Vorspeisen mit oder ohne Raki - so genießen Löwen

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Meze, so heißen türkische Vorspeisen. Manche Restaurants hier haben 30 oder gar 40 mezeler zu bieten, zumindest dann, wenn dort Rakı erlaubt ist. Rakı gibt es nachweislich seit rund 600 Jahren, vermutlich aber schon viel länger. War es nicht im 12. Jahrhundert, als in Ägypten ein gewisses Alkoholproblem grassierte, ein gewisses Zuviel an Wein und Arrak (das ist Rakı), woraufhin der Koran ums Alkoholverbot ergänzt wurde?

Wie auch immer. Rakı trat von hier aus seinen Siegeszug an, so kamen die Griechen zum Ouzo, die Franzosen zum Pastis, Spanier zum Absynth. Rakı trinkt man hier verdünnt mit Wasser, manche geben Eis dazu, Puristen lehnen das aber ab. Wasser macht den Rakı milchig trüb, warum er hier auch aslan sütü, Löwenmilch heißt. Löwe sein, das wollen viele. Als zu Atatürks Zeiten alle Bewohner der Türkei sich gefälligst mal einen Familiennamen ausdenken sollten, trafen Hunderttausende diese Wahl: Aslan (auch Arslan), also Löwe. Übrigens liebte auch Kemal Atatürk Löwenmilch, ein heikles Thema hier, denn er soll daran gestorben sein, Zirrhose.

Meze, das ist nicht nur Vorspeise. So heißt auch ein wunderbares Gelage.

Stellen sie sich vor, ein Tisch auf einem Holzsteg, übers Meer gebaut, die Ägäis. Sonnenuntergang, eine Brise, fast 30 Grad. Der Tisch beladen mit Vorspeisen, Trauben, Melonen, Kirschen, also Früchte nach Jahreszeit, drumherum froh schauende Menschen, in der Mitte eine Flasche Rakı.

So beginnt eine wunderschöne Nacht, immer wieder werden Vorspeisen nachgereicht, Rakı, Wasser, Eis sowieso. Schwelgen, plaudern, lachen und Sie mittendrin. Essen, trinken, essen, Meze um Meze, trinkden.

Tja, auch eine Meze-Nacht geht irgendwann zu Ende, doch keiner geht nach Hause. Gemeinsam geht es zur 24-Stunden-Suppenküche, das muss sein. Kuttelsuppe als Finale, oder Suppe aus roten Linsen, die kennen Sie ja schon.

Hier nur einige typische Vorspeisen.

Grüne Bohnen mit Olivenöl

Zutaten:

500 g grüne Bohnen, Bohnenkraut oder Rosmarin oder Thymian oder von allem, 10 Knoblauchzehen, 5 EL Olivenöl, Salz, 1 Prise Zucker, schwarzer Pfeffer. Saft einer viertel Zitrone.

Zubereitung:

Bohnen putzen und in etwa sechs Zentimeter lange Stücke schneiden. In einem flachen Topf eine Tasse Wasser aufkochen, Kräuter hinein geben, dann die Bohnen. Deckel drauf und fünf bis zehn Minuten (je nach Dicke und Art der Bohnen) köcheln. Deckel abnehmen, den in Scheiben geschnittenen Knoblauch und das Olivenöl dazu geben, ebenso Zucker und Salz. Ohne Deckel weiter garen, bis die Bohnen gar sind. Bissprobe. Einige Spritzer Zitronensaft hinzu geben. Dann üppig pfeffern, am besten frisch gemahlen.

Passt sehr gut als Vorspeise oder als Beilage zu Fisch und Fleisch, reicht dann für vier Personen. Oder mit Brot als Hauptmahlzeit für zwei Personen. Schmeckt heiß, lau und kalt.

Haydari – Joghurt-Käse-Creme mit Dill

Zutaten:

500 g türkischer Joghurt (10 Prozent Fett), 200 g weißer Käse (Beyaz Peynir), 4 EL fein gewiegter Dill, 2 Blättchen frische Minze, Salz, schwarzer Pfeffer, 4 Knoblauchzehen fein geschnitten oder durchgepresst), 2 EL Olivenöl.

Zubereitung:

Den Käse in einer Schüssel mit einer Gabel zubröckeln, die restlichen Zutaten dazu geben, mit dem Schneebesen verrühren, fertig. Schmeckt auch ohne den Käse lecker.

Çerkez Tavuğu: Tscherkessenhuhn

Zutaten:

300 g Hähnchenbrustfilet, 1 Tasse Wasser. Außerdem: 50 g Walnusskerne, 1 entrindete Scheibe Weißbrot, 2 Knoblauchzehen, schwarzer Pfeffer, Salz, Paprikapulver, 2 EL Öl.

Zubereitung:

Das Fleisch ins kochende Wasser geben und ca. 20 Minuten bei milder Hitze garen, danach in feine Würfel schneiden und beiseite stellen.

Das Weißbrot ebenfalls würfeln, zusammen mit den Walnusskernen und dem Knoblauch auf einem Brett per scharfem Messer ziemlich fein zerkleinern. Dieses Gekrümel in die verbliebene Hühnerbrühe geben, mit Salz, Pfeffer würzen. Alles über das Hühnerfleisch geben. Ich mische voher noch einige Löffel fetten Joghurt unter.

Tscherkessenhuhn wird kalt gegessen. Vor dem Anrichten mit Paprika-Öl verzieren. Dafür wird Öl in einer Pfanne erhitzt, das Paprikapulver hinein gerührt. Statt Öl geht's auch gut mit Butter.


Zu all diesen Vorspeisen passt warmes Fladenbrot (Pide).


Rakı - sprich Rake

Meze - sprich Mäzä

03:08 24.09.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Türkei alle Tage

Land und Leute, Politik, Leben, Alltag, Küche in der Türkei und ihren Provinzen
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare