Sucu - der Wasserverkaeufer

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wir haben früher in Bodrum-Stadt gewohnt, auch darüber gibt es Lesenswertes. Heute, am letzten Fastentag des Ramazan, fange ich an, es einzustellen (und wie immer ist alles unveraendert, bis auf die Namen der Leute):

Eine kleine Glocke läutet. Es ist Sucu. Der Wasserverkäufer. Sucu!! ruft Dilek vor unserer Tür. Wir schauen vom ersten Stock auf die Strasse hinunter. Der Wasserlaster keucht die Strasse hinauf. Eine grosse Wasserflasche wird uns in die Küche gestellt. Unsere Küche ist unser Wohnzimmer. Der Computer steht neben dem Kühlschrank. Trinkwasser ist hier teuer als Milch. Ich trinke es wie Wein, wie Kostbares. Dilek hat unsere Badetücher feucht auf den Balkon gehängt. Zusammen mit dem Ventilator ist das unsere Klimaanlage. Heute bleiben wir zuhause. Die Sonne hat mich gestern zu sehr verbrannt. Wir waren bei ‘Tante Giritli’ und schwammen am Morgen in der kühlen See. Gegen Mittag frischt der Wind auf. Es ist Poyraz von Nordwest, die Freude der Windsurfer. Während sie über die Wellen klatschen sitzen wir an Tisch Nummer sieben im dichten Schatten von getrockneten Zweigen (welche sind es? Ich werd es herausfinden), wir planen,was morgen zu tun ist – es ist Bazartag -, wir spielen Karten. Dann schwimmen wir wieder, bis hinaus zur schönen Dilaynur, einem Zweimastsegler. Wie ich gelesen habe sind sie typisch für Bodrum. “Von den alten Tagen her war Bodrum berühmt als ein Zentrum der ägäischen und mediterranen Schiffbauer. Die schlanken Yachten, die ‘Gulet’ genannt werden, sind hier in der Gegend noch immer im Bau....”. Faruk bringt Salat, Gemüsehühnchen und Knoblauchjoghurt. Wir halten unsre erste Türkisch-Deutsch-Stunde ab. Dilek hat die Idee, wir könnten täglich etwas über uns in ihr winziges Tagebuch schreiben, sie in Türkisch, ich in Deutsch. Auf diese Weise werden wir erst in einiger Zeit verstehen, was der andere geschrieben hat. Ein lebendiges Buch. Oder siehst du vielleicht die Blüten einer Pflanze schon bei der Aussaat?

Ohjeh! Das dauert mit dem Schreiben. Ich muss mich erst an das türkische Keyboard gewöhnen....Währenddessen beginnt Dilek ihr erstes Bild am neuen Ort. Sie malt auf der Balkonbrüstung. Wir essen einige Glückwunsch-Pralinen. Morgen ist die Sicht vom Balkon dran.

Materialien:


Sucu= der Wasserverkäufer ä

Tüpçü= der Gasverkäufer

Yoğurtçu= der Joghurtverkäufer

Lotocu= der Lottomann

Karpuzcu = the watermelonman


İn der Ferne schliesst Kos oder besser İstanköy die Bucht ab, heute zum ersten Mal mit Haufenwolken, sonst mit markanten Bergen, unvermutet hoch, am Nachmittag mit Rauchzeichen, in der Nacht mit einer Lichterkette.

Unser gedeckter Balkon mit Brüstung und Arkade ist das eigentliche Wohnzimmer. Wir frühstücken da, ich schreibe. Sie malt oder bezieht Rahmen. Wir nehmen unser Dinner und beim Wein fällt die Dämmerung samten über den Archipel nieder.....


Geographie:

nächste Insel Iç Ada (innere Insel), nächstes Kap Haremten, dann

Karaada (schwarze Insel)

Kızıl Burun (scharlachrote "Nase" – so heißen die Kaps)

Küçük ada – kleine Insel

Tavşan Burun – Hasennase

Çoban Burun – Hirtenkap

P.S. Neulich fand ich, ich glaube, hier im Freitag, eine website, mit der man Schiffe lokalisieren kann. Ich gab "Dilaynur" ein: sie ist drüben in Kos!


07:48 08.09.2010
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Türkei alle Tage

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