganz nach unten, hebt sie an, wir sehen Kichererbsen hellgelb hervor leuchten, und Lammfleischstückchen. Und dieser Duft!

Resolut: Fatma

Nein, das Rezept kriegst du nicht, es gibt nämlich keins. Jeder kocht es so, wie er es zu Hause gelernt hat”, stürzt Fatma mich in eine leichte Depression, Schulterzucken von Osman, Fatma gilt als ein wenig resolut. Und Perihan, die mir angetraute Feenkönigin, gibt Fatma recht und ich sollte mich nicht so doof anstellen. “Geh zu Osman, iss da einen Teller etli nohut, dann weißt du, was drin ist.”

Learning by eating kann sehr viel Spaß machen.

Etli Nohut – Eintopf von Kichererbsen mit Lamm

500 g Kichererbsen, 400 g Lammfleisch (Keule), (1 sucuk (sprich “sudjuk”, türkische Wurst), je 1 Esslöffel Paprikamark und Tomatenmark, 1 Teelöffel Pul Biber (Blättchenpaprika, scharf), 4 milde Spitzpaprika, 2 Esslöffel Olivenöl, Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker, 2 mittelgroße Zwiebeln, 5 oder mehr Knoblauchzehen, 1 Fleischtomate, ½ Teelöffel Kümmel oder Kreuzkümmel. Das alles gibts im türkischen Laden.

Die Kichererbsen in ein Sieb geben und gründlich abbrausen. Gut mit Wasser bedeckt über Nacht einweichen. Dann in frischem (!) Wasser 20 Minuten kochen.

Das Lammfleisch in recht feine Würfel schneiden, noch feiner die Zwiebeln. In einem großen Topf das Fleisch mit Olivenöl und einer Prise Zucker fünf Minuten anbraten, dann die Zwiebelwürfel, Paprika- und Tomatenmark dazu geben. Rühren, mit ½ Wasser oder Brühe aufkochen, dann die abgetropften vorgegarten Kichererbsen hinein geben. Leise vor sich hin brodeln lassen, nach 20 Minuten den in dünne Ringe geschnittenen Spitzpaprika, die fein gewürfelte Fleischtomate und die Knoblauchzehen in feinen Scheibchen dazu geben. Und die in dünne Scheiben geschnittene und kurz in der Pfanne angebratene sucuk. Weitere 25 Minuten köcheln. Mit Salz, Pfeffer und Pul Biber abgeschmecken. Kreuzkümmel oder Kümmel in einer Pfanne ohne Fett kurz anrösten, im Mörser grob zerstoßen und ans fertige Gericht geben.

Beim Anrichten mit fein gewiegter Petersilie oder oder eben solchen Korianderblättchen bestreuen. Brot und Rotwein sind liebe Begleiter.

Dieses Rezept reicht für sechs Personen. Es wird Zeit, mal wieder Freunde einzuladen.

16:35 16.12.2010
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