Hier wird ein Blog veröffentlicht, der ausser von Gümüşlük...

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... von Gott und der Welt spricht, in dem alles, naja, fast alles zwischen 500 vor und 2010 nach der angenommenen Geburt unseres HErren zur Sprache kommt, also Gott und die Welt und auch Staub, Uiguren und Fieber…..

Wir zweigen von der Hauptstrasse Bodrum-Turgutreis nahe der Ortschaft Islamhaneleri ab, gerade an der Abzweigung liegt der gute Inegöl-Köfteci (Inegöl Köfte werden hergestellt, indem man dem Mett etwas Natron und Essig beimischt und es dann für 24 Stunden im Kühlschrank liegen lässt, in Berlin gibt es welche bei Sun-Ay an der Schulstrasse…). In Dereköy ist nahe der Brücke über den Bach ein Haus zu sehen: es ist das des emeritierten Direktors des Bodrumer Unterwasser-Museums, Oğuz Alpözen, es ist innen ebenso interressant wie aussen, man kann es betreten oder links liegenlassen. Auf den Kämmen des Berges wie hier an allen Passübergängen graue Zylinderstümpfe aufgereiht: es sind ehemalige Windmühlen, die hier, wo es täglich weht, ihrer Wiederbelebung warten. Gerne würden sie wie früher mit den Lüften tanzen (bei Wikipedia wirft man mir vor, ich schreibe im Stile eines Touristenführers). Langsam nähern wir uns wieder der Küste, fahren aber zuerst durchs ausgedehnte Dorf Gümüşlük (das heisst: der Silberort, Oben war hier auch schon).

Gümüşlük ist am Ort des hellenistischen Myndos erbaut. Alexander der Grosse hat es nie erobert. (Ich denke, ihm lag nichts daran. In seinem prächtigen Zelt lag er mit leichtem Fieber. Er dacht wohl schon an Roxanne)

Wir haben gute Freunde da: Fırat, der demnächst wieder nach Deutschland zurück will (“Hast du gelernt, in Deutschland und in der Türkei zu leben, dann kannst du überall leben!”) und seine Frau Kriemhild, die Schalen, grosse Kugeln und Schmuck aus Pappmaché macht, ferner die Portugiesin Rosalind und den Iren Davy, der uns auf einer staubigen Dachterrasse sein Leben erzählt.

Jetzt kommen wir zum Hafen. Er liegt in tief abgeschlossener Bucht und wie fast überall hier gibt es auch aussen vor keine offene See, sondern die Aussicht auf einen Kranz von Inseln. Über Restaurants und Badenden wachsen Tamarisken – türkisch “Illgın”, was Mirage oder Fata Morgana bedeutet. Dieser Baum ist mir fast der liebste, wie ein Besen sieht er aus, ein bisschen weise, ein bisschen wischiwaschi, er schützt vor Staub, so staubig wie er aussieht. Er steht ganz nahe dem Ufer, weil er als einziger Salzwasser verträgt – ich weiss, dass er am Sahararand und in der Wüste Gobi und Takla Makan (was “Ort ohne Wiederkehr” auf Uigur-Türkisch heisst) fast wasserlos aufwächst und dort die Wüste am wachsen hindern soll (sollte?), ich weiss, dass er auch dem Feuer recht gut widersteht. Ein Traumbaum! Und die Eingeborenen (hehe, natürlich meine ich die streng sunnitischen Ureinwohner) flechten weisse Stoffbänder in seine Zweige, das erfüllt Wünsche und schützt vor dem Übel (versprechen die vor-muselmannischen Göttinnen). Ausserdem hängen sie ihn mit bunt angemalten Kalebassen und Boncuks voll, so dass er schöner als ein Weihnachtsbaum aussieht! Ja, es ist 1.Dezember, es ist warm, der Himmel von royalem Blau, nur der Lodos weht, als ob schon Frühling wär…

Ich erinnere mich, wie ich weiter nördlich von hier durch ein Meer von rosa und weiss blühendenTamarisken, nur ab und zu von Çingene-Wohnwagen und –Planen unterbrochen, fuhr. Neulich war der 100. Geburtstag von Django Reinhardt. Zur Erinnerung daran geben sie seine Musik auf “Mezzo”. Ich höre “Manoir de mes Rèves”, die mit Angelo Debarre ein Konzert geben. Einfach umwerfend!!! Bäume, denke ich, sind wie Menschen. Man sollte sie achten.


14:25 01.12.2010
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Türkei alle Tage

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